• Stadtleben
  • Alles zur Spree: So prägt der Fluss Berlin – heute und früher

Flüsse

Alles zur Spree: So prägt der Fluss Berlin – heute und früher

Die Spree gehört zu Berlin wie die Themse zu London und die Seine zu Paris. Der rund 400 Kilometer lange Fluss entspringt im Südosten Sachsens und mündet in Spandau in die Havel. Für die Berliner ist die Spree Lebensader, Verkehrsweg und Erholungsgebiet zugleich. Vom Spreewald und den Sorben, über die Museumsinsel und die Mauerzeit, bis zu den Strandbars erzählen wir hier die Geschichte der Spree, dem Berliner Fluss schlechthin.


Die Spree und Berlin

Blick auf die Spree über die Oberbaumbrücke in Richtung Mitte. Foto: Imago/Westend61
Blick auf die Spree über die Oberbaumbrücke in Richtung Treptow. Foto: Imago/Westend61

Die Spree ist das älteste was es in Berlin gibt. Bevor es Berlin gab, bevor die Gegend von herumirrenden Stämmen besiedelt wurde, bevor die ersten Behausungen in der brandenburgischen Mark entstanden. Vor Straßen, Rathäusern, Schlössern, Clubs und Currywurstbuden, war die Spree schon da. Seit Millionen von Jahren.

Unter dem Namen „Spree“ kennt man den Wasserlauf seit gut 1000 Jahren, anfangs schrieb man den Namen noch „Sprewa“, eine Ableitung vom germanischen Wort „spreu“, was auch säen, spreizen oder sprühen bedeuten kann. Die Spree durchquerte in ihrer Geschichte germanische, slawische und böhmische Gebiete, bis heute fließt ein kurzes Stück durch Tschechien.


Spreequelle in Ebersbach in der Oberlausitz

Spreequelle in Ebersbach in der Oberlausitz. Foto: Imago/Lem
Spreequelle in Ebersbach in der Oberlausitz. Foto: Imago/Lem

Die Spree hat nicht eine sondern gleich drei Quellen, eine in Ebersbach, eine in Neugersdorf und die höchstgelegene befindet sich Am Kottmar. Alle drei Orte liegen im Südosten Sachsens, an der deutsch-tschechischen Grenze.

Wer mal in der Oberlausitz unterwegs ist, sollte eine der Quellen besuchen, denn wer den breiten Strom kennt, der durch Berlin fließt, bekommt beim Anblick der Quellen ein Gefühl für die Spree als Ganzes.


Bautzen an der Spree: Hauptstadt der Sorben

Bautzen: Spree und Befestigungsanlagen aus dem Mittelalter. Foto: Imago/ddbd
Bautzen: Spree und Befestigungsanlagen aus dem Mittelalter. Foto: Imago/ddbd

Die Sorben besiedeln seit Jahrhunderten das Einzugsgebiet der Spree. Heute leben etwa 60.000 Angehörige der westslawischen Ethnie in Deutschland, ein Großteil davon in der Oberlausitz. Die sächsische Kreisstadt Bautzen, durch die auch die Spree fließt, gilt als das politische und kulturelle Zentrum der sorbischen Minderheit.

Hochwasser sind in Bautzen selten, auch Berlin bleibt aufgrund der vielen Nebenflüsse und Seen, die zum Flusssystem von Havel und Spree gehören, weitestgehend von Überflutungen verschont. Experten gehen davon aus, dass in Berlin eine Flut nicht öfter als einmal in 100 Jahren zu erwarten sei.

Doch immer wieder trat die Spree in der Geschichte über die Ufer. So stand 1981 Cottbus teilweise unter Wasser und 1897 erlebte die 130 Kilometer von Berlin entfernte Stadt im Südosten Brandenburgs eine regelrechte Flutkatastrophe.


Der Spreewald

Naturerlebnis in üppiger Flusslandschaft: Der Spreewald im Sommer. Foto: Imago/Shotshop
Naturerlebnis in üppiger Flusslandschaft: Der Spreewald im Sommer. Foto: Imago/Shotshop

Das UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald im Südosten Brandenburgs lässt sich gut zu Fuß entdecken und ist eine wunderschöne Gegend zum Wandern. Es geht vorbei an Mühlen, Spreewaldhäusern und entlang der Fließe und Kanäle. Hier findet ihr tolle Wanderungen für euren nächsten Ausflug in den Spreewald.


