Stilecht Fastenbrechen

Ramadan in Berlin: 12 Restaurants für muslimische Genusskultur

Seit vergangener Woche fasten Muslime auf der ganzen Welt und auch in Berlin wird Ramadan gefeiert. Der Fastenmonat ist einer der wichtigsten Termine im muslimischen Kalender, doch dieses Jahr ist alles ein wenig anders. Denn das allnächtliche Fastenbrechen ist vor allem auch ein Fest der Geselligkeit und des Zusammenkommens, egal ob man selbst fastet oder nicht.

Alles Dinge, die dieses Jahr ausfallen müssen. Was aber nicht ausfällt: richtig gutes Essen zum Fastenbrechen! Und man kann ja die Nächte des Ramadans dadurch nutzen, die gesamte Bandbreite muslimisch-geprägter Küche auszukosten: von jemenitischen Teigtaschen bis indonesischen Gemüsegerichten, von pakistanischen Schmorgerichten über ägyptische Iftar-Spezialitäten bis hin zu türkischer Grillkunst und modernem persisch-inspiriertem Deli-Food. In diesem Sinne: Ramadan Mubarak! Gesegneter Ramadan.

Achtung: die meisten, aber nicht alle Restaurants auf dieser Liste sind halal. Manche servieren auch Weine und/oder Schweinefleisch.


Mama Shabz

Menükarte auf gelb-rosa Tisch bei Mama Shabz. Das Restaurant feiert Ramadan in Berlin.
Pakistanische Wohlfühlküche und Specials zu Ramadan bei Mama Shabz in Berlin-Kreuzberg. Foto: F. A. Schaap

Es ist traurig, nicht mehr in Shabnam Syeds buntem kleinen Café herumsitzen zu können. Aber immerhin muss man nicht auf ihre großartigen Currys, Pakoras und die pakistanische Wohlfühlküche verzichten. In Windeseile baute die Londonerin ihren eigenen Lieferservice auf mit wöchentlich wechselndem Menü. Zum Ramadan in Berlin sind zusätzlich hausgemachte Lassis und Chai (auch vegan!) auf das Menü gekommen.

Seit einigen Wochen liefert sie auch Currypakete mit mehreren Gerichten aus, die sich wunderbar einfrieren und über die Woche verteilen lassen. Das Iftar, das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang, wäre damit wohl geklärt! Die Currypakete gibt es sogar für ganz Berlin – einmal die Woche frei Haus.

Mama Shabz, Reichenberger Str. 61a, Kreuzberg, Lieferung und Abholung fertiger Gerichte Mi–Sa 12:30-20:30, Lieferung Currypakete Di 11–17 Uhr


Koshary Lux

Gedeckter Tisch bei Koshary Lux. Das Charlottenburger Restaurant bietet in Berlin Iftar-Pakete zu Ramadan an.
Iftar-Pakete und mehr: Koshary Lux zelebriert ägyptische Kultur. Foto: Philipp Külker

Dass es Michael Landeck mit seiner nordafrikanisch-orientalischen Street-Food-Küche ausgerechnet in die Grolmannstraße verschlagen hat, war vor fünf Jahren noch eine Überraschung. Vom Street Food Thursday in der Kreuzberger Markthalle Neun kennt man sein Koshary Lux.

Im Savignykiez hatte er aber rückblickend die in mancher Hinsicht multikulinarischere Nachbarschaft gefunden. Israelis, Türken, Pfälzer, die ägyptische und nordafrikanische Community sowieso: Seine ägyptische Alltagsküche ist für alle, die sie neu entdecken, intuitiv vollmundig und faszinierend zugleich. Wir würden mit dem namensgebenden Koshary starten, dem ägyptischen Nationalgericht aus Reis, Makkaroni, Linsen, dazu eine würzige Tomatensoße, Kichererbsen und vor allem: crunchy karamellisierte Zwiebeln.

Zu Ramadan gibt es ein „Iftar Pack“, also ein Fastenbrechen-Schlemmerpaket, im, klar, ägyptischen Stil. Darin: Milch mit Datteln, Lisan Asfour, eine traditionelle würzige Nudelsuppe, Masa’a, ein Gemüseauflauf, Fattoush-Salat und hausgemachte Getränke für 35 € (mit Fleisch) bzw. 32 € (vegetarisch).

