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Berlin verstehen

12 Strandbad-Charaktere: Von Strandhengst bis Sonnenmilchgespenst

Das Strandbad ist kein Ausflugsziel, sondern eine Milieustudie. In der überzeichneten Szenerie zwischen Imbissstand und Wasserrutsche treffen schräge Gestalten – von Sonnenmilch bedeckt oder von der alten Freundin Ultravioletta gegerbt – aufeinander und verwachsen zu einem Gewusel aus Frittierfett, Testosteron und Teenie-Schweiß. Während man also im Sand die Wassermelone schneidet, oder beim Beachvolleyball die Bauchmuskeln tanzen lässt, trifft man unausweichlich auf die immer gleichen Strandbad-Charaktere. Vom Strandhengst zum Sonnenmilchgespenst: Auf gehts, ab gehts, drei Tage nass!


Strandhengst

Der Strandhengst hat alles im Blick. Kurze Badehose aber nie im Wasser und in jedem Land zuhause. Foto: Imago/Hans Lucas/Xosà Bouzas 

Baujahr 54, pünktlich zum Wunder von Bern geboren. „Dit war’n noch Zeiten.“ Nach der Schrauberkarriere nun Vollzeit am Bräunen. „Sonnencreehme, broch ick nich“. Die Badehose kurz, sehr kurz, die Waden sehnig, der Schnauzbart grau aber „jefleecht“. Der Strandhengst ist König seines eigenen Reiches, sein Herrschaftsgebiet liegt zwischen alter Dame, Esso-Tankstelle, Currybude und Klappstuhl in der Sonne. Bei seinen Schenkelklopfern hört man vorsichtshalber weg und konzentriert sich stattdessen auf die Carrera-Brille aus den Siebzigern. „Dit war noch Qwalliteeetsarbeit jewesen.“ Ins Wasser geht er nicht, das Wasser kommt zu ihm.


Bluetooth-DJs sind nervige Strandbad-Charaktere

Bluetooth-DJ brauchen keine Fans, sie feiern sich schon genug. Foto: Imago/Westend61

Bluetooth-DJs haben keine mobilen Lautsprecher, sie haben Soundsystems. Hunderte Boomboxen aneinander gekoppelt durch die heilige Macht des Bluetooth, das Sprachrohr des Heiligen Spotify. Wer glaubt, Pitbull hätte seine besten Zeiten hinter sich, sollte sich lieber eine andere Liegefläche suchen. Wer die Atzen noch nie gut fand, sowieso. Die Bluetooth-DJs spielen Hits, Hits, Hits. Wenn die Strandnachbarn aufdrehen, gibt es Krieg. Wer kann lauter, wer hat die krasseren Banger auf Lager, wer ist der David Guetta vom Strandbad?


Picknick-Profis

Die Picknick-Profis gehören zu den Strandbad-Charakteren, die man nicht so leicht ignorieren kann. Foto: Imago/Westend61

Pommes Schranke vom Kiosk? Von wegen. Die Picknick-Profis holen die kulinarische Vielfalt des KaDeWes aus ihren Kühltaschen: Serrano-Schinken auf Honigmelone, mediterraner Nudelsalat mit Fenchel, Käseplatte von mild bis streng – und ein verspieltes Sektchen für den Kreislauf darf natürlich auch nicht fehlen. Buletten-Snacker ernten verachtungsvolle Blicke, Picknick-Profis ernten ihre selbstangebauten Gurken.


Strandbad-Hippies

Strandbad-Hippies leben in ihrer eigenen Welt. Foto: Imago/Westend61

„Ins Wasser? Näääh, erstmal einen kurbeln. Machste Tip, Bruder? Bin zu stralle. Übertrieben Durst, viel zu warm, aber chillig schon, irgendwie. Mach ma Mucke an. Yeaaaah. (hust, röchel, hust) Was ist das denn, oha. Bombe. Schmeckt übertrieben gut, was da los? Beste Leben.“


Strandbad-Charaktere: Sonnenmilchgespenst

Sicherheit geht vor, beim Sonnenmilchgespenst steht sie über allem. Foto: Imago/blickwinkel

UV steht für das Sonnenmilchgespenst für ultravorsichtig. Die Sonnenstrahlung sollte schon ernst genommen werden, aber 14 Schichten Lichtschutzfaktor 100 sind dann vielleicht doch etwas zu paranoid. Paranoid werden auch die nichtsahnenden Leute, die vom Sun-Protection-Hui-Buh heimgesucht werden. Denn das kleine Strandbadgespenst sonnt sich nicht, es flüchtet. So kann es passieren, dass man unter einem Schattenbaum plötzlich von einem glitschigen Arm gestriffen wird, oder im Wasser von einer bedrohlichen Sonnencremeschicht überrascht wird.


Iron-People

Die Iron-People kennen keine Gnade. Foto: Imago/Moodboard Panthermedia

Mit ihren Körpern aus Stahl, aus Proteinpulver und McFit gemeißelt, verausgaben sich die Iron-People beim Extremvolleyball. Schmetter wie Kanonenschüsse, Fallrückzieher, Attentat. Auf dem Feld bleiben Krater, auf der Haut klebt Blut. Sie kennen keinen Schmerz, nur Ehrgeiz und… Zorn. Die Badehosen sind gefährlich kurz und in knalligen Farben: Alarm! Enge Bikinis, schnittiges Neopren. Die Sonnenbrillengläser reflektieren, die Rahmen blenden in Neon. Ihr wurdet gewarnt. Die Iron-People schlagen alle, sogar Kinder. Ihr Lieblingscharakter bei Herr der Ringe ist Lurtz.


