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Die Filmstarts der Woche: Von „Moneyboys“ bis „DC League of Pets“

In dieser Woche gibt es wieder Filme mit spannenden Themen, etwa zur Frage, wie man heute als Homosexueller in der Volksrepublik China lebt. Der nach Österreich ausgewanderte C.B. Yi erzählt davon in seinem sehenswerten Drama „Moneyboys“. Außerdem zeigt sich mal wieder, dass kaum eine Kinowoche vergeht, ohne dass Superheld:innen über die Leinwand gleiten. Diesmal schickt das DC-Comic-Universum ein paar animierte Tiere ins Gefecht („DC League of Pets“). Außerdem: eine schwarze spanische Komödie mit Javier Bardem („Der perfekte Chef“) und ein weiteres Beispiel des spannenden skandinavischen Psychohorrorkinos („Hatching“). Die Filmstarts der Woche im tipBerlin-Überblick


Moneyboys

„Moneyboys“ von C.B. Yi. Foto: Salzgeber

DRAMA Fei stammt aus einem kleinen Fischerdorf und bescheidenen Verhältnissen; um seine Familie zu unterstützen, geht er in die Stadt und arbeitet dort als sogenannter Moneyboy, das heißt, er prostituiert sich. Das ist natürlich verboten und außerdem ein Skandal, weil Homosexualität in China keinen Platz hat. Das Geld nimmt die Familie trotzdem.

Mit Ruhe, Geduld und Genauigkeit setzt der österreichisch-chinesische Filmemacher C.B. Yi in seinem Debüt „Moneyboys“ die Geschichte von Fei und seinen Freunden in Bilder, die von gestalterischer Souveränität und hohem künstlerischen Anspruch zeugen. Er schafft ein wuchtiges Melodram, das von komplizierten Verhältnissen und komplexen Emotionen erzählt, und das von großer Empathie ebenso wie von einem nüchternen Blick auf die Verhältnisse geprägt ist. Denn die wohlfeile Parole, dass der moderne Mensch sein Lebensglück selbst in der Hand habe, gilt nicht für jene, die in einer intoleranten und zudem in überkommenen Traditionen verhafteten Gesellschaft leben.

Das eigentlich Herzzerreißende ist, dass Fei sich zwar unermüdlich bemüht, sein Leben in neue Bahnen zu lenken und auf diese Weise vielleicht doch noch das Glück – seines Lebens und in der Liebe – zu finden, dass seine Versuche, es allen recht zu machen, aber gar nicht anders als scheitern können. Zwischen seiner früheren Liebe Xiaolai, an den ihn eine alte Schuld bindet, und Long, dem Freund aus dem Dorf, dessen Liebe zu erwidern er sich nicht erlaubt, sucht Fei nach dem guten Weg – den C.B. Yi mit seinem Film für ihn fordert. Alexandra Seitz

Taiwan 2021; 120 Min.; R: C.B. Yi; D: Kai Ko, Yufan Bai, JC Lin; Kinostart: 28.7.


DC League of Super-Pets

„DC League of Super Pets“ von Jared Stern und Sam Levine. Foto: Warner Bros.

ANIMATION Superman ist schon längst auf den Hund gekommen. Aber natürlich nicht auf irgendeinen Hund, sondern auf einen Superhund: Krypto, der erstmals 1955 in den Comics rund um den Superhelden vom Planeten Krypton auftauchte und praktisch schon an dessen Wiege geschworen hat, immer gut auf ihn aufzupassen. Nur klappt das in dem Animationsfilm „DC League of Super-Pets“ von Jared Stern leider nicht so richtig.

Und schuld daran ist nicht einmal so sehr Oberschurke Lex Luthor, der sich einmal mehr mit den Superhelden der Justice League anlegt, sondern Lulu, ein größenwahnsinniges Meerschweinchen aus dem Tierheim. Denn Lulu gelüstet es nach der Weltherrschaft, und es gelingt ihr, sowohl die Justice League außer Gefecht zu setzen als auch Krypto vorübergehend seiner Superkräfte zu berauben. Das stellt den egomanischen Hund vor eine echte Herausforderung, die da lautet: mit anderen Kreaturen zusammenzuarbeiten. Konkret: mit Lulus Mitbewohnern aus dem Tierheim, die ihrerseits versehentlich Superkräfte bekommen haben, aber noch nicht so recht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Batman vermisst seine Eltern: Die Tiere sind in „DC League of Pets“ sehr menschlich

„DC League of Super-Pets“ funktioniert als Familienfilm recht vergnüglich auf zwei Ebenen: zum einen als Unterhaltung für Kinder, die unabhängig vom Superhelden-Thema eine solide erzählte Geschichte um knuffige Vierbeiner sehen, die gemeinsam die Welt retten. Und zum anderen besitzt der Film genügend ironische Anspielungen auf die sonst so ernsten DC-Comic-Helden, um auch für erwachsenes Begleitpersonal genügend Amüsement zu bieten. Besonders gut: der dauernd deprimierte Batman („Ich vermisse meine Eltern“), der hier auch noch ein faszinierendes zweites Leben als Hundespielzeug Quietsche-Bruce besitzt. Lars Penning

USA 2022; 106 Min.; R: Jared Stern, Sam Levine; Stimmen OF: Dwayne Johnson, Kevin Hart, Natasha Lyonne, Keanu Reeves; Kinostart: 28.7.


