Ausflugslokal

Restaurant Ei im Eierhäuschen: Rückkehr einer Legende

Das Restaurant Ei belebt eines der legendärsten Berliner Ausflugslokale wieder. Im mehr als 100 Jahre alten Eierhäuschen an der Spree trifft uneitle Herzlichkeit auf die zeitgenössische Rückkehr der Wirtshausküche. Unser Food-Redakteur Clemens Niedenthal ist begeistert.

Jessica Joyce-Sidon (h.) und ihr Küchenteam Alexandra Strödel und Felix Schlink. Foto: Marina Hoppmann

Ei im Eierhäuschen: Die Wiederentdeckung des Ausflugslokals

Wie passt das zusammen: Eine Küchenchefin, Alexandra Strödel, die ihr Handwerk und ihre Haltung in der durchaus konzeptionellen Regionalküche des Nobelhart & Schmutzig entwickelt hat und nun die Küche einer backsteinhübschen Ausflugsikone aus dem 19. Jahrhundert organisiert? Oder eine Treptower Nachbarschaft, die dem Bratwurstduft der späten DDR-Jahre  noch immer sentimental hinterherschnuppert, und eine Wirtin, Jessica-Joyce Sidon, die über die Kunst und die Mode zur Gastronomie gekommen war und zuletzt mit dem Baldon im Weddinger Lobe-Block für ein nicht zuletzt auch ästhetisch radikal zeitgenössisches Restaurant stand?

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Um es kurz zu machen: Es fügt sich aufs Beste. Was auch daran liegt, dass sich unsere Gegenwart, zumal in kulinarischen Dingen, mal wieder sehnsüchtig ins Gestern dehnt. Die Rückkehr der Wirtshausküche, als prominentestes Beispiel wäre das Trio in der Linienstraße zu nennen, erzählt davon.  Wir schmecken uns zurück, wir erinnern Aromen. 

Chicoree mit geriebenem Mimolette-Käse, Hirschrücken mit Rotkrautsalat im Ei. Foto: Marina Hoppmann

Restaurant Ei im Eierhäuschen: Wirtshausküche trifft auf Produktküche

Die Kohlroulade etwa, als vegetarischer Hauptgang ein stiller Star auf der ersten Abendkarte des schlicht Ei getauften durchaus luftigen Restaurants im Eierhäuschen, funktioniert als traditionelles Wirtshausgericht – und gleichzeitig als saisonal-regionale Produktküche, wie sie auch in einer Neuköllner Weinbar serviert werden könnte. Nur dass die Portion dort kleiner wäre. Oder der Hirschrücken mit dem Rotkohlsalat: Klare Aromen, zitierte Küchenklassiker und eine herausragende Produktqualität, die Alexandra Strödel und Felix Schlink beinahe uneitel herausarbeiten.

Das mehr als 100 Jahre alte Ausflugslokal Eierhäuschen im Plänterwald hat nach vierjähriger Sanierung wieder geöffnet. Foto: Landesdenkmalamt Berlin / Anne Herdin

Klar, wird auch im Ei fermentiert, verbrannt und mit Garum und Dashis gearbeitet, der Zwang zur permanenten Geschmacksexplosion aber ist den beiden fremd. „Ich möchte wieder eine Küche, die etwas Ruhiges hat, auch etwas Alltägliches“, hatte Jessica-Joyce Simon noch im Interview für unsere tipBerlin Speisekarte erzählt.

Das traditionsreiche Gebäude ist ein Highlight für sich

Abends gibt es alle Teller à la carte. Oder, für 65 bis 100 Euro, als vier- bis achtgängiges Menü. Tagsüber gibt es gegrilltes Sauerteigbrot mit geschmolzenem Deichkäse, Pilzrahm mit Brezenknödel (17 Euro) und Sauerteigpasta mit Gänseragù (19 Euro), dazu hausgebackene Tartes und Kuchen sowie den besten Kaffee entlang der Spree. Der große, traumschöne Gastraum mit dem zentralen Marmortresen funktioniert sowieso zu jeder Tageszeit. Gelungen ist das Konzept, das historische Ausflugslokal von 1890 denkmalgerecht zu restaurieren, aber nicht zu rekonstruieren. Wo das Alte fehlt, wurde mit neuen Materialien gearbeitet. Auch das gemütliche Interieur, rundlaufende Bänke und Lampen von Werner Panton, das ist stilsicher modern.

Das Ambiente des traditionsreichen Eierhäuschens ist ein Highlight für sich. Foto: Marina Hoppmann

Ab Ostern ist parallel zum Restaurant auch wieder der Biergarten geöffnet. Ebenfalls im Frühjahr beginnt im Eierhäuschen der Ausstellungsbetrieb: Der überwiegende Teil des Gebäudes fungiert künftig als Spreepark Artspace.

  • Restaurant Ei im Eierhäuschen, Kiehnwerderallee 2, Treptow, Mi–So 10–17 Uhr, Fr+Sa 18–24 Uhr, ab Mai verlängerte Sommeröffnungszeiten, online

Bei unserem nächsten Weinmahleins am 28. Februar genießt ihr ein 5-Gang-Menü im neu eröffneten Restaurant Ei im Eierhäuschen. Wie ihr dabei sein könnt, erfahrt ihr hier.


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Der Food-Guide für die Hauptstadt: Bestellt hier die tipBerlin Speisekarte.

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