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Filmkritik

„Sag du es mir“: Deutscher Schauspielpreis für Gisa Flakes Berliner Schnauze

Berlinfilm Neulich, da ist etwas sehr Merkwürdiges passiert. René hat die ihm völlig unbekannte Silke von einer Brücke ins Wasser gestoßen. Sie hatte sich über die Brüstung gebeugt, weil sie etwas Rotes im Wasser hat schwimmen sehen. Und da hat sie gedacht, das könnte ja die Jacke von dem kleinen Mädchen sein, das in der Gegend vermisst wird. Zum Glück hat sich Silke bei dem Sturz ins Wasser nur den Hals gestaucht, sie trägt jetzt so eine komische Krause. So beginnt „Sag du es mir“ von Michael Fetter Nathansky.

"Sag du es mir" von Michael Fetter Nathansky
„Sag du es mir“ von Michael Fetter Nathansky. Foto: missingFilms

Warum René das getan hat, das weiß er selber nicht – und er fängt an, mit sich zu hadern. Wie konnte er so die Kontrolle verlieren, er, als Polizist? Ist da womöglich etwas in seiner Kindheit schiefgelaufen? Doch Renés Mutter kann sich auch nicht an besonders traumatisierende Vorkommnisse erinnern. René beginnt sogar an der Freundschaft zu seinem ältesten Kumpel und Kollegen zu zweifeln.

Moni aus Malle: „Sag du es mir“ von Michael Fetter Nathansky

Und plötzlich ist auch die Moni wieder da. Die ist von Malle nach vielen Jahren zurück nach Deutschland gekommen, um ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Silke jetzt mit ihrer Verletzung unter die Arme zu greifen. Die will das aber eigentlich gar nicht. Zwischen den beiden muss wohl früher schon so einiges passiert sein. Darüber reden tun die beiden Schwestern allerdings nicht.

Und René? Der sucht immer wieder die Nähe des Geschwisterpaares, will sein unerklärliches Handeln wiedergutmachen, bietet Hilfe an. Silke und Moni begegnen dem Typen aber eher skeptisch.

Für „Sag du es mir“ erhielt Gisa Flake den Deutschen Schauspielpreis

Drei großartige, erfrischend berlinernde Hauptdarsteller*innen (Christina Große, Marc Ben Puch und Gisa Flake, die hierfür soeben den Deutschen Schauspielpreis erhalten hat), eine feinfühlige Geschichte um drei Menschen weit weg von coolen Party-Locations – und viel Sensibilität für das Innenleben der Figuren ergibt einen mitreißende kleine Tragikomödie der unverkrampften Art.

Wunderbar, wie der erst 27-jährige Autor und Regisseur Michael Fetter Nathansky zeigt, wie es auch in nur auf den ersten Blick weniger reflektierenden Menschen rumort, wie sie mit sich und den engsten Menschen um sich herum in komplizierte Konflikte geraten. Ein mitreißender Film über Vertrauen, Kontrolle, Gesagtes und Ungesagtes – und den richtigen Platz im Leben. „Sag du es mir“ war einer der völlig zu Recht gefeierten Filme beim Achtung-Berlin-Festival im September.

D 2019; 104 Min.; R: Michael Fetter Nathansky; D: Christina Große, Marc Ben Puch, Gisa Flake, Hendrik Arnst; Kinostart: 15. 10. 2020


Außerdem diese Woche neu im Kino: die Filmstarts vom 15. Oktober; weiterhin in vielen Kinos zu sehen: die Filmstarts vom 8. Oktober sowie die Filmstarts vom 1. Oktober. Für den hausgemachten Gruselfaktor: 12 Horrorfilme, die in Berlin spielen.

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