Filmtipps

Fünf kuriose Berlin-Filme auf YouTube für eine Zeitreise von 1945 bis heute

Gelangweilt von Netflix und Amazon und auch auf Disney+ nichts gefunden, warum nich mal auf Youtube schauen, was es da gibt? Tatsächlich ist die Plattform ein Sammelsurium aus Kuriositäten, die auf Entdecker warten. Wir sind in die Untiefen der Datenbank hinabgetaucht und haben fünf Berlin-Filme hervorgeholt, die man nicht unbedingt gesehen haben muss – die aber eben doch immer wieder lehrreich, schräg und amüsant sind. Vier Dokus und ein seltsamer Spielfilm sind dabei – für eine skurrile Zeitreise.

Berlin, Kreuzberg 1981, im Schatten der Mauer geht eine türkische Familie spazieren
Berlin, Kreuzberg 1981. Hausbesetzer auf der einen Seite, sozialistische Mütter auf der anderen Seite der Mauer. Auf Youtube findet man Dokus zur Geschichte der Stadt. Foto: imago images / Günter Schneider

Hausbesetzer in Kreuzberg

Die Kreuzberger Hausbesetzer waren die besten Stadtplaner, die sich Berlin wünschen konnte. Nur wusste es der Senat damals nicht. Ohne die Besetzer wäre Kreuzberg eine Betonwüste mit Autobahnzubringer geworden und nicht der weltweit bekannte, internationale und kreative Bezirk. Diese Doku erzählt aus dem Inneren der Hausbesetzerszene und zeigt die Lebenswirklichkeiten, der Spontis, Freaks und Aktivisten, die in den maroden Mietskasernen von Kreuzberg für eine andere Welt eingetreten sind.


MfS Schulungsfilm: Kamerafahrt mit einem PKW durch West-Berlin 1976

Ein deutsch-deutsches Roadmovie der besonderen Art. Aus dem Wagen gefilmt sehen wir West-Berlin aus den Perspektive eines Stasi-Agenten. Dieser Film entstand 1976 und war ein Lehrfilm für angehende Stasi-Mitarbeiter. Schön der Kommentar aus dem Off: „Maulbeerallee“, halbe Minute Pause, „Magistratsweg, Ecke Maulbeerallee“. Richtig toll ist aber die Stadt, die man so zu sehen bekommt. Vergessene und verschlafene Ecken der Mauerstadt, langsam und sachlich gefilmt. Wäre da nicht der politische Hintergrund, weshalb der Film in Auftrag gegeben wurde, könnte man die Bilder als meditative Schleife vor dem Einschlafen auf sich rieseln lassen.


Berlin unter den Alliierten (1945 – 1949)

Leicht dramatisch aufgestellte und mit viel Pathos versehene, dennoch sehenswerte Doku über die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Aufnahmen sind erschütternd und die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ bekommt so tatsächlich Sinn. Vielleicht gerade in diesen Tagen ist es nicht unwichtig, sich mal vor Augen zu führen, wie eine Katastrophe wirklich aussehen kann und was es heißt, in einer Stadt zu leben, die nicht funktioniert.


Kreuzberg

Ein total schräger und unglaubwürdig gespielter Film über Kreuzberg, angeblich war der Ansatz, die Handlung von „Romeo und Julia“ nach Berlin zu verlegen. Das Werk des Kanadiers Carl Bessai wirkt, als hätte ein auf LSD hängengebliebener Expat, der fürs Berghain-Wochenende in die Stadt jettet, dann einen mit Klischees vollgestopftes Drehbuch geschrieben, mit Drogendealern, Gentrifizierern und Prügeleinen auf offener Straße. Da hilft es nicht, sich den Kotz als Hintergrundkulisse zu nehmen. Schlimm, aber in diesen Zeiten einen Blick wert, um mal zu sehen, wie es nicht gehen sollte, wen man moderne Filme über Berlin dreht.


Ost-Berlin 1978

Ost-Berlin war ein Paradies. Das sprechen die Bilder, die damals in der Hauptstadt aufgenommen wurden. Ganz klar Propaganda, aber auch eine Zustandsbeschreibung der Ideologie jener Zeit und ein Einblick in das Denken der Ost-Berliner. Eine junge Mutter rühmt die Familienpolitik der SED. Ein Hausbesuch bei dem Schriftsteller Klaus Schlesinger und der Liedermacherin Bettina Wegener. Nachdenken über die Rolle der Alliierten und des Militärs. Das Dokument zeigt noch einmal die Auswirkungen des Kalten Krieges auf diese Stadt.


Für die rechtliche Situation haften wir nicht, die Verantwortung für die Uploads liegt bei den jeweiligen Betreibern des Youtube-Channels.


Die Hauptstadt lieber lesend erleben? Diese 100 Berlin-Romane sollte jeder kennen. In Zeiten von Corona empfiehlt sich auch ein Blick auf diese 10 Epidemie-Filme. Ganz neu am Streaming-Markt ist Disney+ – diese 12 Disney-Filme sind echte Meisterwerke.

Unser Themen-Spezial zu Corona fasst alles Wissenswerte zusammen – von Solidarität bis Unterhaltung. Zudem haben wir auch ein Hilfsangebot gestartet: „tip Berlin hilft“. Mehr Berlin auf Youtube.