Bahnhöfe

Der Bahnhof Gesundbrunnen in 12 Fotos: Hertha, Bunker, Nordkreuz

Der Bahnhof Gesundbrunnen ist der wichtigste Berliner Fernbahnhof im Norden der Stadt. Diesen Rang verdankt er nicht zuletzt den Mauerfall. Zehn Gleise führen durch die Station und aus der Stadt.

In 12 Bildern erzählen wir seine Geschichte und blicken auch in die unmittelbare Nachbarschaft: vom alten Hertha-BSC-Stadion Plumpe über die längste U-Bahn-Rolltreppe der Stadt bis zum Gesundbrunnen Center und dem Nordkreuz.


Die ersten Bahnsteige und die Millionenbrücke

Der Bahnhof Gesundbrunnen mit der „Millionenbrücke“ im Hintergrund im Jahr 1911. Foto: Imago Images/Arkivi

Als der erste Bahnsteig des Bahnhofs Gesundbrunnen, der Ringbahnsteig, am 1. Januar 1872 eröffnet wurde, sprudelte die eisenhaltige Heilquelle an dieser Stelle noch ein bisschen vor sich hin. Diese soll König Friedrich I. höchstpersönlich 1701 entdeckt haben. Fünf Jahre nach dem Versiegen der Quelle nahm 1877 der zweite Bahnsteig, jener der Nordbahn, den Betrieb auf. Drei neue Mittelbahnsteige kamen bis zur Jahrhundertwende hinzu.

Im Hintergrund ist die Swinemünder Brücke zu sehen, im Volksmund „Millionenbrücke“ genannt, weil der Bau der Stahlkonstruktion 1902 bis 1905 eine Million Mark gekostet hatte.


Herthas altes Stadion „Plumpe“

Wo einst das Stadion stand, stehen heute Statuen. Foto: Achim Raschka/(CC-BY-SA)

Vier Jahrzehnte lang trug Hertha BSC seine Heimspiele in Gesundbrunnen aus. Das in seiner größten Version 35.000 Besucher fassende Stadion, von den Berlinern „Plumpe“ genannt, wurde von 1923 und 1924 einen Steinwurf vom Bahnhof Gesundbrunnen direkt neben der „Millionenbrücke“ erbaut. Der Spitzname des Stadions verweist auf eine nahe Wasserpumpe der Heilquelle.

Zur ersten Bundesligasaison 1963/64 zog Hertha ins Olympiastadion um, weil das seinerzeit noch 20.000-Zuschauer-Stadion an der Plumpe nicht erstligatauglich war. Für die abstiegsbedingten Regionalliga-Spielzeiten der Blau-Weißen von 1965 bis 1968 reichte die Plumpe dann noch mal.

1974 machte das Stadion, von Hertha nach dem Bundsliga-Skandal 1971 in Finanznot an den Senat verkauft, schließlich neuen Wohnbauten Platz. Vier Kicker-Statuen erinnern dort heute an die großen Ballzeiten von einst.


Der Bunker am Gesundbrunnen

Führung durch den Bunker am Gesundbrunnen. Foto: Imago Images/David Heerde

Als der U-Bahnhof Gesundbrunnen ab 1928 errichtet wurde, war er der Endpunkt der Gesundbrunnen-Neuköllner Untergrundbahn. Aufgrund seiner Lage in einer Senke ist er der tiefste U-Bahnhof der Stadt. 1930 ging die U-Bahn-Station in Betrieb. Für Werkstätten und Abstellgleise brauchte man unterirdisch noch mehr Platz unter der Erde. Im Dritten Reich entstand daraus, mit verstärkten Wänden, ein Luftschutzbunker, der vier Etagen tief war.

Nach dem Krieg fungierte das Areal bis zur Wiedervereinigung noch weiter als Luftschutzbunker. Heute beherbergt es das Berliner Unterwelten-Museum des gleichnamigen Vereins. Führungen können, sofern nicht gerade eine Pandemie ist, gebucht werden.


