Kommentar

Die ungerechte Pandemie: Zeit für soziale Politik, liebe SPD

Das Corona-Virus macht keinen Unterschied zwischen armen und reichen Menschen: erkranken können alle. Anders ist da die Politik, die die Unterschiede in der Pandemie-Bekämpfung offenbart. Masken und Tests sind Luxusgüter, Homeschooling wie viele am Schulsystem auf die Stärksten ausgelegt. Eine Chance für soziale Politik – die bisher kaum einer nutzt. Ein Kommentar.

Kümmert sich die Politik genug um die Menschen, die kein Geld haben? In der Pandemie werden Klassenunterschiede sehr deutlich. Foto: Imago Images/Spicker

Pandemie zeigt die Klassengesellschaft: Zwischen Existenzangst und Lieferservice

Die Corona-Pandemie hat die Gräben der Klassengesellschaft vertieft. Während Agenturmenschen, Manager*-innen und gut situierte Beamte den zähen Lockdown im Home Office aussitzen – das Mobiltelefon in der Hand, um Chicken-Wraps zu bestellen – müssen andere Tag für Tag um ihre Existenz bangen.

Weil sie einen prekären Job ausüben – oder Hartz IV beziehen. Und weil die Folgen der Virus-Bekämpfung ihren Geldbeutel und ihr Nervenkostüm mehr belasten als die Ressourcen der Leute aus den oberen Schichten. Ein Gefälle, so sichtbar wie der Fernsehturm an einem Tag mit azurblauem Himmel.

Wer arm ist und ein bisschen nachgiebig, wie viele in dieser Zeit, und deshalb Schwester oder besten Freund besucht, spart sich womöglich den Schnelltest im Testzentrum für 30 bis 50 Euro. Nur so als Beispiel. Weil das ein ziemlicher Batzen ist. So dick wie für das Double-Income-No-Kids-Pärchen in Mitte der Kauf eines neuen Gerhard-Richter-Drucks.

Nicht vergessen: Masken kosten Geld – und das haben nicht alle über

Mund-Nasen-Bedeckungen reißen auch Löcher in die Portmonees. Allein der regelmäßige Kauf einer neuen OP-Einwegmaske, von Virologen empfohlen: ein Kostentreiber. So wie das Horten von Käse, Kaffee und Klopapier, um Shopping-Exzesse zu vermeiden. Der ganze Verzicht erhöht das Infektionsrisiko.

Keine Maske? Dann weg mit euch: In Geschäften und im Nahverkehr sind nun bestimmte Masken vorgeschrieben. Wer gerade kein Geld hat, hat dann Probleme. Foto: Imago Images/Snapshot

Zeitgleich decken sich Besserverdienende mit FFP2-Masken ein und stehen Schlange an Teststationen. Die Politik hat die Gesundheit privatisiert. Auch im Eltern-Kind-Verhältnis: Beim Homeschooling machen es sich Wohl-habende am Küchentisch bequem, mit Touchpad und pädagogischen Begleitmaterialen. Während andere Familien den vollen Stress ausbaden.

Soli-Beitrag für alle, die nicht reicht sind – aber ist die Politik so sozial?

Längst wäre ein Soli-Beitrag fällig. Ein Haushaltseinkommen über 100.000 Euro im Jahr könnte die Bemessungsgrenze sein. Die Kollekte würde Niedrigverdienern und Empfängern von Grundsicherung zugute kommen; beschlossen werden müsste sie von der Bundesregierung.

Berlins SPD könnte die Debatte ins Rollen bringen, losgetreten in einer Stadt, in der soziale Not allgegenwärtig ist. Darüber, dass Armut krank macht. Und dieser Zusammenhang kein Naturgesetz ist

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