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Essen & Trinken

Mit diesen Food-Neuheiten beginnt das Jahr 2024 im kulinarischen Berlin

Globale Krisen, Inflation, und nun wurde zum 1. Januar auch noch die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie zurückgenommen. Heißt das nun, wir haben noch einmal 19 Prozent mehr Gründe für eine Krise der Gastronomie? Das kulinarische Berlin liefert einige gute Gründe gegen diese These. Wir sagen, wo ihr in den kommenden Wochen unbedingt mal vorbeischmecken solltet. Denn Berlin schmeckt vielleicht herzhafter und herzlicher denn je.


Sunday Roast im Richard Bistro

Von Artischocke bis Freilandrind – Brasserieküche im Richard Bistro. Foto: Harry Schnitger

Wer uns aufmerksam folgt, könnte bereits herausgeschmeckt haben, wie sehr wir das neue Richard Bistro in der Köpenicker Straße lieben. Immerhin ist der Gastraum – und sein Gastgeber Hans Richard – auch das Covermodell unserer brandneuen tipBerlin Speisekarte. Aber ist das Restaurant denn überhaupt neu? Ja, denn nach zehn Jahren Fine Dining hat sich das Richard als vollmundige Brasserieküche neu erfunden. Das passt in diese seltsame Zeit: Die Sehnsucht nach dem Einfachen und vollmundigen, im Falle des Richard Bistro aber nicht minder formvollendeten ist zurück. Ab dem 7. Januar gibt es zudem ein Ritual, das das Gemeinschaftsstiftende einer solchen Küche besonders gut kommuniziert: Beim Sunday Roast (ab 16 Uhr) werden Klassiker der (Schmor-)Küche tischweise geteilt. Das gönnen ganze Bressehühner sein, eine lange geschmorte Lammschulter oder eine Kalbsbrust. Letztere, jetzt kommt ein kurzer Spoiler, gibt es auch zu unserem Weinmahleins am 31. Januar ebenfalls im wunderbaren Richard Bistro.

  • Richard Bistro Köpenicker Straße 174, Kreuzberg, Di–Sa ab 18 Uhr, So 16–1 Uhr, online

Ins Wasser

Aus Fine Dining wird Seafood-Bar: Küchenchef Yannic Stockhausen bleibt dem Ins Wasser erhalten. Foto: Florian Reischauer

Und noch eine von uns geliebte Sterneküche ist gerade dabei, sich zu häuten. Das Cordo von Gudrun und Christoph Ellinghaus und dem noch immer jungen, wahnsinnig begabten Küchenchef Yannic Stockhausen wird zum 24. Januar als Fisch- und Seafoodbar neu eröffnen. Nicht nur, weil Stockhausen als gebürtiger Hanseat nah am Wasser gebaut ist und uns während der Lockdowns schon mit den besten Fischbrötchen der Stadt, nein, der Welt begeistert hatte. Es sei einfach an der Zeit, der gegenwärtigen Stimmung ein stimmungsvolles Lokal zur Seite zu stellen, so Christoph Ellinghaus. Überhaupt habe man sich nicht gegen das Fine Dining entschieden, sondern für ein weniger formatiertes Konzept, das neben den Foodies und Feinschmecker:innen auch alle anderen begeistert, die dem kulinarisch-kulturellen Angebot der Stadt entdeckungshungrig begegnen. Ellinghaus weiß, wovon er spricht: Der Gastronom ist eigentlich Chef des epochalen Indie-Labels City Slang, also auch selbst nicht nur zwischen Tellern und Gläsern zuhause.

  • Ins Wasser Seafood Bar Große Hamburger Str. 32, Eröffnung am 23. Januar, online

Restaurant Ei: Das wird aus dem Eierhäuschen

Eröffnet Ende Januar als Kunstort – und Ausflugsgastronomie: das historische Eierhäuschen. Foto: Hei Agenda