Berlins längste U-Bahn-Rolltreppe

Tief runter: Die Rolltreppe zum U-Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Imago Images/Olaf Wagner

Berlins U-Bahn-Rolltreppen gehen bei weitem nicht so in die Tiefe wie jene beispielsweise in Prag, aber der U-Bahnhof Gesundbrunnen bietet immerhin die längste Rolltreppe der Stadt. Der Bahnsteig liegt etwa 18 Meter unter dem Straßenniveau.

Diese Rolltreppe war übrigens Berlins erster derartiger Neubau nach dem Krieg, sie wurde 1948 eingeweiht. Seinerzeit bestand sie noch aus Holz. Erst 1975 wurde sie durch eine Stahl-Variante ersetzt.


Die erste S-Bahn gen Osten nach dem Mauerfall

Das regierende Bahnpersonal am 17. September 2001: Klaus Wowereit (vorn) und Peter Strieder (rechts dahinter). Foto: Imago Images/Thomas Lebie

Es dauerte nach dem Mauerfall mehr als ein Jahrzehnt, ehe am 17. September 2001 der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD, vorn) und sein Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (ebenfalls SPD) demonstrativ die Kelle schwangen für die erste S-Bahn von Gesundbrunnen zum Bahnhof Schönhauser Allee seit 40 Jahren. Die Strecke nach Ost-Berlin war mit dem Mauerbau am 13. August 1961 gekappt worden.


Das Gesundbrunnen Center als Traumschiff

25.000 Quadratmeter Platz zum Shoppen: Das Gesundbrunnen Center Foto: Imago Images/Schöning

Warum die Einkaufszentren in Berlin oft aussehen, als hätte sie ein besonders schlecht gelaunter Klingone entworfen, bleibt das Geheimnis der zuständigen Planer und Bauherren. Das Gesundbrunnen Center macht da keine Ausnahme mit seinem Kreuzfahrtschiff-Gestus, der großflächigen Spiegelglasästhetik und den spinnenbeinigen Säulen an der Seite. Der mächtige Bau entstand 1995 bis 1997 nach Entwürfen der Hamburger Architekten Jost Hering und Manfred Stanek. Das Parkhaus ist auch ziemlich üppig dimensioniert.


Der Bahnhof Gesundbrunnen wird zum Nordkreuz

Der Berlin-Warszawa-Express im April 2007 am Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Imago Images/Bernd Friedel

Nach dem Mauerfall wurde Gesundbrunnen zu Berlins bedeutsamsten Eisenbahnknotenpunkt im Norden der Stadt um- und ausgebaut. Eine erste Anbindung ans Fernnetz scheiterte 1991 noch nach kurzer Zeit an einem schlecht sanierten Tunnel, der dem ersten größeren Regenfall nicht standhielt. Das 1997 begonnene Umbauprojekt zum Fernbahnhof firmierte dann unter dem Namen „Nordkreuz“, die Deutsche Bahn soll auch mal eine Umbenennung erwogen haben. 2006 ging der Kreuzungsbahnhof ans Netz. Von hier aus fahren neben der S-Bahn auch Regional- und Fernzüge. Insgesamt verfügt der Bahnhof jetzt über zehn Gleise.


Der Hanne-Sobek-Platz als Betonpiste mit Bus-Anschluss

2006 wurde der Hanne-Sobek-Platz eingeweiht. Foto: Imago Images/Sven Lambert

Der Vorplatz des Bahnhofs wurde 2006 nach der Hertha-BSC-Legende Hanne Sobek benannt. Die Betonpiste mit Bus-Anschluss entstand durch die Überdeckelung der Bahnsteige. Hanne Sobek (1900 – 1989) wohnte ganz in der Nähe, in der Gartenstadt Atlantic.

Mit ihm hatte der Verein 1930 im Finale gegen Holstein Kiel (5:4) und 1931 im Finale gegen 1860 München (3:2) zweimal die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Es blieben bisher die einzigen Meistertitel der Jetzt-Charlottenburger, die einst in Gesundbrunnen kickten.

Und dafür, dass er in beiden Endspielen jeweils zweimal traf, ist der nach ihm benannte Platz bemerkenswert trist geraten.


