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„Liebe. Jetzt!“: Mini-Serie über Liebe und Leben in dieser crazy Corona-Zeit

„Liebe. Jetzt!“ ist eine sechsteilige Anthologie-Serie in der ZDF Online Mediathek. Das Thema, das alle Folgen verbindet: Corona und Liebe. Schauplatz immer: Berlin. Die Serie versucht durch kurzen Einblicke (die längst Folge dauert 25 Minuten) in das Leben ihrer Charaktere die Frage zu beantworten: Wie hat sich unser Liebesleben in diesen verrückten Zeiten verändert? Oder noch wichtiger: Was bleibt beim Alten?

Thorsten (Jürgen Vogel) und Jana (Natalia Belitski) bereiten sich auf ihre erste Paartherapie Stunde vor.    Foto: ZDF/Juan Sarmiento G.
Thorsten (Jürgen Vogel) und Jana (Natalia Belitski) bereiten sich auf ihre erste Paartherapie Stunde vor. Foto: ZDF/Juan Sarmiento G.

Das Leben während Corona in sechs Geschichten

In der ersten Folge von „Liebe. Jetzt“ geht es schon ans Eingemachte – die Paartherapie. Thorsten und seine Freundin Jana (gespielt von Jürgen Vogel und Natalia Belitski) kommen mit dem engen Zusammenleben nicht gut klar. Jana geht alles viel zu schnell, die plötzliche Schwangerschaft mit einbezogen. Thorsten geht es hingegen gar nicht schnell genug, er möchte sogar heiraten. Nun liegt es an der Therapeutin (Dela Dabulamanzi), die verschiedenen Perspektiven der beiden zu versöhnen. Das Thema ist leider verdammt lebensnah. Viele Paare sind entweder wegen Corona vorübergehend zusammengezogen oder haben Schwierigkeiten, 24/7 zusammen zu sein. Dieses Gefühl wird auch dadurch gespiegelt, dass die ganze Folge im selben Raum spielt. Ob die Ratschläge der Therapeutin nun auch wirklich hilfreich sind, ist eine andere Frage…

Folge Nummer zwei beginnt mit Lucy (Lea Zoe Voss), die ihrem Schwarm Max (Leonard Schleicher) aus einer Notsituation hilft. Es beginnen längere Videotelefonate und sie kommen sich näher. Die einfach gestrickte Folge spricht relevanten Themen wie offene Beziehung und Polygamie zwar an, beendet diese aber genau so schnell wieder, ohne darauf wirklich einzugehen. Schade, da diese Themen überhaupt in den letzten Jahren ein wichtiger Bestandteil der Dating-Szene geworden sind.

Lea Zoe Voss spielt Lucy in der zweiten Folge von Liebe. Jetzt!     Foto: ZDF/Johannes Louis
Lea Zoe Voss spielt Lucy in der zweiten Folge von „Liebe. Jetzt!“ Foto: ZDF/Johannes Louis

Minimalistisch: Alle Folgen spielen in ein bis drei Räumen

In der letzten Folge geht es um das Ende einer Liebe. Bella und Tom (gespielt von Clelia Sarto und Aleksandar Jovanovic) haben ihre Sachen gepackt und wollen in getrennte Wohnungen umziehen. Wäre da nicht Corona. Nun sitzen sie in ihrer alten Wohnung fest und Erinnerungen kommen auf. Ein interessanter Ansatz, da sie sich nun ihrer gemeinsamen Vergangenheit stellen müssen.

Stilistisch gesehen ist „Liebe. Jetzt!“ sehr minimalistisch. Die Folgen spielen in ein bis drei Räumen einer Wohnung. Ganz selten sieht man auch noch die Umgebung der Wohnung. Diese Entscheidung passt zum generellen Gefühl von Vertrautheit in dieser Serie. Dies macht es umso einfacher, sich in den Charakteren wiederzufinden und sich Gedanken über die ziemlich emotionalen Themen zu machen.

Es wird schnell klar, dass die Serie nicht versucht Antworten oder Ratschläge zu geben. Viel mehr handelt es sich um realistische Auszüge des Lebens mit der Unsicherheit, Ambivalenz und Verwirrung, die wir täglich miterleben.

Einheit auch in Isolation

Trotz der Herausforderungen, die Corona mit sich bringt, ist keines der Probleme in der Serie neu. Themen wie Einsamkeit, Affären, das manchmal anstrengende Zusammenleben mit den Eltern kommen immer vor. Genauso Fragen wie: meint es mein Schwarm ernst mit mir? Ist eine Trennung die richtige Entscheidung? Und wie komme ich zu befriedigenden Kompromissen mit meinem Partner? Fragen, über die auch tipBerlin mit einem Paarberater geredet hat.

Was sich allerdings verändert hat, ist die Geschwindigkeit, in denen gewisse Antworten auf diese Fragen gefunden werden. Diese Ausnahmesituation macht es nicht mehr so leicht, einfach abzuhauen und den langjährigen Partner zu verlassen, eine Affäre einzugehen, oder seine Einsamkeit im Club wegzutanzen. Man wird gezwungen, nochmal innezuhalten und seine möglichen Taten und Probleme zu hinterfragen und sich ihnen zu stellen. 

In der letzten Folge von Liebe. Jetzt!, rücken alte Erinnerungen Tom (Aleksandar Jovanovic) und Bella (Clelia Sarto) wieder näher zusammen.    Foto: ZDF/Juan Sarmiento G.
In der letzten Folge von „Liebe. Jetzt!“ rücken alte Erinnerungen Tom (Aleksandar Jovanovic) und Bella (Clelia Sarto) wieder näher zusammen. Foto: ZDF/Juan Sarmiento G.

Das Universelle der Mini-Serie

Die Charaktere fallen leider oft etwas stumpf aus und sind bis auf ein paar wenige Ausnahmen weiß und hetero. Da ihnen nicht sehr viel Zeit gegeben wird, sich auszuleben, lernt man sie nicht wirklich gut kennen. Die Beziehungen zwischen den Charakteren und die Umstände, in denen sie sich zurechtfinden müssen, scheinen wichtiger als ihre Persönlichkeiten. Die Folgen geben einen kurzen Einblick in ihr Leben und wie es sich durch die Pandemie verändert hat.

Genau so ist es mit dem Schauplatz der Geschichten: Berlin. Anhand der Altbauwohnungen und der seltenen Einblenden von vertrauten Straßen oder des Fernsehturms weiß man, wo man ist. Aber abgesehen davon ist Berlin so gut wie kein Thema. Vielleicht spricht das auch für das Universelle der Serie. Wir alle sind von Corona in irgendeiner Weise eingeschränkt. Fast jede*r hat Erfahrungen mit mindestens einem der Themen oder erlebt eine ähnliche Situation gerade jetzt. Ein schöner Gedanke, der viel zu oft vergessen wird: trotz Isolation finden wir uns alle gerade in vergleichbaren Situationen wieder.

„Liebe. Jetzt!“ ist seit 4. Mai auf zdf.de verfügbar.
Was es sonst noch für neue Serien im Mai gibt, verraten wir hier.

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