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Tag des offenen Denkmals 2023: 12 Highlights von Hallenbad bis ICC

Text: Max Stolz
Veröffentlicht am: 08.09.2023
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Der Tag des offenen Denkmals findet am Wochenende vom 9. und 10. September 2023 zum 30. Mal statt. Das Ziel ist die Würdigung des baukulturellen Erbes, das es in allen Bezirken Berlins zu entdecken gibt. Unser Autor hat den aktuellen Katalog gesichtet: Er empfiehlt euch vor allem Berliner Orte und Bauwerke, die sonst selten, schwer oder überhaupt nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind.


Tag des offenen Denkmals: Besuch auf Scharfenberg

Normalerweise nicht zugänglich, zum Tag des offenen Denkmals aber schon: die Insel Scharfenberg im Tegeler See. Foto: Imago/Joko

Die zwölf Meter hohe Düne an der Nordspitze einer Insel im Tegeler See wurde unter den Fischersleute lange als „Scharffer Berg“ bezeichnet. Hiervon leitete sich der Name Scharfenberg ab. Das Eiland war einst im Besitz der Familie von Humboldt, später residierte hier der Botaniker Carl August Bolle. Bekannt ist Scharfenberg heute vor allem für seine Schule. Die Schulfarm feierte im vergangenen Jahr ihren 100. Geburtstag. Täglich werden Hunderte Schüler:innen vom Fährmann vom Festland aus übergesetzt.

Es gibt aber auch einige, die dort dauerhaft wohnen. Im Internat. Es gibt sicher schlechtere Adressen in Berlin. Klar, das WLAN ist schlecht. Dafür können die Kids am eigenen Strand abhängen, Sport treiben und sogar reiten. Wer abends die letzte Fähre verpasst, muss rudern – und sieht nicht selten dabei ein Wildschwein neben sich schwimmen. Normalerweise ist die Schule für neugierige Besucher:innen geschlossen. Nicht so am Tag des offenen Denkmals. Für Architekturfans besonders spannend sind unter anderem Fähr- und Kunsthaus von Richard Ermisch, erschaffen im Stil der Neuen Sachlichkeit.


Kapitalismus statt Kommunismus: Besuch der privaten Eliteuni im sozialistischen Staatsratsgebäude

Nein, von diesem Balkon des ehemaligen Stadtschlosses rief Karl Liebknecht nicht die „sozialistische Republik“ aus. Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Das Portal des Stadtschlosses, von dem Karl Liebknecht 1918 die „sozialistische Republik“ ausrief, wurde bei einer vermeintlich kontrollierten Sprengung zerstört. Um dennoch eine Art historische Legitimation des Staatsrates der DDR nachzuzeichnen, setzte man stattdessen das Portal IV in das neue Zentrum der Macht ein. Weitere architektonische Highlights in Berlin von Poelzig bis Chipperfield findet ihr hier. Bis zur Wiedervereinigung arbeiteten im Staatsratsgebäude Walter Ulbricht, Erich Honecker und Egon Krenz. Heute hat sich eine private Wirtschaftshochschule eingemietet. Horrende Studiengebühren da, wo eigentlich einmal der Kommunismus verteidigt wurde. Eine merkwürdige Wendung der Geschichte.


Spaziergang durch die Mies-van-der-Rohe-Siedlung im Wedding anlässlich des Tags des offenen Denkmals

Mies van der Rohes kubisches Häuserensemble zeichnet eine klare Formensprache aus. Foto: Imago/Günter Schneider

Er zählt zu den bekanntesten Architekten der Moderne. Mies van der Rohes Leitspruch: „Das Einfache nicht mit dem Simplen verwechseln“. In Berlin schuf er die Neue Nationalgalerie. Er konzipierte aber auch eine Wohnanlage im Wedding, entlang der Afrikanischen Straße. Über die war lange Zeit wenig bekannt. Ein Forschungsprojekt versucht, die Entstehungsgeschichte zu rekonstruieren. Am Tag des offenen Denkmals informiert Jörg Preisendörfer unter dem Motto „Hart an der Grenze“ über die neuesten Forschungsergebnisse und führt anschließend durch die Mies-van-der-Rohe- und die sich hieran anschließende Siedlung Jungfernheide. Am Sonntag findet nur die Führung statt.