Koshary Lux, Grolmanstr. 27, Mo–Fr von 12–16 und von 18–21 Uhr, Vorbestellung und Lieferung möglich


Ramadan in Berlin: die gesamte muslimisch geprägter Küche auf dem Tisch


Malakeh

Man könnte jetzt meinen, dass Malakeh Jazmati, die vor fünf Jahren als Kriegsflüchtling aus Damaskus nach Berlin gekommen war, schon Schlimmeres erlebt habe als Covid-19. Aber das wäre nur wieder einer dieser unsäglichen Vergleiche. Ihr selbstbetiteltes Restaurant in der Potsdamer Straße hatte jedenfalls schon früh einen Lieferdienst auf die Beine gestellt. Dieser Tage gibt es ein besonderes Angebot zum Ramadan in Berlin: eine Hauptspeise, eine Suppe, ein Salat, ein Kibbeh, ein Käse-Burak und ein Dessert für glatte 22 €.

Malakeh, Potsdamer Str. 153, Schöneberg, Di–Fr 15–23 Uhr, Sa+So 12–23 Uhr, Tel 0176/22 16 09 98


Doyum

Dönerspieß im Doyum. Das Restaurant ist auch zu Ramadan in Berlin geöffnet
Doyum Grill: gehobene Fleischkunst. Foto: F. Anthea Schaap

Das Doyum ist mindestens die meistgefilmte Dönerbude der Stadt. Denn sie liegt sehr pittoresk mitten in der dystopischen Bebauung rund ums Kottbusser Tor. Darüber vergisst man gerne, wie gut die Kebabs von Doyum sind, nämlich salzig, bitter, scharf und fettig. Derart umfassend lecker sind sie ein universelles Leibgericht.

Aber dabei braucht es nicht zu bleiben: die kalten und warmen Vorspeisen sind herausragend und das Dessert Künefe ein Klassiker zu Ramadan für viele Berliner*innen.

Doyum, Admiralstraße 36, Kreuzberg, nur zum Mitnehmen


Nusantara

Indonesische Küche ist ungewöhnlich, faszinierend, und in Berlin selten erhältlich. Das Nusantara ist da eine Ausnahme: gegründet von drei indonesischstämmigen Berlinerinnen, die den Geschmack des größten muslimischen Landes (!) nach Moabit holen. Zwar hat die New York Times schon mal über das Restaurant auf der Turmstraße geschrieben, trotzdem bleibt es in Berlin ein Geheimtipp. Unbedingt ausprobieren.

Nusantara, Turmstraße 18, Moabit, tgl. 12–22 Uhr, Lieferung über Lieferando


Rocket + Basil

Kekse im Rocket + Basil. Das Restaurant ist nicht halal, aber interpretiert die muslimisch-geprägte Küche des Iran neu.
Nicht halal, trotzdem lecker: das persisch-geprägte Deli Rocket + Basil. Foto: Becca Crawford

Ja, das Rocket + Basil fällt vielleicht aus dieser Reihe heraus: Schweinefleisch auf der Karte! Ja, Halal ist es hier nicht. Aber das charmante Deli ist gleichzeitig auch der derzeit innovativste Ort für persisch grundierte, international ausgerichtete Wohlfühlküche. Und hat damit seinen Platz auf dieser Liste verdient.

Ihre Speisen sind zwar nicht traditionell, aber übersetzen dafür die Aromen des Iran lässig ins heutige Berlin. Früh haben sie einen Lieferdienst eingerichtet, abholen kann man über ihr flugs aufgebautes Abholfenster auch. Unbedingt vorbestellen!

Rocket + Basil, Lützowstraße 22, Tiergarten, Tel. 0176-61 76 78 45, Di–Sa 11–16 Uhr


Jemenitisches Restaurant

Die Küche des Jemens – völlig zu Unrecht eher unbekannt.

Die Küche des Jemens ist vielfach unbekannt, dabei unbedingt einen Versuch wert! Falafel und Co. sucht man vergeblich, die Küche ist eher von indischen und ottomanischen Einflüssen geprägt. Übersetzt auf den Teller heißt das: Schmor- und Grillgerichte dominieren, dazu tolle Teiggerichte, wie ihre köstlichen Käse-Teigtaschen und das strudelige Ratib-Brot.