Pickpockets sind die unangenehmsten Strandbad-Charaktere

Diebe haben keine Ehre. Erst recht nicht im Strandbad. Foto: Imago/AndreyPopov/Panthermedia

Der Waschbär in Menschenform, die diebische Elster in Adiletten? Das wäre unfair den Tieren gegenüber. Denn die Pickpockets sind nicht schön, nicht niedlich, nicht mal lustig. Sie ziehen Kindern die Digitaluhren ab, nehmen schnatternden Großmüttern ihre Kette weg, sammeln Handys und Badehosen. Vor den Bademeistern haben sie Angst, eigentlich vor allen, die größer als 1,40 sind. Ehrenlos.


Kindergeburtstagstruppe

Strandbad-Charaktere: Beim Kindergeburtstag im Strandbad kann so ziemlich alles zur Waffe werden. Foto: Imago/Schöning

Vorstellung: ein entspannter Kindergeburtstag am Strandbad. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut. Die Kleinen planschen friedlich im seichten Wasser, rennen der Frisbee hinterher, spielen UNO auf Picknickdecken, lachen, umarmen sich, und am Ende gibt es Wassereis für alle.

Realität: Ein Kindergeburtstag am Strandbad ist alles andere als entspannt. Die Sonne scheint für zehn Minuten und dann geht’s bergab. Wolkenbruch, Regen, Gewitter. Die Kinder schreien, rennen sich gegenseitig über den Haufen. Die Stimmung ist im Eimer. Ein paar Kinder sind immer noch im Wasser, die Blitze rücken näher. Um Gottes Willen. Die anderen schmettern sich gegenseitig die Frisbee ins Gesicht. Viel Geschrei, viele Tränen. Die UNO-Karten sind völlig durchnässt, die Picknickdecke haben die Kinder beim Kämpfen in Fetzen gerissen. Lachen tut hier keiner mehr, würgen statt umarmen, und am Ende gibt es auf jeden Fall kein Wassereis für diese Bengel, die zu den nervigsten Strandbad-Charakteren zählen.


Das Goldstrand-Saufkommando

Besoffen, verbrannt, kaputt. Das Saufkommando hat nur eine Mission… Foto: Zuma Wire/Patrick Fallon

Das Goldstrand-Saufkommando kennt kein Schamgefühl. Zumindest nicht nach dem vierten Bier. Der Strand wird zur Spielwiese des feuchtfröhlichen Konsums. Biere exen, über Kopf trinken, pöbeln, spucken, rotzen. Der Rausch paart sich mit dem Sonnenstich. Der Kiosk wird geplündert und irgendwann kommt Bowle ins Spiel. Der Stiernacken ist verbrannt, die Badehose verrutscht und der Köpper wird zum Bauchklatscher. Immerhin spüren diese Strandbad-Charaktere keinen Schmerz mehr. Nur noch unstillbaren Durst ohne Hemmungen.


Turteltäubchen trifft man im Strandbad immer

Die Turteltäubchen lassen das Strandbad zum Liebesnest werden. Und alle sollen das merken. Foto: Imago/Westend61

Pam und Tommy auf der Motoryacht, Chrissi und Janis im Strandbad. Alte Liebe rostet nicht, junge Liebe kann ziemlich belastend sein. Der richtige Kosename ist noch nicht gefunden. Lover, Schnuckel, Hase, Baby, Strandhengst… Au weia. Die Blicke sind so intensiv wie bei einer hungrigen Löwin, die sich an eine Gazelle anpirscht. Jeden Moment könnten die Fetzen fliegen. Diese Strandbad-Charaktere fressen sich gegenseitig auf. Und wollen, dass die ganze Welt an diesem Festmahl teilnimmt. Eine andere Wahl bleibt auch nicht, schließlich ist der gesamte Strand gesäumt von diesen sich gegenseitig eincremenden, rumfummelnden, spitznamenerfindenden Romeos und Julias. Ach, noch einmal jung und verliebt sein? Vielleicht, vielleicht lieber auch nicht.


Baywatch

Auf die Baywatch ist Verlass. Da ist etwas Selbstdarstellung auch verzeihbar. Foto: Imago/Jochen Tack

Kein Strandbad ohne Baywatch. Die Hasselhoffs und Andersons sind immer bereit. Stilsicher warten sie auf den nächsten Einsatz. Die rote Badehose sitzt, die Muskeln sind angespannt, und selbst beim Lebenretten sehen sie immer noch verdammt gut aus. Immer ein Lächeln auf den Lippen, um keinen coolen Spruch verlegen: Die Baywatch ist das Königshaus des Strandes. Und das muss natürlich auch überall zu spüren sein.


FKK-Fraktion

Strandbadcharaktere: Die FKK-Fraktion bleibt sich treu und verzichtet auf einengende Bademode. Foto: Imago/Chris Emil Janßen

FKK ist eine Lebenseinstellung. Die FFK-Fraktion lässt sich nicht in Badehosen und Bikinis zwingen, sie lebt Freiheit und Freizügigkeit. Das ist auch gut so. Ohne Kleidung ins Wasser springen, oder beim Beachvolleyball einfach mal alles baumeln lassen, oder beim Bräunen wirklich jede Körperstelle an die Sonne lassen. Das ist doch toll. Nicht an allen Strandbädern gibt es einen FKK-Bereich, die Übersicht zur Freikörperkultur in Berlin seht ihr hier. Aber wenn es einen gibt, dann ist er in jedem Fall voll und locker flockig frei. Und generell: Wer sich heutzutage noch über eine verrutschte Badehose oder einen geöffneten Bikini empört, sollte vielleicht auch mal ein paar Knöpfe lockern.


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