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Gut zu Fuß

Schöne Spaziergänge durch Spandau: Geschichte und Natur im Randbezirk

Für Urlaubsgefühle im Grünen lohnt sich die Fahrt nach Spandau. Von gemütlichen Spaziergängen im Wald und an sonnigen Uferpromenaden bis zu historischen Plätzen und Festungen hat der Bezirk am westlichen Stadtrand viel zu bieten. Wir haben für euch sechs Spaziergänge durch Spandau zusammengetragen. 


Lindenufer: Die sonnige Promenade zwischen historischer Altstadt, Havel und Spree genießen

Am Lindenufer fließen Havel und Spree zusammen. Ein perfekter Ort, um am Wasser entlang zu spazieren oder sich ans Ufer zu setzen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Am Lindenufer treffen Spree und Havel, Geschichte und Moderne, Gemütlichkeit und Trubel aufeinander. Unterhalb der Spandauer Altstadt gelegen, erstreckt sich die Promenade von der Charlottenbrücke bis zur Juliusturmbrücke und bietet die perfekte Verbindung zwischen dem historischen Marktplatz und der Zitadelle Spandau. Auf dem Weg liegt das Kolkviertel, das mit seinen liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern, der Marienkirche und der alten Stadtmauer zu den ältesten erhaltenen Ortsteilen Berlins gehört. Die Umgebung der Altstadt Spandau lässt sich perfekt zu Fuß und auf dem Rad erkunden.

Ein Teil der alten Festungsmauer ist erhalten geblieben, dahinter stehen die wunderschönen Altbauten des Spandauer Kolkviertels. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Am Ende des Kolkviertels befindet sich die Schleuse Spandau, die vor allem bei Kindern und Schifffahrtsfreunden beliebt ist. Denn hier überwinden in den Sommermonaten täglich unzählige Boote das Zweimetergefälle zwischen Ober- und Unterhavel. Die Aussicht auf die Festungsmauern der gegenüberliegenden Zitadelle Spandau beeindrucken zusätzlich. In unmittelbarer Nähe lädt das Brauhaus Spandau zu einem naturtrüben Havelbräu und monatlich wechselnden Spezialbieren ein, die im gemütlichen Biergarten genossen werden können.

Das Lindenufer bietet also einen kleinen, aber sehr abwechslungsreichen Spaziergang durch Spandaus Geschichte und lässt sich wunderbar mit anderen Touren kombinieren. Im Sommer findet hier das Spandauer Havelfest statt, wo das Flanieren durch Konzerte, Tänze und ein vielfältiges Essens- und Trinkangebot noch mehr Spaß macht.

  • Am besten zu erreichen mit den S-Bahnlinien S3 oder S9 zum S-Bahnhof Stresow oder mit der U-Bahnlinie U7 bis zum U-Bahnhof Altstadt Spandau

Tiefwerder Wiesen: Unterwegs auf Holzstegen neben Wasserbüffeln, Vögeln und Schilfrohr

Die Stege ermöglichen eine trockene und spannende Überquerung der Feuchtwiesen in Spandau. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Das Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen liegt zwischen Heerstraße, Havelchaussee und Havel. Die natürliche Feuchtwiese bietet Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten, die bei einem Spaziergang bestaunt werden können. Eine besondere Attraktion sind die Wasserbüffel, die auf der Weide grasen und somit auf natürliche Art die Grünfläche pflegen.

Die Wasserbüffel dienen als natürliche Rasenmäher und sind eine besondere Attraktion. Foto: Imago/Rech

Ein wunderschöner Rundweg startet an der Freybrücke, führt an der Wasserbüffelweide vorbei und ermöglicht die trockene Überquerung der Tiefwerder Wiesen über einen Holzbohlensteg, der sich mitten durchs prächtige Grün schlängelt. Anschließend gelangt man ins Klein Venedig, eine Gartenkolonie, die sich ihren Spitznamen durch die gemütliche Lage an den etlichen kleinen Kanälen verdient hat. Wer auf den Geschmack gekommen ist, wird noch viele weitere Flüsse, Kanäle und Fließe in Berlin finden können.

Klein Venedig ist ein beliebtes Ausflugsziel bei Spaziergänger*inne und Paddler*innen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Hinter der Gartenkolonie zieht sich der Holzbohlensteg mitten durch das hohe Schilfrohr, in dem viele seltene Vögel und Insekten leben, die den Spaziergang akustisch untermalen. Die stark befahrene Heerstraße ist nicht mehr zu hören und es ist kaum vorstellbar, dass sich dieses Naturidyll in der Stadt befindet. Wieder am Ausgangspunkt angelangt, fährt der M49 ins urbane Leben zurück.

