Berlin verstehen

12 historische Berlin-Fotos aus den Archiven der Library of Congress

Ein Berliner Fischladen um 1915, zwei fröhliche Schornsteinfeger, der U-Bahnbau in der Friedrichsstraße und ein seltsamer Kreuzweg zum Brandenburger Tor kurz nach dem Mauerbau. Wir suchten historische Berlin-Fotos und fanden im Archiv der Library of Congress diese 12 Bilder. Die Bibliothek in Washington verfügt über die größte Buchsammlung der Welt, auch das digitale Bildarchiv der LoC ist gewaltig. Beim Stöbern im Online-Katalog finden sich allein zum Schlagwort „Berlin“ tausende Positionen. Jenseits der Bilder von Kriegen, politischen Unruhen, den Olympischen Spielen 1936 und dokumentarischer Architekturfotografie, die den Löwenanteil der Berlin-Bestände ausmachen, erzählen diese 12 Aufnahmen ein spannendes Stück Stadtgeschichte.


Möbelpacker mit Handwagen

Historische Berlin Fotos: Ein Möbelpacker ist mit einem vollbeladenen Handwagen in Berlin unterwegs, um 1915. Foto: National Photo Company Collection (Library of Congress)
Ein Möbelpacker ist mit einem vollbeladenen Handwagen in Berlin unterwegs, um 1915. Foto: National Photo Company Collection (Library of Congress)

Umzüge sind auch im 21. Jahrhundert kein Spaß, manche Dinge lassen sich eben nicht digitalisieren. Um 1915 mussten die Packer aber teilweise noch mit Handkarren ran. Erst das ganze Zeug durch die Stadt ziehen, bei Regen, Kälte und glühender Hitze und dann noch hochschleppen, dritter Stock, vierter Hinterhof. Früher war nicht unbedingt alles besser, wie historische Berlin-Fotos wie dieses zeigen.


„Folk“ Restaurant

Ob es wirklich "Folk"-Restaurant hieß? Ein hübsches Berliner Gartenlokal war es allemal, um 1920. Foto: George Grantham Bain Collection (Library of Congress)
Ob es wirklich „Folk“-Restaurant hieß? Ein hübsches Berliner Gartenlokal war es allemal, um 1920. Foto: George Grantham Bain Collection (Library of Congress)

Die Verschlagwortung im Archiv der Library of Congress ist bei den historischen Berlin-Fotos nicht immer exakt. Ein „Folk“-Restaurant gab es im Berlin der 1920er-Jahre vermutlich nicht, wenn dann ein „Volk“-Restaurant, aber das kam ja eigentlich auch etwas später. Biergärten und Ausflugslokale gehörten jedenfalls schon vor 100 Jahren zum Stadtbild dazu.


U-Bahnbau

U-Bahn Berlin Straße 1920er - Die U-Bahn wird entlang der Friedrichstraße gebaut, um 1920. Foto: American National Red Cross photograph collection (Library of Congress)
Die U-Bahn wird entlang der Friedrichstraße gebaut, um 1920. Foto: American National Red Cross photograph collection (Library of Congress)

Nach dem Ersten Weltkrieg, dem Versailler Vertrag und dem Ende der Kaiserzeit veränderte sich auch die Friedrichstraße. Die deutsche Hauptstadt vereinte sich mit den umliegenden Gemeinden zu Groß-Berlin, zur drittgrößten Metropole der Welt – und die Friedrichstraße wurde zur urbanen Bühne einer modernen Großstadt. Kinos, Theater, Tanzlokale und andere angesagte Orte des Kultur- und Nachtlebens. Auch der Verkehr entwickelte sich und die U-Bahn wurde massiv ausgebaut.


Zwei Schornsteinfeger

Die beiden Herren haben schon in den 1920er-Jahren Glück gebracht - zwei Berliner Schornsteinfeger. Foto: National Photo Company Collection (Library of Congress)
Historische Berlin-Fotos: Die beiden Herren haben schon in den 1920er-Jahren Glück gebracht – zwei Berliner Schornsteinfeger. Foto: National Photo Company Collection (Library of Congress)

Heute haben Schornsteinfeger vermutlich etwas ausgeklügelte Messinstrumente, auch wird schon lange nicht mehr so viel mit Kohle geheizt, doch alles in allem hat sich der Job nicht verändert. Ist der Kamin dicht, muss man hoch und schauen, dass es wieder ordentlich raucht. Diese beiden Herren sehen jedenfalls ziemlich fröhlich aus und haben den Berlinern und Berlinerinnen vor 100 Jahren bestimmt viel Glück gebracht.


