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Filmkritik

„Persischstunden“ von Vadim Perelman: Die Kunst des Überlebens

Holocaustdrama Wenn Lars Eidinger nicht gerade damit beschäftigt ist, Ledertaschen im Aldi-Look zu designen oder Bilder von schlafenden Obdachlosen auf Instagram zu posten, spielt er ja zuweilen in richtig guten Theater- und Filmproduktionen mit. Das Drama „Persischstunden“ von Vadim Perelman, das auf der Erzählung „Die Erfindung einer Sprache“ von Wolfgang Kohlhaase basiert und nach der Premiere auf der Berlinale nun auch endlich in die Kinos kommt, ist wieder eine solche.

"Persischstunden" von Vadim Perelman
„Persischstunden“ von Vadim Perelman. Foto: Alamode

Eidinger verkörpert in dem im Zweiten Weltkrieg spielenden Film den Hauptsturmführer Klaus Koch, der in leitender Rolle in die Vernichtungsmaschinerie eines Konzentrationslagers eingebunden ist und zugleich von einer Zukunft als Gastronom in Teheran träumt. So kommt es, dass er den französischen Rabbinersohn Gille (Nahuel Pérez Biscayart), der, um seiner Erschießung zu entgehen, eine persische Abstammung beschwört, als seinen persönlichen Sprachlehrer beansprucht. Gille, des Farsi nicht im Geringsten mächtig, erfindet eine Fantasiesprache, die er Koch beibringt.

Regisseur Vadim Perelman gelingt es, die Geschichte einer Opfer-Täter-Beziehung im Kontext des Nationalsozialismus zu erzählen, ohne den vergeblichen Versuch zu unternehmen, das gesamte Grauen der Nazi-Barbarei zu zeigen, verschont den Zuschauer aber auch nicht mit brutalen Bildern. Dabei wahrt er stets einen angemessenen Abstand, weit davon entfernt, sich in voyeuristischen Gewaltexzessen zu verlieren.

Große Geschichte im Kleinen: „Persischstunden“ von Vadim Perelman

Perelman erzählt die originelle Geschichte im Kleinen und streift dabei auch die großen Themen, ohne sich in ihnen zu verlieren. So zum Beispiel, wenn Gille ein paar Fantasiewörter mit „Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist“ übersetzt und damit eine passende Analogie für die Weimarer Republik findet – und Koch nur schäbig lacht.

RU/D 2019; 120 Min.; R: Vladimir Perelman; D: Nahuel Perez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay; Kinostart: 24. 9. 2020

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