Jugendbewegung

Klimastreik in Berlin: Wie lebendig ist Fridays for Future?

Für diesen Freitag hat Fridays for Future erstmals seit der Coronakrise wieder zu einem globalen Aktionstag mit Offline-Demonstrationen aufgerufen. Klimastreik in Berlin am 25. September: Wo wird alles demonstriert und wie steht es um die Klimabewegung?

Foto: Iamgo / IPON
Klimastreik in Berlin: Auch während der Coronapandemie aktiv ist Fridays for Future. Foto: Imago Images / IPON

Fridays for Future: Nur noch ein Haufen von Klimazombies?

Die letzten Monate waren nicht einfach für die 2018 gegründete Klimabewegung. Durch die Coronapandemie verlor die Klimakrise in der öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung und auch Demonstrationen waren nicht mehr möglich. Ein anlässlich des globalen Klimastreiks auf dem Twitteraccount von Fridays for Future verbreitetes Video spielt damit, dass die Bewegung von einigen Journalist*innen und Politiker*innen schon für tot erklärt worden sei. Als erwachende Zombies laufen da junge Protestierenden mit Plakaten auf den Reichstag zu – und weisen auf den globalen Streik am 25. September hin. Dabei erscheinen sie trotz Horror-Make-up und Zombiegang immer noch sympathischer und grundgesetzkonformer als die Horde, die sich Ende August vor dem Reichstag breit gemacht hat. Aber wie lebendig ist die Klimabewegung noch?

Professioneller und breiter aufgestellt

Die Bewegung hat sich über die Lockdown-Monate offensichtlich verändert. Zwar blieb die große mediale Resonanz aus, doch Fridays for Future machte auch in den vergangenen Monaten auf die Klimakriese aufmerksam. Es gab nicht nur einen großen Netzstreik sowie eine Kunstaktion am Reichstag, sondern auch viele interne Plena und Vernetzungstreffen.

Das Ergebnis: Fridays for Future ist nun deutlich professioneller aufgestellt, wie nicht nur das obige Video zeigt. Gerade in Berlin hat die Bewegung es geschafft, sich eine klare Organisationstruktur aufzubauen, für die sie manche Parteien beneiden dürften. An mehr als 100 Berliner Schulen gibt es von den bei Fridays for Future aktiven Schüler*innen gewählte Schülerdelegierte, die sich auf Bezirksebne treffen und dann ihrerseits Delegierte für die Landesebne wählen.

Daneben finden immer wieder Plena statt, auch offene bei denen Interessierte ganz unproblematisch mitmachen können. Außerdem ist Fridays for Future gut mit anderen Bewegungen und Organisationen vernetzt, so zum Beispiel mit „Extinction Rebellion“, „Ende Gelände“ und auch mit mancher Parteijugend-Organisationen.  

Fridays for Fute vor dem Reichstag
Im April legten Aktivist*innen 10.000 Protetschilder auf die Reichtsagswiese um für Klimagerechtigkeit zu demonstrieren. Foto: Imago Images / IPON

Und noch etwas lässt sich feststellen: Das Themenspektrum hat sich erweitert. Stärker als früher betonen die Aktivist*innen die soziale Komponente der Klimakriese, solidarisieren sich mit Geflüchteten oder klagen rechte Strukturen in der Polizei an. In einem Interview mit der „taz“ definiert die Aktivisten Pia Haase Fridays for Future als „Klimagerechtigkeitsbewegung“, deren Kampf „antifaschistisch, antikapitalistisch und feministisch“ sein müsse.  

#KeinGradWeiter: Der globale Klimastreik am Freitag

Diesen Freitag geht Fridays for Future in vielen Ländern der Welt unter dem Motto #KeinGradWeiter wieder auf die Straße. In Berlin wird die Demonstration allerdings ein wenig anders verlaufen als letzes Jahr. Damals waren allein in der deutschen Hauptstadt mehr als 100.000 Menschen auf den Straßen unterwegs gewesen. Dieses Mal liegt das Hauptaugenmerk auf einem coronakonformen Sitzstreik vor dem Brandenburger Tor, bei dem durch auf dem Boden gezogene Linien Abstand gehalten werden soll.

Dabei gilt eine Maskenpflicht, es soll sogar Desinfektionsmittel geben, um trotz steigender Infektionszahlen einen wirkungsvollen Streik zu ermöglichen. Und nachdem letztes Jahr die Berliner-Band Seeed aufgetreten war, wird dieses Mal über einen Auftritt von AnnenMayKantereit gemunkelt.

Teilnehmerin der Fahrraddemo gegen das Kohlegesetz am 2.7.2020
Auch am Freitag gibt es wieder Fahrraddemos wie hier am 2.7.2020 gegen das Kohlegesetz. Foto: Imago Images/ Pop-Eye

Zudem gibt es noch zwei Fahrraddemos, die jeweils um 11 Uhr vom Potsdamer und vom Washingtonplatz starten, und sich später auch dem Protest vor dem Brandenburger Tor anschließen. Der Freitag wird zeigen, wie lebendig die Bewegung noch ist. Marschieren vor dem Brandenburger Tor nur ein Haufen Zombies auf, oder doch eine kraftvolle Masse, die eine klimagerechte Politik einfodert?

Die Aktionen und Treffpunkte im Überblick:

  • Fahrraddemo: Washingtonplatz, Moabit, 10.30 Uhr
  • Fahrad-Demo: Potsdamer Platz, Tiergarten, 10.30 Uhr
  • Sitzstreik: Brandenburger Tor, Mitte, 11 Uhr

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