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Wandern in Brandenburg: Schöne Routen für euren Spaziergang

Wandern in Brandenburg fühlt sich an wie Urlaub. Nur, dass man von Berlin aus nicht lange fahren muss. Für einen Tagesausflug bieten sich die Landschaften des Bundeslandes um die Hauptstadt absolut an. Also, zieht eure bequemen Schuhe an, steigt in Zug oder Auto – und wandert auf neuen Brandenburger Pfaden.


Bei Sonnenschein: Von Buch zum Gorinsee

Die Wanderroute führt von Berlin-Buch zum Brandenburger Gorinsee, an dem auch ein Gasthof mit gemütlichem Biergarten liegt. Foto: WikiCommons/CC BY-SA 3.0/Dreizung

Ein Morgen im Sonnenschein – da muss etwas Besonderes her! Also schnüren wir die Wanderstiefel und fahren zum S-Bahnhof Buch. An der ­Wiltbergstraße beneiden wir kurz die neuen Bewohner:innen des ­ehemaligen Klinikgeländes „Ludwig Hoffmann-Quartier“. Der Berliner Stadtbaurat und Architekt Ludwig Hoffmann (1852-1932) hat das Bild von Buch mit seinen Krankenanstalten maßgeblich geprägt. Im Forst steht die Waldschule Buch. Gerade brechen Kinder auf zur Exkursion mit den Waldpädagogen. Uns zieht es weiter geradeaus, wir passieren das ehemalige Dr. Heim-Krankenhaus, Tuberkulose-Heilstätte. Heute nennt man das Gelände „Allées des Chateaux“. Nach dreieinhalb Kilometern: die Berliner Grenze nach Brandenburg inmitten der Heidelandschaft der Rieselfelder. 6,3 Kilometer sind geschafft, als wir den Parkplatz der Schönower Heide betreten. Hallo Mufflons, hallo Wildpferde. Nun reicht’s aber mit offener Landschaft, wir folgen dem grünen ­Wanderschild zum Gorinsee. Dann ist endlich mal Zeit für eine Pause in der ­Sonne. Im Sommer ist der See auch einer von vielen schönen Badeseen in Brandenburg. Im Gasthof am Gorinsee gibt es zudem einen gemütlichen Biergarten

  • Buch – Schönower Heide – Gorinsee Strecke: rund 17 Kilometer, Anreise: S-Bahn bis S-Bahnhof Buch, geeignet für Tierfreunde und Seelenbaumelnde

Wandern in Brandenburg: Vier-Seen-Gebiet rund um Strausberg

wandern in Brandenburg Besondere Blume: Eine gelbe Sumpf-Schwertlilie wächst am Ufer des Brandenburger Herrensees, der sich in einem Naturschutzgebiet und auf unserer ersten Wanderroute befindet.
Besondere Blume: Eine gelbe Sumpf-Schwertlilie wächst am Ufer des Brandenburger Herrensees, der sich in einem Naturschutzgebiet und auf unserer ersten Wanderroute befindet. Foto: Imago/Hohlfeld

Schönes kann manchmal unerwartet nah liegen – so wie das Seengebiet rund um Strausberg, am östlichen Stadtrand Berlins. Vier Seen bieten auf dieser Tour ihre verschiedenartigen Ufer zum Umwandern und im Sommer auch zum Baden an. Schon der Beginn der Wanderung ist etwas Besonderes: Mit der historischen Seilfähre, die bereits seit 1894 in Betrieb ist und ganzjährig bei gutem Wetter verkehrt, setzen wir zum anderen Ufer des Straussees über und laufen, flankiert von Kiefern, zum kleineren Fängersee. Durch Bruchwald auf teilweise feuchten Pfaden umrunden wir seine Ufer und gelangen gleich schon zum nächsten Gewässer, dem Bötzsee, der mit seinen herrlichen Buchten zu längerer Rast einlädt.

