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Graphic Novel

75 Jahre Hiroshima: Graphic Novel „Die Bombe“ erzählt Geschichte der tödlichen Waffe

Vor 75 Jahren beendeten die USA den Zweiten Weltkrieg mit der nuklearen
Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki. In der wunderbar gezeichneten und akribisch recherchierten Graphic Novel „Die Bombe“ wird die Geschichte der tödlichsten aller Waffen minutiös nacherzählt.

75 Jahre Atombombe.
Die Bombe – 75 Jahre Hiroshima. Foto: Alcante, Bollée, Rodier/ Carlsen

„Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen“, soll Albert Einstein nach dem Abwurf der Atombombe gesagt haben. Ironischerweise hatte der berühmte Physiker und überzeugte Pazifist maßgeblich zur Entwicklung der Waffe beigetragen.

Zum einen mit seiner Grundlagenarbeit, die die Konstruktion mitermöglicht hat, aber auch als Unterzeichner eines an Präsident Roose­velt adressierten Briefes, der die USA aufforderte, die Atombombe selbst zu bauen, bevor es die Nazis tun. Einstein war ebenso schockiert über den vernichtenden Einsatz wie der große Teil der übrigen Erdbevölkerung.

Nach dem 6. August 1945 war nichts mehr wie vorher: Die Zivilisation trat ins nukleare Zeitalter, es folgten das Wettrüsten der Weltmächte im Kalten Krieg, Atomtests in Wüsten und pazifischen Atollen und die Traumatisierung ganzer Generationen, zu deren Grunderfahrungen die Angst vor der Bombe gehörte.

Eine gefährlichen Welt, in der grimmige Männer das Sagen haben

Die Graphic Novel „Die Bombe“ des belgisch-kanadisch-französischen Autorengespanns Alcante, Bollée und Rodier folgt den Gründen, Ursachen, Machenschaften und technischen Innovationen, die dazu führten, dass der Mensch eine so schreckliche Waffe erfand, mit der er potenziell das Leben auf dem gesamten Planeten auslöschen könnte.

Die Entdeckung der Radioaktivität, das Voranschreiten der Physik und zugleich das Aufkommen totalitärer Ideologien sorgten für die Voraussetzung, die der im Prinzip wahnsinnigen Idee Sinn verlieh.
Gespenstische und gefährliche Welt 450 Seiten, mit Nachwort und Prolog, brauchen die Autoren für ihren Entwurf der gespenstischen und gefährlichen Welt, in der grimmige Männer das Sagen haben.

75 Jahre Atombombe.
Die Bombe – 75 Jahre Hiroshima. Foto: Alcante, Bollée, Rodier/ Carlsen

Es ist eine dem Realismus verpflichtete, gezeichnete Welt aus stringenten Schwarz-Weiß-Bildern, klassischen Layouts und Panel-Aufteilungen, die schon in Kriegs- und Abenteuer-Comics der Vergangenheit dominierten. Bevölkert wird sie von Agenten, Wissenschaftlern, Soldaten und Politikern, die jeder für sich verantwortlich sind für den Abwurf der Bomben auf die japanischen Metropolen Hiroshima und Nagasaki in jenem August des Jahres 1945. Dieser brutale Akt führte zur Kapitulation Japans und faktisch zum Ende des Zweiten Weltkriegs, der in Europa im Mai gefeiert wird. Doch heiligt der Zweck das Mittel?

Meisterstück der historischen Aufarbeitung

Die Graphic Novel ist ein Meisterstück der historischen Aufarbeitung. Sie rekon­struiert mit fachlicher Genauigkeit und ­einer niemals störenden oder belehrend wirkenden Begeisterung für Daten und Fakten die Entwicklung der Atombombe.

Die Geschichte führt an entlegene Orte in Norwegen, der Sowjetunion, Deutschland und natürlich nach Japan und in die USA. Details bekommen viel Raum, immer wieder wird der Fokus auf das Innenleben der ­Akteure gelenkt, auf die menschlichen Aspekte des unmenschlichen Handelns. Und so ist „Die Bombe“ auch als Warnung zu verstehen, nicht nur in den spektakulären Bildern, die ihre Vernichtungskraft illustrieren.

Die Bombe von Alcante, Laurent-Frédéric Bollée, Denis Rodier, Carlsen Verlag, 450 Seiten, 42 €


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