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Alle Antworten zur Impfung in Berlin: Lehrer und Erzieher früher dran?

Ende Dezember 2020 erhielt die erste Berlinerin eine Corona-Impfung. Seither stehen in Berlin Corona-Impfungen auf der Tagesordnung. Aber es geht schleppend voran. Wir liefern regelmäßig wichtige Antworten auf die aktuellsten Fragen zu Berlins Impfsituation:

Welche Impfstoffe werden eingesetzt und wie wirksam sind sie? Über wieviele Impfdosen verfügt Berlin derzeit? Und wann sind Impfungen beim Hausarzt möglich? Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert (Stand 23. Februar 2021).

Bisher sind aufgrund des Impfstoffmangels nur fünf der sechs Berliner Impfzentren geöffnet.
Bisher sind aufgrund des Impfstoffmangels nur fünf der sechs Berliner Impfzentren geöffnet. Foto: Imago/Sorge

Seit wann wird in Berlin gegen Corona geimpft? Und wie viele Menschen sind bereits geschützt?

Der 27. Dezember 2020 war das Datum für den Impfstart in Berlin: Eine 101-jährige Berlinerin erhielt die erste Injektion des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Informationen darüber, wieviele Menschen in Berlin und deutschlandweit bereits geimpft sind, liefert eine Grafik des Robert Koch-Instituts (RKI).


Kostet die Impfung etwas und besteht eine Impfpflicht?

Sowohl als auch: nein. Unabhängig von der eigenen Versicherung ist eine Impfung gegen COVID-19 kostenlos. Auch besteht keine Impfpflicht – die Entscheidung, sich impfen zu lassen, obliegt jede*r*m Einzelnen.


Gelten für geimpfte Personen gelockerte Corona-Regeln?

Nein. Derzeit gelten die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch für Berliner*innen, die bereits eine Impfung bekommen haben.

Um das Thema der Impfprivilegien schwelt in der Politik jedoch eine hitzige Debatte. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach Ende Dezember 2020 von „Solidaritätspflichten“ innerhalb einer Gesellschaft. Auch wer bereits geimpft sei, solle aus solidarischen Gründen weiterhin mit den Corona-Einschränkungen leben, bis sich die Gesamtsituation gebessert habe.

Es ist bislang nicht ausreichend geklärt, ob gegen Corona geimpfte Personen andere Menschen weiterhin infizieren können, auch wenn sie durch die Impfung keine Symptome der Krankheit mehr bemerken.

Das betonte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Treffen der Länderchefs und Impfstoff-Hersteller am Montag, dem 1. Februar 2021. Wie „Focus Online“ berichtet, sagte Merkel, beim Impfgipfel sei das Thema möglicher Privilegien für geimpfte Bürger*innen nicht zur Sprache gkommen und es werde „keine neuen Freiheiten geben“, solange die tatsächliche Wirkung der Impfungen nicht belegt sei.

Ob grundrechtliche Freiheitsbeschränkungen jedoch gerechtfertigt sind, wenn von einer geimpften Person keine Infektionsgefahr mehr ausgeht, ist sehr fraglich. Und international zeichnet sich, hinsichtlich Impfprivilegien, zudem ein anderer Trend ab: Nach Informationen von „rbb 24“ wollen zum Beispiel China, Neuseeland und Australien künftig lediglich geimpften Personen die Einreise erlauben. Auswirkungen auf den Reisesektor sind allgemein zu erwarten.


Welche Impfstoffe werden in Berlin eingesetzt?

Impfung Berlin In der EU zugelassen sind bisher drei Impfstoffe: Der von Biontech/Pfizer, der Impfstoff der US-Firma Moderna sowie das Astrazeneca-Vakzin.
In der EU zugelassen sind bisher drei Impfstoffe: Der von Biontech/Pfizer, der Impfstoff der US-Firma Moderna sowie das Astrazeneca-Vakzin. Foto: Imago/Wagner

In der EU zugelassen wurden bisher drei Impfstoffe: der Impfstoff der deutsch-amerikanischen Allianz Biontech/Pfizer, der Impfstoff der US-Firma Moderna sowie der des Konzerns Astrazeneca, der seinen Sitz im Vereinigten Königreich hat.