Im Sommer ist ein Sprung ins klare Nass hier ein Muss, aber wer an dieser Stelle lieber in der Sonne liegen bleibt, dem sei verständnisvoll verziehen – uns ist das selbst schon passiert. Dabei lohnt es sich durchaus, noch den letzten Abschnitt zum Herrensee zu gehen, der sich mit Seerosen bedeckt besonders verwunschen präsentiert. Rund um den Herrensee kommen Naturliebhaber:innen zudem besonders auf ihre Kosten: Der See liegt in einem Naturschutzgebiet – Flora und Fauna konnten sich hier in aller Vielfalt entwickeln. Zurück in Strausberg führen die letzten Meter erneut am Wasser entlang. In der Abendsonne besteht die Möglichkeit eines letzten Bades oder eines Spaziergangs durch den historischen Stadtkern.

  • Rund um Strausberg Strecke: rund 21 Kilometer (abkürzbar), Anreise: S-Bahn oder Tram bis Strausberg Lustgarten, geeignet für ausdauernde Einsteiger:innen und Badefreunde

Historische Wanderung: Auf zu alten Ufern am Teltowkanal

Wandern in Brandenburg: Unsere zweite Route endet am schönen Griebnitzsee in Babelsberg.
Wandern in Brandenburg: Unsere Route endet am schönen Griebnitzsee in Babelsberg. Foto: Imago/Müller

Nö, man muss den Teltowkanal nicht ganz abwandern. Die ersten Kilometer, von Osten nach Westen, führen vorbei an Industriegebieten, Kleingartenkolonien – immer entlang der rauschenden Autobahn A113. Wirklich schön wird es erst, wenn auf der südlichen Seite der Stadtpark Steglitz auftaucht. Durch ihn fließt die Bäke, ein rinnsaliger Bach, der nur bei Starkregen zu alter Größe anschwillt. Die alten Treidelpfade sind als Parks angelegt, in denen das Lilienthal-Denkmal in neuem Glanz erstrahlt. Beide Kanalufer verbreiten dann auf der Höhe des Kraftwerks Lichterfelde den Eindruck, hier würden Serienmörder ihre Opfer ablegen. Etwas schöner und historisch interessanter wird es dann hinter der alten Firma Krone, von West-Berlinern „Spinne“ genannt, die viele Jahrzehnte lang ihre ungeklärten Abwässer im Kanal entsorgte.

Nur wenige hundert Meter weiter finden sich auf der nördlichen Seite die Reste des Wasserkontrollpunkts der DDR. Weiter nach Westen verbreitert sich der Kanal zum Machnower See, an dessen nördlicher Seite einst die alte Hakeburg stand. Auch hier sind nur noch einige Mauern, zwei Tore und der Burgkeller übrig. Aber hier gibt es schöne Ausflugslokale. Landschaftlich ist die Strecke bis zur Kanalmündung am schönsten, der Bach bildet eine feuchte Aue. An der Brücke der alten Friedhofsbahn steht auf einem Campingplatz noch der Wachturm des DDR-Kontrollpunktes, dahinter geht es durch eine brandenburgische Landschaft mit vielen Fichten und sonnigen Sandbänken bis zum Griebnitzsee.

  • Am Teltowkanal Strecke: variabel, Anreise: S-Bahn bis S-Bahnhof Griebnitzsee, geeignet für Industriearchäologen und Grenzgänger:innen

Wandern in Brandenburg: Auf den Holzwegen der Glindower Alpen

wandern in Brandenburg Brandenburg besticht mit vielen klaren Seen. Auf dieser Strecke passieren wir den Glindower See und ruhen am Ufer aus, bevor es weitergeht.
Brandenburg besticht mit vielen klaren Seen. Auf dieser Strecke passieren wir den Glindower See und ruhen am Ufer aus, bevor es weitergeht. Foto: Imago/Camera4

