Restaurantkritik

Melt Bistro in Friedrichshain: Faust aufs Auge

Weil uns ja allen grad nach Wohlfühlküche ist: zu Gast im hemdsärmeligen Melt Bistro im Friedrichshain.

Melt Bistro Friedrichshain
Dorade mit intensiven Muschelsud und ein Boeuf, so zart, dass es nicht mal mehr Zähne bedarf. Foto: Clemens Niedenthal

Wenn es denn also tatsächlich stimmt, dass uns nach Corona vor allem nach einer vollmundigen, ehrlichen Wohlfühlküche ist, dann hat Catherine Le Corre schon einmal vieles richtig gemacht. Mitten in der Krise nämlich ist die Französin zwei Häuser weitergezogen und hat neben ihrer florierenden Crêperie Melt an der chronisch turbulenten Grünberger Straße zusätzlich ein klassisches französisches Bistro eröffnet.

Melt Bistro: französische Alltagsgastlichkeit

Um es vorweg zu nehmen: Das größte Problem könnte darin liegen, dass sich Catherine Le Corre, diese so herzliche wie profunde Gastgeberin, auch künftig nicht zweiteilen kann. Aber andererseits: von Crêpes und Galettes bis zum Boeuf Bourguignon sind es ja nur zwanzig Meter.

Womit wir also beim Wesentlichen sind. Und das sind im Melt Bistro ganz wesentliche Aromen: Teller, die uns mit dem ersten Bissen auf einen französischen Marktplatz imaginieren, in der Provence zum Beispiel oder an der Loire. Besagtes Boeuf Bourguignon ist so lange geschmort, dass es keines Messers mehr bedarf, ja nicht einmal der Zähne. Und die kross gebratene Dorade am intensiven Muschelsud verdeutlicht ziemlich gut, dass wir Frankreich vielleicht nicht mehr um seine Hochküche beneiden müssen – wohl aber um solch eine alltägliche, von Muse und Handwerk geprägte Gastlichkeit. Apropos: Drei Gänge kosten faire 35 Euro, die gefällige und spätestens zum Dessert auch überraschende Weinbegleitung einen Zehner extra. Wir finden dieses durchaus hemdsämelige Lokal nonchalant et trés bien.


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