In der Curry Baude geht’s um die Super-Wurst

Seit 30 Jahren mehr als amtliche Currywurst gibt es an der „Curry-Baude“. Foto: Heier

Eine Institution in Gesundbrunnen, bei der es immer und zuallererst um die Wurst geht. Im denkmalgeschützten U-Bahnhof-Bau serviert Fleischermeister Reina Lehmann seit mehr als 30 Jahren eine sehr amtliche Currywurst, die als eine der besten der Stadt gilt. Die Chauffeure vom Taxistand nebenan ordern beim Team der „Curry-Baude“ gern mal eine Extraportion Linderung gegen den Uber-Frust. Die Schnitzel, Würste und Bouletten stammen aus der eigenen Fleischerei. Und das Rezept für die Currysoße zur Wurst ist so geheim wie der Bauplan für die Coca Cola.


Die erste Berliner S-Bahn-Wache öffnet in Gesundbrunnen

Sehen gar nicht aus, als wären sie zum Feiern gekommen: Mitarbeiter der DB Sicherheit anlässlich der Eröffnung der ersten S-Bahnwache auf dem Berliner S-Bahnhof Gesundbrunnen. Foto: Imago Images/snapshot

Mit einem erweiterten Sicherheitskonzept reagierte die S-Bahn GmbH im Jahr 2018 auf die Zunahme von Gewaltfällen in Bahnen und auf Bahnhöfen. So wurden im Januar 2017 drei junge Männer von zwei Angreifern im Bahnhof Gesundbrunnen auf der Rolltreppe attackiert und verletzt.

Die erste S-Bahn-Wache Berlins ging im Bahnhof Gesundbrunnen am 22. Januar 2018 als eine von insgesamt fünf derartigen Wachen in Betrieb. Sie ist rund um die Uhr erreichbar.


Das neue Empfangsgebäude stapelt flach

Neues Empfangsgebäude in Gesundbrunnen. Foto: Imago Images / Joko
Da stapelt die Deutsche Bahn eher flach: Neues Empfangsgebäude in Gesundbrunnen. Foto: Imago Images / Joko

Nach jahrelangen Debatten über Statik und Wirtschaftlichkeit baute die Deutsche Bahn von 2013 bis 2015 für knapp zehn Millionen Euro ein herzlich nüchternes Empfangsgebäude auf dem Hanne-Sobek-Platz an die Treppen zu den Bahnsteigen heran. Die unmittelbare Nachbarschaft des Gesundbrunnen Centers machte besagte Wirtschaftlichkeit auch nicht gerade einfacher. Der neue Bahnhof wurde 2016 feierlich eröffnet.

Die Halle besteht aus zwei Gebäudeteilen, das 7000-Quadratmeter-Dach ruht auf 85 Stützen. In einer Pressemitteilung ein Dreivierteljahr vor der Eröffnung schrieb die Deutsche Bahn: „Wedding bekommt funktionales und ästhetisch schönes Gebäude.“ Humor haben sie da jedenfalls.


Der FEX flitzt zum BER

Seit 31. Oktober 2020 geht’s FEX zum BER. Foto: Imago Images/Sabine Gudath

Neueste Destination vom Bahnhof Gesundbrunnen ist der Flughafen Berlin-Brandenburg, weltweit bekannter und verlachter unter der Kurzbezeichnung BER. Mit der Eröffnung des Schönefelder Irrsinnsbau am 31. Oktober 2020 – es gab da bekanntlich einige kleinere BER-Pannen – startete auch der neue Flughafen-Express (FEX) zwischen Berlin Hbf und Flughafen BER Terminal 1-2 über Gesundbrunnen und Ostkreuz. Zweimal die Stunde kommt der FEX ins Rollen. Fahrzeit von Gesundbrunnen aus: rund 25 Minuten.


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Mehr über den Bahnhof Gesundbrunnen heute und in der Vergangenheit. Berlin hat überhaupt einige sehr sehenswerte Bahnhöfe. Hier haben wir 12 Vorschläge für euch. So mancher Bahnhofsbau ist heute allerdings längst Geschichte, hier stellen wir euch 12 verschwundene Bahnhöfe Berlins vor. Und bei manchen Bahnhöfen gehen die Meinungen schon sehr auseinander. Aber lest doch selbst: Das sind die lustigsten Google-Bewertungen Berliner Bahnhöfe.