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Tim Raue übernimmt das Restaurant Sphere im Fernsehturm

Tim Raue übernimmt ab Frühjahr 2025 das Restaurant Sphere im Berliner Fernsehturm. Erwarten uns dann Königsberger Klopse im „Telespargel“? Dass der Fernsehkoch in gut einem Jahr dieses Wahrzeichen bespielen wird, ist eine gute Geschichte – und darauf versteht sich Raue ohnehin.

Tim Raue übernimmt The Sphere im Fernsehturm: Im Frühjahr 2025 geht’s los. Foto: Berliner Fernsehturm

Dass Königsberger Klopse cool sind, hat viel mit Tim Raue zu tun

Wie wird man also zum Fernsehkoch? Am einfachsten vielleicht, indem man in einem Fernsehturm kochgt. Und das passt besonders gut zu einem, der – vom Bordstein zur Skyline – sowieso schon immer hoch hinaus wollte. Für Tim Raue, den Kreuzberger Jungen, war die eigene Aufstiegsbiografie ja immer auch in Marketingtool. Die von ihm stets zeitgeistig interpretierte Berliner Küche war es auch. Berlin hat davon oft profitiert.

An das damals, vor gut zehn Jahren, so ungeheuer coole Soup Populaire in der ehemaligen Bötzow-Brauerei an der Prenzlauer Allee sei etwa erinnert. „Ich sitze da und esse Klops“ – dass Königsberger Klopse wieder cool geworden sind – gerade serviert etwa das Nobelhart & Schmutzig herausragend gute Königsberger Klopse – hat viel mit Tim Raue und dem Soup Populaire zu tun. Und mit der Sehnsucht Berlins nach einer kulinarischen Identität – einer Stadt, die ja immer ein schwieriger Esser war. Kartoffeln, dünne Suppen, eine Boulette im Vorüberhasten in Aichingers Stehbierhalle.

Da kommen die Klopse aus Königsberg gerade recht. Tim Raue serviert sie ja auch in seinem mit zwei Michelin-Sternen prämierten Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße – in seinem zurecht gefeierten, seit dem vergangenen Herbst servierten Berliner Menü.

Nur ist Fine Dining eben ein exklusives Vergnügen. Das gilt heute noch einmal mehr als, sagen wir, vor 2020. Und gewiss mag es deshalb auch gut für die Marke Tim Raue sein, wenn schon nicht günstig, so doch erschwinglich an einem derart prominenten Ort zu kochen.

Tim Raue im Fernsehturm: Gut für die Marke Berlin

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Vor allem aber ist es gut für die Marke Berlin, dass dieses ikonische Wahrzeichen der Stadt nun eine ebensolche Küche bekommt. Direkt unter dem Fernsehturm steht ja das Rote Rathaus, in dem die Regierenden dieser Stadt, abgesehen von Klaus Wowereit vielleicht, noch immer ihre Liebe zur Currywurst betont haben.

Gutes Essen war Berlin lange verdächtig. Auch da taugt Tim Raue zur Integrationsfigur. Tim Raue ist einer, den man mit dem Kebap in der Hand genauso kennt wie mit dem Kaviarlöffel.

Die Kuppel des Fernsehturms. Hier kocht bald Tim Raue. Foto: Imago/Hohlfeld

Tim Raue übernimmt das Restaurant Sphere: Keine abgehobene Berliner Küche

Wie wird man also zu einem Fernsehkoch? Indem man, in Zeiten wie diesen, eben auch gute Geschichten erzählt. Dass der Fernsehkoch Tim Raue in gut einem Jahr das Restaurant Sphere im Berliner Fernsehturm bespielen wird, mit einer upgedateten, nicht aber abgehobenen Berliner Küche, ist so eine gute Geschichte. Er kommt rechtzeitig zur Spargelsaison, die dem 1969 eingeweihten Denkmal der Architektursprache der Ostmoderne ja schon einmal einen Spitznamen eingebracht hatte: „Telespargel“. Aber sieht dieser noch immer so futuristisch im Berliner Sonnenuntergang glitzernde Kugel nicht auch aus … wie ein Königsberger Klops?


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