Der Begriff „Alpen“ ist natürlich übertrieben. Aber für Brandenburger Verhältnisse geht es ganz schön rauf und runter. Wenn man dabei sein kleines Kind auf dem Rücken hat, ist das fast schon Alpinistik. Vom Bahnhof Werder braucht der Bus zehn Minuten bis zur Haltestelle Alpenstraße in Glindow. Der Halt ist einigermaßen unscheinbar. Aber dann sind die Alpen direkt voraus. Rund um den Kreisverkehr, ein paar Schritte über einen kleinen Fußweg, schon ist man mittendrin. Im Wald. Und in den Alpen. Viele Holztreppen, Holzstufen, Holzgeländer. Der Weg ist schattig und feucht, am Vormittag hatte es geregnet. Kleine Anmerkung: Wer hier ohne Mückenspray herumläuft, macht sehr viel falsch. Wie wir an diesem Tag. Leider.

Es geht hoch in die Berge. Dann wieder runter. Man kommt vorbei an einigen Höfen und alten Ziegeleigebäuden, dann zum Ziegeleimuseum Glindow, Industriedenkmal, schon Mitte des 15. Jahrhunderts sollen Zisterziensermönche hier Ziegel gebrannt haben. Das ist alles schon sehr imposant. Das nahe Ufer des Glindower Sees ist dann noch einmal besonders schön, man kann dort auch baden. Von dort geht es weiter Richtung Schloss Petzow, das auch ein sehr eindrucksvoller Anblick ist. Unten am Ufer gibt es einige Restaurants. Wir wählen die Fontane-Klause. Weniger als Referenz an den berühmten Brandenburg-Wanderer Theodor, sondern weil es dort eine Eisdiele gibt.

  • Glindower Alpen – Petzow Strecke: 13 Kilometer (kinderfreundlich abkürzbar auf 8 Kilometer), Anreise: RE1 bis Bahnhof Werder oder Bus 633 bis Glindow/Alpenstraße, geeignet für Familien mit Kindern

Der Barfußwanderweg in Bad Belzig an der Burg Eisenhardt

Der Barfußwanderweg in Bad Belzig führt vorbei an der historischen Burg Eisenhardt, die auch besichtigt werden kann. Foto: Imago/Chromorange

Im Gegensatz zu den Barfußpfaden, bei denen man auf unterschiedlichen Materialien balanciert, ist der Parcours von Bad Belzig ein ganz normaler, neun Kilometer langer Wanderweg. Wiesenwege und Waldböden wechseln hier ab mit sandigen Abschnitten und sogar Kopfsteinpflaster oder Granitsteinplatten, wie sie in der Altstadt von Bad Belzig vorkommen. Doch keine Sorge: Dort, wo es tatsächlich schmerzhaft zu werden droht, wurden Seitenwege angelegt. Am besten folgt man ab der Burg Eisenhardt dem grünen Fußabdruck, der aus der Stadt hinausführt. Die Burg Eisenhardt lässt sich übrigens auch im Rahmen von Führungen besichtigen – so wie weitere beeindruckende Burgen in Brandenburg.

  • Barfußwanderweg in Bad Belzig Strecke: 9 Kilometer, Anreise: RE7 bis Bahnhof Bad Belzig, Start- und Endpunkt: Burg Eisenhardt, Wittenberger Straße 14, Bad Belzig, Bad Belzig, geeignet für passionierte Barfußläufer:innen und historisch Interessierte

Der Grenzsteinwanderweg  Fußmarsch mit Aussichtspunkt

wandern in Brandenburg Auf dieser Route wandert man vorbei am Heidebergturm, der auf der Heidehöhe steht, Brandenburgs höchster Erhebung. Der Turm ist rund um die Uhr als Aussichtsplattform geöffnet.
Auf dieser Route wandert man vorbei am Heidebergturm, der auf der Heidehöhe steht, Brandenburgs höchster Erhebung. Der Turm ist rund um die Uhr als Aussichtsplattform geöffnet. Foto: Imago/Shotshop

Dieser Wanderweg erinnert an die einstige Grenze zwischen Preußen und Sachsen, die mit Sandsteinen markiert wurde. Beginnend zwischen Merzdorf und Gröden mit Nummer 175, endend bei Ortrand mit der Grenzsteinnummer 160. Im Amtsbereich Schradenland gab es damals auf preußischem Gebiet einen bis heute ausgeschilderten Weg. An der Strecke befindet sich auch der Heidebergturm auf der Heidehöhe, mit 201 Metern Brandenburgs höchste Erhebung. Der Heidebergurm ist rund um die Uhr für Besucher:innen geöffnet, die von hier aus die Aussicht genießen können.