Weitere Impfstoff-Kandidaten, die im Verlauf der nächsten Wochen oder Monate eine Zulassung erhalten könnten, sind: ein Impfstoff der Firma Curevac (Deutschland), zwei Impfstoffe US-amerikanischer Pharmaunternehmen, Novavax und Johnson & Johnson, zudem ein Vakzin eines chinesischen Hersteller und der russische Impfstoff namens Sputnik V (Stand 23. Februar 2021).


Wie effektiv sind die eingesetzten Impfstoffe?

Impfstoff von Biontech/Pfizer Die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer, der derzeit in Deutschland und Berlin vermehrt zum Einsatz kommt, wird nach Vergabe der zweiten Impfdosis auf 95 Prozent beziffert.

Nach dem Erhalten der ersten Impfdosis sollten Patienten bisher zu 52 Prozent geschützt sein. Das bedeutet, dass sich das Corona-Ansteckungsrisiko von Personen, die zwei Dosen erhalten haben, um 95 Prozent verringert.

An dieser Stelle besonders hervorzuheben ist: Für einen Impfstoff ist eine Wirksamkeit von 95 Prozent sehr hoch. Die Wirksamkeit einer saisonalen Grippeimpfung liegt bei jungen Menschen beispielsweise bei 80 Prozent. Bei älteren Personen liegt die Wirksamkeit bei zwischen 40 und 60 Prozent.

Außerdem: Der Biontech/Pfizer- Impfstoff ist ein neuartiger sogenannter mRNA-Impfstoff, der auf einer neuartigen Technologie beruht. Durch die Impfung sollen Antikörper gebildet werden, die das Corona-Virus-Protein am Eindringen in menschliche Zellen hindern.

Impfstoff von Moderna Die Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs soll nach der zweiten Dose ähnlich hoch sein, nämlich bei 94,1 Prozent liegen. Genau wie beim Biontech/Pfizer-Impfstoff handelt es sich beim Moderna-Vakzin auch um einen mRNA-Impfstoff.

Impfstoff von Astrazeneca Eine weniger hohe, aber immer noch vielversprechende Wirksamkeit soll der Astrazeneca-Impfstoff haben: Diese soll bei rund 70 Prozent liegen.

Allerdings empfahl die Ständige Impfkommission kürzlich, das Präparat der Firma Astrazeneca solle möglichst nur bei Personen unter 65 Jahren verimpft werden. Über die Wirkung des Präparats bei Älteren gibt es derzeit noch zu wenig Erkenntnisse.

Zudem mehren sich auch die Fälle, in denen mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpfte Personen über unangenehme Nebenwirkungen klagen: Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, haben sich rund dreißig Angestellte einer deutschen Klinik nach einer Impfung mit dem schwedischen Impfstoff krank gemeldet, weil sie einvernehmlich über Kopfschmerzen, Müdigkeit und Fieber klagten.

In einer schwedischen Klinik waren die Resultate nach einer Personalimpfung mit Astrazeneca ähnlich. Bundesweit sinkt derzeit das Vertrauen der Bürger*innen in den Impfstoff von Astrazeneca. Immer mehr Menschen lassen ihren Impftermin sausen, ohne vorher abzusagen (Stand 23. Februar 2021).

Trotz der Kontroverse soll der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland ab März oder spätestens April in Berliner Arztpraxen verimpft werden (mehr dazu unten bei der Frage „Ab wann ist eine Impfung beim Hausarzt möglich?“.


In welcher Reihenfolge wird geimpft?

Als Deutschland Ende Dezember 2020 mit den Impfungen begann, legte das Bundesgesundheitsministerium eine Impfreihenfolge fest, die bis auf einige wenige Erweiterungen bis heute gilt. Bis genügend Impfstoff für alle zur Verfügung vorhanden ist, wird also in dieser Reihenfolge, auch in Berlin, geimpft.