„Tag des offenen Raumschiffes“: Einblicke ins ICC

Eine Augenweide für Freund:innen futuristischer Architektur: das Internationales Congress Centrum. Foto: Imago/Joko

Ein gigantisches Gewächshaus, Wohnhäuser oder ein Museum: Das sind einige der Pläne, mit denen das raumschiffartige Internationale Congress Centrum (ICC) aus dem mittlerweile siebenjährigen Schlaf geweckt werden sollte. Doch bis auf eine temporäre Nutzung als provisorische Flüchtlingsunterkunft hatte sich in der Hightech-Architektur-Ikone von 1979 bislang nichts getan. Zuletzt hatten die Berliner Festspiele zu ihrem 70. Geburtstag den rostenden, retro-futuristischen Riesen am Messedamm wachgeküsst mit dem Festival „The Sun Machine Is Coming Down“. Weitere Zwischennutzungen für das denkmalgeschützte, von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte entworfenen Gebäude sind vorerst nicht geplant. Nun gibt es im Rahmen des Tags des offenen Denkmals für 48 Stunden die Möglichkeit, hinter die Kulissen des Raumschiffes zu schauen. Mehr über West-Berliner Architektur zur Zeit der Teilung lest ihr hier.


Wie ein Palazzo: Die italienische Botschaft aus der Zeit des Faschismus

Ein Gebäude aus der Zeit des „Dritten Reichs“: die italienische Botschaft in Berlin öffnet sich anlässlich des Tags des offenen Denkmals. Foto: Imago/Schöning

Die Geschichte der italienischen und der japanischen Botschaften in Berlin ähneln sich. Kein Wunder, gehörten beide Länder während des Dritten Reichs zu den sogenannten Achsenmächten. Errichtet wurde der gewaltige Bau in den Jahren 1939-1941 von dem Architekten Friedrich Hetzelt, der auch Hermann Görings berühmten Landsitz Carinhall baute. Hetzelt orientierte sich am Neoklassizismus und ließ die Fassade mit italienischem Kalkstein verkleiden. So wie die japanische Botschaft wurde auch die italienische Botschaft im Krieg stark beschädigt, stand später lange leer und wurde erst nach der Wiedervereinigung saniert. An dieser Stelle stellen wir euch weitere besondere Botschaftsgebäude in Berlin vor.


Tag des offenen Denkmals: Führung über Europas größten jüdischen Friedhof in Weißensee

Durch dieses Portal kommt man auf den größten jüdischen Friedhof Europas. Foto: Imago/Schöning
Durch dieses Portal kommt man auf den größten jüdischen Friedhof Europas. Foto: Imago/Schöning

Ein jüdischer Friedhof gilt als „bet olam“, als „Haus der Ewigkeit“. Anders als auf christlichen oder weltlichen Anlagen kennt man kein „Ablaufdatum“, nach dem ein Grab eingeebnet wird. In Berlin existieren vier jüdische Friedhöfe. Der wohl bedeutendste befindet sich in Weißensee. Es handelt sich um den größten jüdischen Friedhof in Europa. Berlin hat überhaupt eine lange jüdische Tradition, hier stellen wir die wichtigsten Orte der Vergangenheit und Gegenwart vor. Am Sonntag lädt Dr. Monika Wittig zu einem Spaziergang unter dem Motto „Bewunderswerte Restaurierungen fallen nicht gleich ins Auge“ ein.