Jemenitisches Restaurant Karl-Marx-Straße 172, Neukölln, Tel. 98 39 35 79, tgl. 11–23 Uhr, www.jemenrestaurant.de


Aleppo Supper Club

Granatapfelkerne veredeln diesen köstlichen Salat im Aleppo Supper Club. Foto: Henry Schröder

Was haben wir vom Aleppo Supper Club in der Vergangenheit geschwärmt: aleppinische Spezialitäten, in einem winzig kleinen, fast zu übersehenden Imbiss in der Rigaer Straße.

Jetzt liefern sie ihre legendären Kibbeh und Reisgerichte im Umkreis von 5 Kilometern aus, aber natürlich kann man auch weiterhin sein syrisches Festmahl selbst abholen.

Aleppo Supper Club, Rigaer Str. 58, Friedrichshain, tgl. 12–22 Uhr, Mindestbestellwert 15€, Liefergebühr 2€, Vorbestellung unter 01777 43 55 33.


Kreuzberger Himmel

Dem Himmel so nah: unter dem schützenden Dach der Kreuzberger St. Bonifatius-Kirche ist eines der spannendsten arabischen Restaurants Berlins entstanden. Getragen vom Verein Be an Angel e.V. serviert das Restaurant unter normalen Umstände gehobene arabische Küche und fungiert als Ausbildungsbetrieb für Geflüchtete.

Derzeit aber hat das Restaurant umgeschwenkt: das Team kocht für Berliner Obdachlose und liefert hunderte Mahlzeiten in der Woche aus. Und alle anderen können online ihre Lieblingsgerichte zum Liefern oder Abholen vorbestellen.

Kreuzberger Himmel, Yorckstraße 89, Kreuzberg, Di–Sa 14–22 Uhr


Pascha Grill

Wenn von dieser türkischen Grillinstitution Potsdamer, Ecke Pallasstraße die Rede ist, dann meistens, weil der Pascha Grill tatsächlich rund um die Uhr geöffnet hat. Auch dem hat Covid-19 einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Das Restaurant in Schöneberg bleibt aber weiter noch offen, bis 21 Uhr kann man sich hier etwa ganze Doraden auf den Grill werfen lassen. Oder eigentlich alle Teile vom Lamm. Dazu Fladenbrot und einen Salat mit diesem typischen Zitronendressing. Feuchte Tücher (zum Desssert) gab es im Pascha Grill übrigens schon vor den aktuellen Corona-Bestimmungen.

Pascha Grill, Potsdamer Str. 172, Mo–So 12–21 Uhr


Osmans Töchter

Wahnsinnig lecker: Türkische Küche bei Osmans Töchter erweitert den Horizont der landestypischen Küche. Foto: Osmans Töchter.

Türkische Küche – with a twist. Die beiden Filialen von Osmans Töchter bieten Köfte, Humus, Gözleme – und Wein, für alle, die nicht streng halal leben, Granatapfeltee für alle anderen. Übrigens liefern sie auch über Lieferando.

Osmans Töchter, Pappelallee 15, Prenzlauer Berg und Wielandstraße 38, Charlottenburg, Mo–Fr 17.30–21 Uhr, Sa, So & Feiertage 12–21 Uhr, Tel. 0172/27 44 62


Konditorei Damaskus

Und zum Abschluss noch etwas Süßes: normalerweise gehört der Fastenmonat Ramadan für arabische und türkische Konditoreien, auch in Berlin, zu einem der umsatzstärksten. Schließlich besuchen viele Menschen Freunde und Familie, jeder Abend ist ein Festmahl.

Aber auch wenn die großen Ramadan-Festlichkeiten dieses Jahr ausfallen, sollte man sich unbedingt – oder erst recht – bei der gefeierten Konditorei Damaskus eindecken. Die Grießröllchen „Halawat al-Jibn“ sind jede Sünde wert! Übrigens: mittlerweile gibt es berlinweit drei Filialen.

Damaskus, Sonnenallee 93, Neukölln



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