Der perfekte Chef

„Der perfekte Chef“ von Fernando León de Aranoa. Foto: Alamode

KOMÖDIE Spätestens, wenn der Chef behauptet, man sei gemeinsam doch eine große Familie, wird es für die Mitarbeiter:innen eigentlich höchste Zeit, die Beine in die Hand zu nehmen und sich einen anderen Job zu suchen. Julio Blanco, Boss eines mittelständischen Familienbetriebs, der Präzisionswaagen herstellt, ist so ein Chef. Dass sich alles in der Balance befinden müsse, ist – kein Wunder bei dem Produkt –einer der schwurbeligen Leitsprüche im Unternehmen; Blancos am häufigsten wiederholter Satz ist jedoch, dass die Probleme seiner Mitarbeiter:innen auch seine eigenen seien. 

Und das nimmt er auch durchaus ernst, wenngleich nicht ganz in dem Sinn, in dem man diesen Satz traditionell verstehen würde: die Betonung liegt hier eher auf eigen. Gerade hat sich die vielfach prämiierte Firma – es gibt eine ganze Wand voller Trophäen – für einen Exzellenzpreis beworben, doch es knirscht ein wenig im Gebälk: Ein geschasster Buchhalter hat auf einem Brachgelände gegenüber von der Einfahrt zum Firmengelände ein lautstarkes Ein-Personen-Protestcamp aufgezogen, das auch schon Medieninteresse generiert. Und der Leiter der Logistikabteilung arbeitet in höchstem Maße unkonzentriert, weil es in seiner Ehe kriselt und seine Frau offenbar eine Affäre hat. Blanco (brillant: Javier Bardem) beginnt sich zu „kümmern“ – immer übergriffiger steckt er sich in höchst private Dinge seiner Angestellten, die ihn überhaupt nichts angehen.

Mit „Der perfekte Chef“ hat Drehbuchautor und Regisseur Fernando León de Aranoa eine böse schwarze Komödie geschaffen, in der Stück für Stück das Anspruchsdenken und die Hohlheit eines Mannes bloßgelegt werden, der in eine Gesellschaftsschicht hineingeboren wurde, in der einem nicht nur alles zufällt, sondern in der das eigene Handeln auch kaum irgendwelche Konsequenzen hat. Jedenfalls keine, die man nicht mit einem kleinen Telefonanruf bei Freunden aus derselben Schicht abwenden könnte. 

Blancos Umgang mit den Praktikantinnen in seinem Betrieb erinnert nicht von ungefähr an Prostitution, wobei er die Affäre mit Liliana (Almudena Amor) wohl besser hätte bleiben lassen, denn die ist durchaus in der Lage, ihm seine Schäbigkeit mit gleicher Skrupellosigkeit heimzuzahlen. Es ist auch nicht so, dass man sich gegen diesen Chef nicht wehren könnte, wenn man rechtzeitig die Fronten klärt: „Ich mache meinen Job, und Sie bezahlen mich“, sagt einmal jemand, und das war es dann. Aber für jene, die dazu nicht in der Lage sind, geht es nicht gut aus. Lars Penning

Spanien 2021; 116 Min.; R: Fernando León de Aranoa; D: Javier Bardem, Manolo Solo, Almudena Amor; Kinostart: 28.7.


Die Magnetischen

„Die Magnetischen“ von Vincent Maël Cardona. Foto: Port au Prince

COMING OF AGE Frankreich, Frühjahr 1981: Der Sozialist François Mitterand hat die Präsidentschaftswahlen gewonnen, und ein bisschen von der Aufbruchsstimmung kommt selbst in der Provinz an, wo die Brüder Jerôme und Philippe einen Piratensender betreiben. Ihnen vermittelt sich der Aufbruch allerdings viel eher über die britische Musik der Postpunk-Ära: Joy Division, Gang of Four, Au Pairs, das war damals aufregend und neu. Der extrovertierte Jerôme sitzt am Mikrophon, der zurückhaltende Philippe bastelt an der Technik – es ist noch die Zeit der Cassetten und Magnetbänder. Und irgendwie stellt sich bei alledem stets die Frage, ob man wohl dem Alltagstrott entkommen kann, der für die Brüder darin besteht, in der Autowerkstatt des Vaters mitzuhelfen.