530 Wohnungen im Corbusierhaus – und eine kann man besichtigen

Das Corbusierhaus in Westend sollte eigentlich im Hansaviertel stehen. Mitten in West-Berlin war jedoch kein Platz für das Architektur-Wagnis. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Das Corbusierhaus, auch „Wohnmaschine“ genannt, ist geliebt oder gehasst, mittelmäßig findet den Bau niemand. Der französische Stararchitekt Le Corbusier entwarf das Gebäude als Typenbau unter dem Namen „Unité d’Habitation, type Berlin“ ursprünglich für die Bauausstellung „Interbau 1957“. Im Hansaviertel, das wir euch hier zeigen, war jedoch kein Platz für ein Hochhaus dieser Größenordnung, also wurde es stattdessen in Westend errichtet.

Ein ähnliches Gebäude befindet sich auch in Marseille, die Berliner Variante weicht allerdings von den Plänen des Baumeisters ab. Er wollte sein „Modulor“-Proportionsschema verwirklicht sehen, das sich mit den Standards des sozialen Wohnungsbaus in Deutschland nicht vereinbaren ließ. 1957 distanzierte er sich vom ausgeführten Bau, der jedoch nach wie vor seinen Namen trägt. Bloß die Adresse des Hochhauses mit 530 Wohnungen hat sich geändert: Seit 1997 heißt die Reichssportfeldstraße Flatowallee.

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals kann die historische Wohnung besichtigt werden, in der sich auch die Ausstellung „Lauter Plastik“ findet.


Die älteste Moschee Deutschlands wurde kürzlich saniert

In der Brienner Straße befindet sich die Wilmersdorfer Moschee. Foto: Imago/Schöning

Die Wilmersdorfer Moschee ist die älteste Moschee Deutschlands. Mehr über Glaubensorte und heilige Häuser in Berlin erfahrt ihr hier. Sie wurde zwischen 1924 und 1928 auf dem Eckgrundstück Brienner und Berliner Straße nach Plänen des Berliner Architekten Karl August Herrmann erbaut. Die Moschee ist dem persisch-indischen Stil des Taj Mahal nachempfunden. Sie hat zwei abgesetzte Minarette, die 32 Meter hoch sind, sowie eine 26 Meter hohe Kuppel. Der Versammlungsraum fasst rund 400 Menschen. Die Moschee wurde im Vorfeld des 100. Geburtstages im kommenden Jahr saniert und erstrahlt nun in altem Glanz.


Das Premierenkino der DDR: Hinter den Kulissen des International

Das Kino International entstand den 1960er-Jahren. Das Gebäude entstand nach den Bauten im „Zuckerbäckerstil“ und wirkt deutlich moderner. Foto: Imago/Val Thoermer

Wer die DDR nicht miterlebt hat oder während ihres Bestehens nicht dort war, kann im Kino International einen Geschmack davon bekommen, wie repräsentative Gebäude des sozialistischen Staats von innen aussahen. Bis 1990 diente es der DDR als Premierenkino. Aus großen Panoramafenster blickt man im ersten Stock auf die Karl-Marx-Allee, die holzvertäfelten Wände im Rücken und mächtige Kronleuchter über dem Kopf. Der Bau steht im Kontrast zu den Gebäuden auf zum ersten Bauabschnitt auf der Karl-Marx-Allee: Er ist funktional und flankiert von Plattenbauten, Geschäften und Restaurants. Montags ist „Mongay“ mit queeren Filmen, toll ist immer auch das große Filmplakat im Gemäldestil an der Außenfassade zu einem aktuell sehenswerten Film. Am Tag des offenen Denkmals führt Knut Steenwerth durch den „geschichtsträchtigen Premierenpalast“. Mehr über DDR-Architektur in Berlin lest ihr hier.


Ehemaliger Lost Place: Das Hubertusbad in Lichtenberg

Die Schwimmhalle mit der 25-Meter-Bahn im Stadtbad Lichtenberg, auch Hubertusbad genannt, in Berlin Lichtenberg. Foto: Imago/Hohlfeld
Die Schwimmhalle mit der 25-Meter-Bahn im Stadtbad Lichtenberg, das auch Hubertusbad genannt wird. Foto: Imago/Hohlfeld

