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Banksy-Ausstellung in Berlin widmet sich Werken des britischen Künstlers

Die Banksy-Ausstellung „The Mystery of Banksy – A Genius Mind” in Berlin zeigt bis zum 1. August 2021 mehr als 100 Kunstwerke des anonymen britischen Künstlers in der Station Berlin in Kreuzberg. Aufgrund des geänderten Infektionsschutzgesetzes schließt die Ausstellung jedoch ab dem 24. April vorübergehend bis auf unbestimmte Zeit. Wir haben uns die Ausstellung bereits genauer angeschaut und mit den Organisatoren über den wohl berühmtesten Street-Art-Künstler des 21. Jahrhunderts gesprochen.

Der Eingang zur Banksy-Ausstellung in Berlin ist dem Hotel in Betlehem nachempfunden. Foto: Imago/Photopress Müller
Der Eingang zur Banksy-Ausstellung in Berlin ist dem Hotel in Betlehem nachempfunden. Foto: Imago/Photopress Müller

Die unautorisierte Banksy-Ausstellung in Berlin

Die Ausstellung beginnt bereits im Foyer, wo die Front des von Banksy in Betlehem gegründeten Hotels „The Walled Off Hotel“ ausgestellt ist. Der Name prangt in großen Lettern über dem Eingang und suggeriert eine Ausstellung im Inneren eines Hotels. Von dort erstrecken sich die mehr als 100 originalgetreu nachgestellten Werke in großen offenen Räumen, lassen Platz zum Verweilen und Nachdenken.

„Ich bin selber ein Fan von Banksy“, sagt Organisator und Musical-Produzent Oliver Forster von COFO Entertainment. Gemeinsam mit dem Berliner Concertbüro Zahlmann organisierte der Passauer das eigens für die Hauptstadt geschaffene Setting. Hier werde ein einzigartiger Ansatz verfolgt, um den Mythos und das Leben um den Künstler herum zu beleuchten. „Einen Original-Banksy bestaunen zu können ist […] eine absolute Seltenheit. Wir versuchen nun, mit ‚The Mystery of Banksy – A Genius Mind‘ anhand originalgetreuer Reproduktionen die besten und eindrucksvollsten Motive an nur einem Ort […], aber trotzdem mit hohem Qualitätsanspruch erlebbar zu machen.“

Seit 1997 tauchen Banksy-Werke auf

Sowohl die Mauer als auch die darauf abgebildeten Graffiti sind dem Original in Betlehem nachempfunden. Foto: Imago/Photopress Müller
Sowohl die Mauer als auch die Graffiti in der Banksy-Ausstellung in Berlin sind dem Original in Betlehem nachempfunden. Foto: Imago/Photopress Müller

Hinter dem Aufbau und der Auswahl der Werke steckt die britische Kuratorin Virginia Jean, die in Berlin lebt. Sie gilt als Expertin der Banksy-Werke und Fachfrau der Street-Art-Branche. Der Künstler selbst war seit jeher ein großer Einfluss und eine große Inspiration für sie, weshalb es ihr persönlich wichtig war, die Werke auszustellen: „Ein Banksy-Werk berührt jeden und ist an jeden gerichtet, ob derjenige es will oder nicht.“

Betritt man den nachgebauten Hoteleingang, so gelangt man in die eigentliche Lobby, welche man in dem direkt an der Grenze zu Palästina stehenden Hotels betrachten kann. Hier erwartet einen die ungewöhnliche Einrichtung der ungewöhnlichen Unterkunft direkt an der Sperrmauer, die Israelis und Palästinenser trennt.

Es folgt eine Übersicht über Banksys Werke, die schon in den 1990er-Jahren in der Öffentlichkeit auftauchten. „Viele denken, dass Banksy und seine Kunst ein neues Phänomen sind, das es erst seit zwei oder drei Jahren gibt“, erklärt der COFO-Geschäftsführer. Mit dieser Timeline wolle man zeigen, dass der Künstler bereits seit längerer Zeit aktiv ist – seit 1997 nämlich.

