Verkehrsgeschichte

12 verschwundene Bahnhöfe in Berlin: Abgerissen, zerstört und stillgelegt

Die Geschichte der Bahnhöfe in Berlin ist eine Geschichte der Stadt. Der Schienenverkehr war ein elementarer Bestandteil in der Entwicklung einer kleinen Ortschaft an der Spree zur Weltmetropole und Hauptstadt des Deutschen Reichs. Ohne Züge gäbe es keine Industrie und ohne Industrie keine Millionenbevölkerung und das Berlin, das wir heute kennen.

Bahnhöfe symbolisierten den rasanten Wandel des Lebens, die prunkvolle Architektur repräsentierte technischen Fortschritt. Züge, Schienen, Lokomotiven, das alles stand für die Moderne schlechthin. Doch die meisten bedeutenden Bahnhöfe aus der Frühzeit der Berliner Bahngeschichte verschwanden aus dem Stadtbild. Einige haben ausgedient und wurden stillgelegt, andere im Krieg zerstört oder sie verfielen. Hier stellen wir 12 Bahnhöfe (und Bahnlinien) vor, die Berlin einst geprägt haben.


Görlitzer Bahnhof

Berlin Bahnhöfe: Görlitzer Bahnhof, 1920er-Jahre. Foto: Imago/Arkivi
Görlitzer Bahnhof, 1920er-Jahre. Foto: Imago/Arkivi

Heute gehört der Görlitzer Bahnhof zu den turbulentesten Ecken der Stadt. Zumindest die Gegend um den Bahnhof der Linien U1 und U3. Nachtschwärmer, Drogendealer, Hipster, Touristen und Kleinfamilien tummeln sich im Görlitzer Park, der einst ein Bahngelände war, in den Straßen drumherum schlägt das Herz von Kreuzberg 36.

Der alte Görlitzer Bahnhof wurde 1866 eröffnet, von dort fuhren die Züge über Cottbus ins namensgebende Görlitz und weiter nach Breslau. Der gewaltige Bau befand sich zwischen dem heutigen Spreewaldplatz, der Skalitzer Straße und dem Lausitzer Platz.

Nach dem Krieg und der Teilung der Stadt verlor der Bahnhof an Bedeutung. Der letzte Zug wurde 1951 abgefertigt und anschließend das Gebäude abgerissen. Bis Ende der 1980er-Jahre schlummerte das Gelände vor sich hin und wurde anschließend in den berühmt-berüchtigten Park verwandelt.


Anhalter Bahnhof

Blick auf den Anhalter Bahnhof, 1920er-Jahre. Foto: Imago/Arkivi
Blick auf den Anhalter Bahnhof, 1920er-Jahre. Foto: Imago/Arkivi

Der Architekt Franz Schwechten baute den Fernbahnhof, der ab den 1840er-Jahren zu den wichtigsten Verkehrsknoten der preußischen Metropole gehörte. In direkter Anbindung zum Potsdamer Platz spielte der Kopfbahnhof am Askanischen Platz eine wichtige Rolle in der Entwicklung Berlins zur modernen Großstadt.

Ab 1939 schloss man den Anhalter Bahnhof an das Berliner S-Bahnnetz an, doch am Kriegsende wurde die gewaltige Anlage bei der Schlacht um Berlin zerstört. Nach der Teilung der Stadt fand man keine Nutzung für die Ruine an der Sektorengrenze und gab den Standort auf. Nur die S-Bahn blieb, und an die alte Pracht erinnert bis heute ein Überbleibsel des Bahnhofsportikus.


Lehrter Bahnhof

Blick vom Wasser auf den Lehrter Bahnhof, 1920er-Jahre. Foto: Imago/Arkivi
Blick vom Wasser auf den Lehrter Bahnhof, 1920er-Jahre. Foto: Imago/Arkivi

Der direkt am Spreeufer errichtete Kopfbahnhof verband ab 1868 Berlin mit der unweit von Hannover gelegenen Stadt Lehrte. Die Architekten fanden Inspiration in der französischen Neorenaissance und schufen einen imposanten Bau mit knapp 200 Metern Länge und einer großflächigen Fensterfront.

Nach starken Schäden, die während des Zweiten Weltkriegs erfolgten, wurde der alte Lehrter Bahnhof 1951 stillgelegt. Lange Zeit verkehrte dort nur die S-Bahn, die am S-Bahnhof Lehrter Bahnhof halt machte, der einem der größten Berliner Verkehrsprojekte der Nachwendezeit weichen musste: An der historischen Stelle befindet sich heute der neue Berliner Hauptbahnhof.


