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Berlin, der Bus und der Wandel der Zeit: Eine Foto-Zeitreise im Nahverkehr

Ob eckig oder rund, bunt oder grau: Busse begleiten das Leben in Berlin seit dem frühen 20. Jahrhundert. Wer Busse fotografierte, der bannte deswegen meistens etwas Zeitgeist auf die Negative – und natürlich ein gutes Stück Fahrzeuggeschichte. Wir machen eine Foto-Zeitreise und begleiten Berliner Busse durch die Jahrzehnte.


Kasten-Bus in Mitte

Das Kürzel 1A auf dem Kennzeichen steht für den Landespolizeibezirk Berlin in Preußen. Foto: BVG-Archiv

Schmale Räder, eine Schnauze wie ein Traktor und ein Aufsatz, der aussieht, als hätte ihn ein kleines Kind aufgesetzt: So sahen in den Zwanzigerjahren die Busse in Berlin aus. Dieser hier ist unterwegs zum Stettiner Bahnhof, dem heutigen Nordbahnhof. Der Bahnhof gehörte zu den Fernbahnhöfen Berlins und hatte große Wartesäle mit hohen Decken und riesigen Fenstern. Das alles wurde im Krieg zerstört. Heute ist nur noch der unterirdische Teil des Bahnhofs und eine kleine Eingangshalle übrig.


1948 auf dem Weg nach Blankenfelde

Eine Zeitreise zu Bussen in Berlin in vergangenen Jahrzehnten.
Dieser Bus fährt 1948 mit Winterreifen durch den Schnee in Berlin. Foto: BVG-Archiv

Unterwegs nach Blankenfelde: Auch im Jahr 1948 waren die Busse noch sehr eckig und sehen aus, als könnten sie einem Dick-und-Doof-Film entsprungen sein. Eins aber hat sich bis heute nicht verändert: Menschen müssen zum Bus sprinten, weil sie spät dran sind und der Bus gerade an ihnen vorbeigefahren ist.


Haltestelle: Schwangere Auster

Die Kongresshalle kurz nach ihrer Fertigstellung. Foto: BVG-Archiv

1958: Ein Doppeldecker der BVG hält vor der Kongresshalle, West-Berlins Stolz und Freiheitssymbol, auch bekannt als „Schwangere Auster“. Ob wirklich der Volksmund das eindrückliche Gebäude so genannt hat oder ob es Lokaljournalisten waren, ist wohl nicht mehr zu klären. Was klar ist: Nur knapp 23 Jahre nach ihrer Fertigstellung, am 21. Mai 1980, stürzte ein Teil des Dachs der Auster unter ohrenbetäubendem Getöse zusammen.


März 1958 auf dem Ku’Damm

Eine Zeitreise zu Bussen in Berlin in vergangenen Jahrzehnten.
Noch sind die Bäume kahl auf dem Ku’Damm. Foto: BVG-Archiv

Wieder 1958, diesmal auf dem Ku’Damm, aber mit demselben Doppeldecker-Modell. Der Bus fährt zum Roseneck über Schmargendorf und trägt Werbung für Doornkaat, einen Korn, auf der Seite. Im Hintergrund zu sehen ist ein Elektrofachgeschäft für Fernseher und andere Rundfunkgeräte. Es ist die Zeit, in der die ZDF-Serienhits „Ku#Damm 56“ und „Ku’Damm 59“ spielen. Der Kurfürstendamm: Geschichte der Flaniermeile in 12 Fotos.


Als auf der Stadtautobahn noch Bushaltestellen waren

1960 war noch Platz in der Stadt – und auf den Straßen. Und auf der Autobahn gab es Haltestellen für Busse. Foto: BVG-Archiv

Auch wenn die Farben auf dem Bild etwas blass sind: Viel farbenfroher sieht es auch heute nicht auf der Stadtautobahn am Hohenzollerndamm aus. Auffällig ist dafür, wie wenig Verkehr herrscht. Der Bus ist unterwegs nach Charlottenburg-Nord und hält gerade an einer der damaligen Bushaltestellen auf der Autobahn. Heute fahren dort keine Buslinien; es gibt ja die Ringbahn und die ist viel schneller, als ein Bus, der auf dem Stadtring im zwischen tausenden Autos im Stau steckt.