„Das Einfache macht einfach mehr Sinn“, sagt Jessica-Joyce Baldon in der Titelgeschichte unsere aktuellen tipBerlin Speisekarte. Aber, nein, einfach hat es sich die ehemalige Gastgeberin des Baldon im Weddinger Lobe-Block nicht gemacht. Und stattdessen ein großes Erbe angetreten: Sie übernimmt das annähernd 150 Jahre alte Eierhäuschen im Plänterwald, eine Ikone der Berliner Ausflugsgastronomie. 30 Jahre blieb die Küche kalt. Nach einer Biergartensaison als Warm-up eröffnet zum 1. Februar nun auch das Restaurant. Küchenchefin ist Alexandra Strödel, die als Sous-Chefin im Nobelhart & Schmutzig gezeigt hat, wie wichtig ihr Regionalität, Saisonalität und ein enger Austausch mit den Produzent:innen ist. Wir durften schon einmal vorkosten: All diese Worte kommen auch in der (im besten Sinne) gasthäuslichen Küche des Restaurant Ei im Eierhäuschen auf die Teller. Wunderschön und dabei gleichsam zeitgenössisch und der Historie des Ortes verpflichtet ist der große Gastraum mit der zentralen Theke zudem geworden. Das Ei ist das perfekte Wirtshaus zur Zeit, nicht erst, wenn der Frühling uns alle sowieso nach Draußen und in den Plänterwald treibt … dann aber wird neben dem Restaurant auch wieder der Biergarten geöffnet sein.

  • Restaurant Ei Kiehnwerderallee 2, Treptow, Eröffnung Ende Januar, mehr Infos auf Instagram

Love Deluxe

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Ganz viel Liebe zum Lunch: Dem Love Deluxe in der Pannierstraße solltet ihr im Januar einen Besuch abstatten. Foto: Love Deluxe

Die Fusionküche ist zurück. Aber ganz anders, ja sogar ganz authentisch. Fusionküche 4.0, das ist die zweite oder dritte Generation Berliner:innen mit Einwanderungsgeschichte, die die Küchen ihrer Eltern und Großeltern mit den mannigfaltigen Einflüssen ihrer Biografie verknüpfen. So die Betreiber:innen des Love Deluxe in der Pannierstraße,  die Soulfood aus dem Süden der USA, aus dem karibischen Raum oder Südostasien zur Grundlage des gegenwärtig vielleicht vollmundigsten Lunchs der Stadt nehmen. Exemplarisch dafür steht das umamistarke, dennoch vegane „Nostalgia-Sandwich“ mit Jackfruit und einer Mayo aus fermentierten schwarzen Bohnen. Oder das Sandwich mit Rinderhackcurry, das wie ein „French Dip“ mit Sauce zum Dippen serviert wird. Fürchterlich schick ist dieses Imbisslokal, das aber eben nicht behauptet, mehr als ein Imbiss zu sein, zudem auch noch geworden.

  • Love Deluxe Pannierstraße 32, Neukölln, Mo, Do, Fr, 10–15 Uhr, Sa+So 10-16 Uhr, online

Ember OFC

Neueröffnung im Mai 2023: Das Pop-up von Emser Open Fire Cooking heißt Ember Roof Top.
Sesshaft geworden: Ember OFC in der Abendsonne über der Wiener Straße. Foto: Ember

Tobi Beck und seine Feuerküche Ember OFC haben wir schon ein paar Mal gefeiert. Gestartet als buchstäblich exzentrisches Pop-up an wechselnden und zunächst geheimen Orten, ist es in einen pavillonartigen Glasaufbau in der Wiener Straße im vergangenen Frühjahr sesshaft und (vor allem preislich) zugänglicher geworden. Ohnehin hat Tobi Beck ja ein Faible für die ganz einfache deutsche (Imbiss-)Küche, die er unter dem Label „Beige“ esskulturwissenschaftlich erforscht. Solch einfache Gerichte vom Eintopf bis zur Gulaschsuppe gibt es über den Winter immer sonntagnachmittags im Ember OFC, dann hat das spektakuläre Restaurant zum, nun ja, Spielenachmittag geöffnet. Lässiges Abhängen bei einem, dem auch die einfachen Dinge überzeugend köstlich von der Hand gehen. Spannendes im Glas gibt es dabei auch, nicht jeder und jede hat diesen Monat ja zum Dry January erklärt. 

  • Ember OFC Wiener Straße 10, Kreuzberg, Do & Fr 18.30 bzw. 21 Uhr (zwei Seatings), Website, Sonntagsöffnunsgzeiten siehe Instagram

Maiyarap

Im Maiyarap kommt die Reisnudelsuppe Gieuw Tieuw groß raus. Foto: Clemens Niedenthal

Gieuw Tieuw ist die neue Phở. Oder die neue Ramensuppe. Aber braucht es solche vollmundigen Slogans überhaupt? Das Maiyarap auf der Oranienstraße ist in diesem Sinne der perfekte Ort, um dem Winter lustvoll entgegenzulöffeln. Serviert wird nicht nur, aber vor allen die thailändische Reisnudelsuppe Gieuw Tieuw, unbedingt zu empfehlen ist sie als scharfe Tom-Yum-Suppe mit Fischsauce, Limette und viel, viel Chili. Wer mutig oder zumindest neugierig ist, probiert sie als Boat Noodle Soup mit Schweineblut. Und wenn der Winter vorbei ist? Dann hat das Maiyarap, hinter dem übrigens die Macher:innen des sehr guten thailändischen Restaurants  Tossakan in der Schliemannstraße stehen, sogar eine versteckte Terrasse im Hinterhof.

