Besondere Orte

Wichtige Brücken in Berlin: Mehr als nur Verbindungsstücke

Berliner Brücken verbinden, nicht nur Ufer, sondern auch Menschen. Einige werden von ihnen angezogen, nutzen sie als Treffpunkt oder als nette Fotokulisse: „Schau dir mal den Bogen an, wow!“ Dass die Bauten häufig Zeugen der Stadtgeschichte sind, wird dabei gelegentlich ausgeblendet. Nicht schlimm, hier können wir aushelfen. Wir stellen euch Brücken in Berlin und ihre Geschichten vor.


Gerickesteg

Der Gerickesteg hat viel mitgemacht, eine historische Brücke in Berlin. Foto: Imago/agefotostock

Wie so viele andere Brücken in Berlin hat der Gerickesteg wegen der Nazis und ihrem Krieg viel mitmachen müssen. Gegen Ende der Schlacht um Berlin im zweiten Weltkrieg sprengte die Wehrmacht die Brücke und das südliche Ende versank in der Spree. Es konnte aber 1947 geborgen werden. 1949/50 wurde die Brücke dann komplett wiederhergestellt, allerdings weniger pompös, als sie zuvor war. Übrigens: Seit ihrer Errichtung 1914/15 beleuchten Gaslaternen die Brücke.

  • Gerickesteg zwischen Lüneburger Straße und Bellevue-Ufer, Mitte

Admiralbrücke

Autos haben es schwer auf der Admiralbrücke. Foto: Imago/Schöning

Wenn die Temperaturen steigen, ist die Berliner Admiralbrücke einer der beliebtesten Treffpunkte in Kreuzberg. Das liegt zum einen daran, dass die Sonne die Brücke und die Menschen auf ihr so schön golden leuchten lässt, wenn sie untergeht. Außerdem eignet sie sich mit ihren breiten Bürgersteigen und dem Mittelstreifen inklusive Pollern sehr gut zum Sitzen. Das hat zur Folge, das Autos sich langsam durch die Sitzgruppen schieben müssen, wenn sie die Brücke überqueren wollen. An vielen Abenden bespielen Musiker:innen die Menschen mit ihren Songs – mal mehr, mal weniger gut. Und weil sie so schön ist, sind hier noch ein paar mehr Infos zur Admiralbrücke.

  • Admiralbrücke zwischen Fraenkelufer und Planufer, Kreuzberg

Rhizomatische Brücke

Die 12 schönsten Brücken Berlins. imago images / NBL Bildarchiv.
Die Rhizomatische Brücke in Berlin ist natürlichen Wurzelgeflechten nachempfunden. Foto: Imago/NBL Bildarchiv

Die Rhizomatische Brücke liegt mitten im Britzer Garten zwischen Süd- und Hauptsee. Die drei Architekten Clod Zillich, Jasper Halfmann und Jürgen Zilling haben die Brücke entworfen und sich von den Wurzelgeflechten aus der Natur (Rhizome) inspirieren lassen. Und die gibt es in der Umgebung der Brücke in Massen. Ein Ausflug in den Britzer Garten mit seinen Seen fühlt sich ein bisschen an wie ein Trip zur Mecklenburgischen Seenplatte: Der Motorenlärm der Stadt ist weit weg, die Luft ist gut und das Geräusch vom Schilf, das sich im Wind wiegt, ist Balsam für die Seele von Berliner:innen mit Stadt-Koller.

  • Rhizomatische Brücke Britzer Garten, Sangerhauser Weg 5, Neukölln

Schwedter Steg

Auf dem Schwedter Steg, der Berliner Brücke zwischen Prenzlauer Berg und Wedding, wird gelegentlich auch musiziert. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Der Schwedter Steg verbindet den Prenzlauer Berg mit dem Wedding und führt über den Nordring der S-Bahn-Gleise. Nur Fußgänger:innen und Radfahrer:innen können sie überqueren. Dabei blicken sie im Sommer auf ein Meer aus Baumkronen und die Altbauten der Kopenhagener Straße. Wenn die Sonne scheint, werfen die Zugbänder der Konstruktion tolle Schatten.