Banksy-Ausstellung in Berlin: Ratten, Affen, Politik und Corona

Das aufgrund der Corona-Pandemie im "Homeoffice" entstandene Werk zeigt ein Badezimmer, das von Ratten verwüstet wird. Foto: Imago/Photopress Müller
Das aufgrund der Corona-Pandemie im „Homeoffice“ entstandene Werk zeigt ein Badezimmer, das von Ratten verwüstet wird. Foto: Imago/Photopress Müller

Erstes Highlight und Lieblingswerk der Organisatoren ist das Gemälde „Devolved Parliament“ („Dezentralisiertes Parlament“, auch „Zurückentwickeltes Parlament“), in welchem Banksy die Politiker des britischen Abgeordnetenhauses als Affen darstellt. Das nahezu originalgetreue Replikat wird hier durch eine Video-Installation inklusive Soundeffekte unterstützt. Während man das Leinwandgemälde betrachtet (dessen Original für 11,06 Millionen Euro versteigert wurde), tönt die Originalstimme von Premierminister Boris Johnson aus den Lautsprechern; darübergelegte Affengeräusche bilden die Krönung der Zurschaustellung der britischen Politik, insbesondere in Bezug auf den Brexit.

Das Herzstück der Banksy-Ausstellung – eine Videodokumentation, die sich den Kunstwerken des Briten insbesondere aus den vergangenen drei Jahren widmet – folgt im nächsten Raum. Gleichzeitig werden hier einige der Skulpturen von Banksy ausgestellt.

„Wir machen keinen Hehl daraus, dass dies eine Repliken-Ausstellung ist“

Die gesamte Ausstellung sei in Absprache mit der von Banksy ins Leben gerufenen Non-Profit-Organisation „Pest Control“ entstanden, die die Werke des Künstlers auf Echtheit überprüfen und somit Fälschungen auf dem Markt zu regulieren versuchen. Vorab habe man darauf hingewiesen, dass diese Ausstellung geplant sei und man in den Stücken, trotz der Anfertigung von anderen, international renommierten Künstler:innen, den wahren Künstler wiedererkennt.

Das circa 21 Meter lange originale Graffiti tauchte in New York auf und forderte die Freilassung der inhaftierten Zehra Dogan. Banksy erhielt daraufhin ein Dankesschreiben der Künstlerin. Foto: Imago/Photopress Müller
Das circa 21 Meter lange originale Graffiti tauchte 2018 in New York auf und forderte die Freilassung der inhaftierten Zehra Dogan. Banksy erhielt daraufhin ein Dankesschreiben der Künstlerin. Foto: Imago/Photopress Müller

„Wir machen keinen Hehl daraus, dass dies eine Repliken-Ausstellung ist“, sagt Forster auch im Hinblick auf fehlende Originalstücke. In München würden einige Originale stehen, sie sind Leihgaben. Die drei Banksy-Ausstellungen in Berlin, München und Heidelberg unterscheiden sich in einigen Werken, sodass man in jeder Ausstellung immer wieder neue Stücke entdeckt.

Es geht weiter zum zweiten Highlight der Ausstellung, auf dessen Weg man an dem riesigen Wandgemälde, welches der türkisch-kurdischen Künstlerin und Journalistin Zehra Dogan gewidmet ist, vorbeikommt. Es folgt ein Nachbau der Londoner U-Bahn, die der Künstler 2020 in Hinblick auf die Pandemie besprüht hat. Eine Ratte, die mit einem Mundschutz als Fallschirm herabsegelt, eine andere, die ohne Mundschutz einen Schwall grüner Farbe an die Fensterwand niest und wieder eine weitere Ratte, die ein Desinfektionsmittel in den Krallen hält, sollten darauf aufmerksam machen, wie wichtig das Tragen einer Maske in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist. Das Graffito wurde bereits kurz nach Entstehung wieder entfernt, lediglich ein Instagram-Post des Künstlers erinnert daran, dass es existierte.

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Der letzte Abschnitt der Banksy-Ausstellung in Berlin ist wie eine Galerie aufgebaut, dessen Gemälde zu circa „50 Prozent deckungsgleich mit denen in München“ seien. In diesen etwas kleineren Räumen zeigt sich ebenso das durchdachte Farbkonzept: Die Wände sind jeweils in den Farben Blau, Weiß und Rot gehalten und sollen so an die Flagge Großbritanniens erinnern. Obwohl viele bekannte Banksy-Werke hier ausgestellt sind, stechen wohl keine so sehr ins Auge wie die beiden nebeneinander hängenden „Girl with Balloon“ („Mädchen mit Ballon“) und „Love is in the bin“ („Liebe ist im Eimer“). Die beiden Kunstwerke zeigen dasselbe Motiv. Aber das „Mädchen mit Ballon“ wurde 2018 während der Versteigerung von selbst zerstört. Der Plan war – so Banksy im Nachhinein – das Gemälde vollständig durch den im Rahen versteckten Schredder zu jagen, doch durch einen Fehler wurde nicht das ganze Bild zerstört.

