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Filmkritik

„Das Arvo Pärt Gefühl“ von Paul Hegeman: Über Musik und Spiritualität

Porträt Der 1935 in Estland geborene Arvo Pärt gehört zu den bekanntesten und populärsten zeitgenössischen Komponisten. Angeblich ist er gar der meistgespielte lebende Komponist der Welt, darauf ist man in Estland zu Recht sehr stolz. Seine Musik ist in ihrer Tonalität scheinbar „einfach“ und nicht zuletzt deshalb allgemein zugänglich, doch zugleich geprägt von einer tiefen religiösen Spiritualität und Introvertiertheit. Und selbst wer ihn nicht kennt – immerhin lebte Pärt von 1981 bis 2008 in Berlin –, dürfte seine Musik schon einmal gehört haben, weil sie regelmäßig für die Soundtracks vieler Spiel- und Dokumentarfilme ausgewählt wird. In der schönen Dokumentation „Das Arvo Pärt Gefühl“ versucht der niederländische Filmemacher Paul Hegeman dem Phänomen Pärt auf die Spur zu kommen.

"Das Arvo Pärt Gefühl"
„Das Arvo Pärt Gefühl“. Foto: Film Kino Text

Nicht mit der konventionellen Aufzählung biografischer Stationen eines durchaus bewegten Lebens, sondern indem er einerseits Pärt beim Einstudieren von Musikstücken mit dem Cello Octet Amsterdam zeigt und andererseits verschiedene Pärts Musik sehr zugetane Künstler selbige sehr sinnfällig erläutern lässt. Dazu gehören unter anderem Candida Thompson, die künstlerische Leiterin des Ensembles Amsterdam Sinfonietta, der tschechische Choreograph Jiří Kylián, der Filmemacher Alain Gomis (der Pärts Musik in dem im Kongo spielenden und auf der Berlinale ausgezeichneten Drama „Félicité“ verwendete), der estnische Dirigent Tõnu Kaljuste und die kanadische Komponistin und Musikerin Kara-Lis Coverdale, die für ihre elektronische Musik bekannt ist.

So erfährt man dann etwas darüber, dass die Noten in Pärts Partituren zwar vielleicht nicht besonders schwierig seien, seine Musik aber dennoch schwer zu spielen ist, weil das Tempo und das Halten der Spannung große Herausforderungen stellen. Oder, wie Kara-Lis Coverdale anmerkt, dass Pärts Musik wie Architektur sei, voller Bögen und Linien, die man im Grunde zeichnen könne.

Allgemein gültige Musik: „Das Arvo Pärt Gefühl“ von Paul Hegeman

Und wenn Pärt selbst mit Musikern arbeitet, bekommt man auch einen Einblick in seine Persönlichkeit: sympathisch, bescheiden und humorvoll. Zugänglich und populär, so erklärt einer der Musiker einmal, sei Pärts Musik vor allem deshalb, weil die Zuhörer darin vielerlei allgemein gültige Dinge wiederfinden könnten: Frieden, Spiritualität, Freundschaft, Verbundenheit. Und irgendwann mache es dann einfach Klick, und dann sei es da: das Pärt-Gefühl.

That Pärt Feeling (OT), NL 2019, 75 Min. R. Paul Hegeman, Start: 10. September 2020


Die weiteren Filmstarts vom 10. September im tip-Überblick; weiterhin im Kino: die Filmstarts vom 3. September; und die Filmstarts vom 27. August; die tip-Kritik zu „Tenet“ von Christopher Nolan.

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