Malerei

Bernhard Martin zeigt sein „Image Ballet“ im Haus am Waldsee

Der Gaukler mit der Farbe: Bernhard Martin spielt im Haus am Waldsee mit der Illusion. Wie perfekt er die ­Techniken der Malerei und der Verführung des Auges beherrscht, zeigt er in seiner Ausstellung „Image Ballet“. Wenn man genau hinsieht, wird die Täuschung zum Augenöffner.

Le Mot Bernhard Martin, Le Mot, 2017, Öl auf Rohleinwand, 170 x 380 cm, Courtesy der Künstler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Le Mot Bernhard Martin, Le Mot, 2017, Öl auf Rohleinwand, 170 x 380 cm, Courtesy der Künstler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Wer sagt, die Malerei sei tot, weil sie sich immer nur wiederholt, der kennt Bernhard Martin nicht. Der Berliner Künstler malt so furios, dass unsere Augen in diesem Bilder- und Farbstrudel auf LSD geraten. Ein Sampler vor dem Herrn: Motive und Fragmente aus Werbung, Internet, Comics, Erotikmagazinen – alles wirbelt bunt und ziemlich schrill in seinen Tableaus durcheinander. Manchmal sieht es so aus, als hätte Martin die Gegenstände und Motive einfach ins Bild geschüttet („About“, 2018). 

Die Vernissage im März fiel Corona zum Opfer

„Image Ballett“ ist der schöne Titel seiner Schau, die nach der Wiederaufnahme des Ausstellungsbetriebes ab 5. Mai im Haus am Waldsee zu sehen ist. Martin bespielt dort alle Räume mit seinen Bildern, Collagen und Zeichnungen. Der Mann ist produktiv! Die Vernissage im März fiel Corona zum Opfer, nun gibt es eine neue Laufzeit der Schau bis zum 5. Juli. Nach seiner großen Zeit bei der Stargalerie Thaddaeus Ropac war es in den letzten Jahren ruhig um den gebürtigen Hannoveraner geworden. In Berlin wurde er vor fünf Jahren mit dem Fred-Thieler-Preis ausgezeichnet, die Soloschau präsentierte er in der Berlinischen Galerie. 

Martin ist ein Tüftler, der die malerischen Techniken allesamt beherrscht – von der Altmeister-Malerei bis hin zur neuesten Lasur. Eine Entdeckung sind seine wunderbaren Zeichnungen, die im Detail bestechen. Winzige Diamanten („Vorteile haben keine Temperatur“, 2019) kann er so malen, dass sie schon von weitem funkeln wie echte Steine. Ein Verführer, ein Gaukler, der mit der Illusion spielt – und dabei unsere Rea­lität entlarvt. Was ist überhaupt echt? Ein wiederkehrendes Motiv ist der Zylinder mit dem Zauberstab, eine Fährte, die er für uns auslegt. Mikrofone, wie wir sie von Pressekonferenzen im TV kennen, spielen in aktuellen Bildern eine wichtige Rolle. Wenn es Fake News gibt, gibt es auch Fake Bilder. 

Bernhard Martin schreckt vor Kitsch nicht zurück

Wer durch das Haus am Waldsee flaniert, erkennt schnell, dass Martin, Jahrgang 1966, das ABC der Malerei durchdekliniert, neue Malweisen ausprobiert. Was kann Malerei heute leisten? Wo sind ihre Grenzen? Und ja, dabei schreckt er vor heiligem Kitsch („Zierde“, 2009) nicht zurück, damit möchte er uns in eine absurde Bilderfalle locken. „Ich will“, sagt er im Katalog-Interview, „dass eine voreingenommene ästhetische Wahrnehmung wegrutscht.“ Dabei unternimmt er zudem noch einen kecken Streifzug durch die Kunstgeschichte. In seinen Bilderwelten stoßen wir auf den Surrealismus eines Dalí, dort sehen wir abgründige Szenerien à la Hieronymus Bosch. 

Seine eigene Unsicherheit als Künstler und die tägliche Gratwanderung zeigt er in seinem Selbstporträt „Elysian Fields“ von 2017. Da kippt der Künstler in Unterhosen bunte Farben aus einer Dose direkt auf die Leinwand, eine amorphe Masse, die sich dort ausbreitet. Aus seinem Kopf spritzt Farbe und unter seinen Füßen öffnet sich der Boden. 

Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf,  Di–So 11–18 Uhr, bis 5.7., Eintritt 7/ erm. 5 €, bis 18 Jahre frei, 35 Personen können das Haus gleichzeitig besuchen. hausamwaldsee.de

Katalog 80 S., Verlag Walther König, Köln, 24 €


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