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Pandemie in Berlin

12 mal heftiges Vermissen: Diese kleinen Dinge fehlen uns einfach nur noch

Ja, wir halten durch. Nein, wir verfallen keinen Verschwörungstheorien. Und ja, wir wissen (hoffen), dass es alles irgendwann vorbei ist. Trotzdem: Manchmal brechen wir innerlich ein. Weil uns nicht die Reise in die Karibik fehlt, sondern wir einfach Potsdam vermissen. Weil wir gern mal wieder im Geschäft Hosen aussuchen und sie dann im KitKat runterlassen würden. Lästerrunden in der Teeküche, sogar Touristen – die kleinen Dinge erscheinen uns inzwischen groß. 12 Sachen, die uns gerade einfach nur fehlen.


Aufregendes Berlin

Berlins Barszene ist spannend, es gibt noch viele tolle kleine Geschäfte. Nützt nur nichts, alles dicht. Foto: Imago Images/Müller-Stauffenberg

Wir machen mehr Spaziergänge als jemals zuvor. Das ist toll. Bloß sehen wir uns leider langsam satt. Wir haben die sich nicht ändernden Schaufenster alle angeschaut, wir haben jedes Take-away-Fenster gesehen. Neue Impulse? Fehlanzeige! Wo wir sonst im Kiez immer mal wieder einen neuen Laden entdecken oder eine kleine Galerie, schauen uns nun Schilder an: bis auf Weiteres geschlossen. Klar, wir können uns an der Street Art erfreuen, an den skurrilen Graffiti. Aber so richtig toll ist das auch nicht.


Die losen Bekanntschaften leiden

Ruda Puda (von links), Franziska Traub, Julian F.M. Stoeckel, Angelo Conti und Stefanie Simon im Selfie-Museum Berlin. Foto: Imago Images/Future Image

Ja, wir haben diese paar Menschen, die wir manchmal, wenn auch nur aus der Ferne sehen. Unsere Beziehung, vielleicht noch Angehörige, mal einen Spaziergang mit dem besten Kumpel. Aber was fehlt, das ist das Grundrauschen netter Menschen. Wenn wir auf Geburtstagen die losen Bekannten wiedersehen, die wir genau einmal im Jahr genau bei dieser Party treffen. Und uns ehrlich darüber freuen, auch, wenn wir sie nie einfach so anrufen würden. Die lose Bekanntschaft leidet derzeit am meisten.


Intensive Spontan-Begegnungen

Abends mal spontan mit Freunden einen heben, die im gleichen Restaurants speisen? Vermissen wir sehr. Foto: Imago Images/Seeliger
Abends mal spontan mit Freunden einen heben, die im gleichen Restaurants speisen? Vermissen wir sehr. Foto: Imago Images/Seeliger

Ja, neulich haben wir Brigitte aus dem Office bei Penny gesehen. Und kürzlich auch mal Haroun und Nathaly beim Gang durch den Humboldthain. Aber wie gern würden wir mal wieder zufällig jemandem im Restaurant begegnen, unsere Stühle ranziehen, quatschen. Oder uns im Berghain in den Armen liegen, nachdem wir uns im Dunkel der Tanzfläche doch erkannt haben. Das Ballett der Nacht, die Pirouetten der Spontaneität. Ach, du auch hier? Wir wollten gerade weiterziehen, komm doch mit!


Das Großstadt-Gefühl

Nichts los weit und breit. Irgendwie nett, aber auch nicht so richtig, wie es sich nun mal gehört. Foto: Imago Images/Zöllner

Die besoffene Touristengruppe in der Bahn, die unentschlossenen Bummler im Lieblings-Café, die den Betrieb aufhalten, die lästigen Rumlümmler: Berlin ist eine Reise wert, und dass so viele das wissen, macht uns häufig ganz schön fertig. Gerade können wir durchatmen. Ein paar Verwirrte vorm Brandenburger Tor, das war es auch schon. Angenehm, diese Ruhe. Aber irgendwie auch befremdlich. Das Großstadt-Gefühl ist weg. Irgendwie gut, aber eben auch irgendwie falsch.


Schick machen

Bettina Cramer bei einer Fashion Show. Fashion ist derzeit vor allem zuhause und macht ohne Publikum doch irgendwie ein bisschen weniger Spaß. Foto: Imago Images/Future Image
Bettina Cramer bei einer Fashion Show. Fashion ist derzeit vor allem zuhause und macht ohne Publikum doch irgendwie ein bisschen weniger Spaß. Foto: Imago Images/Future Image

Ja, wir können uns in Kleid und mit Hochsteckfrisur vor den Fernseher setzen. Bei den meisten Menschen liegt der feine Zwirn aber seit Wochen im Schrank. Selbst wer sich modisch noch nicht ganz aufgegeben hat, wird wohl zugeben müssen, dass im Moment auch mal zwei Pullover zwei Wochen im täglichen Wechsel getragen werden. Das ist gut für die Umwelt, weil weniger gewaschen wird, aber eben auch lahm. Haben wir früher liebevoll Outfits zusammengestellt für Restaurantbesuch, Geburtstagsfeier und Feierabendbier, ist nun Tristesse angesagt.


Wir vermissen das Flirten

Na hallo! Wir wissen nicht, ob der Potsdamer Platz auch für uns der ideale Platz zum Flirten wäre. Fehlen tut es uns aber in jedem Fall. Foto: Imago Images/Westend61

Ob Beziehung oder nicht: Flirten macht Spaß. Aber wo? Ja, wir können Menschen in der S-Bahn kennenlernen. Aber in der Bar ist es doch irgendwie lustiger. Und selbst, wer glücklich liiert ist, weiß: Ab und an mal ein bisschen gucken kann auch Schwung ins Leben bringen. Inzwischen würden sich einige von uns sogar gern mal wieder ein bisschen zoffen, weil der*die Liebste im Café der Bedienung zu lange hinterhergeschaut hat. Einfach, damit mal wieder mehr passiert als, richtig: gar nichts.