Kinder am Hydranten

Historische Berlin Fotos: Abkühlung im Sommer 1920, diese Berliner Kinder haben den Dreh am Hydranten raus. Foto: American National Red Cross photograph collection (Library of Congress)
Abkühlung im Sommer 1920, diese Berliner Kinder haben den Dreh am Hydranten raus. Foto: American National Red Cross photograph collection (Library of Congress)

Ein tolles Fundstück, die Aufnahme entstand um 1920 in Berlin. Wie viele andere historische Berlin-Fotos gehört zur sie zur Sammlung des Amerikanischen Roten Kreuzes, die sich im Archiv der Library of Congress befindet. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschten Armut, Hunger und Elend in der Stadt, und die internationale Hilfsorganisation hatte alle Hände voll zu tun. Doch diese Berliner Kinder sehen ganz zufrieden aus, wie sie sich da an einem heißen Sommertag am Hydranten abkühlen. Sieht man heute nicht mehr so oft.


Kleiderausgabe nach dem Ersten Weltkrieg

Berliner Kleiderkammer des amerikansichen Roten Kreuzes nach dem Ersten Weltkrieg. Foto: American National Red Cross photograph collection (Library of Congress)
Berliner Kleiderkammer des amerikansichen Roten Kreuzes nach dem Ersten Weltkrieg. Foto: American National Red Cross photograph collection (Library of Congress)

Auch dieses Foto gehört zu der Sammlung des Amerikanischen Roten Kreuzes. Es zeigt eine Kleiderkammer und einen US-Soldaten, der zwei russischen Offiziere mit neuer Kleidung ausstattet. Das Foto ist datiert auf den 6. Juni 1919.


Berliner Ballonrennen

Hoch sollen sie fliegen! Berliner Ballonrennen, 1908. Foto: George Grantham Bain Collection (Library of Congress)
Hoch sollen sie fliegen! Berliner Ballonrennen, 1908. Foto: George Grantham Bain Collection (Library of Congress)

Ob Pferd, Rad oder Wagen, Rennen haben in Berlin eine lange Tradition. Ab dem 19. Jahrhundert etablierten sich spezialisierte Rennveranstaltungen. Die Geschichte des Berliner Sechstagerennens, der Regatten auf dem Müggelsee, der Autorennen auf der AVUS und der Galopprennen in Hoppegarten reicht weit zurück. Die Aufnahme aus dem Jahr 1908 zeigt das Berliner Ballonrennen, eine Veranstaltungsform, die in dieser Form hier nicht mehr existiert. Wenn euch die Berliner Luftfahrtgeschichte interessiert, findet ihr hier mehr.


Im Bekleidungsgeschäft

Die feine Gesellschaft lässt sich im Bekleidungsgeschäft bedienen, um 1900. Foto: Detroit Publishing Company photograph collection (Library of Congress)
Die feine Gesellschaft lässt sich im Bekleidungsgeschäft bedienen, um 1900. Foto: Detroit Publishing Company photograph collection (Library of Congress)

Ober Berlin eine Modestadt ist oder nicht, daran scheiden sich die Geister. Auf jeden Fall entstehen und entstanden an der Spree immer wieder Looks und Modetrends, die sich auch über die Stadtgrenzen hin verbreitet haben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominierten die Branche feine Bekleidungsgeschäfte, in denen die bürgerliche Klasse einzukaufen pflegte. Doch schon bald sollten die großen Warenhäuser von Tietz und Wertheim die Berliner Mode prägen.