  • Schwedter Steg zwischen Kopenhagener Straße (Prenzlauer Berg) und Behmstraße (Wedding)

Kronprinzenbrücke

Der Architekt Santiago Calatrava ist weltberühmt, seine Kronprinzenbrücke beeindruckend. Foto: Imago/Ralf Pollack

Die Berliner Kronprinzenbrücke wurde vom namhaften Architekten Santiago Calatrava gebaut. Ihre Schönheit offenbart sich erst so richtig, wenn man sie von unten betrachtet. Die Träger der Brücke sind elegant geschwungen, die seitlichen Stützen bilden ein filigranes Netz. Nachts wird die Kronprinzenbrücke von 14 Beleuchtungsmasten, 40 Lampen in den Bordsteinstufen und in den Geländern integrierten Leuchten erhellt. Hier findet ihr noch mehr Sehenswürdigkeiten in Mitte.

  • Kronprinzenbrücke zwischen Konrad-Adenauer-Straße und Reinhardtstraße, Verbindung zwischen Mitte/Tiergarten und dem Regierungsviertel

Oberbaumbrücke

Die Oberbaumbrücke gehört zu den beliebtesten Fotomerkmalen und wird gern in Berlin-Filmen gezeigt. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Mit Sicherheit eine der schönsten Brücken der Stadt, die in Filmen und TV-Serien immer wieder gerne pittoresk ins Bild gesetzt wird. Ost und West verbindend, schwebt der neogotische Backsteinbau über dem Wasser, nachts gerne genutzt von den zahlreichen Clubgängern, die von Kreuzberg nach Friedrichshain und zurück cruisen.

Der Blick auf die Oberbaumbrücke selbst ist am schönsten nachts, wenn sich die hell erleuchtete U-Bahn über den Viadukt schiebt, am besten noch aus dem Fenster des Club Watergate oder vom Liegestuhl an einer der Strandbars am Spreeufer aus. Die Aussicht Richtung Fernsehturm ist immer noch sehr erhaben, auch wenn die wachsenden Neubauten am Ufer der Mediaspree einem so peu à peu die Romantik verhageln. Falls ihr übrigens feiertechnisch immer auf Stand bleiben wollt, dann schaut in unser Club-Update.

  • Oberbaumbrücke zwischen Oberbaumstraße und Warschauer Straße, Kreuzberg/Friedrichshain

Modersohnbrücke

Die Modersohnbrücke: Hier denken Leute über ihre Bausparverträge nach. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Berlin hat viele schöne Brücken, aber die Modersohnbrücke zählt zu den Favoriten all jener, die beim Anblick der riesigen Gleisanlagen von der Ferne träumen. Oder vor der Kulisse eines phänomenalen Sonnenuntergangs der Liebsten am Ohr knabbern möchten. 1913/14 wurde sie als Hohenlohebrücke von der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin erbaut. In den 1980er Jahren gefährdete das gute Stück mehrmals den unter ihr rollenden S- und Fernbahnverkehr durch hinabfallende Beton- und Mauerteile, 1999 folgte der Abriss, 2002 die Einweihung eines Neubaus.

  • Modersohnbrücke zwischen Revaler Straße und Rudolfstraße, Friedrichshain

Bornholmer Brücke

Hat hier jemand Bösebrücke gesagt? Eigentlich heißt das Bauwert zwischen Prenzlauer Berg und Wedding so. Nur: Die Menschen nennen sie Bornholmer Brücke. Foto: Imago/Ritter
Hat hier jemand Bösebrücke gesagt? Eigentlich heißt das Bauwert zwischen Prenzlauer Berg und Wedding so. Nur: Die Menschen nennen sie Bornholmer Brücke. Foto: Imago/Ritter

Eigentlich ist es ja die Bösebrücke. Mit der Umbenennung der Hindenburgbrücke sollte 1948 der Taten des antifaschistischen Widerstandskämpfers Wilhelm Böse, der 1944 hingerichtet worden war, gedacht werden. Doch wie so oft bahnt sich das Nächstliegende seinen Weg.

Da die 1916 eingeweihte Verbindung zwischen Prenzlauer Berg und Wedding an der Bornholmer Straße liegt, heißt sie eben Bornholmer Brücke. So auch genannt in den Medien, als in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 Tausende Ost-Berliner nach der erzwungenen Maueröffnung über die Brücke in den Westteil der Stadt drängten. Seit 1995 gleitet auch wieder die Tram in luftigen Höhen über die S- und Fernbahngleisen zwischen Prenzl’berg und Wedding hin und her.

