Gastrotipp

Lovis: Fine-Dining im historischen Frauengefängnis

Sophia Rudolph kocht wieder, im wohl schönsten Gastraum der Stadt: Das Lovis im historischen Frauengefängnis ist allumfassend wunderbar. Vom Ambiente bis zur Gastlichkeit; eine exklusive Adresse für Fine-Dining – und so viel mehr als das.

Würde man die präzise, poetische Handwerksküche von Sophia Rudolph in Architektur übersetzen, es käme wohl das Lovis raus. Foto: Wilmina/Robert Rieger

Lovis: Poetisch, ästhetisch, handwerklich

Wo anfangen, einen Abend  zu rekapitulieren, der auf eine leise Weise, vor allem aber auf so viele Weisen wunderbar war? Vielleicht chronologisch. Mit einer lichtgrauen Stahltür, die sich öffnet, wie sie es schon vor hundert Jahren tat. Man tritt hinein in einen Charlottenburger Hinterhof, der einmal ein Frauengefängnis war. Vor allem tritt man hinaus aus der Welt. Die Kantstraße – nicht einmal mehr als fernes Rauschen im Ohr. Üppiges Grün kontrastiert den gründerzeitlichen Backsteinbau, eine fast rahmenlose Glasfassade macht die Übergänge fließend.

Kitsch ist das prägende Stilmerkmal des kontemporären Restaurantdesigns. Glühfädenbirnen, Leuchtbuchstaben, Materialien, die so tun, als ob sie andere Materialien wären. Das vor wenigen Wochen eröffnete Lovis könnte unkitschiger nicht sein. Es ist, um einen ersten Bogen zu spannen, auf eine so poetische, ästhetische und handwerkliche Weise ehrlich und schön, wie es auch die Küche von Sophia Rudolph ist. 

Ein Faible für (gelungene) Zweckentfremdung

Die  Berliner Architekten Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst – mit der sensibel in die Gegenwart geholten Jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße waren beide schon einmal für einen der schönsten Restauranträume Berlins verantwortlich – haben das ehemalige Amtsgericht an der Kantstraße und vor allem das dahinterliegende Frauengefängnis zu einem Hotel, dem Wilmina, und einem Restaurant, dem Lovis, umgestaltet und betreiben beides fortan selbst.

Das Vorderhaus, der Amtsalon, wurde bereits während der Bauphase als Kunstraum bespielt. Die kanadische Leuchtenmanufaktur Bocci hatte dort ihren Showroom. Bocci-Leuchten illuminieren einem Sternenhimmel gleich nun auch das Lovis, dessen backsteinerne Wände einmal Außenwände waren. Der Gastraum ist der nun überdachte Gefängnisinnenhof.

Teller, ganz naheliegend und doch aus einer anderen Welt, im Lovis. Foto: Wilmina/Robert Rieger

Menü oder Teller á la carte

Sophia Rudolph, geboren in Berlin, teilweise aufgewachsen in Frankreich, könnte man noch aus dem Panama kennen, wo ihre gleichsam coole wie konzentrierte Küche vor sechs Jahren zurecht ein Spektakel war. Zuvor war sie Sous-Chefin bei Marco Müller im Rutz, mit dem sie eine unbedingte Leidenschaft für die Grundprodukte verbindet. Eine mit Gruyère-Schaum gefüllte Roscoff-Zwiebel, die wie eine Insel in einer geschmeidigen Beurre Blanc liegt, die Zwiebel süß, der Schaum kräftig: so ein Teller bleibt nah bei den Zutaten und intuitiv im Geschmack. Und das rosa gegrillte Onglet, der Nierenzapfen– charaktervoller und geschmacksintensiver als jedes Rumpsteak.

„Contemporary German Cuisine“, sagt das Lovis dazu. Wir sagen: Sophia Rudolph zeigt, dass eine entschlossen lokale und, ja, schlaue Produktküche auch vollmundig lecker kann. Die Weine dazu: biodynamisch, elegant und gerne aus Österreich.

Schön die Idee, alle Teller á la carte anzubieten, wobei das vier- oder sechsgängige Menü (75/99 Euro) ebenfalls fair ausgepreist ist. Dieser Ort ist zu besonders und zu schön, um bloß eine exklusive Fine-Dining-Adresse zu bleiben. Apropos: Bald wird das Lovis noch um eine vorgelagerte (Tages-)Bar erweitert, für einen Sommer im Garten hinter der Kantstraße, dem Loch aus der Welt.


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