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Wandern in Brandenburg: Klare Seen, wilde Pfade

Wandern in Brandenburg: Wer braucht schon ein Auto, um vorwärts zu kommen? Die wilde Natur lässt sich ohnehin besser zu Fuß erkunden. Und wer sich vorher ein bisschen schlau macht, erreicht beim Wandern in Brandenburg die noch schöneren Ziele.

Wir stellen schöne möglich Routen für eure nächste Wanderung vor.


Vier-Seen-Gebiet um Strausberg: Feuchte Pfade

Der Bötzsee lädt mit seinen herrlichen Badebuchten zu längerer Rast ein.
Der Bötzsee lädt mit seinen herrlichen Badebuchten zu längerer Rast ein. Foto: Imago images/NBL Bildarchiv

Schönes kann manchmal unerwartet nahe liegen – wie das Seengebiet rund um Strausberg am östlichen Stadtrand Berlins. Vier Seen bieten auf diesem Rundweg ihre verschiedenartigen Ufer zum Umwandern und Baden an und lassen diese Tour zum perfekten Sommerausflug werden. Schon der Beginn der Wanderung ist etwas Besonderes: Mit der historischen Seilfähre, die bereits seit 1894 in Betrieb ist und ganzjährig bei gutem Wetter verkehrt, setzen wir zum anderen Ufer des Straussees über und laufen, flankiert von Kiefern, zum kleineren Fängersee. Durch Bruchwald auf teilweise feuchten Pfaden umrunden wir seine Ufer und gelangen gleich schon zum nächsten Gewässer, dem Bötzsee, der mit seinen herrlichen Badebuchten zu längerer Rast einlädt.

Ein Sprung ins klare Nass ist ein Muss, aber wer an dieser Stelle lieber in der Sonne liegen bleibt, dem sei verständnisvoll verziehen – uns ist das selbst schon passiert. Dabei lohnt es sich durchaus, noch den letzten Abschnitt zum Herrensee zu gehen, der sich mit Seerosen bedeckt und schilfbewachsen besonders verwunschen präsentiert. Zurück in Strausberg führen die letzten Meter erneut am Wasser entlang.

In der Abendsonne besteht die Möglichkeit eines letzten Bades oder eines Spaziergangs durch den historischen Stadtkern. Besonders empfehlenswert ist auch ein Abstecher zum Demeter-Hof Beerenblau im benachbarten Wilkendorf. Dort baut Familie Walter Heidelbeeren an, die von Juli bis Mitte August selbst gepflückt – und genascht werden dürfen.

Hinweis: Corona-bedingt sollten vor Antritt dieser Route Öffnungszeiten gegengeprüft werden.

  • Rund um Strausberg Strecke 21 Kilometer (abkürzbar), Anreise: S-Bahn oder Tram bis Strausberg Lustgarten, geeignet für ausdauernde Einsteiger und Badefreunde

Auf zu alten Ufern am Teltowkanal

Foto: Imago/Ritter

Nö, man muss den Teltowkanal nicht ganz abwandern. Die ersten Kilometer – von Osten nach Westen – führen vorbei an Industriegebieten, Kleingartenkolonien – immer entlang der rauschenden Autobahn A113. Wirklich schön wird es erst, wenn auf der südlichen Seite der Stadtpark Steglitz auftaucht. Durch ihn fließt die Bäke, ein rinnsaliger Bach, der nur bei Starkregen zu alter Größe anschwillt. Die alten Treidelpfade sind als Parks angelegt, in denen das Lilienthal-Denkmal in neuem Glanz erstrahlt, auch das Café Tomasa hat hier ein neues Quartier.

Beide Kanalufer verbreiten dann auf der Höhe des Kraftwerks Lichterfelde den Eindruck, hier würden Serienmörder ihre Opfer ablegen. Etwas schöner – und historisch interessanter – wird es dann hinter der alten Firma Krone, von West-Berlinern „Spinne“ genannt, die viele Jahrzehnte lang ihre ungeklärten Abwässer im Kanal entsorgte. Nur wenige hundert Meter weiter finden sich auf der nördlichen Seite die Reste des Wasserkontrollpunkts der DDR.

Weiter nach Westen verbreitert sich der Kanal zum Machnower See, an dessen nördlicher Seite einst die alte Hakeburg stand. Auch hier sind nur noch einige Mauern, zwei Tore und der Burgkeller übrig. Aber hier gibt es schöne Ausflugslokale. Landschaftlich ist die Strecke bis zur Kanalmündung am schönsten, der Bach bildet eine feuchte Aue. An der Brücke der alten Friedhofsbahn steht auf einem Campingplatz noch der Wachturm des DDR-Kontrollpunktes, dahinter geht es durch eine brandenburgische Landschaft mit vielen Fichten und sonnigen Sandbänken bis zum Griebnitzsee, wo in einer alten Werft ein Gartenlokal lockt.

Hinweis: Corona-bedingt sollten vor Antritt dieser Route Öffnungszeiten gegengeprüft werden.

