Bahnhöfe

Bahnhof Zoo: Zwischen altem Glanz, Drogensumpf und Zukunftsmusik

Der betagte Bahnhof Zoo in Charlottenburg ist ein Stück Berliner Geschichte und einer der wichtigsten Bahnhöfe der City West. Er war irgendwie schon immer etwas Besonderes, ein Bahnhof mit Charakter und sich wandelndem Gesicht. 1882 erbaut, diente der Bahnhof Zoo dazu, den namengebenden und nahegelegnen Tierpark und Zoologischen Garten einfach besuchen zu können.

Der Bahnhof Zoo in der City West. Foto: Imago Images/Schöning

Einen besonderen Stellenwert hatte der Bahnhof Zoo während der Teilung Berlins – er war einer der wichtigsten Bahnhöfe des Nahverkehrs und der einzige Fernbahnhof in ganz West-Berlin. Die Drogenszene der 1980er Jahre etablierte hingegen das Image eines Schmuddel-Bahnhofs.

Der Zoologische Garten: Wie alles begann

Geschichte Der Zoologische Garten ist Deutschlands ältester noch bestehender Zoo. Er wurde bereits 1844 eröffnet und entwickelte sich während des 19. Jahrhunderts mit seinen zahlreichen Tierarten zum attraktiven Ausflugsziel. Die vielen Besucher*innen sollten eine bequeme Anbindung an den Zoo erhalten, sodass der Bahnhof Zoologischer Garten, in liebevoller Kurzform Bahnhof Zoo genannt, als Station der Berliner Stadtbahn erbaut wurde. Mehr zur Geschichte des Berliner Zoos erfahrt ihr hier.

Analoges Foto einer Löwin mit Jungen, 20. Jahrhundert. Foto: Imago Images/Arkivi

Die Berliner Stadtbahn, darunter die Station Berlin Zoo, wurde am 7. Februar 1882 von Kaiser Wilhelm I für den Nahverkehr eröffnet, einige Jahre später folgte die Anbindung an den Fernverkehr. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Bahnhof Zoo, einer der ältesten und ersten Bahnhöfe Berlins, noch in der eigenständigen Stadt Charlottenburg, bevor diese 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet wurde.

Der Bahnhof Zoo um 1935. Die Viaduktbögen der Berliner Stadtbahn sind hier gut erkennbar. Foto: Imago Images/Arkivi

Die ehemalige Stadtbahnstrecke verbindet die Stadt von Ost nach West über gemauerte, hohe Viaduktbögen, auf denen die Hochbahn das historische Stadtzentrum passiert. Quer zur Trasse der Stadtbahn wird 1902 die erste Berliner Untergrundbahn, die heutige U2, mit dem Untergrundbahnhof Zoologischer Garten in Betrieb genommen. Seit den Planungen für die Olympischen Spiele wurde der Bahnhof Zoo ab den 1930er-Jahren immer wieder umgebaut.

Als einziger Fernbahnhof West-Berlins, kam ihm während der Teilung Berlins die Rolle eines Hauptbahnhofs zu. Er war Ausgangspunkt für die Transit- und Interzonenzüge ins Bundesgebiet. Ab 1962 verkehrten am Bahnhof Zoo wieder Fernzüge. Aufgrund der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs 2006, fiel der Bahnhof Zoo als Fernverkehrsbahnhof weg, heute bedient er nur noch Nah- und Regionalverkehr, wodurch die Besucher*innen-Zahlen sanken.

Geschichte & Moderne: Der Bahnhof Zoo im Wandel der Zeit

Architektur Der Bahnhof Zoo hat mittlerweile mehr als 130 Jahre auf seinem baugeschichtlichen Buckel, er gehört somit zu den ersten und ältesten Bahnhöfen Berlins und steht unter Denkmalschutz. Die gemauerten Stadtbahnbögen der historischen Strecke der Berliner Stadtbahn führten vom Ostbahnhof (ehemals Schlesischer Bahnhof) über den Bahnhof Zoo bis Charlottenburg – die braunroten Viaduktbögen prägen nach wie vor Teile des Stadtbildes.

Der Bahnhofskomplex wurde zahlreiche Male umgebaut, so auch für die Olympischen Spiele 1936. Während der Umbauarbeit wurde der Bahnhofskomplex mit aus Glas und Stahl gefertigten Bahnhofshallen für den Nah- und Fernverkehr versehen.

Historische Aufnahme des Bahnhof Zoo um 1976. Foto: Imago Images/Gerhard Leber

Eingeteilt in symmetrische und kleine Module überspannt die verglaste und leicht gewölbte Bahnhofshalle die hochgelegten Bahnsteige. Die funktionalistische Glasfassade konzentriert sich jedoch, anders als beim Hauptbahnhof, nur auf die überdachende Bahnhofshalle und nicht auf das gesamte Gebäude.

Die Zoo-Terrassen wurden während der 1950er-Jahre durch den Architekten Horst Engel nachträglich angebaut. Als bizarrer und ästhetischer Ort des Verweilens und Speisens im Verkehrstrubel bestand das in den Zoo-Terrassen gelegene Restaurant mit seinen markanten und schräg stehenden Panorama-Scheiben bis 2006 und galt als authentisches Relikt vergangener Zeiten.

Die Zoo-Terrassen am Bahnhof Zoo 1962. Foto: Imago Images/serienlicht

2016 wurden die Zoo-Terrassen wiedereröffnet, anstelle von deutsch-bürgerlichem Essen und Bier ist nun die Fastfoodkette McDonald’s dort eingezogen.

