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Das Brandenburger Tor: Alles über Berlins berühmtes Wahrzeichen

Das Brandenburger Tor ist das Wahrzeichen Berlins, wenn nicht sogar das Bauwerk, das Deutschland in der Welt symbolisiert. Der Fernsehturm mag spektakulär sein und das Reichstagsgebäude politisch bedeutender, an das Brandenburger Tor kommt einfach nichts heran. Alles über das Symbol dieser Stadt.

Das berühmte Brandenburger Tor bei Sonnenuntergang.
Das berühmte Brandenburger Tor bei Sonnenuntergang. Foto: Imago/Chromorange

Das Brandenburger Tor – keine Funktion, aber Symbolwert

Geschichte Das Schöne am Brandenburger Tor ist, es hat keine Funktion. Es ist ein Triumphtor, ein Bauwerk, das schlicht und ergreifend der Repräsentation dient. In Berlin schwebte dem Regenten Friedrich Wilhelm II. ein krönender Abschluss für den Prachtboulevard Unter den Linden vor und so ließ er seinen Architekten Carl Gotthard Langhans einen Entwurf zeichnen.

Langhans, ein dem Klassizismus verpflichteter Baumeister, machte sich an die Arbeit und schlug das an die griechische Akropolis angelehnte Gebäudeensemble vor zu dem neben dem eigentlichen Tor, das aus sechs dorischen Säulen bestehen sollte, auch zwei Flügelbauten gehörten.

Das Brandenburger Tor um 1850.
Das Brandenburger Tor um 1850. Foto: Imago/Imagebroker

Die Bauarbeiten begannen 1789 im Jahr der Französischen Revolution, die feierliche Einweihung wurde vier Jahre später, 1793 begangen. Das Brandenburger Tor misst 62,5 Meter in der Breite und ist etwas über 20 Meter hoch, die Quadriga nicht mitgerechnet.

Die Quadriga ist die das Tor krönende Skulptur. Sie stellt ein antikes Vierergespann vor, das von der Siegesgöttin Viktoria geführt wird, die Frieden in die Stadt bringen soll. Der Entwurf der Quadriga stammte von dem bedeutendsten Bildhauer Preußens, Johann Gottfried Schadow.

Hakenkreuze am Brandenburger Tor.
Hakenkreuze am Brandenburger Tor. Foto: Imago/Arkivi

Mittlere Durchfahrt durfte nur von Kaiser und Familie genutzt werden

Bis zum Ende der Kaiserzeit stand das Brandenburger Tor im Zentrum des preußischen Selbstverständnisses. Die mittlere Durchfahrt durfte nur vom Regenten und seiner Familie benutzt werden und viele wichtigen Paraden und Zeremonien fanden vor dem Brandenburger Tor statt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und den Ereignissen der Novemberrevolution wurde das verwitterte und teilweise beschädigte Tor aufwendig restauriert, in der Ära der Weimarer Republik aber seltener als repräsentativer Symbolbau benutzt.

Erst die Nationalsozialisten entdeckten die Wirkkraft der symbolträchtigen Architektur und inszenierten sie als Teil ihrer Machtpolitik. Am 30. Januar 1933 fand der berüchtigte „Fackelzug“ der SA durch das Brandenburger Tor statt, mit dem die „Machtergreifung“ der NSDAP gefeiert wurde.

Es spielte auch eine zentrale Rolle in den größenwahnsinnigen Plänen der „Welthauptstadt Germania“, die Adolf Hitler mit seinem Architekten Albert Speer vorantrieb.

Das Brandenburger Tor im Jahr 1983.
Die geteilte Stadt im Jahr 1983. Foto: Imago/Thomas Imo

Der Zweite Weltkrieg setzte dem Tor erheblich zu. Bei der „Schlacht um Berlin“ brannten beide Torhäuser ab, die Quadriga wurde bis auf den Kopf der Siegesgöttin komplett zerstört und an den Säulen erinnerten Einschusslöcher an die Kriegsgrauen.