  • Am besten zu erreichen mit der Buslinie M49 bis zur Haltestelle Freybrücke

Spandauer Forst: Auf den Spuren der Grenze

Der ehemalige Grenzstreifen ist noch immer als baumlose Düne innerhalb des Spandauer Forsts zu erkennen.
Foto: Wikimedia/CC BY-SA 4.0/Lenz

Der Checkpoint Charlie, die East Side Gallery und die Gedenkstätte Berliner Mauer sind weltbekannte Repräsentanten der deutschen Teilung. Natürlich haben aber auch die Westberliner Randbezirke hierzu spannende Geschichten zu erzählen…

Der Spandauer Forst liegt direkt an der Grenze zu Brandenburg und ist eines der größten Waldgebiete Berlins. Hier lassen sich Natur, Bewegung und Geschichte perfekt kombinieren. Der Grenzspaziergang beginnt am Oberjägerweg, inmitten des Waldes. Auf einer riesigen Obstwiese grasen Schafe, Vögel zwitschern und der Wind rauscht durch die Baumkronen. Es ist harmonisch und ruhig. Doch nur wenige Meter weiter steht ein Mahnkreuz für einen jungen Mann, der genau an dieser Stelle von einem Grenzsoldaten erschossen wurde. Der Kontrast berührt.

Ein Mahnmal erinnert an den zwanzigjährigen Adolf Phillip, der an dieser Stelle 1964 von Grenzsoldaten erschossen wurde. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Ungefähr zwei Kilometer führt der Weg am Grenzstreifen, dessen Bewaldung zum Schutze der Zauneidechsen künstlich verhindert wird, entlang, bis die ehemaligen Enklaven Fichtewiese und Erlengrund erreicht werden. Diese beiden Gartenkolonien gehörten damals zwar zu Westberlin, wurden durch die Berliner Mauer jedoch komplett abgeschnitten, sodass ein Wochenende im Garten stets mit Problemen verbunden war. Ein Denkmal erzählt von dieser kuriosen Geschichte.

Die Bürgerablage ist die nördlichste Badestelle der Oberhavel und ist aufgrund der Wald-Wasser-Kombination sehr beliebt. Foto: Wikimedia/CC BY-SA 4.0/Lienhard Schulz

Einen würdigen Abschluss findet der Spaziergang durch den Norden Spandaus an der Bürgerablage, einer hübschen Badestelle an der Oberhavel. Am Sandstrand liegt es sich urlaublich und das Wasser lädt zum Schwimmen ein. In der Waldgaststätte Jagdhaus gibt es rustikale Speisen und erfrischende Getränke. Bei all der Gemütlichkeit kann man sich kaum vorstellen, dass die Schwimmenden früher von Grenzbooten kontrolliert wurden und sich wenige Meter weiter ein Todesstreifen befand.

  • Am besten zu erreichen mit dem Fahrrad oder der Buslinie 671 zur Bushaltestelle Oberjägerweg

Hahneberg: Tarantino-Kulisse und überwältigende Aussicht

Vom 87,6 hohen Neuen Hahneberg hat man eine weitläufige Aussicht. Rechts ist der Teufelsberg zu sehen, links der Funkturm. Foto: Wikimedia/CC BY-SA 4.0/Assenmacher

Über dem Südosten des Spandauer Ortsteils Staaken thronen zwei Hügel: Auf dem alten Hahneberg befindet sich das gleichnamige preußisches Militär-Fort, das Ende des neunzehnten Jahrhunderts zum Schutz des Rüstungszentrums Spandau gebaut wurde. Später diente die Festung in beiden Weltkriegen als Ausbildungsstätte der Infanterie. Am Ende des zweiten Weltkriegs blieb nur eine Ruine übrig. Durch die Teilung Berlins rutschte das Fort in das Grenzland und konnte so von der Natur zurückerobert werden. Seit dem Mauerfall lässt sich das Fort Hahneberg mit Geschichts- und Naturführungen wieder besuchen. Filmfans werden sich an Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ erinnern, der zum Teil an diesem historischen Ort gedreht wurde.