Umsatz geht als Spende an die Seenotrettung

Das letzte Ausstellungsstück ist dem Seenotrettungsschiff „Louise Michel“ – benannt nach einer französischen Anarchistin – gewidmet. Banksy greift in seiner Kunst oft die Themen der Flüchtlingskrise auf; mit der Finanzierung und Bemalung des unter der deutschen Flagge fahrenden Schiffs, welches Migranten im Mittelmeer rettet, tut er dies auch weiterhin. Ein Teil des Umsatzes, der aus den Souvenirs der Ausstellungen hervorgeht, geht direkt als Spende an die „Louise Michel“.

Die MV Louise Michel hat nach eigenen Angaben bereits 89 Menschen im Mittelmeer das Leben gerettet. Foto: Louise Michel
Die MV Louise Michel hat nach eigenen Angaben bereits 89 Menschen im Mittelmeer das Leben gerettet. Foto: Louise Michel

Eine Banksy-Ausstellung inmitten einer Pandemie

„Die gesamte Banksy-Ausstellung in Berlin war eine Spontan-Aktion“, erklärt Oliver Forster. In lediglich zwei Monaten sei die Schau „The Mystery of Banksy – A Genius Mind” entstanden. Mit dem Team wurde jedoch „das Unmögliche möglich“ gemacht. Die Nachfrage nach einer Ausstellung sei groß; das habe der Musicalveranstalter bereits in München erlebt. Er erwarte hier in Berlin rund 50.000 Besucher:innen.

Alle Zeitfenster der ersten drei Tage seien bereits restlos ausgebucht. Die Organisatoren sehen, dass das Interesse da ist. Die Unsicherheit in Zeiten einer Pandemie, in der Läden, Restaurants und auch Museen und Galerien immer wieder schließen müssen, bleibt allerdings. Beide versichern, dass die Tickets ihre Gültigkeit erhalten, sollte die Ausstellung in den nächsten Tagen oder Wochen doch schließen müssen.

Aufgrund der in Kraft tretenden Bundesnotbremse kann die Ausstellung ab dem 24. April vorerst keine Besucher:innen mehr empfangen. Alle bereits gebuchten Tickets behalten ihre Gültigkeit. Nähere Informationen zu euren Tickets und weitere nützliche Infos über die Ausstellung und das Hygienekonzept erhaltet ihr auf der offiziellen Website.

Für genug Abstand und Hygiene ist bei eurem Besuch jedoch gesorgt. Ihr könnt vor eurem gebuchten Zeitfenster einen Corona-Schnelltest auf dem Gelände machen. Bei negativem Ergebnis dürft ihr die Ausstellung besuchen. Insgesamt können 40 Personen in einem Zeitfenster à 30 Minuten die 1.600 Quadratmeter große Ausstellung begehen. Auch im Inneren regulieren und prüfen Angestellte den Mindestabstand und achten beispielsweise beim Betreten der nachgebauten U-Bahn darauf, dass sich nicht zu viele Besucher:innen in ihr aufhalten. Unterschiedliche Ein- und Ausgänge trennen zudem den Besucher:innen-Strom.

Wer steckt hinter dem Künstlernamen Banksy?

Banksys wahre Identität ist eines der größten Geheimnisse der Kunstwelt. Der (oder die) etwa 1974/75 geborene Künstler:in stammt aus Bristol, Großbritannien. Die ersten gesprühten Street-Art-Werke stammen aus den 1990er-Jahren. Ab 2013 gab es erste Ausstellungen der Werke, so wurden auch einige in Museen geschmuggelt, wie zum Beispiel in die Tate Modern in London oder in den Pariser Louvre.

Banksy widmet sich in den Werken aktuellen Themen, die alle Menschen beschäftigen (sollten). So handeln sie überwiegend von der Flüchtlingskrise, dem Klimawandel, politischen und sozialen Ereignissen, wie dem Brexit, aber auch Obdachlosigkeit und Konsumverhalten. Auch werden jeher die Spielregeln der Kunstwelt kritisiert und sich mal mehr, mal weniger über diese lustig gemacht. Banksy wird von keiner Galerie vertreten. Durch die steigende Bekanntheit des Künstlers werden vermehrt gefälschte und (illegal) vervielfältigte Werke eingeführt, die zum Beispiel im Internet ohne Zertifikat versteigert werden.

  • The Mystery of Banksy – A Genius Mind STATION-Berlin, Luckenwalder Str. 4-6, Kreuzberg, 15.4.2021 bis 1.8.2021, ab 24. April vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen


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