Filmkritik

Slackerleben: „The King of Staten Island“ von Judd Apatow neu im Kino

Komödie Scott ist ein junger Mann Mitte zwanzig. Er lebt  noch bei seiner Mutter und hat auch nicht vor, das zu ändern. Sein Berufswunsch Tätowierer ist mit einem stark auf Kiffen und Abhängen ausgerichteten Alltag halbwegs zu vereinbaren. Dass er „The King of Staten Island“ wäre, wie es Judd Apatow im Titel seines neuen Films behauptet, kann wohl nur ironisch gemeint sein.

Pete Davidson in "The King of Staten Island" Foto: Universal
Pete Davidson in „The King of Staten Island“ Foto: Universal

Vor siebzehn Jahren starb Scotts Vater, ein Feuerwehrmann, bei einem Einsatz. Nun geht seine Mutter Margie (wunderbar: Marisa Tomei) zum ersten Mal wieder mit jemand aus: Ray trägt einen sehr uncoolen Oberlippenbart, das stört Margie aber nicht weiter. Das neue Glück hat für Scott bald Konsequenzen: er soll ausziehen. Obdach findet er ausgerechnet in einer Welt, die er nach dem Tod seines Vaters eigentlich eher meiden wollte. Scott wird Faktotum bei der lokalen Feuerwehr und darf dafür dort wohnen.

Pete Davidson bringt in „The King of Staten Island“ Autobiografisches mit

Dass man mit so einer Geschichte zum König von Staten Island werden kann, funktioniert nur bei einer großzügigen Sicht auf die Menschen. Aber Judd Apatows „The King of Staten Island“ erzählt bewusst von einer kleinen Welt, in der es nicht viel braucht, um ein Königreich zu gründen. Der Komiker Pete Davidson, der die Hauptrolle spielt, bringt Aspekte seiner eigenen Lebensgeschichte in den Film mit, dominiert ihn aber nicht, sondern wird zur Integrationsfigur eines großartigen Ensembles.

Mit vereinten Kräften wird Scott von seinen Mitmenschen aus seiner Lebensverweigerung erlöst. Judd Apatow hat schon mehrfach Kindsköpfe aus der ewigen Regression erlöst („Beim ersten Mal“ mit Seth Rogen), hier geschieht das in einer warmherzigen, entspannten Komödie.

USA 2019; 134 Min.; R: Judd Apatow; D: Pete Davidson, Marisa Tomei, Bill Burr; Filmstart 30. 7. 2020

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