Quer durch das Herz von Alt-Berlin

Die Spree fliesst durch Alt-Berlin, 19. Jahrhundert. Foto: Imago/Arkivi
Die Spree fliesst durch Alt-Berlin, 19. Jahrhundert. Foto: Imago/Arkivi

Berlin ist modern, doch wer das alte Herz der Stadt entdecken will muss nach Mitte, an die Spree. Zwar sind dort die meisten Gebäude nicht viel älter als 100 bis 120 Jahre, das ist im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten wie Paris, London oder Rom relativ jung. Aber es existieren noch Bauwerke, die bereits um 1850 in Berlin standen, oft direkt an der Spree oder in ihrer Nähe. Hier sind die 12 ältesten Gebäude in Berlin-Mitte.


Mauer an der Spree – ein Grenzfluss

Mauerabschnitt am Spree-Ufer in Berlin, Juli 1989. Foto: Imago/F. Berger
Mauerabschnitt am Spree-Ufer in Berlin, Juli 1989. Foto: Imago/F. Berger

Als 1961 die Mauer rund um West-Berlin gebaut wurde, gehörte die Spree zum Teil des innerstädtischen Grenzverlaufs. Die Ufer auf Ost-Berliner Seite wurden mit den markanten Grenzanlagen und der Betonmauer geschützt. Die Mauer stand auf zwei längeren Abschnitten. Einmal am Ufer zwischen Friedrichshain und Kreuzberg und etwas weiter westlich, zwischen Mitte und Tiergarten.

Bei Fluchtversuchen sind zwischen 1961 und 1989 auch immer wieder Menschen in der Spree ertrunken oder wurden beim Überqueren von den Grenzsoldaten der NVA erschossen. Heute erinnert die East Side Gallery an die Berliner Mauer an der Spree.


Die Museumsinsel

Museumsinsel im Abendlicht. Foto: Imago/Imagebroker/Moritz Wolf
Museumsinsel im Abendlicht. Foto: Imago/Imagebroker/Moritz Wolf

Die Spree umfließt einen der größten kulturellen Schätze, die Deutschland zu bieten hat: Die Museumsinsel. Das Ensemble aus fünf Museen gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins und den bedeutendsten Museumskomplexen Europas. Nicht nur Touristen verbringen viele Stunden im Bode-Museum, Altem und Neuem Museum, Pergamon und der Alten Nationalgalerie. Auch Berlinerinnen und Berliner strömen in die geschichtsträchtigen Gebäude, um sich von den Kunstsammlungen in eine andere Zeit versetzen zu lassen.


Party an der Spree: Die Strandbars

Die legendäre Bar25 am Spreeufer in Friedrichshain. Foto: Imago/PEMAX
Die legendäre Bar25 am Spreeufer in Friedrichshain. Foto: Imago/PEMAX

Während der Teilung Berlins ist die Spree etwas in Vergessenheit geraten. Grau und träge floss sie durch die Stadt, ganze Teile wurde von der Mauer getrennt und streng bewacht und auch sonst gab es wenige Gründe, sich an den Ufern des Flusses herumzutreiben.

Nach dem Mauerfall hat sich alles verändert. Die Spree rückte wieder ins Zentrum der Stadt. Man entdeckte das fließende Gewässer neu, es entstanden neue Rad- und Spazierwege, Bürohäuser, Wohnsiedlungen und vor allem Clubs und Bars entlang der Ufer. Legendär wurden die Bar25, deren Nachfolger Kater Holzig, aber auch Strandbars wie das Kiki Bloefeld und der White-Trash-Markt. Heute noch liegen Clubs wie Yaam und Kater Blau, ebenso das Kultur- und Veranstaltungszentrum Radialsystem V und der post-kapitalistische Hippie-Abenteuerspielplatz Holzmarkt an der Spree.


