Kunst am Bau

Kunst am BER: Darum lohnt sich der Flughafen auch ohne Ticket

Viele Gründe, den Flughafen Berlin-Brandenburg zu besuchen, gibt es derzeit nicht. Dabei sind die Terminals auch ohne Bordkarte lohnenswert. Denn am BER gibt es jede Menge Kunst zu sehen. Wir waren da.

Kunst am BER: Das deutsch-niederländische Duo STOEBO hat internationale Münzen im Flughafen-Fußboden eingebaut. Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
Kunst am BER: Das deutsch-niederländische Duo STOEBO hat internationale Münzen im Flughafen-Fußboden eingebaut. Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

An einem späten Winternachmittag, wenn es bereits dunkelt,  leuchtet die Kunst im neuen Berlin-Brandenburger Flughafen am kräftigsten. Und sie ist am besten zu sehen: Wenn pandemiebedingt nur noch fünf Flüge innerhalb Europas gehen, sind kaum Passagiere unterwegs, und das Personal an den Informationsschaltern hat Zeit, bei der Suche nach der Kunst am Bau zu helfen. Seit der Flughafen ursprünglich eröffnen sollte, nämlich 2014, hängt und steht diese an Terminal 1 und 2.

Kunst am BER vom Duo STOEBO

Und ist seitdem offenbar gut gepflegt worden. Die internationalen Münzen, die das deutsch-niederländische Duo STOEBO in den Boden vor den Läden eingelassen haben, blinken jedenfalls, als seien sie erst gestern eingebaut worden.

"The Magic Carpet" schwebt über allem – ein Stück Kunst am BER: Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
„The Magic Carpet“ schwebt über allem – ein Stück Kunst am BER: Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Absolut staubfrei wirkt „The Magic Carpet“, das filigrane Riesengewölk der US-amerikanischen Künstlerin Pae White aus leuchtend rotem Metallgewebe, das über der großen Abflughalle schwebt. Es lässt sich gut mit dem Kopf im Nacken von einer der Rolltreppen nach oben begutachten oder gesenkten Kopfes von der höher gelegenen Galerie, von der ein Weg zur Besucherterrasse führt. Wegen Corona ist die Terrasse derzeit allerdings geschlossen. Die Website des Flughafens informiert über Öffnungszeiten.

Manche Kunst am BER ist verborgen. Wer "Open Sky Box" sehen will, muss durch die Sicherheitskontrolle. Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
Manche Kunst am BER ist verborgen. Wer „Open Sky Box“ sehen will, muss durch die Sicherheitskontrolle. Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Von der linken Seite der Terrasse lassen sich im Dunkeln, wenn man ganz genau hinsieht, Olaf Nicolais Kugeln erkennen, die wie die Perlenkette einer Gigantin über einer Gangway im Süden abgelegt sind und je nach Gebrauch der Passagieraufkommen leuchten. Ein eigenes Fernglas hilft beim Sichten, die festmontierten Fernrohre auf der Terrasse erfassen diesen Winkel nicht. Takehito Koganezawas blaue „Open Sky Box“ dagegen sieht nur, wer die Sicherheitskontrollen passiert.

Matt Mullicans Arbeiten bilden den Höhepunkt der Kunst am Flughafen BER

Die Arbeit, die am meisten zu sehen bietet, steht draußen auf dem öden Willy-Brandt-Platz. Umgeben von Hotel, Polizeistation und mehrstöckigen Parkhäusern, lassen sich die zwei gläsernen Zugänge zum unterirdischen Bahnhof, die Matt Mullican bearbeitet hat, leicht übersehen.

Matt Mullicans Arbeitsfläche: Wände aus Glas. Foto: Claudia Wahjudi
Matt Mullicans Arbeitsfläche: Wände aus Glas. Foto: Claudia Wahjudi

Der auch in Berlin lebende US-amerikanische Künstler hat auf die Glaswände mit Sandstrahlgebläse hochästhetische Bildtafeln einarbeiten lassen, die an alte Enzyklopädien denken lassen.

Seine Kunst am BER erinnert an alte Enzyklopädien. Foto: Claudia Wahjudi
Seine Kunst am BER erinnert an alte Enzyklopädien. Foto: Claudia Wahjudi

Auf dem einen Zugang schimmern irdische Wesen wie Muscheln, Doldenblütler, Samenkapseln, Stempel, Libellen Wanzen, Krustentiere, Wasser- und Laufvögel, scheinbar systematisch geordnet, aber eben nur scheinbar. Auf dem zweiten Eingang schweben himmlische Phänomene wie Schneeflocken und Planeten. Stunden könnte man mit der Betrachtung verbringen, würde der Winterwind nicht so eisig über den Platz fegen.

Die Lilienthal-Skulptur ist umgezogen

Rolf Scholz' Skulptur "Der Fall von Daedalus und Ikarus", hier noch am alten Standort in Tegel. Foto: Imago Images/Steinach
Rolf Scholz‘ Skulptur „Der Fall von Daedalus und Ikarus“, hier noch am alten Standort in Tegel. Foto: Imago Images/Steinach

Drinnen im Gebäude übrigens, gleich hinter dem Eingang, liegt in einem Glaskasten ein Mann aus Bronze auf dem Boden, bekleidet mit Schnürstiefeln, Kappe und Flügeln, eine Art Bruchpilot des Segelfliegens.

Es handelt sich um den Flugpionier Otto Lilienthal. der Bildhauer Rolf Scholz schuf die Skulptur „Der Fall von Daedalus und Ikarus“ bereits 1985, sie war schon im alten Flughafen Tegel zu sehen. Am BER in Schönefeld zeigt sie im Zusammenspiel mit den neuen Arbeiten auch, wie sehr sich Kunst in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.    


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