  • Teltowkanal Strecke variabel, An-/Abreise: S-Bahnhof Griebnitzsee, Geeignet für Industriearchäologen, Grenzgänger, Gartenlokalisten

Rieselfelder-Ruhepuls – von Buch zum Gorinsee

Wandern in und um Berlin – zum Beispiel zum Gorinsee.
Wandern in und um Berlin: Eine schöne Route führt zum Beispiel zum Gorinsee. Foto: ands78/flickr/CCBY 2.0

Ein Morgen im Sonnenschein. Da muss etwas Besonderes her. Also schnüren wir die Wanderstiefel und fahren zum S-Bahnhof Buch. An der ­Wiltbergstraße beneiden wir kurz die neuen Bewohner des ­ehemaligen Klinikgeländes „Ludwig Hoffmann-Quartier“. Der Berliner Stadtbaurat und Architekt Ludwig Hoffmann (1852-1932) hat das Bild von Buch mit seinen Krankenanstalten maßgeblich geprägt. Im Forst steht die Waldschule Buch. Gerade brechen Kinder auf zur Exkursion mit den Waldpädagogen. Uns zieht es weiter geradeaus, wir passieren das ehemalige Dr. Heim-Krankenhaus, Tuberkulose-Heilstätte. Heute nennt man das Gelände „Allées des Chateaux“.

Nach dreieinhalb Kilometern: die Berliner Grenze nach Brandenburg inmitten der Heidelandschaft der Rieselfelder. 6,3 Kilometer sind geschafft, als wir den Parkplatz der Schönower Heide betreten. Hallo Mufflons, hallo Wildpferde. Nun reicht’s aber mit offener Landschaft, wir folgen dem grünen ­Wanderschild zum Gorinsee. Hier werden Eicheln auf Plattformen zum Fraß angeboten, damit Eichelhäher und – hörnchen sich die leckeren Dinger holen und vergraben. Und hoffentlich vergessen. Baumpflanzung leicht gemacht!

Nach knapp zehn Kilometern kommen wir am Gorinsee an, endlich mal Zeit und Lust auf eine Pause in der ­Sonne. Thermoskanne, Apfel, Kekse. Im Sommer ist die Badestelle ein Berlin-nahes Ausflugsziel zur Abkühlung, der Gasthof am Gorinsee hat auch den nötigen Biergarten, dort ist nur Montag Ruhetag.

Hinweis: Corona-bedingt sollten vor Antritt dieser Route Öffnungszeiten gegengeprüft werden.

  • Buch – Schönower Heide – Gorinsee – Buch Strecke rund 17 Kilometer, Anreise: S-Bahnhof Buch, geeignet für Stadtranderscheinungen, Geschichtsspaziergänger, Tierfreunde, Seelenbaumelnde

Düne, Kiefern, Wasser: Bad Saarow und Wendisch Rietz

Diese Wanderung in Brandenburg endet an dieser schönen Badestelle am Südzipfel des Springsees.
Die Wanderung durch Bad Saarow endet an dieser schönen Badestelle am Südzipfel des Springsees. Foto: Imago images/Shotshop

Packt die Badehose ein, aber bloß keinen Proviant! Denn auf dieser wald- und seenreichen Strecke gibt es mehrere Bademöglichkeiten und die köstlichsten Käse, Knacker und frisch gebackenen Brote.

Tag 1 Von Bad Saarow kommend empfehlen wir, zunächst im Hofladen der Hofgemeinschaft Marienhöhe, Deutschlands ältestem Demeter-Betrieb, den Rucksack für ein Picknick zu füllen. Der „Findlings“-Käse gehört zu unseren Favoriten. Über Feld- und Waldwege geht es dann bis zum Ortsrand von Storkow, wo es Zeit wird, die Schuhe auszuziehen und den Sand unter den Füßen zu spüren – fast wüstenartig erhebt sich die Binnendüne Waltersberge 36 Meter hoch mitten im Kiefernwald. Kurz vor Ende der ersten Tagesetappe lockt eine Badestelle am Großen Storkower See mit einem herrlich flachen Einstieg.

Tag 2 Die zweite Etappe führt als Rundweg von Wendisch Rietz entlang der Seenkette gen Süden. Ganze vier Badeseen und viel schattiger Kiefernwald machen diese Strecke besonders im Hochsommer attraktiv. Vom Großen Glubigsee geht es zum Springsee, dann im Bogen über Felder und Dörfer zum südlichsten Punkt, dem abgelegenen Godnasee und seinem teils besonders schönen und sandigen Badeufer. Zurück Richtung Norden führt der Weg am Grubensee samt Naturcampingplatz entlang. Am Hochufer des anschließenden Melangsees lässt es sich nicht baden, dafür ist die Badestelle am Südzipfel des Springsees umso einladender.

Hinweis: Corona-bedingt sollten vor Antritt dieser Route Öffnungszeiten gegengeprüft werden, auch, ob Übernachtungen derzeit möglich sind.