Fun Fact Die 1936 neu erbaute Fernbahnhalle wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg verglast, zuvor bestand nur ein luftiges Stahlgerüst.

Bahnhof Zoo: Kontroversen & Besonderheiten

Die vielen Gesichter des Bahnhofs Zoo Der Bahnhof Zoo hat einen gewissen Kultstatus, schließlich ist er einer der ältesten und dadurch geschichtsträchtigsten Bahnhöfe der Hauptstadt. Um den Bahnhof erblühte kurz nach seiner Fertigstellung ein lebhaftes Viertel, das sich im Laufe der Zeit immer wieder wandelte.

Der Bahnhof hatte viele Gesichter: Er war Naherholungsgebiet für gut betuchte Charlottenburger*innen, Teil eines florierenden Viertels, das vom Glanz des Kurfürstendamms und der neu erbauten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche erstrahlt wurde, wichtigster Bahnhof West-Berlins, Schauplatz der Westberliner-Studentenbewegung und Treffpunkt der Westberliner Drogenszene während der 1970er und -80er Jahre.

Ein Hauch der Vergangenheit steckt wohlmöglich noch in Gemäuer und Stahlträgern, denn irgendwie ist er ein ganz besonderer und authentischer Bahnhof, der seine charmanten, wenn auch rauen Wesenszüge, trotz zahlreicher Umbauten, beibehalten hat.

Literatur und Film Der Bahnhof Zoo galt im langsam ausgehenden 20. Jahrhundert als Treffpunkt für viele bunte Figuren aus Subkultur und Drogenszene. Über die Stadtgrenzen Berlins hinaus wurde der Bahnhof durch den biografischen Roman und seine spätere Verfilmung „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ bekannt.

Christiane F. als drogenabhängige Jugendliche im biographischen Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (1981). Foto: Imago Images/Ronald Grant

Die wahre Geschichte kreist um die Protagonistin Christiane F. und ihre sozialen und persönlichen Probleme, die eng mit ihrer Abhängigkeit von Heroin verwoben sind. Schauplatz der biografischen Erzählung ist der Bahnhof Zoo, dem dadurch das Image des Schmuddel-Bahnhofs verliehen wurde.

Projekt der Stadtentwicklung Die Umgebung rund um den Zoo war während der Teilung Berlins das wesentliche Stadtzentrum West-Berlins. Nach der Wiedervereinigung startete ein umfangreiches städtebauliches Projekt zur Aufhübschung der City West. In diesem Zuge verschwanden viele der kleinen Ramsch-Läden, die es damals zuhauf in der Gegend gab. Bausünden der Nachkriegsjahre wurden abgerissen, eine moderne Skyline aus Luxushotels und Shoppingpalästen wurde erbaut.

Blick vom Bahnhofsgleis auf die Gedächtniskirche mit ihrem Egon Eiermann-Neubau, auf das Europacenter und das Waldorf Astoria-Hotel. Foto: Imago Images/Arnulf Hettrich

Weg mit dem Schmuddel-Image Der zwielichtige, raue Bahnhof verschwindet nach und nach. Während der 1970er und -80er Jahre war er für viele der Inbegriff der Tristesse, des Drogenkonsums und des dreckigen Schmuddels.

Adrett und hübsch soll sich einige Polizeieinsätze, städtebauliche Projekte und Jahre später ein aus dem Ei gepellter Bahnhof Zoo zeigen, der bis 2027 umfangreich saniert werden soll. Obdachlose Menschen und Sexarbeiter*innen wurden weitestgehend aus dem Stadtbild rund um den Zoo verdrängt. Die Bahnhofsmission am Zoo soll den letzten Verbliebenen unter den S-Bahngleisen nun eine Anlaufstelle sein. Eine Geschichte der City West in Bildern seht ihr hier.

Bahnhof Zoo: Wichtige Infos für den Besuch

Anfahrt Am Bahnhof Zoo besteht Anschluss an die folgenden Linien des Nahverkehrs: S- und U-Bahn: S3, S5, S7, S9, U2, U9 Bus: M45, M46, M49, X9, X10, X34, 100, 109, 110, 200, 204, 245, 249, N2, N10, N26. Wer mit dem eigenen PKW kommt, kann in nächster Nähe im Parkhaus am Bahnhof Zoo in der Kantstraße (2h/5€), beim Ludwig-Erhard-Haus (2h/3€), beim Hardenbergplatz (2h/6€) einen Platz finden. Viele Shoppinghäuser entlang des Kudamms bieten weitere Parkmöglichkeiten.

In der Nähe Im Bahnhofsgebäude gibt es zwar vor allem im Erdgeschoss einige Geschäfte, wer jedoch umfangreicher shoppen möchte, dem sei der Kudamm und die Kantstraße empfohlen. Die wichtigste historische Sehenswürdigkeit ist die neoromantische Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit ihrem durch Bombenangriffen zerstörten Hauptturm. Kommt man mit der S-Bahn, sieht man beim Einfahren in den Bahnhof Zoo das Museum für Fotografie in der Jebensstraße, das sich in Bestände der Helmut-Newton-Foundation und der fotografischen Sammlung der Kunstbibliothek aufteilt.

Seit 2014 ist das Ausstellungshaus für Fotografie, C/O Berlin, im Amerika-Haus an der Hardenbergstraße lokalisiert.


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