  • Grenzsteinwanderweg Strecke 20 Kilometer, Bad Liebenwerda, Anreise: RB45 bis Gröditz, Prösen, Elsterwerda oder Plessa, geeignet für historisch Interessierte, weitere Informationen auch hier

Wenn die Badesaison beginnt: Ab nach Bad Saarow und Wendisch Rietz

wandern in Brandenburg Die Wanderung durch Bad Saarow endet an dieser schönen Badestelle am Südzipfel des Springsees.
Die Wanderung durch Bad Saarow endet an dieser schönen Badestelle am Südzipfel des Springsees. Foto: Imago/Shotshop

Schön ist wandern auch oder gerade dann, wenn die Badesaison begonnen hat! Für diese Wandertour mit verschiedenen Bademöglichkeiten sollte aber kein Proviant eingepackt werden. Denn auf der wald- und seenreichen Strecke gibt es die köstlichsten Käse, Knacker und frisch gebackenen Brote. An Tag eins starten wir in Bad Saarow und empfehlen, zunächst im Hofladen der Hofgemeinschaft Marienhöhe, Deutschlands ältestem Demeter-Betrieb, den Rucksack für ein Picknick zu füllen. Der „Findlings“-Käse gehört zu unseren Favoriten. Über Feld- und Waldwege geht es dann bis zum Ortsrand von Storkow, wo es Zeit wird, die Schuhe auszuziehen und den Sand unter den Füßen zu spüren – fast wüstenartig erhebt sich die Binnendüne Waltersberge 36 Meter hoch mitten im Kiefernwald.

Kurz vor Ende der ersten Tagesetappe lockt eine Badestelle am Großen Storkower See mit einem herrlich flachen Einstieg. Die zweite Etappe führt am zweiten Tag als Rundweg von Wendisch Rietz entlang der Seenkette gen Süden. Ganze vier Badeseen und viel schattiger Kiefernwald machen diese Strecke besonders im Hochsommer attraktiv. Vom Großen Glubigsee geht es zum Springsee, dann im Bogen über Felder und Dörfer zum südlichsten Punkt, dem abgelegenen Godnasee und seinem teils besonders schönen und sandigen Badeufer. Zurück Richtung Norden führt der Weg am Grubensee samt Naturcampingplatz entlang. Am Hochufer des anschließenden Melangsees lässt es sich nicht baden, dafür ist die Badestelle am Südzipfel des Springsees umso einladender.

  • Bad-Saarow – Wendisch Rietz – Godnasee Strecke: Tag 1, 23 Kilometer, Anreise: RE1 & RE 35 bis Bad Saarow, Tag 2, 26 Kilometer, Anreise regelmäßige Busverbindungen bis Bad Saarow/Wendisch Rietz, geeignet für Genuss-Picknicker:innen, Wasserratten

Mehr Tipps für das Berliner Umland

Brandenburg bietet beeindruckende Zeugnisse der Kulturgeschichte: nicht nur Burgen, sondern auch etliche, märchenhafte Schlösser. Das Schloss Sanssouci gehört wohl zu den bekanntesten und imposantesten. Doch auch im umliegenden Park lohnt sich ein ausgedehnter Spaziergang. Und wer sich für die Potsdamer Museenlandschaft interessiert: Das sind die spannendsten Häuser und Ausstellungen in Brandenburgs Hauptstadt. Wer nach noch mehr Ausflugsinspiration für schöne, sonnige Tage sucht, schaut am besten in unserer Rubrik „Ausflüge“ vorbei.

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