Rudelbums im KitKat

Alle auf einen ist gemein, aber manchmal ja auch nicht anders gewollt. Foto: Imago Images/Teamwork

Vor allem, wer mit Partner*in im Home Office ist, weiß: Das mit dem Antrieb, auch dem sexuellen, ist manchmal etwas überschaubar, wenn man sich vom Bett an den Tisch und vom Tisch aufs Sofa und vom Sofa ins Bett schleppt. Alltag frisst Verlangen, wir fallen ins Corona-Lustloch. Dagegen kann man sich wehren, indem man ein paar Sachen probiert. Schwieriger ist es für Singles, vor allem die promiskuitiveren unter ihnen: Rudelbums im KitKat, Resteficken in der Stammkneipe oder jeden Tag ein Tinder-Knaller? Nichts ist, außer bei jenen, die auf die Corona-Bestimmungen wenig Wert legen. Regeltreu und gleichzeitig triebgesteuert ist gerade nicht drin.


Kaffee mit Ausblick

Was wir vermissen: Chillen in der Pampa am Holzmarkt, nett mit Heißgetränk aus dem Café? Träum weiter, Amigo. Foto: Imago Images/F. Berger
Chillen in der Pampa am Holzmarkt, nett mit Heißgetränk aus dem Café? Träum weiter, Amigo. Foto: Imago Images/F. Berger

Draußen ist es kalt, drinnen ist dicht: Unseren Lieblingskaffee kriegen wir gerade nur zum Mitnehmen. Und weil es derzeit wirklich ungemütlich ist, macht es eben doch keinen Spaß, sich auf eine nasse Parkbank zu setzen. Wir würden gern einfach mal wieder an einem richtigen Tisch sitzen, der nicht in unserer Butze steht, und in die Ferne (oder auf vorbeieilende Menschen) starren und die Gedanken schweifen lassen. Ohne nassen Arsch, und vielleicht danach noch mit einem Sekt oder einem Bier. Letzteres ist dank der aktuellen Bestimmungen ja nun sowieso gerade Essig. Es ist alles ein Elend.


Rumkommen

Die Nikolaikirche überragt die umliegenden Häuser Potsdams. Den Besuch vermissen wir, aber der ist gerade nicht zu empfehlen. Foto: Imago Images/Ritter

Es gibt Menschen in Berlin, die haben seit Wochen, seit Monaten kaum ihren eigenen Bezirk verlassen, so sie nicht zur Arbeit mussten. Das ist bedauerlich, gleichzeitig bedauerlicherweise gut. Denn nicht erst seit Verabschiedung der 15-Kilometer-Regel ist Zuhause bleiben besser. Aber ein bisschen Abwechslung wäre gut. Es muss ja gar nicht die Karibik sein. Nicht mal Spanien. Mal wieder durch Potsdam zu schlendern wäre ja auch schon ganz nett. Oder an die Ostsee zu fahren, so ohne Sorgen und schlechtes Gewissen (so es überhaupt gerade erlaubt wäre). Wie frei wir waren, wissen wir erst jetzt.


Intellektuelle Stimulation

Straßenmusikanten sind das höchste der Gefühle, und selbst die sollen gerade nicht. Foto: Imago Images/Bildgehege

Es gibt genug Bücher, Streams und Platten für weitere 17 Jahre Lockdown. Aber es ist eben doch etwas anderes, wenn wir ins Theater gehen, auf dem Weg in eine Galerie stolpern, ein Spontankonzert im U-Bahnhof ausnahmsweise mal gut statt lästig finden. Wenn wir im Kino in eine andere Welt gezogen werden, die Musiker auf der Bühne plötzlich spontane Zugaben spielen, weil die Halle kocht, und wenn uns der DJ Sonntagmittag plötzlich nochmal bei den verbleibenden Hirnzellen greift und besinnungslos basst. Wir vermissen Kultur, und wir wollen sie multidimensional, mit allen Sinnen erleben.


Tratschen mit Kollegen

Ein bisschen Spaß muss sein:Angela Merkel mit Brigitte Macron und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Foto: Imago Images/Sammy Minkoff

Wir haben größten Respekt vor all jenen, die derzeit zur Arbeit müssen: Schön ist das ganz sicher nicht. Zumal jene (so die Chefs keine Home-Office-Verweigerer sind), die derzeit raus müssen, auch wirklich raus müssen. Gleichzeitig sitzt ein großer Teil von uns daheim und hängt zwischen Slack, Zoom, Handy und Mail in einer digitalen Kommunikationsblase, die oft wenig Raum für lässige Lästereien beim Kaffeekochen lässt. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und auch, wenn manche Schläge im Austausch mit Kollegen über Kollegen ein wenig zu tief gehen: So eine Lästerrunde in der Teeküche ist eine seelische Sozialreinigung, die wir schmerzlich vermissen.


Einfach mal diesen verdammten Mist vergessen

Ach es nervt halt einfach. Foto: Imago Images/Future Image

Egal, mit wem wir reden, Boss, Bruder oder Busfahrer (ja klar, in Berlin mit dem Busfahrer reden), wir reden über Corona. Wir denken an Corona, wir lesen von Corona (jetzt ja auch gerade), und irgendwie führt jedes Gespräch doch wieder zu Corona. Es ist ein Elend, und langsam werden wir müde, mürbe. Immerhin: Es gibt Hoffnung für 2021, wenn man denn will. Bis dahin: Durchhalten.


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