Rock'n'Roll

Die Rolling Stones spielen in Berlin – This could be the last time

Für die Rolling Stones ist der Auftritt in der Waldbühne nicht nur eine Rückkehr zu einem historischen Spielort, an dem vor mehr als einem halben Jahrhundert die harten Jungs aus England für ordentlich Zoff sorgten. Das Berliner Konzert am 3. August ist ein für ihre Verhältnisse beschaulicher Rahmen, ein Clubgig sozusagen. Näher wird man der größten Rockband der Welt nicht kommen. Vielleicht nie wieder.

Ronnie Wood, Mick Jagger und Keith Richards in Mailand am 21. Juni 2022, erstmals ohne Schlagzeuger Charlie Watts, stattdessen trommelt Steve Jordan auf der "Sixty"-Tour. Foto: Imago/Elena Di Vincenzo
Ronnie Wood, Mick Jagger und Keith Richards in Mailand am 21. Juni 2022, erstmals ohne Schlagzeuger Charlie Watts, stattdessen trommelt Steve Jordan auf der „Sixty“-Tour. Foto: Imago/Elena Di Vincenzo

Die Rolling Stones haben einfach immer weiter gemacht

Um die 200 Euro oder mehr, da schluckt auch der hartgesottene Stones-Fan. Wer die Rolling Stones sehen will, muss tief in die Tasche greifen. Das schreckt einige ab, auf der anderen Seite kosten Tickets für weit weniger bekannte Bands heute schnell mal 50 oder 60 Euro. Das Live-Geschäft brummt nach den Pandemie-Jahren und Konzerte sind ohnehin die letzte echte Einnahmequelle für Musiker, seit man im Zeitalter von Spotify und Co. mit Plattenverkäufen kaum noch Geld verdienen kann.

Nicht, dass die Stones Geldsorgen hätten, doch in dem Fall ist ein hoher Preis fast schon angemessen. Sie live zu erleben, ist in etwa so, wie die Pyramiden oder die Mona Lisa zu sehen. Ob man sie mag oder nicht, sie sind Weltkulturerbe. Mount Everest? Check! Niagarafälle? Check! Rolling Stones? Check!

Die in den frühen Jahren der Londoner R’n’B- und Blues-Szene gegründete Band hat einfach immer weiter gemacht. Im Gegensatz zu ihren ewigen Widersachern, den Beatles, im Gegensatz zu Rock-Sensationen wie Cream oder Led Zeppelin und selbst zu den psychedelischen Superhelden Pink Floyd, haben die Stones nicht aufgehört zu rollen.

Im 60. Jahr ihres Bestehens sind sie ein megalomanisches Rock’n’Roll-Phänomen

Im 60. Jahr ihres Bestehens sind sie ein megalomanisches Rock’n’Roll-Phänomen. Von der Ur-Formation sind naturgemäß die beiden charismatischen Frontmänner dabei – Jagger und Richards –ohne die das Projekt wohl nicht funktionieren würde. Der ähnlich lederhäutige Ron Wood zupft immerhin seit den 1970ern die Gitarre und hat sich den Stones-Status redlich erarbeitet. Doch viele andere Wegbegleiter sind verschwunden. Das schräge Wunderkind Brian Jones ist längst tot, Bassist Bill Wyman verabschiedete sich in den 1990er-Jahren und im August 2021 verstarb der legendäre Drummer Charlie Watts.

Dass es ohne Watts weitergehen kann, war für viele Fans kaum vorstellbar und doch, siehe da, es geht. Die Stones sind auf Europatour, schließlich gibt es ein Jubiläum zu feiern und so fuhren die vollbeladenen Trucks mit dem Zungen-Logo los und die mondänen Learjets hoben ab. Für das tonnenschwere Equipment und die ergrauten Rockstars führt die Reise zum 60. Bandgeburtstag von Madrid über München und Liverpool, zweimal zum Hyde Park in London und bis nach Paris, Gelsenkirchen und Stockholm. Ende Juli ist alles vorbei. Nein, nicht ganz!

„This could be the last time“, sangen die Stones schon 1965, damals ahnten wohl die Wenigsten, dass die Jungs noch ein halbes Jahrhundert später Stadien füllen würden. Ursprünglich sollte die „Sixty“-Tour am 31. Juli in der schwedischen Hauptstadt enden, doch kurzfristig gaben die Stones einen Überraschungsbesuch in der Berliner Waldbühne bekannt. Am 3. August 2022 könnte nun dort das Tourfinale stattfinden, falls nicht weitere Überraschungen folgen. Und der Rest der Welt will die Engländer sicherlich auch sehen.

Kurz vor den Krawallen, die Rolling Stones spielen am 15. September 1965 in der Waldbühne in Berlin. Foto: Imago/United Archives International
Kurz vor den Krawallen, die Rolling Stones spielen am 15. September 1965 in der Waldbühne in Berlin. Foto: Imago/United Archives International

Dennoch ist der Auftritt historisch. Die Älteren werden sich erinnern oder zumindest die alten Heldengeschichten kennen. Nein, nicht das Konzert im Sommer 2014 ist gemeint. In den Sixties, als sie als „härteste Band der Welt“ galten, dies behauptete zumindest das Branchenblatt „Bravo“, traten sie schon einmal in der Waldbühne auf. Am 15. September 1965, um genau zu sein. 20.000 Fans kamen, einige angesagte deutsche Beatbands heizten die Stimmung an, als die Stars des Abends erschienen, rastete das Publikum komplett aus und zerlegte die Spielstätte. Die Ereignisse reihten sich in die Tradition der „Halbstarken“-Krawalle ein und wurden zu einem Mythos der (Berliner) Rock- und Pop-Geschichte.

Heute ist das Publikum nicht mehr auf Krawall aus, die Stones sind in den Augen junger Menschen eher reaktionär als revolutionär und überhaupt haben sich die Zeiten verändert. Nur die Stones sind eben noch da.

  • Waldbühne Glockenturmstraße 1, Westend, 3.8.,18.30 Uhr, Tickets ab Mittwoch, 29. Juni, ab 12 Uhr hier

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29.06.2022 - 09:59 Uhr

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