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Kommentar

Berlins erster Periodenladen: Period Panty Party

Bluten sollte kein Tabu mehr sein. In Kreuzberg eröffnete im August Berlins erster Periodenladen “Period Panty Party”. Für alle Menstruierenden gibt es jetzt die Möglichkeit, ökologisch und ethisch unbedenkliche Menstruationsprodukte vor Ort anzuschauen, anzuprobieren, sich dazu beraten zu lassen und so etwas zu finden, das auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist. Isabel EIsenburger erklärt, warum das wichtig ist – und eigentlich überraschend spät kommt.

Period Panty Party: Periodenunterwäsche soll der bequemste Hygieneartikel für die Blutung sein. Foto: Imago/Alfo

Period Panty Party: Was kann gekauft werden?

Die Besitzerin des Ladens hat sich auf den Verkauf von alternativen Menstruationsprodukten spezialisiert. Im Angebot sind unterschiedlichsten Artikel, angepasst an die Bedürfnisse jeder menstruierenden Person. Auch mit dem Gedanken, sich von Tampons zu verabschieden. Nicht nur, dass sie unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit eher schlecht abschneiden. Die kleinen Wattebausche aus Zellulose, Kunststoff und/oder Baumwolle saugen dazu nicht nur das Menstruationsblut, sondern auch die übrige Flüssigkeit, die sich auf den Scheidewänden befindet, auf. Die Austrocknung stört die natürliche Scheidenflora und führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für das Anhäufen von Bakterien, Pilzen, Viren und Keimen. Es muss also besser gehen! Und das geht es.

Als Alternative werden Soft-Tampons, Menstruationstassen, Menstruationsdisks, Schwämme, waschbare Binden und Periodenunterwäsche verkauft. Damit wird endlich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menstruierenden eingegangen. Dann ist doch alles gut, oder?

2022 und der erste Periodenladen in Berlin eröffnet, was sagt uns das über unsere Gesellschaft?

Die Eröffnung sollte ein Grund zur Freude sein. Aber es hält uns als Gesellschaft auch einen Spiegel vor. Im Jahr 2022 ist das Thema immer noch so tabuisiert und schambehaftet, dass es ein Fortschritt ist, einen Laden aufzumachen, in dem Menstruationsprodukte angeboten werden. Produkte für eine der natürlichsten körperlichen Erscheinungen: den Zyklus. Und das, während es seit Jahrzehnten Sex-Shops gibt.

Bis 2020 zählten Periodenprodukte zu Luxusgütern und wurden mit 19 Prozent besteuert. Das ist eine Menstruationstasse. Foto: Imago/Alfo

Es sollte selbstverständlich sein. Aber wie bei der Herabsetzung der Steuern auf Periodenprodukte von 19 Prozent auf sieben Prozent gesehen, bedarf es eben doch Arbeit. Damals mussten erst zwei erfolgreiche Petitionen und ein medialer Aufschrei dafür sorgen, dass die steuerliche Diskriminierung überhaupt im Bundestag diskutiert wurde, weil Politiker in ihren 50ern wohl wenig Interesse an dem Thema haben. Entsprechend zahlten Menstruierende jahrelang drauf. Wie konnte das nicht früher bemerkt werden?

Noch schlimmer wird die Situation, wenn wir uns vor Augen halten, dass auch hier viele Menschen von Periodenarmut betroffen sind. Und wenn es bereits vielen Menschen finanziell, selbst nach der Steuersenkung, nicht möglich ist, herkömmliche Periodenprodukte zu bezahlen oder sie sich durch das Kaufen der Artikel in eine finanzielle Notlage begeben, sind Produkte wie eine Menstruationstasse oder ökologische Periodenunterwäsche erst recht nicht im Budget drin.

Es erweckt also den Anschein, als interessiere sich Deutschland nicht für die Bekämpfung von Periodenarmut. In den wenigsten öffentlichen Einrichtung werden Hygieneartikel bereitgestellt, und wenn, dann müssen diese aus eigener Tasche bezahlt werden. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre, wenn sich Deutschland ein Beispiel an Schottland nehmen würde, wo gerade das Gesetzt für die Bekämpfung von Periodenarmut in Kraft getreten ist. Seit dem 15. August 2022 müssen in Bildungs- und städtischen Einrichtungen kostenlose Menstruationsartikel zur Verfügung gestellt werden.

Der aktuelle Flyer des Ladens. Foto: PeriodPantyParty

Warum ist die Eröffnung eines Periodenladens trotzdem wichtig?

Das Positive an der Eröffnung ist, dass ein Raum geschaffen wird, in dem über das Thema gesprochen werden kann. Ein Ort der zur Normalisierung beiträgt. Denn von den Politikern können wir nicht erwarten, dass sich für das Thema stark gemacht wird. Umso besser, dass es jemand wie Josefine Marwehe, die den Laden ins Leben gerufen hat.

  • Period Panty Party, Prinzenstraße 96, Kreuzberg, Mo-Fr 10-15 Uhr, Do 10-18 Uhr, Terminslotbuchung vorab über www.periodpantyparty.de, auch Online-Beratungen buchbar

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