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Besondere Forschungseinrichtungen in Berlin: Von RKI bis Brauerei-Versuchsanstalt

Mehr als 100 Forschungseinrichtungen gibt es in Berlin. Die Hauptstadt ist ein Urwald aus Mikroskopen, Zylinderkolben und Bunsenbrennern, in Laboren und an Schreibtischen geht es mit der Wissenschaft voran. Manche Einrichtungen sind allseits bekannt, etwa das Robert Koch-Institut, andere sind ziemlich abseitig, man hört wenig von ihnen. Einige besondere Forschungseinrichtungen in Berlin stellen wir hier vor – und erklären, warum sie so wichtig sind.


Deutsches Rheuma-Forschungszentrum

Forschungseinrichtungen in Berlin: Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum versucht, die verhasste Volkskrankheit zu entschlüsseln. Foto: DRFZ

Zunächst: Rheuma ist nicht eine Krankheit, sondern viele. Die meisten können im Bewegungsapparat auftreten, unter anderem zu Entzündungen in Gelenken, Muskeln, Sehnen führen. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen einen selbst, greift eigentlich gesunde Körperzellen an. Innere Organe können ebenso betroffen sein. Rheuma ist vielfältig und betrifft rund ein Viertel der Deutschen – mal mehr, mal weniger schwer. Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum stößt also auf große Nachfrage.

Wissenschaftler:innen aus Immunologie, experimenteller Rheumatologie und Rheuma-Epidemiologie versuchen dort seit 1988 zu klären, welche Faktoren für die Erkrankungen verantwortlich sind, wie sie effektiv und sicher behandelt werden und, ebenso wichtig, wie Betroffene ihre Lebensqualität verbessern können. Auch Kinder-Rheuma ist ein Schwerpunkt, allein in Deutschland leben rund 20.000 Betroffene.

Warum das wichtig ist: Die Zahlen verdeutlichen, wie stark Rheuma in der Bevölkerung verbreitet ist. Es ist eine Erkrankung, die nicht nur die Lebensqualität senkt, sondern stark einschränken kann. Um das zu verhindern, braucht es eine Forschungseinrichtung wie das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum.

  • Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Virchowweg 12, Mitte, drfz.de

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung

Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Kämpfer für die Tierwelt. Foto: Lotse/ CC BY-SA 3.0

Fortschritt für uns bedeutet Nachteile für die Tierwelt. So bitter das auch klingt. Unsere Lebensräume wachsen, ihre schrumpfen. Lichtverschmutzung zerstört ihren Tag- Nachtrhythmus, Smog ihre (und unsere) Gesundheit. Wildtiere müssen sich anpassen, um zu überleben – manchen gelingt das in der Stadt sehr gut. Dann gibt es aber auch Erreger, die sich unter ihnen ausbreiten und ganze Bestände auslöschen können, man bedenke die Schweinegrippe. Kurz: So ein Leben in der Wildnis ist heute verdammt schwierig. Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung will seit 1973 ergründen, wie sich Tiere an diesen Wandel evolutionär anpassten, wo sie ihre Grenzen haben und wie ihre Bestände erhalten werden können.

Warum es so wichtig ist: Na ja, es wäre ziemlich egoistisch, der Tierwelt ihren Lebensraum zu nehmen und sie dabei völlig außer Acht zu lassen. Zu verstehen, wie sich Tiere anpassen, zu lernen, wie wir ihre Bestände erhalten können, sorgt für einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Und der ist vor allem heutzutage bitter nötig.

  • Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Alfred-Kowalke-Straße 17, Lichtenberg, izw-berlin.de

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Hier wird Lernen erforscht: Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Foto: Fridolin freudenfett/CC BY-SA 3.0

1963 gegründet, um dem Bildungswesen neue Impulse zu geben, beschäftigt sich das Max-Plack-Institut mit Fragen zur Entwicklungspsychologie, Gefühlen sowie künstlicher Intelligenz und ihrer Rolle für Bildungsprozesse. Hellmut Becker, Jurist, Bildungsforscher und -Politiker, gründete die Forschungseinrichtung in Berlin, damit das Bildungswesen der immer weiter voranschreitenden Gesellschaft gerecht werden kann.

Warum die Arbeit dort wichtig ist: So viel kann sich auf unser Gehirn auswirken, sei es die Bildung, soziale Medien oder auch der Ort, an dem wir leben. Was macht die Großstadt mit uns, was die Natur? Wie kann ich mich vor Fake News im Netz schützen? Sollte ich immer lernen, um mein Gehirn jung zu halten, lebenslang im Bildungsgefängnis? Antworten dazu helfen zu verstehen, wie unser Gehirn funktioniert. Schulen, Universitäten oder andere Lehreinrichtungen können mittels dieser Informationen wiederum ihre Unterrichtspläne optimieren. Sie müssen nur wollen.

  • Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Lentzallee 94, Willmersdorf, mpi-berlin.de

Robert Koch-Institut

Heute besonders wichtig: das Robert Koch-Institut Foto: A.Savin/CC BY-SA 3.0

Seit der Corona-Pandemie dürften hierzulande alle den Namen irgendwann gehört haben. Das Robert Koch-Institut (RKI) ist die biomedizinische Leitforschungseinrichtung der Bundesregierung und der öffentlichen Gesundheitspflege verschrieben. Seit 1891 (damals Königlich Preußisches Institut für Infektionskrankheiten) beschäftigt es sich mit der Frage, wie sich Infektionskrankheiten verbreiten und die Gesundheit der Bevölkerung von ebensolchen geschützt werden kann.

