Bahnhöfe

Berlin Ostbahnhof: Das Tor zum Osten – alles zu Geschichte und Bedeutung

Der Ostbahnhof ist nach dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Südkreuz der drittgrößte Bahnhof Berlins. Auf Platz eins steht er allerdings bei der Namensvergabe, keine andere Berliner Haltestelle hat so viele Namensänderungen durchlebt.

Einst war er bekannt als das Tor nach Osten, heute hat er jedoch, trotz andauernder Sanierungs- und Baumaßnahmen, an Bedeutung verloren. Aber auch, wenn er nicht mehr im früheren Glanz erstrahlt, ist der Ostbahnhof doch weiterhin ein wichtiger Knotenpunkt des Berliner Nahverkehrs und ein bekanntes und imposantes Bauwerk, das fast 180 Jahre Berliner Geschichte erzählt.

Der Ostbahnhof erzählt fast 180 Jahre Berliner Geschichte. Foto: Imago Images/Markus Schwarz

Zwei Ostbahnhöfe in Berlin

Geschichte Bereits 1842 wurde der heutige Ostbahnhof unter dem Namen Frankfurter Bahnhof eröffnet. Erbaut wurde er als Kopfbahnhof, bei dem alle Hauptgleise im Bahnhof enden und die Züge nur nach einem Wechsel der Fahrtrichtung wieder hinausfahren können. Mit der Entstehung der Berliner Stadtbahn im Jahr 1875, die vom Ostbahnhof aus über Charlottenburg nach Potsdam führen sollte, wurde er zum Durchgangsbahnhof umgebaut.

Sechs Jahre später, änderte man den Namen in Schlesischer Bahnhof. Dass die Haltestelle nicht damals schon ist Ostbahnhof umbenannt wurde, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass bereits seit 1867 ein Ostbahnhof existierte. Dieser war Endpunkt der Königlichen Ostbahn, und befand sich in gerade einmal 400 Metern Entfernung. Mit der Eröffnung des umgebauten Schlesischen Bahnhofs wurde dieser jedoch stillgelegt und die Verbindungen der Ostbahn integriert. Um den heutigen Ostbahnhof bildete sich damals rasch ein typisches Milieu mit billigen Hotels, Nachtlokalen und Bordellen.

Das Tor nach Osten

Der Nord-Express war DER europäische Luxuszug schlechthin und führte von Sankt Petersburg über den Ostbahnhof in Berlin nach Paris. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-01339/CC-BY-SA 3.0

Durch die Zusammenlegung mit der Ostbahn wurde der Schlesische Bahnhof zum Ausgangspunkt aller Reisen nach Ost- und Südeuropa. So hielten hier beispielsweise der Schnellzug nach Moskau und der Nord-Express von Sankt Petersburg nach Paris. Im August 1914 wurden die Zugverbindungen für die zivile Bevölkerung eingestellt und die Züge fuhren aufgrund des Ersten Weltkrieges vorrangig ins besetzte Gebiet Ober Ost. Erst sieben Jahre später, 1926, nahm der Nord-Express den Verkehr wieder auf.

Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erfolgte am Schlesischen Bahnhof die Abfertigung von täglich bis zu 165 ankommenden und 176 abfahrenden Zügen. 1939 begannen von hier aus auch die Transporte der Wehrmacht für den geplanten Überfall auf Polen, zwei Jahre später für den Krieg gegen die Sowjetunion. Am 25. April 1945 trafen Eisenbahngeschütze der Roten Armee am Schlesischen Bahnhof ein. Die Sowjetunion hatte den Bahnhof zwei Tage zuvor in der Schlacht um Berlin erobert und eröffnete nun von hier aus, das Feuer auf die Innenstadt.  

Ein Blick in die Bahnsteighalle des Ostbahnhofes im Jahr 1937. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-J00861/CC-BY-SA 3.0

Ein Empfangsbahnhof für die Staatsbesuche der DDR

Ab September 1945 fuhren vom heutigen Ostbahnhof aus wieder Züge, wie der Blaue Express nach Brest. Es Herrschte Kalter Krieg und so wurde der Ostbahnhof für viele Züge aus Osteuropa zur Endhaltestelle. 1950 erkannte die DDR die Oder-Neiße-Grenze an und eine erneute Umbenennung des Schlesischen Bahnhofes in Ostbahnhof erfolgte, um den Bezug zu den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufzugeben. Der Ostbahnhof diente fortan als Empfangsbahnhof für Staatsbesuche der DDR.