In den letzten Wochen wurden zuerst die Menschen mit der höchsten Priorität an die Nadel gebeten, sprich alle, die über 80 Jahre alt sind sowie Bewohner aus Alten- und Pflegeheimen und Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Impfzentren, da diese den meisten Kontakt zu Corona-Infizierten haben.

Zweithöchste Priorität haben in Deutschland alle über 70-jährigen, Menschen, die eine chronische Lungen- oder Bluterkrankung haben sowie Demenzkranke und und Personen, die an psychischen Erkrankungen wie einer schweren Depression oder Schizophrenie leiden. Zur Gruppe zwei mit der zweithöchsten Prioritöt gehören zudem noch Ärzte, Polizisten sowie Soldaten. Letztere werden auf Demonstrationen und Auslandseinsätzen eingesetzt und haben deshalb Vorrang. Über 70-jährige könnten in Berlin in absehbarer Zeit Impfeinladungen bekommen (Stand 23. Februar 2021).

„Gruppe drei“ bilden Menschen über 60 Jahre und Personen, die eine Erkrankung haben, die einen schweren COVID-19-Verlauf begünstigen könnte, so wie HIV, Rheuma oder Asthma. Außerdem fallen in diese Gruppe auch Lehrer und Erzieher sowie andere Menschen, die in bestimmten Berufsgruppen arbeiten wie zum Beispiel Mitarbeiter von Apotheken, Bestatter, Regierungs- und Justizangestellte.

Zwei Änderungen wurden bisher an der deutschen Impfreihenfolge vorgenommen: Es wird derzeit diskutiert, ob Kita- und Grundschulbeschäftigte bei der Impfung vorgezogen werden, obwohl sie eigentlich erst der dritten Prioritätsgruppe angehören.

Außerdem sind die Nebenwirkungen und Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs derzeit umstritten. Über 64-jährige sollen den Impfstoff nicht mehr erhalten und immer mehr Menschen lehnen eine Impfung mit Astrazeneca generell ab. Ob Berlin die existierenden Astrazeneca-Dosen also früher auch an jüngere Leute verimpft, wird sich zeitnah zeigen (Stand 23. Februar 2021).


Müssen sehr alte Menschen auf eigene Faust zu einem Impfzentrum fahren?

Nein. Unter 030/20 20 20 können sich über 90-jährige Personen kostenlos ein Taxi buchen, um sich zum Impfzentrum fahren zu lassen. Pflegeheimbewohner*innen müssen zudem nicht vor Ort in einem Impfzentrum erscheinen. Stattdessen sind 60 mobile Impfteams im Einsatz, die dafür sorgen, dass der Impfstoff bei ihnen ankommt.


Kann man selbst einen Impftermin vereinbaren?

Corona Impfung In Berlin erhält jede*r, der/die Anspruch auf eine Corona-Impfung hat, einen Brief vom Berliner Senat.
In Berlin erhält jede*r, der/die Anspruch auf eine Corona-Impfung hat, einen Brief vom Berliner Senat. Foto: Imago/snapshot

Nein. In Berlin erhält jede*r, der/die Anspruch auf eine Corona-Impfung hat, einen Brief vom Berliner Senat. In dem Brief sind alle Infos enthalten.

Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KVBerlin) weist darauf hin, dass es keine Terminvergabe über die KVBerlin-Hotline gibt – diese Info verbreitete sich berlinweit in den ersten Tagen nach dem Impfstart.


Kann ich irgendwie kalkulieren, wann ich mich impfen lassen kann?

Ja. Seit Kurzem gibt es einen Impfterminrechner, den zwei Uni-Absolventinnen von der technischen Universität Wien und der Universität Pisa gemeinsam entwickelt haben.