Militärdienst in West-Berlin: „Die Magnetischen“ erzählt auch davon

Der melancholische Debütspielfilm des französischen Regisseurs Vincent Maël Cardona rekreiert die Atmosphäre der Zeit recht gut: diese sehr spezielle Mischung aus Langeweile, der provinziellen Trostlosigkeit des Mittelmäßigen und dem jugendlichen Wunsch, etwas auf die Beine zu stellen, ohne recht zu wissen, was oder wohin das führt.

Für Philippe ergibt sich die Möglichkeit eines Ortswechsels, als er den ungeliebten Militärdienst in West-Berlin ableisten muss; Jerôme versumpft daheim derweil im Alkohol. In der zentralen Sequenz des Films sendet Philippe – nicht besonders plausibel, aber nett ausgedacht – als Assistent eines dem legendären John Peel nachempfundenen DJs beim britischen Soldatensender BFBS mithilfe der Studiotechnik eine avantgardistische Liebeserklärung an Marianne, die Freundin seines Bruders, in die er sich verliebt hat: auch ohne explizites Happyend vielleicht ein kleiner Verweis, auf das, was alles möglich ist. Lars Penning

F/D 2021; 98 Min.; R: Vincent Maël Cardona; D: Thimotée Robart, Marie Colomb, Joseph Olivennes; Kinostart: 28.7.


Hatching

„Hatching“ von Hanna Bergholm. Foto: Wild Bunch

PSYCHOTHRILLER Kein gutes Ende nimmt es für den Vogel, der durch das offene Fenster ins Haus fliegt, dort mit seinem aufgeregten Umherflattern jede Menge zu Bruch gehen lässt, bevor Tinja ein Tuch über ihn wirft. Dass ihm die Mutter daraufhin den Hals umdrehen würde, war nicht unbedingt vorherzusehen. Auch nicht, dass sie es ihrer Mutter gleichtut, als sie im Wald einen verletzten Raben findet. Das scheint bei der Zwölfjährigen allerdings so etwas wie Schuldgefühle auszulösen, jedenfalls nimmt sie das verlassene Ei aus dem Nest mit nach Hause und bereitet ihm in ihrem Bett einen warmen Platz zum Ausbrüten. Womit sie nicht gerechnet hat: dass das Ei immer größer wird – riesengroß.

Die Schrecken des Erwachsenwerdens, speziell die der Pubertät mit ihren Veränderungen des eigenen Körpers, waren in den letzten Jahren Ausgangspunkt einer Reihe bemerkenswerter Filme, die sich bei ihren Erzählweisen eher beim Arthousekino als beim traditionellen Horrorfilm bedienten – gerade die skandinavischen Länder taten sich dabei hervor, vom schwedischen „So finster die Nacht“ bis zum letztjährigen norwegischen „The Innocents“.

Tinja hat aber nicht nur Probleme mit dem immer größer werdenden Ei und mit dem, was daraus schließlich hervorschlüpft, sondern auch, gleich doppelt, mit ihrer Mutter, die zum einen ihren eigenen Ehrgeiz als ehemalige Leistungssportlerin auf sie projiziert, wenn es um den kommenden Turnwettbewerb geht, zum anderen sie freimütig darüber informiert, dass sie gerade ein Verhältnis mit einem anderen Mann angefangen hat – was der Vater eher gleichmütig hinnimmt.

Währenddessen schwankt das Verhältnis zwischen Tinja und dem Wesen aus dem Ei zwischen Zuneigung und heftigen, auch körperlichen Auseinandersetzungen. Wie lange kann sie es vor ihren Eltern und dem neugierigen kleinen Bruder verstecken? Zumal es immer fordernder wird und dabei seine Gestalt ändert, bis es zu so etwas wie einer dunklen Doppelgängerin von Tinja geworden ist, eine, die sich äußerst aggressiv aufführt – aber dabei vielleicht nur Tinjas geheimste Phantasien ausagiert.

Das Debüt der Regisseurin Hanna Bergholm verfügt über eindrucksvolle Spezialeffekte, die aber nie das Interesse an den Figuren, zumal der von Siiri Solalinna eindringlich verkörperten Protagonistin, überlagern. Frank Arnold

FIN/S 2021; 86 Min.; R: Hanna Bergholm; D: Siiri Solalinna, Sophia Heikkilä, Jani Volanen, Reino Nordin; KInostart: 28.7.


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Weiterhin im Kino: der kritische Sissi-Film „Corsage“ von Marie Kreutzer. Wir haben mit der österreichischen Filmemacherin Marie Kreutzer über ihr Werk gesprochen. In der Vorwoche startete unter anderem der umstrittene Horror-Film „Men“ von Alex Garland und weitere spannende Titel – unser Überblick. Ihr wollt noch mehr? Dann schaut doch in unsere Kino-Rubrik!

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