  • Maiyarap Oranienstraße 200, Kreuzberg, Mo-Do 12–15 & 17–22 Uhr, Fr&Sa 12–22 Uhr, online

Ginza

Alles, was ihr über Sake und Shochu wissen müsst, erfahrt ihr im Atelier Ginza. Foto: Ginza

Trinken bildet. Mindestens in der Pfalzburger Straße nicht weit vom Ludwigkirchplatz, wo das neu eröffnete Ginza aus dem Stand zu dem Berliner Spezialisten für japanische Spirituosen avanciert. Auch das passt ja irgendwie zu einer flexitarischen Auslegung des Dry January: weniger trinken, dafür aber besser. Wer nun vor allem an den Reiswein Sake denkt: Auch den gibt es. Spektakulär ist aber vor allem die Shochu-Auswahl, Japans meistgetrunkene Spirituose und ein absolutes Nationalgetränk. Shochu kann aus unterschiedlichen Grundprodukten destilliert werden, etwa aus Reis (Kome Shochu), Süßkartoffel (Imo Shochu), Buchweizen (Soba Shochu), braunem Zucker (Kokuto Shochu) oder Gerste (Mugi Shochu). Mugi Shochu reift nach der Produktion häufig in Fässern nach und erinnert dadurch leicht an Whisky. Wem das nun zu komplex erscheint: Das sympathische wie versierte Ginza-Team hilft bei der Geschmacksfindung, und für einen überschaubaren Unkostenbeitrag (3 Euro) sind auch ausgiebigere Tastings möglich.

  • Ginza Pfalzburger Str. 20, Wilmersdorf, Mo–Fr 14–19 Uhr, Sa 14–18 Uhr, online

Der beschwipste Lunch (bei Tante Fichte)

Beschwipster Lunch im Tante Fichte: Ćevapčići und Slivovic. Foto: Nils Hasenau

Wer kann Ćevapčići, je nach Lust und Saison vom Freilandschwein, Brandenburger Reh oder Zander, schon widerstehen? Serviert mit Kaymak, einer Art Clotted Cream, süßlich marinierten Zwiebeln und würzigem Ajvar kommen diese samt miniaturisierten Palatschinken zum Selbstrollen auf den Tisch. Eine schöne, nicht nicht zu derbe und gänzlich unironische Hommage an einen Alltagsküchenklassiker.

Oder das Fischbrötchen Pohani kruh, eine Art French Toast, also mit Ei in der Pfanne ausgebraten und dann mit Icuni, kroatischen Ölsardinen, belegt. Der Karpfen, im Weißweinsud, kommt im Ganzen aus dem Ofen. Wo es das alles gibt? Beim „beschwipsten Lunch“ (70 Euro zzgl. Getränke), mit dem sich das ohnehin fulminant entwickelnden Tante Fichte (Fine Dining trifft Nova-Regio-Küche trifft den Balkan) einmal im Monat einem breiteren kulinarischen Publikum öffnet.  Für die Paprika, mehrere bewusst sehr unterschiedliche Sorten, den Schafskäse Paški Sir von der Insel Pra oder den selbstgebrannten Obstbrand eines Onkels zweiten Grades hat Küchenchef Daniel Matokanovic eine gut geölte Logistikkette aufgebaut. Man sitzt bei Freunden und isst die Produkte von Freunden, schöner kann es doch gar nicht sein – einmal im Monat und das nächste Mal am Sonntag, 14. Januar.

  • Tante Fichte Fichtestraße 31, Kreuzberg, Mi–Sa ab 18 Uhr, beschwipster Lunch: So, 14.1. ab 12 Uhr, online

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Was hat sich sonst getan? Unsere Autorin hat Neueröffnungen und Neuentdeckungen im Dezember 2023 im Blick. Lohnt sich der Besuch? Wir stellen das Noosh in der Kantstraße vor. Die Koordinaten des guten Geschmacks: Wir waren in der Lovis Bar im Frauengefängnis. Mal was ganz anderes ausprobieren? Das geht in Berlins außergewöhnlichen Bars

Noch mehr tolle Empfehlungen und interessante News aus der Berliner Gastro-Welt gibt es in der Rubrik Essen & Trinken. Der Food-Guide für die Hauptstadt: Bestellt hier die tipBerlin Speisekarte.

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