Filmfans werden beim Anblick des Fort Hahnebergs ein mulmiges Gefühl bekommen, wenn sie in eine der brutalsten Szenen aus Quentin Tarantinos Inglourious Basterds zurückversetzt werden. Das Fort diente als ikonischer Drehort. Foto: Imago/Jürgen Heinrich

Der neue Hahneberg ist eine künstlich angelegte Erhöhung, die ungefähr einen Kilometer entfernt liegt. Mit seinen fast 90 Metern Höhe und einer prächtigen Grünanlage ist der Hügel perfekt geeignet für Abendspaziergänge mit überwältigender Aussicht. Hier hat man nicht nur einen weitläufigen Ausblick auf Spandau, sondern sieht unter anderem auch den Teufelsberg und Grunewaldturm. Bei guten Wetterbedingungen reicht der Blick bis zum Alexanderplatz. Auf den vielen Parkbänken lässt sich die Stimmung besonders genießen.

  • Am besten zu erreichen mit der Buslinie M49 zur Bushaltestelle Hahneberg

Kladower Promenade: Flanieren am westlichen Wannseeufer

Kladower Hafenpromenade mit Blick auf die naturgeschützte Insel Imchen, die nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch Lebensraum für viele seltene Vogelarten bietet. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Monatskarte eingepackt und ab auf die BVG-Fähre! Ohne Aufpreis kann man mit der F10 über den Wannsee tuckern, bis man nach ungefähr 20 Minuten den Hafen des Spandauer Ortsteils Kladow erreicht. An der Uferpromenade herrscht reges Treiben. Direkt am Hafen laden Restaurants, Biergärten und Eisdielen zum Einkehren ein. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die kleine, unbewohnte Insel Imchen, die viele seltene Vögel beherbergt. Das Gezwitscher hallt bis zur Promenade und Naturliebhaber können verschiedene Vogelarten entdecken.

Die kleine Dorfkirche erinnert an alte Zeiten, in denen Kladow noch nicht zu Berlin gehörte. Der dörfliche Charakter Kladows ist über die Jahre erhalten geblieben. Foto: Imago/Joachim Schulz

In unmittelbarer Nähe liegt der Kern des ehemaligen Dorfes Kladow. Hier lässt sich beispielsweise die märchenhafte Dorfkirche aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert besichtigen. Auf der anderen Seite der Promenade kann der Gutspark Neukladow bestaunt werden, der von Bau- und Gartendenkmälern und dem romantischen Blick aufs Wasser geprägt ist. Hinter dem Gutspark gelangt man auf den Wanderweg Westliches Havelufer, der noch viele weitere Lieblingsplätze zwischen Wald und Wasser präsentiert.


Der Spektepark: Sport und Erholung am Kiesteich

Der Spektesee war früher eine Kiesgrube. Heutzutage ist er ein ansehnlicher Freizeit- und Erholungsort. Oben mittig sieht man die 2018 eröffnete Badestelle, auf der rechten Seite den 18 Meter hohen Kletterfelsen. Foto: Wikimedia/CC BY-SA 4.0/Dreizung

Der Spektepark liegt im Ortsteil Falkenhagener Feld und stellt eines der erfolgreichsten Projekte der gegenwärtigen Spandauer Stadt- und Grünflächenplanung dar. Der vielfältige Grünstreifen, der über Jahrzehnte hinweg aufgewertet wurde, dient als essenzieller Ausgleich zu den umliegenden Hochhäusern und Gebäudegroßkomplexen. Das Herz des Spekteparks ist der große Spektesee, der aufgrund seiner ursprünglichen Funktion meist als Kiesteich bezeichnet wird. Heutzutage ist die ehemalige Kiesgrube ein landschaftlich beeindruckender See, um den man wunderbar herumspazieren kann.

Im Frühling 2018 wurde die neue Badestelle feierlich eröffnet, die über eine weitläufige Liegewiese und einen kleinen Strand verfügt. Sie markiert den erfolgreichen Abschluss der jahrelangen Umstrukturierungen der einst heruntergekommenen Grünfläche. Zwischen 2012 und 2013 waren bereits mehrere Spiel- und Aktionsflächen errichtet worden, um den Mangel an Freizeitangeboten innerhalb des Spekteparks zu beheben. So verfügt die Grünfläche nun über mehrere Spielplätze, Skaterbahnen, Fitnessgeräte und Beachvolleyballfelder. Ihr wohl repräsentativstes Wahrzeichen ist der achtzehn Meter hohe Kletterfelsen, der nicht nur von überall zu sehen ist, sondern selbstverständlich auch bestiegen werden kann.

  • Am besten zu erreichen mit den Buslinien 130 und N30 zur Bushaltestelle Spekteweg

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