In den folgenden Jahren begannen zahlreiche D-Züge, vor allem nach Leipzig, Dresden und Halle (Saale) am Ostbahnhof, aber auch für den internationalen Verkehr nach Skandinavien und dem Balkan wurde er genutzt. So fuhr beispielsweise der Ostsee-Express nach Kopenhagen, der Saßnitz-Express nach Malmö und weitere Schnellzüge brachten Reisende nach Prag, Budapest oder Wien. Am Ostbahnhof hielten damals auch die Ost-West-Züge zwischen der Sowjetunion und Frankreich.

Eine Empfangshalle für den Ostbahnhof

Das Eingangsgebäude des Ostbahnhofs nach dem Umbau von 1987. Foto: Flickr/CC BY-SA 2.0/Felix O.

1987 wurde der Bahnhof grundlegend umgestaltet und erhielt in diesem Zuge eine moderne Empfangshalle, die sich über drei Geschosse erstreckte. Auch die Bahnsteige, Hallendächer, Fußgängertunnel und Treppen wurden verbessert und erstmals Rolltreppen eingebaut. Am 15. Dezember desselben Jahres wurde der modernisierte Ostbahnhof, der jetzt Berlin Hauptbahnhof hieß, eröffnet.

Anlässlich des Zusammenschlusses der beiden deutschen Staatsbahnen zur Deutschen Bahn AG, fand am 10. Januar 1994 eine große Feier im Bahnhofsgebäude statt. Dabei fuhren eine Dampflock und ein ICE-Triebkopf aufeinander zu und wurden symbolisch aneinander gekoppelt. Bereits vier Jahre später, mit dem Fahrplanwechsel, wurde der Bahnhof erneut in Ostbahnhof umbenannt, was bis heute beibehalten wurde.

Die Namen des Ostbahnhofs in Reihenfolge:

  • Frankfurter Bahnhof
  • Schlesische Bahnhof
  • Ostbahnhof
  • Hauptbahnhof
  • Ostbahnhof

Weniger Verkehr am Ostbahnhof, dafür mehr Bauarbeiten

Im Zuge der Sanierung der Stahlbogenkonstruktion erhält das Dach des Ostbahnhofs ein Stützkosrorsett. Foto: Imago Images/Jürgen Heinrich

2006 erfolgte, mit der Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofes und des Nord-Süd-Fernbahntunnels, eine Neuordnung des Berliner Bahnknotens. Das hatte auch zur Folge, dass die Zahl der täglichen Regional- und Fernverkehrshalte am Ostbahnhof deutlich zurück ging.

Seit 2011 wurde die Gleishalle des Bahnhofs grundsaniert, dabei erhielkten die Bogenträger einen Korrosionsschutz, sowie eine Brandschutzbeschichtung. Die Oberlichter und das Entwässerungssystem wurden erneuert und die Fassade an der Erich-Steinfurth-Straße neu verglast. Ein Ende der Bauarbeiten war für 2021 vorgesehen, da das Hallendach jedoch umfangreicher saniert werden muss, geht die Bahn davon aus, dass eine Fertigstellung erst 2025 erreicht wird. Die Geschichte des Ostbahnhofs in Bildern, findet ihr hier.

Zwischen 100.000 Reisenden und menschenleeren Hallen

Trotz andauernden Sanierungsarbeiten halten immer weniger Züge des Regional- und Fernverkahrs am Ostbahnhof. Foto: Imago Images/Schöning

Im Dezember 2020 erfolgte eine erneute Fahrplanänderung der Deutschen Bahn, durch die weitere Verbindungen, wie der RE7, der RE14 und die IC-Verbindung nach Amsterdam, wegfielen. An guten Tagen tummeln sich am Ostbahnhof immerhin noch rund 100.000 Besucher*innen. Aktuell, vor allem pandemiebedingt, fühlt man sich auf den Bahnsteigen und in der gläsernen Eingangshalle aber eher wie im Museum.