Der Rechner arbeitet mit der von der deutschen Regierung veröffentlichten Prioritätenliste zur Corona-Impfung und kann so den voraussichtlichen Impftermin einer Bürgerin/eines Bürgers kalkulieren.

Aufgrund der dynamischen Situation und der Datensätze des Robert Koch-Instituts (RKI), die ständig angepasst werden müssen, ist das Ergebnis des Impfrechners jedoch mehr eine Schätzung als eine Garantie für eine Impfung im jeweiligen Zeitraum.

Hier geht es zum Corona-Impfterminrechner: dem Omni Calculator.


Kann ich mir den Impfstoff aussuchen, wenn ich an der Reihe bin?

Nein. Derzeit sind Corona-Impfstoffe knapp. Daher gibt es laut Corona-Impfverordnung keine Freie Wahl des Impfstoffs eines bestimmten Herstellers.

Welcher Impfstoff derzeit in welchem Impfzentrum in Berlin verwendet wird, ist in der Übersicht unten aufgelistet.


Wo wird in Berlin geimpft? Und welcher Impfstoff wird wo genutzt?

Fünf der sechs Berliner Impfzentren sind mittlerweile in Betrieb. Bislang verfügt Berlin nicht über genug Impfstoff, um alle sechs Berliner Impfzentren zu öffnen (Stand 23. Februar 2021).

Das Corona-Impfzentrum in der Arena Berlin nutzt den Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Das Corona-Impfzentrum im Erika-Heß-Stadion nutzt den Impfstoff von Moderna.

Das Corona-Impfzentrum im Flughafen Tegel nutzt den Impfstoff von Astrazeneca.

Das Corona-Impfzentrum in der Messe Berlin nutzt den Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Das Corona-Impfzentrum im Velodrom nutzt den Impfstoff von Moderna.

Wenn genügend Impfstoff bereitsteht, soll auch das letzte der Berliner Impfzentren im Hangar 4 des ehemaligen Flughafens Tempelhof öffnen.


Über wieviele Impfdosen verfügt Berlin derzeit?

Derzeit noch über zu wenige. Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) räumte beim Impfgipfel am 1. Februar ein, dass für ganz Deutschland noch mit einigen Wochen der Impfstoffknappheit zu rechnen sei.

Berlins Impfzentren reizen derzeit aufgrund des Impfstoffmangels nur einen geringen Teil ihrer Kapazitäten aus. Sowohl Biontech/Pfizer als auch Moderna und Astrazeneca lieferten an die EU bisher nur einen Bruchteil der bestellten und versprochenen Vakzindosen. Das ist natürlich auch in Berlin spürbar.

Nach „rbb 24“-Informationen soll das Land Berlin im gesamten Februar 2021 rund 270.000 Impfdosen geliefert bekommen. Den größten Anteil an der Lieferung wird der Wirkstoff von Astrazeneca ausmachen, die Lieferungen der Firmen Moderna und Biontech/Pfizer kommen seit Wochen nur schleppend und häppchenweise in der EU, Deutschland und auch Berlin an.

Wer sich für den Gesamtüberblick interessiert: Das Impfdashboard des Bundesministeriums für Gesundheit liefert stets den aktuellen Status darüber, wieviele Personen in Deutschland zur aktuellen Stunde und insgesamt seit Impfbeginn geimpft wurden.


Wer impft? Gibt es genügend Personal?

Im Gegensatz zur Impfstoffmenge gibt es genügend Personal – ja. Das Deutsche Rote Kreuz sucht trotzdem ständig nach Freiwilligen, die die Berliner Impfzentren personell unterstützen möchten.

Interessierte können sich hier bewerben.

Ab wann ist eine Impfung beim Hausarzt möglich?

In Berlin könnte eine Corona-Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin beim Hausarzt ab April, vielleicht sogar schon ab März 2021 möglich sein. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) rechnet damit, dass zu diesem Zeitpunkt mehr Impfdosen des schwedischen Herstellers zur Verfügung stehen werden, als in den Impfzentren injiziert werden können.


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