Der Mediziner und Nobelpreisträger Robert Koch, Entdecker des Tuberkulose-Erregers, leitete es zuerst. 30 Jahre später, lange nach dessen Tod, wurde das Institut zum RKI. Heute leitet es Lothar Wieler, seines Zeichens Fachtierarzt für Mikrobiologie. Eine Spezialisierung, die ihm gerade Querdenker:innen vorwerfen, weil er ihrer Meinung nicht für das Amt geeignet sei. Das ist Quatsch. Wieler erforscht unter anderem Zoonose-Erreger, also solche, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Sars-Cov-2 ist übrigens einer davon.

Warum die Arbeit dort wichtig ist: Ohne Einrichtungen wie diese würden Pandemien deutlich unberechenbarer als sie ohnehin schon sind. Sie bündeln Zahlen der Gesundheitsämter, schätzen ein, in welchen Regionen ein Erreger besonders stark verbreitet ist. Darüber hinaus veröffentlicht das RKI regelmäßig Studien zur Gesundheit von Erwachsenen und Kindern, berücksichtig dabei chronische Erkrankungen wie Diabetes, aber auch die psychische Gesundheit. Gerade für letztere kann die Bevölkerung diesbezüglich sensibilisiert werden.

  • Robert Koch-Institut (Zentrale) Nordufer 20, Wedding, rki.de

Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie

Forschungseinrichtungen wie das Max-Planck-Insitut für Infektionsbiologie sind nötig, um Erreger für Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Foto: Jochen Teufel/CC BY-SA 3.0

Weltweit sind Infektionskrankheiten die Haupttodesursache der Menschen, allen voran Aids, Malaria und Tuberkulose. Gegen solche Erreger gibt es jedoch noch keine Impfstoffe. Wir müssen sie also mit Antibiotika oder anderen Mitteln behandeln. Die Krux: Mit der Zeit entwickeln die Erreger Resistenzen, die Behandlungsmöglichkeiten schrumpfen. Das lässt sich lösen, indem wir verstehen, wie Infektionen ablaufen, was genau in uns passieren kann. Und damit beschäftigen sich Immunolog:innen, Mediziner:innen oder auch Biolog:innen beim Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, welches 1993 gegründet wurde.

Warum die Arbeit dort wichtig ist: Da sich Erreger an Medikamente anpassen können, liefern wir uns mit ihnen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, leider ohne Zielgerade. Immer wieder springen neue Kontrahenten auf die Strecke und werfen uns Stöcke zwischen die Beine. Damit wir wieder aufstehen und mithalten können, müssen wir die Erreger kennen. Das geht nur mit konsequenter Forschung.


Institut für Planetenforschung

Das Institut für Planetenforschung gehört zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Foto: Imago/Jürgen Held

1992 gegründet, gehört das Institut für Planetenforschung zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Die Forschungseinrichtung befasst sich mit unserem Sonnensystem, dem Ursprung und der Entwicklung von Planeten, deren Monden sowie Asteroiden und Kometen. Dabei arbeiten die Forscher:innen mit Observatorien und Raumfahrzeugen. In ihren Laboren können sie die chemische Zusammensetzung von Planeten untersuchen. Für uns Erdlinge ein aufregendes Feld.

Warum die Arbeit dort wichtig ist: Romane, Filme, Serien und Videospiele befeuern seit Jahrzehnten unsere Neugier für alles außerhalb unseres Orbits. Viele wollen nicht nur die um unseren kleinen blauen Planeten besser verstehen, sie wollen sie auch sehen. Das erfordert jede Menge Arbeit – und die wiederum jede Menge Expertise. Forschungseinrichtungen wie das Institut für Planetenforschung geben Wissenschaftler:innen mit dem nötigen Know-how eine Heimat. Unsere Neugier können wir mit ihren Ergebnis (ein wenig) stillen.

  • Institut für Planetenforschung Rutherfordstraße 2, Adlershof, dlr.de/pf

Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei

Die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei sieht mehr wie eine normale Gesamtschule aus. Foto: Fridolin Freudenfett/CC BY-SA 4.0

Sie mag vielleicht nicht medizinisch wichtig sein, eventuell auch nicht für die Menschheitsgeschichte, dafür bringt die Arbeit der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) ein wenig Abwechslung in den Berliner Wissenschaftskosmos. Die Forschungseinrichtung widmet sich seit 1883 (!) dem Brauwesen, bietet sogar in Kooperation mit der TU Berlin den Bachelor- und Masterstudiengang Brauerei- und Getränketechnologie an. Geht es um Forschung, beschäftigt sich die VLB unter anderem mit Bier- und Getränkeproduktion, aber auch der Kultivierung von Hefestämmen.

Warum die Arbeit dort wichtig ist: Neben der Entwicklung analysiert die Forschungseinrichtung auch Getränke, seien es Bier, Spirituosen oder Alkoholfreies. Mittels Laborausrüstung können sie prüfen, ob sich in ihnen gesundheitlich bedenkliche Rückstände, zum Beispiel Schwermetalle, befinden. So lustig die Einrichtung auch klingt, sie ist nicht unbedeutend.

  • Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei Seestraße 13, Wedding, vlb-berlin.org

Mehr Wissenschaftliches

Jetzt wisst ihr ein wenig mehr über Berlins Forschungseinrichtungen. Welche besonderen Forschungsprojekte es in der Stadt gibt, erfahrt ihr hier. Kinder können natürlich auch forschen: Ein paar lehrreiche Schülerlabore haben wir für euch herausgesucht. Seid ihr auf der Suche nach einem ganz neuen Bildungsweg? Ungewöhnliche Studiengänge in Berlin: Von Game Design bis Brauwesen.

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