Corona

Restaurants schließen wegen Corona: Ein Nachruf auf das Palsta

Es ist so weit: Die ersten Berliner Restaurants ziehen die Konsequenzen aus der Corona-Krise und geben auf. Manchmal still und leise, manche aber auch mit Ansage. Wie das von uns so geschätzte Palsta in Neukölln. Gestern verkündete die Besitzerin über Instagram, dass das Restaurant seine Pforten schließt. Ein Nachruf.

Gedeckter Tisch im Palsta. Das Neuköllner Restaurant schließt.
New Nordic und irgendwie auch New Berlin: Das Palsta schließt. Foto: Becca Crawford

War ja klar, dass wir diesen Text irgendwann zum ersten Mal schreiben werden müssen. Und dennoch war da die Hoffnung, der Trotz vielleicht, dass das doch irgendwie gut geht. Dass keines der von uns lieb gewonnenen Lokale diesen Virus bekommt. Dass alle irgendwie weitermachen und dass wir in diesem Frühling, der in diesem Jahr halt im Sommer sein wird, wieder auf der Terrasse sitzen.

In der Oderstraße am Tempelhofer Feld zum Beispiel. Im Palsta. Mit einem Glas Naturwein in der Hand. Und zwei weiteren bereits im Herzen.

Restaurants schließen: Adieu, Palsta

Das Palsta aber hat nun Adieu gesagt. Näkemiin heißt das auf finnisch. Weil Gastgeberin Vivii Haussila-Seppo eben aus Finnland kommt. Und das Palsta auf finnisch Datsche heißt und Vivii ihren Koch Filip Sondergard eben in einer solchen gefunden hat, ist nur eine der schönen Geschichten, die uns dieses Weinbarrestaurant erzählt.

Für die unser Sonderheft Berlin Food hatten wir Ihn einmal genau dort fotografiert: in seinem Gartengrundstück an der Bornholmer Straße, von wo er auch die Tomaten mit ins Palsta gebracht hatte.

Naturweinregal im Palsta, das Restaurant am Tempelhofer Feld schließt.
Auch das gutgefüllte Naturweinregal im Palsta werden wir vermissen. Foto: Becca Crawford

Zwischen Kulinarik und Berliner Projektkultur: Palsta

Das Palsta war in gewissen Sinne auf einer Schnittstelle gebaut. Es erzählt vom Auftstieg des Kulinarischen und trug doch noch sympathische Züge des alten Projekteberlins. Immer wieder wurde die Küche befreundeten Köch*innen überlassen.

Einmal war ein finnischer Koch dort, der alle Zutaten für sein Menü in den Wäldern gesammelt hatte, Selbermachen, Andersmachen, Fehlermachen, Weitermachen. Nicht mehr Weitermachen. Schon der Winter sei hart gewesen, sagt Vivii Haussila-Seppo jetzt. Gastronomie ist eben auch ein Schönwettergeschäft. Wir leben in stürmischen Zeiten.

Uns bleibt Danke zu sagen für einen Ort, der gerade deshalb so köstlich war, weil er noch nicht bis in Letzte durchdacht und auserzählt war. Und es bleibt die Sorge, dass die Nischen für solche Orte nun noch einmal kleiner geworden sind. Wir hoffen aber, dass diese Stadt weiterhin hungrig ist und dass ihr alle da draußen alsbald wieder in Eure Lieblingslokale rennt und einen kräftigen Schluck auf das Palsta nehmt. Und auf uns und auf euch.

https://www.instagram.com/p/B_zVQWoqg_i/

Das Palsta ist vielleicht nicht das einzige Restaurant, dass dieser Tage schließen wird, denn dieser Kampf ohne Perspektive könnte Berlin verändern. Aber nicht nur Restaurants sind gefährdet: Corona bedroht die Kneipe in Berlin akut. Wie könnte die Zukunft der Berliner Gastronomie aussehen? „Traditionelle Statussymbole haben sich überlebt.“

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