Stettiner Bahnhof (Nordbahnhof)

Berlin Bahnhöfe: Blick auf den Stettiner Bahnhof, 1931. Foto: Imago/Arkivi
Blick auf den Stettiner Bahnhof, 1931. Foto: Imago/Arkivi

Als Fernbahnhof wurde der imposante Bau an der Invalidenstraße bereits 1836 eröffnet. Unter dem Namen Stettiner Bahnhof war er ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und verband die preußische Metropole mit nördlich von Berlin gelegenen Städten wie Angermünde, Eberswalde und Stettin.

Die geografische Ausrichtung der Strecken gab dem Bahnhof 1950 den neuen Namen: Nordbahnhof. Jedoch verlor er an Bedeutung, der Fernbahnhof wurde 1952 geschlossen und das während des Krieges stark beschädigte Bauwerk abgerissen. Heute fährt die Berliner S-Bahn am Nordbahnhof immer noch in Richtung Norden, und an die Geschichte des ehemaligen Fernbahnhofs erinnert das noch erhaltene Empfangsgebäude der Vorortbahn.


Ehemaliger Ostbahnhof

Berlin Ostbahnhof um 1955. Foto: Imago/Serienlicht
Berlin Ostbahnhof um 1955. Foto: Imago/Serienlicht

Der Ostbahnhof hat historisch so einiges durchgemacht. Allein die Namensänderungen wären einen eigenen Artikel wert. Eröffnet wurde der Verkehrsknotenpunkt, der als Tor zum Osten galt und von wo Züge bis nach Danzig, Königsberg und Budapest fuhren, 1842 als Frankfurter Bahnhof. Anschließend hieß er zwischen 1881 und 1950 Schlesischer Bahnhof und bis 1987 Ostbahnhof, wie er nach einer kurzen Unterbrechung, in der er tatsächlich Berlin Hauptbahnhof hieß, wieder heißt.

Das abgebildete Bahnhofsgebäude zeigt den Zustand des Bahnhofs in der DDR-Zeit, 1987 folgte ein Umbau und schließlich ein weiterer elf Jahre später. Einst galt die Gegend und den Friedrichshainer Bahnhof als das Chicago von Berlin. Finstere Kaschemmen und Bordelle gehörten zu dem von Armut, Gewalt und Verbrechen geprägten Viertel dazu, und die „Bestie vom Schlesischen Bahnhof“ trieb dort in den 1920er-Jahren ihr Unwesen. Heute entsteht rund um den Ostbahnhof das neue Berlin mit modernen Wohntürmen, Hotels und Bürohäusern.


Siemensbahn

Stillgelegter Bahnhof der Siemensbahn, 2016. Foto: Imago/Schöning

Die Siemensbahn ist natürlich kein Bahnhof, sondern war eine Bahnstrecke. Doch auch sie ist ein Stück verschwundener Berliner Bahn-Geschichte: Die alte Siemensbahn umfasst ein 4,5 Kilometer langes Streckennetz zwischen Gesundbrunnen und Siemensstadt. Sie wurde bis zu ihrer Stilllegung 1980 von Siemens-Mitarbeitern genutzt.

Die Strecke, die auch am verlassenen S-Bahnhof Wernerwerk (Foto) vorbeiführt, steht unter Denkmalschutz. Mitte 2019 beschloss das Land Berlin allerdings eine Reaktivierung der Bahn. Bis 2029 sollen auf der Strecke wieder S-Bahnen fahren: mit Anschluss zum Hauptbahnhof und zum BER.


Rangierbahnhof Tempelhof

Berlin Bahnhöfe:
Stillgelegte Bahngleise auf dem Schöneberger Südgelände, 2002. Foto: Imago/Götz Schleser

Auf dem Gelände des 1889 fertiggestellten Rangierbahnhofs Tempelhof eroberte sich die Natur Stück für Stück ihr Reich zurück. Nachdem 1952 dort der Bahnbetrieb eingestellt wurde, entstanden aus der öden Landschaft wertvolle Trockenrasen, Hochstaudenflure und ein urwüchsiger Wald auf 18 Hektar – zwischen und auf den Bahngleisen.