  • Bad-Saarow – Wendisch Rietz – Godnasee Tag 1 Strecke 23 Kilometer (entlang des 66-Seen-Wanderwegs). Anreise: RE1 & RE 35 bis Bad Saarow, Tag 2 26 Kilometer. Anreise regelmäßige Busverbindungen Bad Saarow – Wendisch Rietz, geeignet für Genuss-Picknicker, Wasserratten

Auf den Holzwegen der Glindower Alpen

Wandern in Brandenburg kann man auch in den Glindower Alpen
Am Ufer des Glindower Sees bietet sich ein malerisches Bild. Und man kann sogar baden. Foto: imago images/Berger

„Alpen“ ist natürlich übertrieben. Aber für Brandenburger Verhältnisse geht es ganz schön rauf und runter. Wenn man ziemlich oft sein kleines Kind auf dem Rücken hat, ist das fast schon Alpinistik. Vom Bahnhof Werder braucht der Bus zehn Minuten bis zur Haltestelle Alpenstraße in Glindow. Der Halt ist einigermaßen unscheinbar. Aber dann sind die Alpen direkt voraus.

Rund um den Kreisverkehr, ein paar Schritte über einen kleinen Fußweg, schon ist man mittendrin. Im Wald. Und in den Alpen. Viele Holztreppen, Holzstufen, Holzgeländer. Der Weg ist schattig und feucht, am Vormittag hatte es geregnet. Kleine Anmerkung: Wer hier ohne Mückenspray herumläuft, macht sehr viel falsch. Wie wir an diesem Tag. Leider. Es geht hoch in die Berge. Dann wieder runter. Man kommt, vorbei an einigen Höfen und alten Ziegeleigebäuden, dann zum Ziegeleimuseum Glindow, Industriedenkmal, schon Mitte des 15. Jahrhunderts sollen Zisterziensermönche hier Ziegel gebrannt haben. Das ist alles schon sehr imposant.

Das nahe Ufer des Glindower Sees ist dann noch einmal besonders schön, man kann dort auch baden. Von dort geht es weiter Richtung Schloss Petzow, das auch ein sehr eindrucksvoller Anblick ist. Unten am Ufer gibt es einige Restaurants. Wir wählen die Fontane-Klause. Weniger als Referenz an den berühmten Brandenburg-Wanderer Theodor, sondern weil es dort eine Eisdiele gibt. Das Eis hatte sich mein Sohn wirklich verdient. 

Hinweis: Corona-bedingt sollten vor Antritt dieser Route die Öffnungszeiten gegengeprüft werden.

  • Glindower Alpen – Petzow Strecke 13 Kilometer (kinderfreundlich abkürzbar auf 8 Kilometer), Anreise: RE1 Bahnhof Werder, Bus 633 Glindow, Alpenstraße, geeignet für Familien mit Kindern, Industriegeschichtskenner

Barfußwanderweg in Bad Belzig

Bad Belzig in Brandenburg ist eine schöne Kleinstadt – mitten im Grünen. Foto: Imago Images/Schöning
Bad Belzig in Brandenburg ist eine schöne Kleinstadt – mitten im Grünen. Foto: Imago Images/Schöning

Im Gegensatz zu den Barfußpfaden, bei denen man auf unterschiedlichen Materialien balanciert, ist der Parcours von Bad Belzig ein ganz normaler, neun Kilometer langer Wanderweg. Wiesenwege und Waldböden wechseln hier ab mit sandigen Abschnitten und sogar Kopfsteinpflaster oder Granit-Steinplatten, wie sie in der Altstadt von Bad Belzig vorkommen.

Doch keine Sorge: Dort, wo es tatsächlich schmerzhaft zu werden droht, wurden Seitenwege angelegt. Am besten folgt man ab der Burg Eisenhardt dem grünen Fußabdruck, der aus der Stadt hinausführt.

  • Barfußwanderweg Bad Belzig Strecke 9 Kilometer, Anreise: RE7 Bahnhof Bad Belzig, Wittenberger Straße 14, Start- und Endpunkt: Burg Eisenhardt, 14806 Bad Belzig, Naturparkverein Fläming, geeignet für Barfußläufer, www.reiseregion-flaeming.de

Grenzsteinwanderweg Entlang der einstigen Grenze zwischen Preußen und Sachsen

Bad Liebenwerda ist Teil der Grenzsteinwanderung – wo Preußen auf Sachsen traf. Foto: Imago Images/Shotshop
Bad Liebenwerda ist Teil der Grenzsteinwanderung – wo Preußen auf Sachsen traf. Foto: Imago Images/Shotshop

Der Wanderweg erinnert an die einstige Grenze zwischen Preußen und Sachsen, die mit Sandsteinen markiert wurde. Beginnend zwischen Merzdorf und Gröden mit Nummer 175, endend bei Ortrand mit der Grenzsteinnummer 160 (Länge ca. 20 Kilometer).

Im Amtsbereich Schradenland gab es damals auf preußischem Gebiet einen bis heute ausgeschilderten Weg. An der Strecke befindet sich der Heidebergturm auf der Heidehöhe, mit 201 Metern Brandenburgs höchste Erhebung.


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Texte: Sina Schwarz & Theresa Wißmann (Blog „Milch & Moos. Von Wandern und gutem Essen“ www.milchundmoos.de), Sigune Sachweh, Lutz Göllner, Clemens Niedenthal, Raiko Bahr

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