Nach der Teilung steht das Brandenburger Tor am Stadtrand

Nach der Teilung Berlins befand sich das berühmte Bauwerk plötzlich am Stadtrand, es gehörte zu der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), also in Ost-Berlin, stand aber unmittelbar im Grenzgebiet und nach dem Mauerbau 1961 mitten auf dem Todesstreifen.

Zwar hat die DDR die zerstörte Quadriga restaurieren und neu aufstellen lassen, doch blickte sie zeitweise in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Es war eine „Retourkutsche“ des SED-Regimes, gerichtet an den Systemfeind, die BRD.

Menschen aus Ost und West feiern den Fall der Berliner Mauer am Brandenburger Tor, November 1989.
Menschen aus Ost und West feiern den Fall der Berliner Mauer im November 1989. Foto: Imago/Imagebroker

Am 9. November 1989 stand das Brandenburger Tor erneut im Mittelpunkt der deutschen Geschichte. Diesmal jedoch als Symbol der Freiheit. Als die Mauer fiel, feierten die Menschen aus Ost und West vor der historischen Kulisse und lagen sich lachend und weinend in den Armen. Auch die große Silvesterparty 1989/90 auf dem Pariser Platz rückte das vom preußischen Militarismus und nationalsozialistischem Machtwahn durchtränkte Symbol der deutsch-deutsche Teilung in ein freundlicheres Licht.

Seitdem wird am und vor dem Brandenburger Tor zumeist gefeiert, manchmal auch protestiert, doch stets sind die Großereignisse friedlich. Die großen Silvesterfeiern mit spektakulären Feuerwerkshows etwa oder die Love Parade zu der über eine Million Raver kamen. Auch der WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Jahr 2014 wurde hier gefeiert.

Loveparade 2003. Foto: Imago/Müller-Stauffenberg

Napoleon ließ Quadriga nach Frankreich bringen

Fun Fact: Das Brandenburger Tor stand immer wieder im Zentrum der deutschen Geschichte und dabei kam es auch zu kuriosen Begebenheiten. Nach der Niederlage Preußens im Vierten Koalitionskrieg gegen Frankreich zog Napoleon 1806 durch das Tor in die eroberte Stadt. Der Kaiser der Franzosen packte die Quadriga ein und ließ sie nach Paris bringen. Eine Schmach für die Berliner.

Doch nur acht Jahre später marschierten die Preußen in Paris ein und holten sich die Quadriga zurück. Nach der Rückführung und Restaurierung stand die Skulptur wieder an ihrem angestammten Platz und wurde von den Berlinern fortan „Retourkutsche“ genannt.

Bestenfalls nicht mit dem Auto anreisen

Information für Besucher: Das Tor steht direkt am Pariser Platz zwischen den Bezirken Mitte und Tiergarten. Es ist 24 Stunden am Tag zugänglich und die Besichtigung kostet natürlich keinen Eintritt.

Man erreicht es am besten zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Entweder mit den S-Bahnen (Station Brandenburger Tor) der Linien: S1, S2, S25 oder mit der U-Bahn (Station Brandenburger Tor) der Linie U55. Sowie mit den Bussen 100 und M85 (Haltestelle Reichstag/Bundestag) und 147 und 200 (Haltestelle Brandenburger Tor/Glinkastr.) und TXL (Haltestelle Marschallbrücke)

Wer mit dem eigenen PKW kommt sollte die schwierige Parkplatzsituation beachten.

In der Nähe: In Laufweite zum Tor befinden sich weitere wichtige Sehenswürdigkeiten wie der Reichstag, das Hotel Adlon, der Pariser Platz, die Akademie der Künste, die Botschaft der USA, der Tiergarten und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Und natürlich gibt es auch noch viel über den Pariser Platz zu erfahren.

  • Adresse: Brandenburger Tor, Pariser Platz, Mitte

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