In den 1970er-Jahren setzte der Mensch zum letzten Versuch an, Einfluss zu nehmen und den Güterbahnhof zu reaktivieren, doch da hatten Naturschützer die erstaunliche Artenvielfalt schon erkannt und sich für deren Erhalt eingesetzt. Heute ist der Natur-Park Südgelände in Schöneberg ein Landschafts- und Naturschutzgebiet und beliebtes Ausflugsziel für viele Berliner. 


Hamburger Bahnhof

Hamburger Bahnhof, 2016. Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Der 1846 eröffnete Hamburger Bahnhof, der Berlin mit der Hansestadt verband, hatte ein Problem: Er befand sich zu nah am Lehrter Bahnhof, und so stellten die Berliner Verkehrsplaner bereits 1884 seine Überflüssigkeit fest. Nach nur 37 Jahren in Betrieb wurde der imposante, im spätklassizistischen Stil errichtete Bau geschlossen.

Das angrenzende Gelände wurde weiterhin für den Güterverkehr genutzt, der Bau selbst diente ab 1906 als Verkehrs- und Baumuseum und ist damit ein Vorläufer des am Gleisdreieck beheimateten Deutschen Technikmuseums. Nach Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs, wurde das Museum geschlossen und das Areal für die Öffentlichkeit gesperrt.

Erst nach der Wende wurde es erneut als Museum genutzt. Unter dem Namen „Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart“ ist in dem einzigen bis heute erhaltenen Berliner Kopfbahnhof aus dem 19. Jahrhundert seit 1996 zeitgenössische Kunst zu sehen.

 


Friedhofsbahn

Brücke der ehemaligen Friedhofsbahn über dem Teltowkanal bei Dreilinden, 2017. Foto: Imago/Martin Müller

Die sogenannte Friedhofsbahn fährt nicht mehr. Die Bahnlinie verband einst den Wannsee mit dem Südwestfriedhof bei Stahnsdorf und sollte den Transport der Toten von Berlin ins Umland erleichtern. Im Zweiten Weltkrieg wurde zwar die zerstörte Brücke über den Teltowkanal wieder aufgebaut, aber mit dem Bau der Mauer kam der Zugverkehr dennoch zum Erliegen. Bis heute, auch wenn immer wieder Forderungen laut werden, die Verbindung wieder in Betrieb zu nehmen.


Busbahnhof Stuttgarter Platz

Berlin Bahnhöfe:
Reisebusse am Stuttgarter Platz, 1930er-Jahre. Foto: Imago/Arkivi

Der „Stutti“, wie Berliner den Stuttgarter Platz nennen, gehört nicht unbedingt zu den angenehmsten Ecken der Stadt. Alkohol, Gewalt, Sexkinos und Prostitution prägten lange die Stimmung. Zugleich machte der Busbahnhof den Platz stadtweit bekannt, und nach dem Krieg florierte dort der Schwarzmarkt.

Noch in den 1950er-Jahren fuhren am „Stutti“ die Busse nach Westdeutschland ab, dann war Schluss und der Berliner Fernbusverkehr fand im ZOB am Funkturm eine neue Heimat.


Magnetschwebebahn

Magnetschwebebahn am Kemperplatz, 1988. Foto: Imago/Gerhard Leber

In West-Berliner Zeiten war der Potsdamer Platz eine gewaltige Brache. Wim Wenders fing die Stimmung in „Der Himmel über Berlin“ kongenial ein. Der vor dem Krieg so belebte Ort mutierte zum Niemandsland in Randlage.

Die BVG experimentierte dort Ende der 1980er-Jahre kurzzeitig mit einem neuen Verkehrsmittel, der Magnetschwebebahn. Daraus ist nichts geworden. Doch das längst verschwundene futuristische Projekt gehört zu den 12 Dingen aus West-Berlin, die man kennen sollte.


U-Bahnhof Französische Straße

Berlin Bahnhöfe:
Am 4. Dezember 2020 wurde der Betrieb vom U-Bahnhof Französische Straße eingestellt. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Der 1923 in Betrieb genommene U-Bahnhof Französische Straße befindet sich im geschäftigen Zentrum Berlins, direkt an der Kreuzung Friedrichstraße und Französische Straße. Damit liegt er einfach zu nah an dem neuen Bahnhof der U5, Unter den Linden. 

Die Lösung der Verkehrsplaner lautete: Schließung. Keine neue Situation für den U-Bahnhof. Schon zu Mauerzeiten hat man den U-Bahnhof Französische Straße, ebenso wie weitere Stationen der U6 und auch der U8, die unter Ost-Berlin verliefen, vom Netz genommen. Damals aus politischen Gründen.


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