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Polizei beendet Gründung von Corona-Partei in Bar – Modemacherin dabei

Sie wollen politisch gegen die Entscheidungen in Sachen Corona vorgehen – und eine Partei gründen: Leugner der Pandemie trafen sich dazu an zwei Abenden in einer Berliner Bar, dem „Scotch & Sofa“ (Kollwitzstraße). An beiden Abenden kam die Polizei. Auch unter den Gästen: Die bekannte Berliner Hutmacherin Rike Feurstein.

Die Polizei musste zu einer illegal geöffneten Bar anrücken, dort wollte unter anderem Hutmacherin Rike Feurstein eine Corona-Partei gründen. Symbolbild: Imago/A. Friedrichs

Treffen der „Parteigründer“ in Bar am Prenzlauer Berg

Die Treffen fanden am Donnerstag- und Freitagabend statt, in beiden Fällen unterbrach die Polizei das Geschehen in der offensichtlich illegal geöffneten Bar – Kneipen und Restaurants sind seit wenigen Wochen im Lockdown und dürfen nur Mitnahme- und Lieferungsangebote machen, Alkohol darf öffentlich gar nicht verzehrt werden.

Bei Twitter kursieren Videos, in denen nicht nur zu sehen ist, wie die Menschen in der Bar sitzen und stehen, sondern auch der Polizeieinsatz, nachdem die Behörde über den Vorgang informiert worden war. Feurstein ist unter dem Namen Viviane Fischer auch als Rechtsanwältin in Berlin tätig.

Laut Tagesspiegel gehörten zu den Gästen neben der Modemacherin auch ein Ufo-Forscher und weitere Personen, die regelmäßig im Kontext von Querdenker-Veranstaltungen aufgefallen sind.

Hutmacherin Rike Feurstein war Teil der Veranstaltung. Archiv: Lena Ganssmann

Hutmacherin Rike Feurstein als Viviane Fischer offenbar „Coach“

Feurstein habe laut der Zeitung die Rolle eines „Coaches“ übernommen, bei Treffen am Donnerstag auch Teilnehmende motiviert, die Maske abzunehmen. Bei den Veranstaltungen sei sie unter ihrem bürgerlichen Namen Vivane Fischer aufgetreten.

Die Veranstaltung ist teilweise ins Internet gestreamt worden, zu sehen ist auch, wie Viviane Fischer erklärt, es sei kein öffentliches Event, die Teilnehmenden hätten sich vorher angemeldet, es sei also wie ein Treffen in einem Wohnzimmer – wobei auch diese vom Senat derzeit auf einen weiteren Haushalt und dann auch nur eine Person beschränkt sind. An anderer Stelle wird von Gästen gesagt, es habe sich um eine spontane Versammlung gehandelt, ein offensichtlicher Widerspruch. Feurstein/Fischer erklärte den Impfstoff in der Übertragung auch zu „Teufelszeug“. Corona sei zudem in Sachen Gefahr der Grippe sehr ähnlich.

Feurstein ist seit einigen Jahren Teil des Modebetriebs in Berlin, im März 2020 übernahm sie den Vorsitz des „Vereins Berliner Modedesigner“. Der „VBM“ distanzierte sich umgehend: „Der amtierende Vorstand des VBM e.V. distanziert sich stellvertretend für den Verein in aller Form von den von RAin Fischer im Kontext des Corona-Ausschuß getätigten Äußerungen und Aktivitäten.“

Nach Recherche des Vereins sei Feurstein/Fischer seit Juli 2020 in der Stiftung Corona-Ausschuß aktiv. „Die dort von ihr vertretenen Positionen erfolgten in eigenem Namen und völlig unabhängig von ihrer Rolle als Vorstandsmitglied im VBM e.V.“

Ihre Hüte haben es auch schon zu Heidi Klums „Topmodel“-Show und nach eigenen Aussagen wohl auch auf den Kopf der britischen Designerin Victoria Beckham geschafft.

Carl-Richard Klütsch war laut „t-online“ Versammlungsleiter, er ist Vorsitzender der Kleinstpartei „Bündnis Grundeinkommen“. Zum Kern gehört auch der Anwalt Rainer Füllmich, der auch mit dem Plan einer Sammelklage gegen den Virologen Christian Drosten – den wir als einen der „besten Berliner“ schätzen – auffällig wurde.

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen – Donnerstag 28 Personen festgestellt

Die Polizei hatte am Donnerstag insgesamt 28 Personen festgestellt, „die überwiegend weder eine Mund-Nasen-Bedeckung trugen noch die erforderlichen Mindestabstände zueinander einhielten.“ Die Polizistinnen und Polizisten hätten die als Parteigründung betitelte Veranstaltung beendet und „Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen der geltenden Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, gegen das Versammlungsgesetz und wegen versuchter Körperverletzung“ eingeleitet – es habe noch einen Angriff auf eine Journalistin gegeben.

Nach einer Personalienfeststellung hätten die anwesenden Personen, neun Frauen und 19 Männer im Alter zwischen 32 und 69 Jahren, den Ort des Geschehens verlassen dürfen, es werde weiterermittelt.

Genaue Angaben zu der Veranstaltung am Freitagabend hat die Behörde noch nicht gemacht.

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