Wild und Fleisch

Historische Berlin Fotos: Reh, Fasan oder Hase? Hier kommen Wild-Feinschmecker auf ihre Kosten, jedenfalls um 1900 herum. Foto: Detroit Publishing Company photograph collection (Library of Congress)
Reh, Fasan oder Hase? Hier kommen Wild-Feinschmecker auf ihre Kosten, wie eines der historischen Berlin-Fotos von der Zeit um 1900 zeigt. Foto: Detroit Publishing Company photograph collection (Library of Congress)

So sah es aus, wenn man Anfang des 20. Jahrhunderts Fasan oder Reh kaufen wollte. Wild ist auch heute noch beliebt. Davon zeugen die vielen Wild-Fachgeschäfte in der Berlin. Das Wildangebot richtet sich nach den Jagdzeiten. Um zu erfahren, ob das gewünschte Wild gerade im Hofladen vorrätig ist, sollte man einen Tag vor dem geplanten Besuch anrufen. Nahezu ganzjährig findet man Hirsch (Rot- und Damwild), Reh und Wildschwein im Laden. Besonders beliebt sind auch die Wildbratwürste zur Sommerzeit und rauchiger Wildschinken in den Wintermonaten.


Frischer Fisch

C. Lindenbergs Fischladen in Berlin. Aufnahme um 1900. Konserven gab es auch. Foto: Detroit Publishing Company photograph collection (Library of Congress)
C. Lindenbergs Fischladen in Berlin. Aufnahme um 1900. Konserven gab es auch. Foto: Detroit Publishing Company photograph collection (Library of Congress)

Ob Wild oder frischer Fisch, offensichtlich mussten die verkäufer über einen amtlichen Schnurrbart verfügen, nur so kam man ins Geschäft. Heute sehen Fischläden etwas anders aus, etwa diese 12 Geschäfte, in denen man fangfrischen Fisch in Berlin bekommt. Von Saiblingen aus dem Stechlinsee bis hin zu Forellen aus der Fischfarm – hier gibt es die lokalsten und leckersten Delikatessen in Brandenburg. Zum Mitnehmen oder auch zum Direktverzehr.


Kreuzweg zum Brandenburger Tor

Historische Berlin Fotos: Ein bedrückendes Bild, eine alte Frau trägt ein Kreuz Richtung Brandenburger Tor, die Aufnahme entstand im Oktober 1961, wenige Wochen nach dem Mauerbau. Foto: Toni Frissell Collection/Library of Congress
Kreuzweg zum Brandenburger Tor, 1961. Foto: Toni Frissell Collection/Library of Congress

Ein bedrückendes Bild: Eine alte Frau trägt ein Kreuz Richtung Brandenburger Tor, die Aufnahme entstand im Oktober 1961, wenige Wochen nach dem Mauerbau. Welche Geschichte dahinter steckt, verrät die Archivseite der Library of Congress leider nicht.


Neue Nationalgalerie

Historische Berlin Fotos: Fantastische Innenaufnahme der frisch eröffneten Neuen Nationalgalerie, 1968. Foto: Balthazar Korab collection/Library of Congress
Fantastische Innenaufnahme der frisch eröffneten Neuen Nationalgalerie, 1968. Foto: Balthazar Korab collection/Library of Congress

Die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe ist eine Ikone der modernen Architektur und eines der berühmtesten Bauwerke, die in der West-Berliner Ära entstanden. Bis zur Schließung 2015 beherbergte das Haus eine Sammlung wichtiger Künstler des 20. Jahrhunderts, unter anderem das Gemälde „Potsdamer Platz“ von Ernst Ludwig Kirchner, „Die Skatspieler“ von Otto Dix oder „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue IV“ von Barnett Newman. Im Sommer 2021 soll der Ausstellungsbetrieb im frisch sanierten Haus wieder aufgenommen werden. Vor der Wiedereröffnung haben wir die Neue Nationalgalerie besichtigen können.


Mehr Berlin-Geschichte

12 legendäre Clubs, Diskotheken und Bars in West-Berlin, die nicht mehr existieren. Wir waren auch in unserem Archiv und haben Werbeanzeigen von Kneipen aus den 1970er-Jahren gefunden. Überhaupt vermissen wir vieles an West-Berlin. Auch manche Wahrzeichen sind mittlerweile Geschichte: Legendäre Berliner Gebäude, die nicht mehr existieren. Sie erzählen viel über die Stadt: Die berühmten Straßen in Berlin.

Berlin am besten erleben
Dein wöchentlicher Newsletter für Kultur, Genuss und Stadtleben
Newsletter preview on iPad