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Die Siegessäule: Infos zum umstrittenen Denkmal im Tiergarten

Als umstrittenes Denkmal thront die Goldelse über dem Großen Tiergarten. Von Weitem glänzt die geflügelte römische Siegesgöttin Viktoria auf der Siegessäule. Was eigentlich an die deutschen Siege gegen andere Nationen erinnern sollte, hat heute längst eine andere Bedeutung. Hier ist alles Wissenswerte und Besucherinfos zur Siegessäule.

Eine Säule, 67 Meter, 285 Stufen: Die Siegessäule ist ein Wahrzeichen der Geschichte Berlins und ganz Deutschlands. Foto: Imago/robertharding

Die Siegessäule: Von der Siegesgöttin zum Friedensengel

Geschichte König Wilhelm I. beauftragte 1864 den Hofbaurat Heinrich Strack mit dem Bau von Denkmälern. Die krönende Skulptur schuf der Bildhauer Friedrich Drake. Die drei Segmente der Siegessäule und die Bronzeskulptur der Siegesgöttin Viktoria aus der römischen Mythologie, erinnern an drei „siegreiche“ Kriege:

  • den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864,
  • den Krieg Deutschland gegen Österreich im Jahr 1866,
  • den Deutsch-Französischen Krieg 1870 bis 1871.

Ursprünglich wurde die Siegessäule 1873 auf dem ehemaligen Königsplatz gebaut. Der heißt heute Platz der Republik und liegt direkt vor dem Reichstag, der damals noch nicht existierte. Erst als der Naziarchitekt Albert Speer die Umgestaltung Berlins zur Welthauptstadt Germania in Angriff nahm, zog die Säule auf den Großen Stern um. Zu den ursprünglich drei Säulentrommeln, allesamt aus poliertem roten Granit gebaut, kam bei dieser Gelegenheit noch eine vierte Säulentrommel dazu. Um die Wirkung des Denkmals zusätzlich zu verstärken, verbreitete man den Sockel um 6,5 Meter. Heute ragt die Siegessäule 67 Meter in die Höhe. 

Viktoria, auch Goldelse genannt, hält einen Lorbeerkranz in die Höhe, in der linken Hand ein Feldzeichen mit dem Eisernen Kreuz. Auf ihrem Helm sitzt ein Adler. Im Kreisverkehr am Großen Stern kann man die Siegessäule von allen Seiten begutachten. Foto: Imago/Shotshop

Die alliierten Kontrollratsdirektive Nr. 30, die über den Erhalt oder Beseitigung militärischer Denkmäler entschied, beschloss nach dem Zweiten Weltkrieg den Abriss der Siegessäule. Der Beschluss besagte, dass alle Bauwerke, die ab dem 1.August 1914, dem Beginn des 1.Weltkrieges, erbaut worden waren, gesprengt werden sollen und alle anderen stehen bleiben durften. Der Abriss verzögerte sich, bis der im Oktober 1946 demokratisch gewählte Magistrat nicht mehr darauf zurückkam.

Nur einen Monat später beantragte die französische Besatzungsmacht erneut den Abriss. Dieser scheiterte erneut, da die sich die sowjetischen Vertreter im Alliierten Kommandaturat enthielten und die Briten und Amerikaner ablehnten. Die Franzosen gaben sich mit Bronzetafeln, die an die Kriege gegen Frankreich und Dänemark erinnerten, zufrieden. Diese transportierte man gemeinsam mit dem Relief über den Triumphzug in Berlin nach Paris. Zum 750. Geburtstag Berlins 1987 schickte Paris die konfiszierten Bronzetafeln zurück, sodass die Siegessäule heute wieder vollständig ist.

Eine erste Sanierung erhielt die Siegessäule bereits 1989. In den Jahren 2010 und 2011 wurde sie erneut saniert, dabei erhielt die Goldelse 1,2 kg neues Blattgold. Außerdem bestrahlen seit 2011 neue Scheinwerfer die Siegessäule, wodurch sie in ihrem originellen Licht erstrahlt. Heute ist der Große Stern, der Kreisverkehr um die Goldelse, regelmäßig Schauplatz für Großveranstaltungen, wie zum Beispiel dem Christopher Street Day und großen Demonstrationen.

Als Kriegsdenkmal wird die Siegessäule heute eher weniger wahrgenommen. Vielmehr dienen die umliegenden Straßen als Schauplatz für Veranstaltungen wie den CSD. Foto: Imago/Future Image

Fun Fact Die vergoldete 8,3 Meter hohe und 35 Tonnen schwere Bronzeskulptur der Viktoria entwarf Friedrich Drake nach Zügen von Kronprinzessin Victoria von Großbritannien und Irland. Umgedeutet von den Berliner:innen ist die Siegesgöttin heute ein Friedensengel. Zusätzlich bekannt ist sie unter dem Rufnamen „Goldelse“, wegen der Vergoldung und dem Titel des Romans Goldelse von der Autorin E. Marlitt. Eine Wendeltreppe mit 285 Stufen führt hoch auf die Aussichtsplattform direkt unter der Else.

Wichtige Infos für den Besuch der Siegessäule

Die Siegessäule in der Straße des 17. Juni ist ein Nationaldenkmal, übrig geblieben aus der Zeit von König Wilhelm I.. Von Berlins Skyline ist sie heute, trotz einigen Abrissversuchen, nicht mehr weg zu denken. Foto: Imago/fStopImages

Öffnungszeiten Die Siegessäule ist täglich geöffnet. Die Öffnungszeiten sind allerdings jahreszeitenabhängig. Von April bis Oktober ist sie Montag bis Freitag von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, am Wochenende bis 19 Uhr. In der Zeit von November bis März ist die Siegessäule täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Preise Der Eintrittspreis zur Siegessäule beträgt 3,50 Euro. Für den Ermäßigungstarif zahlen Kinder, Studierende und Senior:innen 3 Euro.

Anfahrt Die Siegessäule ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wunderbar zu erreichen. Mit der S-Bahn (S3, S5, S7, S9) bis zur Haltestelle Bellevue und dann am Spreeufer entlang 15 Minuten zu Fuß bis zum Großen Stern. Die U-Bahn der Linie U9 bringt einem zur Station Hansaplatz, von dort aus läuft man zehn Minuten immer mit dem Blick auf die Goldelse gerichtet. Die Busse 100, 106, 187 halten direkt am Großen Stern.

In der Nähe Von der Plattform auf rund 51 Metern Höhe der Siegessäule habt ihr einen wunderbaren Panoramablick über den grünen Großen Tiergarten und über ganz Berlin. Unter anderem ist am Ende der Straße des 17. Juni das Brandenburger Tor zu sehen, von dem der Potsdamer Platz fußläufig erreichbar ist. Auch zum Reichstagsgebäude gelangt man schnell zu Fuß von der Goldelse aus.

  • Siegessäule Mitte, Großer Stern, Website

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