Das Lichtenberger Stadtbad eröffnete 1928 mit zwei Schwimmbecken, medizinischen Bädern, einer russisch-römische Abteilung als Saunabereich mit Warm- und Heißluftraum, Massagekabinen, der Wannen- und Brauseabteilung, Gymnastiksaal und Sonnenterrasse. Kurz gesagt, ein Prachtbau! Im Jahr 1991 wurde das Bad wegen Baumängeln geschlossen. Aus dem Haus wurden mehrere Tonnen Bauschutt entfernt sowie Elektroanschlüsse und Sanitäranlagen wieder hergerichtet. Über das Becken der ehemaligen Frauenschwimmhalle wurde ein Holzboden gezogen. Mittlerweile ist es leichter, sich zumindest teilweise einen Einblick zu verschaffen: Die Lichtenberger Anlaufstelle für Bürgerbeteiligung ist ins historische Bauwerk eingezogen, die sich als Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und den Bürgern versteht.


Durch einen verschlossenen Fußgängertunnel des Nordbahnhofs

Zwischen 1963 und 1989 war der Nord- ein Geisterbahnhof. Foto: Max Müller

Der Nordbahnhof war früher ein großer Kopfbahnhof. Heute ist von diesem nicht viel übergeblieben. Allein die S-Bahn verkehrt hier noch unterirdisch. Wieder. Muss man sagen. Denn nach 1963 war der Bahnhof gesperrt. Als Geisterbahnhof wurde dieser zwar durchfahren, aber einen Halt legten die Züge nicht ein. Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals wird nicht nur der öffentliche Teil besucht, sondern auch der verschlossene. Die Teilnehmer:innen haben die exklusive Möglichkeit, einen seit 1952 verschlossenen Fußgängertunnel zu besichtigen.


Gutshaus Hohenschönhausen: Wiedereröffnung 2024

Das Gutshaus Hohenschönhausen wird 2024 fertig saniert sein. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Hohenschönhausen ist für seine Plattenbauten bekannt. Dass es dort auch ein Gutshaus gibt, das im Volksmund auch Schloss genannt wird, ist eher unbekannt. Leider war das Kleinod in den vergangenen Jahren in einem bemitleidenswerten Zustand. Die Sanierung stieß im Jahr 1998 der Förderverein Schloss Hohenschönhausen an. Seit 2021 ist das Haus im Besitz der Wohnungsbaugenossenschaft „Neues Berlin“, die die Sanierung im kommenden Jahr abgeschlossen haben will. Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals informiert „Neues Berlin“ über den aktuellen Stand und schaut gemeinsam in die Zukunft, der Förderverein Schloß Hohenschönhausen erinnert an die Geschichte des Hauses.


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Tag des offenen Denkmals: App gibt Einblicke ins Architekturerbe

Der Tag des offenen Denkmals wird bundesweit begangen, und es ist gar nicht so leicht, die Übersicht zu behalten. Das Aktionswochenende verfügt über eine eigene App, mit der sich Orte in der Nähe und besondere Veranstaltungen finden lassen. Eine Erinnerungsfunktion beispielsweise für Führungen steht genauso zur Verfügung wie ein Routenplaner, Filtermöglichkeiten nach verschiedenen Kategorien und eine Kartenansicht. Die App ist kostenlos verfügbar, mehr Infos findet ihr hier.

Im Jahr geirrt? Für den Tag des offenen Denkmals 2024 in Berlin haben wir hier Tipps für euch.


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Seltene Einblicke: 12 Highlights zum Tag des offenen Denkmals 2025. Unsere Architektur-Rubrik für Berlin zeigt euch, wie vielfältig die Bauten der Stadt sind. Verwaiste Räume, zersplitterte Fenster und verfallene Fassaden – Lost Places tragen einen unverwechselbaren Reiz in sich. Wir stellen die wichtigsten Adressen vor. Wer in Brandenburg unterwegs ist, stößt immer wieder auf Speicher und Silos. Die meisten von diesen dienen heute nicht mehr ihrem eigentlichen Zweck. Am selben Wochenende wie der Tag des offenen Denkmals findet in Potsdam das Kulturfest statt – hier die Infos.

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