  • Bornholmer Brücke Bornholmer Straße, Prenzlauer Berg

Jungfernbrücke

Steinalt und trotzdem (oder gerade deshalb) toll: Die Jungfernbrücke ist trotz des Namens die älteste Brücke in Berlin. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Jungfernbrücke ist die älteste Brücke Berlins, fast 350 Jahre zählt sie. Früher gab es acht weitere dieser Klappbrücken. Sie überspannt den Spreekanal und verbindet die Friedrichsgracht mit der Oberwasserstraße. Mithilfe von Ketten und Rädern kann ihre Mitte angehoben werden, sodass Boote passieren können. Schüler:innen, die die Brücke früher auf ihrem Schulweg queren mussten, hatte immer eine gute Ausrede, wenn sie zu spät kamen: „Die Brücke war jrade uffjezogen!“, sagten sie. Ein weiterer Funfact: Die DDR-Postverwaltung verewigte die Brücke 1985 auf einer Sonder-Briefmarkenserie. Mehr DDR in Berlin hier.

  • Jungfernbrücke zwischen Friedrichsgracht und Oberwasserstraße, Mitte

Glienicker Brücke

Im Kalten Krieg war die Berliner Glienicker Brücke bei Spionen beliebt. Foto: Imago/Schöning

Achtung, Spione! Im Kalten Krieg wurde die Eisen- und Stahlkonstruktion als konspirativer Austauschpunkt für Agenten und politische Häftlinge weltberühmt. Bevor die Brücke zur politischen Bühne zwischen Ost und West wurde, fungierte sie brav als Bindeglied für den Post-, Güter- und Personenverkehr zwischen Potsdam und Berlin. Und noch früher, im 18. Jahrhundert, beschritten Könige und Kurfürsten den ehemaligen „Holzweg“, um von Potsdam zu den Jagdgründen im Grunewald zu gelangen.

  • Glienicker Brücke Königstraße, Zehlendorf

Schlossbrücke

Die Schlossbrücke bietet einen tollen Blick auf wichtige Berliner Bauwerke. Foto: Imago/Imagebroker

Die Schlossbrücke ist ein Baudenkmal. Karl Friedrich Schinkel hat sie 1821 bis 1824 im Stil des Klassizismus erbaut, hier findet ihr mehr Schinkel-Bauten. Durch ihren Bau machte Schinkel den Boulevard „Unter den Linden“ zu einer durchgehenden Prachtstraße zwischen Brandenburger Tor und Berliner Schloss. Die monumentalen Figuren auf der Brücke sollen an die Befreiungskriege 1813 bis 1815 erinnern, mit denen große Teile Europas von der Vorherrschaft Napoleons befreit wurden.

  • Schlossbrücke zwischen Lustgarten und Unter den Linden, Mitte

Brommybrücke

Reste der Brommybrücke 2019 in der Spree. Foto: Imago/Schöning

Diese Brücke gibt es nicht mehr und doch hängt ihr Geist noch über der Stadt: Die Brommybrücke wurde wie der Gerickesteg während des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht gesprengt, um den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen. Obwohl sie nicht mehr existiert, ist sie doch vielen Berliner:innen ein Begriff. Sie befand sich zwischen Schilling- und Oberbaumbrücke und war für heutige Begriffe, in einer Zeit, in der das Auto obsolet wird, ausgesprochen modern: Nur Eisenbahnen konnten sie queren.

Doch wer die Bilder von Eisenbahnen kennt, die schwarzen Rauch ausstoßen, ahnt vielleicht, dass die Brücke das Leben der Anwohner:innen auf beiden Seiten der Spree keineswegs verbesserte: Ab 1871 fuhr kaum eine Eisenbahn mehr über den Fluss, weil der Lärm und Dreck für die Anwohner*innen unzumutbar wurde.

  • Brommybrücke zwischen Luisenstadt und Mühlenstraße, Friedrichshain/Kreuzberg

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Euch interessiert die Geschichte besonderer Bauwerke? West, Ost, Bauhaus, Baller – unser Architektur-Guide für Berlin. Ebenfalls besonders: 12 Schlösser in Berlin. Natürlich gibt es noch deutlich mehr Sehenswürdigkeiten in Berlin, wir zeigen sie euch.

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