Parks in Berlin

Natur-Park Südgelände: Vom Güterbahnhof zum Naturschutzgebiet

Sogar Gottesanbeterinnen gibt es hier, ebenso wie Eulen und 95 Wildbienenarten: der Natur-Park Südgelände in Schöneberg ist zu großen Teilen Landschafts- und Naturschutzgebiet. Und: Wo sonst große Schilder das Betreten solch artenreicher Gebiete strikt verbieten, ist hier das Spazieren ausdrücklich erwünscht – auf Stahlgittern, damit niemand Vogelnester, Spinnennetze, Wildrosen und das Gefleckte Habichtskraut zerstört. Und für Eisenbahnromatiker steht im Park eine 100 Jahre alte Dampflok.

Natur-Park Südgelände Wasserturm Kunstgruppe ODIOUS
Im Natur-Park Südgelände vereinen sich Kunstwerke aus Stahl mit Industrie-Relikten und unberührter Natur. Foto: Imago/Schöning

Hunde, Grillen, Lage: Was man über den Natur-Park Südgelände wissen muss

Geschichte: Auf dem Gelände des 1889 fertiggestellten Rangierbahnhofs Tempelhof eroberte sich die Natur Stück für Stück ihr Reich zurück. Nachdem 1952 dort der Bahnbetrieb eingestellt wurde, entstanden aus der öden Landschaft wertvolle Trockenrasen, Hochstaudenflure und ein urwüchsiger Wald auf 18 Hektar – zwischen und auf den Bahngleisen. In den 1970er Jahren setzte der Mensch zum letzten Versuch an, Einfluss zu nehmen und den Güterbahnhof zu reaktivieren, doch da hatten Naturschützer*innen die erstaunliche Artenvielfalt schon erkannt und sich für deren Erhalt eingesetzt.

Vieles erinnert an die einstige Ära – die Dampflokomotive der Baureihe 50 und der 50 Meter in die Luft ragende stählerne Wasserturm, eine der ältesten Drehscheiben Deutschlands und die vielen Weichen am Wegesrand. Einiges erfreut sich neuer Funktion wie die Brückenmeisterei, die im Erdgeschoss auf Kaffee und Quiche einlädt. Doch noch mehr entstand seit dem Jahr 2000 aus dem Areal heraus.

Die Künstler*innengruppe ODIOUS hat Stahlkunstwerke in die Landschaft gestellt. Die Shakespeare Company Berlin lädt zum Freilufttheater. Und die Truppe „Fräulein Brehms Tierleben“ schreibt und spielt Kinder-Stücke über bedrohte Tierarten. Das gibt es weltweit nur hier.

Natur-Park Südgelände Graffiti Kunst
Du willst selbst Kunst erschaffen? Im Natur-Park Südgelände kannst du sprayen, ohne dass die Bullen kommen. Foto: Imago/Schöning

Besonderheiten:  Nicht nur auf den vorgeschriebenen Rundwegen durch den Natur-Park Südgelände wird bewusst, dass der Mensch in diesem Ökosystem nicht die erste Geige spielt. Einige Teile der Stecke sind von hervorsprießenden Bäumen gezeichnet.   

Fun Fact: Mit dem Güterverkehr erreichten vor der Stilllegung viele fremdländische Arten des Areal. Quasi als blinde Passagiere. Die in Südfrankreich beheimatete Höhlenspinne „Nesticus eremita“ hat so im Natur-Park Südgelände eine neue Heimat gefunden.

Grillen: Grillen ist im Park, der zu großen Teilen aus Landschafts- und Naturschutzgebiet besteht, verboten.

Öffnungszeiten: Der Park steht für einen Obolus von 1€ am Tor täglich ab 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit für seine Besucher*innen offen. Durch das Tor wiederum kann man den Park von November bis Februar bis 16 Uhr, im März bis 18 Uhr, im April bis 20 Uhr, von Mai bis August bis 21 Uhr, im September bis 20 Uhr und im Oktober bis 21 Uhr betreten. 

Barrierefreiheit: Neben dem barrierefreien Eingang in den Naturpark am S-Bahnhof Priesterweg und den nur rostig scheinenden WC-Anlagen wurden auch die Rundwege, der kleine von einem Kilometer Länge sowie der große mit 2,7 Kilometern, barrierefrei gestaltet. Doch sind nicht alle Wegabschnitte durch den Park mit dem Rollstuhl befahrbar.

Besuch mit Fahrrad und Hund: Hunde sowie die Mitnahme von Fahrrädern sind im Naturpark untersagt.

Wie komme ich zum Park: Über drei Eingänge kann ein Spaziergang im Naturpark begonnen werde: über den Hauptzugang direkt am S-Bahnhof Priesterweg, über eine Fußgängerbrücke hoch über den S-Bahngleisen vom Südkreuz aus sowie über eine Treppe am Prellerweg zwischen den Bahnbrücken.

S-Bahn:

  • S2, S25: Priesterweg
  • S2, S25, S26, S41, S42, S45, S46: Südkreuz

Buslinien:

  • 170, X76, M76, 246: Priesterweg
  • 170, M76, 246: Röblingstraße/Arnulfstraße
  • M46, 106, 184, 204, 248: Südkreuz

Neben dem Natur-Park Südgelände gibt es in Berlin noch viele andere tolle Parks – diese 30 empfehlen wir besonders. Mehr Lust auf Wasser? In diesen Berliner Badeseen erfrischt ihr euch umsonst. Und falls ihr mit dem Rad anreisen wollte, aber gar keines habt – so kommt ihr in Berlin schnell an Leihräder.

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