Ausflug ins Kino

Eine Zeitreise zu Bussen in Berlin in vergangenen Jahrzehnten.
Klassenfahrt nach Berlin? Foto: BVG-Archiv

Kein Linienbus und auch nicht West-Berlin: Hier hält ein Reisebus der Firma Skoda vor dem Kino International in Ost-Berlin. Man schreibt das Jahr 1965, die Mauer steht bereits seit vier Jahren und im Kino läuft „Der korsische Sohn“, ein Jugendfilm vom französischen Regisseur François Villiers. Der Film ist unverfänglich, aber poetisch-schön: Darin findet ein Arbeiter vom französischen Festland heraus, dass er einen unehelichen Sohn auf Korsika hat und lernt ihn nach einer Zeit lieben. Ein Stoff, der offensichtlich auch bei der DDR-Regierung Gefallen fand.


1966 auf dem Alex

Eine Zeitreise zu Bussen in Berlin in vergangenen Jahrzehnten.
Kaum wieder zu erkennen: der Alexanderplatz. Foto: BVG-Archiv

1966 auf dem Alexanderplatz: im Hintergrund ist der Bahnhof zu sehen und ein Gebäude der DDR-Handelsorganisation Ho mit ihrem Slogan „Jeder Einkauf eine besondere Freude“, im Vordergrund Straßenbahnschienen. Ziel der Linie A57 ist die Kniprodestraße in Friedrichshain. An der Seite trägt der Bus mit Schnauze Werbung für die Trabrennbahn Karlshorst. Berlin Alexanderplatz: Fotografische Zeitreise ins turbulente Zentrum der Stadt.


Colours in your Face am Forum Steglitz

Eine Zeitreise zu Bussen in Berlin in vergangenen Jahrzehnten.
Sogar die Busse waren poppig in den 70ern. Foto: BVG-Archiv

Grelle Farben, runde Formen, poppiger geht’s kaum: Wir sind in den 70ern, genauer im Jahr 1972. Und zwar in der Schloßstraße vor dem Forum Steglitz. Es ist Spätsommer, die Menschen gehen shoppen – bei Tack, im Fernseh-Haus oder im Schreibwarenladen. Das Forum Steglitz war – 1970 fertiggestellt – eines der ersten Einkaufszentren Deutschlands. Viele weitere sollten folgen – oft mit verheerenden Konsequenzen für Kieze und kleine Läden.


La dolce Vita am Ku’Damm

Cinzano Asti, Café Keese, Café Kranzler: la dolce Vita in der City-West. Foto: BVG-Archiv

Wieder September 1972, diesmal am Ku’Damm. Der Doppeldecker mit Fahrtziel Roseneck fährt eine Werbung des berühmten Café Keese spazieren. Es befindet sich nicht allzu weit entfernt in der Bismarckstraße und bietet hunderte Sitzplätze, eine große Tanzfläche und eine Bühne, später sogar Tischtelefone. Im Hintergrund des Busses ist das eine Café, das das Keese um Längen schlägt: das Kranzler Eck. Die Rotunde in der sich das Café seit 1958 befindet und das Treiben in ihren Räumen entwickeln sich mit der Zeit zum Symbol für das Leben auf dem Ku’Damm.


Alltag in Köpenick

Kennt wahrscheinlich jedes deutsche Schulkind: Ziehharmonika-Busse. Foto: BVG-Archiv

Fern vom Ku’Damm-Glitzer-Glitzer findet der Alltag statt, mal grau und trist, mal lustig. Es ist Sommer im Jahr 1976 auf dem Schlossplatz in Köpenick. Der Busfahrer der Linie 27 nach Müggelheim wartet darauf, dass weitere Fahrgäste einsteigen. Im Hintergrund eine alte Straßenbahn.


Der Bahnhof Zoo wie Christiane F. ihn kannte

Auf der Rückseite des Bahnhofs befand sich der der Strich für Männer. Foto: BVG-Archiv

1977, Bahnhof Zoo. Es ist das Jahr, in dem Christiane F. das erste Mal Heroin probiert und wenig später jeden Tag Stunden am größten Fernbahnhof West-Berlins verbringt. Die ganze Schmuddeligkeit des Bahnhof Zoo kommt auf dem Bild nicht zum Vorschein, dafür aber ein BVG-Doppeldecker auf Betriebsfahrt. Außerdem im Bild: ein Schnell-Imbiss mit klassischem Sonnenschirm davor, die Bahnhofsterrassen und Menschen im 70er-Jahre-Sommeroutfit.


Ein grauer Tag in der Alexanderstraße

Ein grauer Tag in Mitte. Foto: BVG-Archiv

Pendler*innen an der Alexanderstraße, um 1980. Der Bus fährt weiter in Richtung Adalbertstraße. Es ist grauer Tag, etwas Farbe bringen die Trabbis.


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