Fast menschenleer findet man den Ostbahnhof vor. Ohne den Partybetrieb in Berghain und Co. gibt es, vor allem an den Wochenenden, kaum noch einen Grund der Haltestelle einen Besuch abzustatten. Die wenigen, die noch hierherfahren, wohnen entweder in der Nähe, wollen sonntags im Supermarkt einkaufen oder suchen das Kundenzentrum am Ostbahnhof auf, weil sie beim Schwarzfahren in der S-Bahn erwischt wurden.

Höchstgeschwindigkeiten und Reisen nach Fern-Fernost

Der Ostbahnhof als Tor nach Osten war einst der wichtigste Bahnhof Berlins. Foto: Imago Images/Jochen Tack

Fun Facts Im Jahr 1914 brauchten die schnellsten Verbindungen vom Ostbahnhof aus nur vier Stunden nach Bresslau, sechs Stunden nach Danzig und acht Stunden Nnch Königsberg. Bis heute wurden diese Reisezeiten nicht mehr erreicht. Wer im Jahr 1929 den Ostbahnhof besuchte, konnte hier Fahrscheinbücher bis nach Fernost erwerben. Für 650 Mark (in heutiger Währung rund 2.400 Euro) konnte man beispielsweise in zwölf Tagen von Berlin nach Tokio reisen.

Der Ostbahnhof in Film und Fernsehen

Obwohl einige Szenen des Films „Die Bourne Verschwörung“, zweiter Teil der Bourne-Trilogie, in Amsterdam, Moskau und Neapel spielen, befanden sich Hauptdarsteller Matt Damon und der Rest vom Cast und Filmteam die meiste Zeit in Berlin. Auch der Ostbahnhof ist dabei im Hintergrund zu sehen. Regisseur Paul Greengrass sagt, dass er einfach die Atmosphäre in Berlin mag. Auch für diese 12 Filme und Serien diente Berlin als Drehort.

Einkaufen im Ostbahnhof

Wer es unter der Woche nicht schafft, kann am Ostbahnhof auch sonntags seine Einkäufe erledigen. Foto: Imago Images/Schöning

Auch der Ostbahnhof zählt mit seinen etwa 55 Geschäften als Einkaufsbahnhof. Auf zwei Etagen findet man neben mehreren Bäcker-Filialen, kleinen Restaurants und Imbissen beispielsweise auch eine Bahnhofsbuchhandlung, eine Drogerie, eine Apotheke und sogar eine Änderungsschneiderei. Vor allem sonntags kommen die Leute in den Ostbahnhof um ihre Einkäufe im Rewe oder Penny zu erledigen.

Berlin Ostbahnhof: Wichtige Infos für den Besuch

Anfahrt Zum Berliner Ostbahnhof gelangt man mit den folgenden Linien des öffentlichen Nahverkehrs: S-Bahn: S3, S5, S7, S9, S75 Bus: 140, 142, 147, 165, 240, 265, 300, 347, N40, N60, N65. Wer mit den PKW unterwegs ist, kann hier direkt auf dem Parkplatz oder in der Tiefgarage des Ostbahnhofs (1,60€/h; 7,50€/Tag) parken.

In der Nähe Wem die Einkaufsmöglichkeiten im Ostbahnhof nicht ausreichen, der hat es von dort aus nicht weit bis zur East Side Mall. Das Shoppingcenter am nördlichen Spreeufer in Friedrichshain lädt mit seinen rund 120 Geschäften auf drei Etagen zum ausgiebigen Einkaufsbummel ein. Nicht weniger interessant ist die berühmte East Side Gallery, eine dauerhafte Open-Air-Galerie auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer.

Ebenfalls einen Ausflug wert, vor allem für Familien, ist das Computerspielemuseum, zu Fuß braucht man vom Ostbahnhof aus etwa 14 Minuten. Wer lieber in den Nacht- und Morgenstunden unterwegs ist, sollte sich einen Besuch im Berghain nicht entgehen lassen. Die Google-Rezensionen der Berliner Clubs zeigen allerdings, dass es gar nicht so einfach ist, in den bekanntesten Technoclubs Deutschlands reinzukommen, denn dazu muss man erst einmal an den Türsteher*innen vorbeikommen.


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