Ausstellungen

Hans Baluschek im Bröhan-Museum

Hans_Baluschek_MittagSchwer schleppen die Frauen an ihren Körben. Ein Baby trommelt mit seiner Rassel auf den Rücken der Mutter. Mit abgehärmten Gesichtern pilgert die Gruppe im Gemälde „Mittag“ (Abb.) zur Fabrik, um ihren dort malochenden Männern und Vätern eine Mahlzeit zu bringen. Hans Baluscheks Bilder werden dynamisiert durch schnaubende Eisenbahnloks und radikale Anschnitte. „Poet der Eisenbahn“ taufte ihn ein Kritiker. Selbst wenn er Schneedecken über seine Stadtlandschaften legt, fehlt das Heimelige. Dafür breitet er das pralle Großstadtleben vor uns aus. Animiert zu seinen Sujets wurde er durch die literarischen Naturalisten.

Hans Baluschek (1870 – 1935) gehörte zu den Begründern der Berliner Secession. Vom Kaiser als „Rinnsteinkunst“ geschmäht, bilden seine Gemälde die Milieus des aus allen Nähten platzenden Berlin ab. Dies gelingt ihm so messerscharf, dass Kollege Max Beckmann in einer Mischung aus Bewunderung und Verachtung meinte: „Schade, der Kerl hat so famose Einfälle. Es ist zu dumm, dass er gar keinen Stil hat, er arbeitet wie ein farbiger Fotograf.“ Dem ist entgegenzuhalten, dass Baluschek zwar teilweise auf Fotos zurückgriff, diese jedoch sehr malerisch umsetzte.

Auf vielen seiner Werke lässt sich nun im Bröhan-Museum wunderbar das studieren, was Franzosen „peinture“ nennen. Es sind sehr empathische Szenen, die sich der Maler vorknöpft, ohne sentimentale Mitleidskunst zu produzieren: Obdachlose, Selbstmörderinnen, erschöpfte Nutten am Montagmorgen. Er spart aber auch die kleinen Freuden des Prekariats nicht aus, wenn er etwa einen munteren Fackelzug in der Laubenkolonie zeigt oder ein verschämtes Liebespaar im „Weißbieridyll“. Ironie demonstriert er schon als 25-Jähriger mit der ulkigen Damenrunde „Hier können Familien Kaffee kochen“. Doch der leidenschaftliche Naturalist kann auch ganz zart und lyrisch den Pinsel führen. Er hat das bis heute beliebte Kinderbuch „Peterchens Mondfahrt“ illustriert. Der spätere Bundespräsident Theodor Heuss, der auch mal in Berlin Kunstgeschichte studiert hatte, bringt Baluscheks Absichten auf den Punkt, wenn er sagt, dass der Maler „nicht soziale, sondern psychologische“ Zwecke verfolge: „Er sucht nach den seelischen Leben der Menschen der Unterschicht, und mit einer erstaunlichen Feinheit entdeckt er das Individuelle. Er ist groß als Physiognomiker.“

Text: Martina Jammers

Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin

tip-Bewertung: Herausragend

Bilderbuch des Berliner Lebens – Der Maler Hans Baluschek (1870 – 1935) Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, Charlottenburg, Di-So 10-18 Uhr, bis 15.4.2012

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