Die Spree als Verkehrsweg

Kahn mit Steinkohle am Ufer des Reuter West Kraftwerks in Siemensstadt. Foto: Imago/Joko

Die Industrialisierung schritt im 19. Jahrhundert in Berlin voran. Die Stadt wuchs, Fabriken entstanden und man brauchte mehr Energie, um mit dem rasenden Fortschritt mitzuhalten. Kraftwerke entstanden, schon bald wurde klar, dass die Spree den Ansprüchen der modernen Schifffahrt angepasst werden muss.

Ab 1882 wurden weite Teile der Spree in Berlin begradigt. Es entstanden zahlreiche Häfen, andere wurde modernisiert. Kräne, Schornsteine und große Silos prägten die Ufer, auf dem Wasser sah man immer mehr Lastkähne, die Kies und Kohle transportierten. Auch wenn heute der Transport immer öfter auf die Schiene und vor allem die Straße ausweicht, ist die Spree immer noch ein wichtiger Verkehrsweg für Berlin.


Treptower Park und die Insel der Jugend

Die Abteibrücke über der Spree mit der Insel der Jugend, in Treptow. Foto: Imago/Imagebroker

Im direkt an der Spree gelegenem Treptower Park findet man eine Kulturlandschaft für viele verschiedene Stimmungen. Von liebreizend bis melancholisch, von idyllisch bis nachdenklich. Und der Park bietet auf 84 Hektar nicht nur ausreichend Platz für Liegewiesen, sondern hat sogar seinen eigenen Hafen direkt an der Spree. Ein bisschen maritimes Flair für die Hauptstadt.

Wer mag, rudert mit Kajak und Co. einfach an Hausbooten, Wohnsiedlungen und Natur vorbei. Aber auch zu Fuß kann man die abwechslungsreiche Landschaft genießen. Die vier Kilometer lange Uferpromenade ist ideal, um einen Blick auf die Halbinsel Stralau und die bei Ausflüglern beliebte Insel der Jugend zu werfen. Zudem gibt es einen Rosengarten mit Springbrunnen, dem Karpfenteich sowie das Sowjetische Ehrenmal. Die imposante Gedenkstätte erinnert an die Befreiung Berlins durch die Rote Armee. Kultur und Natur in einem.


Spree-Tourismus: Ausflugsdampfer & Co.

Das legendäre Ausflugsschiff „Moby Dick“ am Kanzleramt im Regierungsviertel. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Berlin ist buchstäblich nah am Wasser gebaut: Die Spree prägt die Stadt, es gibt viele tolle Badeseen und Kanäle. Im Sommer bietet sich für viele Berlinbesucher eine Schifffahrt an. Über die Spree schippern in der warmen Jahreszeit ungezählte Ausflugsdampfer. Gerade der innerstädtische Teil zwischen Oberbaumbrücke und Regierungsviertel ist beliebt. Wir haben 12 Orte am Wasser für euch gefunden, die uns direkt ein wenig Urlaubsgefühl bescheren.


Mündung: Wo Spree und Havel sich treffen

Die Spree mündet in die Havel, Spandau. Foto: Imago/Joko

In Spandau endet die Geschichte, dort mündet die Spree nach einer 400 Kilometer langen Reise in die Havel. Sie hat Tschechien, Sachsen und den Spreewald durchquert. Floss weiter nach Berlin, sie kam in Köpenick an und dann weiter durch Treptow nach Mitte, an hippen Bars und der Museumsinsel vorbei, dann am Kanzleramt und dem Haus der Kulturen der Welt weiter zu ihrer Mündung. Auch deshalb ist Spandau immer eine Erkundung wert. Und niemals vergessen: „Dickes B, Home an der Spree“, das wussten schon Seeed!


Mehr Ausflüge in und um Berlin:

Berlin erkunden ist immer wieder ein Vergnügen – denn es gibt weit mehr zu entdecken, als viele zuerst annehmen. Unser Berlin-Guide vereint viele wichtige Ausflugstipps für jeden Geschmack. Wer lieber auf dem Rad als zu Fuß unterwegs ist und die Stadt mal hinter sich lassen will – dem seien diese schönen Radtouren im Berliner Umland ans Herz gelegt. Oder doch lieber per pedes: Der Spreewald im Südosten Brandenburgs lässt sich gut zu Fuß entdecken und ist eine tolle Gegend zum Wandern. Auch schön und direkt vor der Haustür: Berlins Parks.