Corona und Partnerschaft

Beziehungen in Quarantäne: Tipps wie man nach Corona auch noch zusammen ist

Viele Beziehungen werden in der Quarantäne auf die Probe gestellt. Unsere Autorin Hanna Liesenfeld ist Ärztin in der Psychosomatik und gibt Tipps, wie man zusammen aus der Corona-Krise rauskommt 

Corona in Berlin: Ein Paar liegt im Bett und krault sich am Kopf. Man kann auch in der Beziehung dem Virus trotzen.
Nich bei jedem Berliner Paar läuft es in der Corona-Quarantäne so harmonisch. Man kann die Pandemie aber auch als Beziehung überstehen. Foto: Unsplash

Realistische Erwartungen an die isolierte Zweisamkeit haben: 

Manch einer interpretiert die Quarantäne vielleicht als Zwangs-Flitterwochen, in denen man mal wieder so viel Zeit zusammen verbringen kann, wie schon lange nicht mehr. Das mag optimistisch sein, vielleicht sogar romantisch. Aber wahrscheinlich wenig realistisch. Bei sehr viel Zeit auf kleinem Raum kann der Beziehung schon Mal der Sauerstoff ausgehen und die Quarantäne zum Atemtest für die Partnerschaft werden. Und das ist ok so. Man kann sich ja auch mal anderen Dingen widmen, als dem Partner. Dafür haben wir eine Liste mit Aktivitäten zusammengestellt, die man während der Corona-Krise machen kann. 

Aktiv Zeit miteinander verbringen 

Der Alltag ist oft anstrengend. Wir kommen nach Hause, wollen uns entspannen, berieseln lassen. An manchen Tagen kommunizieren Fernseher und Internet dabei unbemerkt mehr mit uns als der Partner. Man ist zusammen online. Aber eben nebeneinander. Der aktuelle Hausarrest könnte uns endlich Zeit miteinander geben. Wenn wir ihn so zu nutzen wissen. Anstatt parallel, geistesabwesend durch den eigenen News-Feed scrollen, zusammen ein Konzert im Live-Stream gucken. Gemeinsam einen Podcast hören, dem anderen die Lieblingsstellen aus einem guten Buch vorlesen. Oder einfach nur reden. Über das, was Angst macht zum Beispiel. Wie schön wäre es, in einer Zeit in der das gesellschaftliche Leben temporär tot ist, aktive Zweisamkeit zu Hause wieder zum Leben zu erwecken.   

Sich Raum geben, Abstand nehmen – auch mehr als die vorgeschriebenen zwei Meter:  

Momentan zwingt uns ein ca. 150 Nanometer großer Virus auseinander. Distanz halten, scheint am gesündesten. Dabei macht Nähe den Menschen eigentlich glücklich. Es liegt schon im Wort. Distanz ist kühl und kantig. Nähe, warm und wohlig. Körperkontakt führt beim Menschen zur Freisetzung von Botenstoffen wie Oxytocin und Dopamin, die Stress reduzieren und sich positiv auf die Stimmung auswirken. Aktuell sollten wir trotzdem auf Abstand gehen. Eben auch gerne mehr als zwei Meter. Wenn der andere zu laut den zehnten Corona-Beitrag im Fernsehen guckt oder das letzte Blatt Klopapier aufgebraucht hat. In Quarantäne Zeiten kann die leere Rolle zum Risiko für die Beziehung werden. Dann am besten Abstand nehmen, Türe schließen (wenn denn möglich) und Einsamkeit genießen.  

Regelmäßig mit einer anderen Person außer dem Partner kommunizieren: 

Sei es per Telefon, Social-Media-Kanal, E-Mail oder über den Balkon mit den Nachbarn. Nicht weil der Partner grundsätzlich nicht reicht. Sondern weil vielfältiger menschlicher Austausch nachweislich gut tut. Soziale Anbindung zählt in der psychosomatischen Medizin zu den sogenannten „Green Flags“. Faktoren, die sich im Krankheitsfall positiv auf die Genesung eines Menschen auswirken können. Im Mikrokosmos von Quarantäne und Corona-Virus ist es schön zu merken, dass man mit seinen Sorgen und Gedanken nicht allein und auch nicht nur zu zweit ist.  

Die eigenen Vorstellungen der Quarantäne nicht dem anderen aufzwingen: 

Jeder Mensch geht mit einer Ausnahmesituation anders um. Wie man selbst und der Partner in einer solchen reagiert, weiß man meist erst wenn man mittendrin ist. Der eine möchte zum Beispiel die freie Zeit der Quarantäne nutzen, ausmisten, Frühjahrsputz betreiben oder alles andere tun, das sonst immer liegen bleibt. Der andere möchte lieber selbst liegen bleiben (soweit das Home-Office es zulässt), sich einigeln. Sich seinen Ängsten und Sorgen hingeben, wie nun alles weitergeht. Anstatt produktiv, passiv sein. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Anpassungsmechanismen an Neues und Unerwartetes. Das akzeptieren und dem anderen den eigenen Krisen- Rhythmus zugestehen. Dann mistet man am Ende auch nicht den Partner aus.  

Lesen Sie auch das Gespräch mit dem Paarberater Martin Jurock über Sex, die Corona-Pandemie, Trennungen und „Corona-Babys“


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