Kunst

Aktuelle Ausstellungen in Berlin: Was sich lohnt, neu ist und endet

Die wichtigsten neuen Ausstellungen: Berlins Kunstwelt ist immer in Bewegung. Was es Neues gibt, was sich weiter lohnt und wo ihr noch unbedingt hin müsst, bevor es zu spät ist, lest ihr hier. Claudia Wahjudi und Ina Hildebrandt geben Tipps für Kunst, die besten aktuellen Ausstellungen in Berlin und letzte Chancen.


Neu: „IBMSWR: I Build My Skin With Rocks“ von Sandra Mujinga

Sandra Mujinga: „I Build My Skin with Rocks“, 2022, Videostill
© Sandra Mujinga. Courtesy die Künstlerin, Croy Nielsen, Wien und The Approach, London

Die Trägerin des Preises der Nationalgalerie 2021, Sandra Mujinga, stellt ab 9. Dezember im
Hamburger Bahnhof aus. Mujinga zeigt ihre neue Videoinstallation „IBMSWR: I Build My Skin With Rocks“. Der Titel bezieht sich auf eine Aussage von Edouard Glissant. Der Autor aus Martinique bezeichnete seine Sprache einmal als aus Felsen gebautFür Sandra Mujinga, in Norwegen aufgewachsen und 1989 in Goma im Osten der heutigen Demokratischen Republik Kongo geboren, ist die Haut, ist der schwarze Körper verbunden mit der schmerzhaften Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels. Die Künstlerin, die in Oslo und Berlin lebt, Mujinga hat 2021 den Preis der Nationalgalerie gewonnen, die Ausstellung ist Teil der Auszeichnung. Mujinga hatte sich mit geisterhaften Skulpturen beworben, sie sie 2022 auch auf der Biennale von Venedig zeigte.

  • Hamburger Bahnhof Invalidenstr. 50/51, Tiergarten, Di–Mi/ Fr 10-18, Do bis 20, Sa+So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 J., ALG II und 1. So/ Monat frei, 9.12.–1.5.23

Neu: C/O Digital Festival

Ayoung Kim: „Delivery Dancer`s Sphere“, 2022, Video © Ayoung Kim, Courtesy the artist

Die Künstlerinnen Ayoung Kim (Abb.), Debbie Ding und Keiken waren Gäste eines Programms, das sich mit Gaming-Stratageien auseinandergesetzt hat. Jetzt präsentierten sie ihre Arbeiten der Öffentlichkeit – auf dem „Digital Festival“ von  C/O Berlin, bei dem das Publikum mitdiskutieren kann. Zugegen sind auch die Mentor:innen des Programms, unter ihnen der niederländische Medienwissenschaftler Geert Lovink. Workshops, ein Wettbewerb, lange Öffnungszeiten und Musik gehören ebenfalls zu dem Wochenende in dem Charlottenburger Fotohaus.  

  • C/O Berlin Foundation Hardenbergstr. 22–24, Charlottenburg, 9.12., 18-0.00, 10.12., 11-20 Uhr, Eintritt frei

Neu: Lichtkunstfest

Oliver Orthuber: Performance, Lichtkunstfest 2021 @artspring berlin, Foto: Ralph Bergel

In den dunklen Wochen spielt das Festival artspring Berlin erneut zum „Lichtkunstfest“ auf, im Pavillon vor dem Atelierhaus Milchhof und in diesem Winter auch im Kunstraum Fuge, dem Kunstschaufenster der Heinrich-Böll-Bibliothek in Prenzlauer Berg, wo Thomas Möller und Chryssa Tsampazi ausstellen. Unter dem Titel „Natural Reflections“ geht es um Physik, um Licht, Wasser und Klang, Raum und Zeit. Im Gartenpavillon des Milchhofs, der von zwei Glasfronten rund um die Uhr einsehbar ist, zeigen unter anderem Diren Demir, Pfelder und Joanna Maxellon Arbeiten. Glühwein und Lagerfeuer sind zwar angekündigt, aber warme Schuhe empfehlen sich auf jeden Fall.

  • Pavillon am Milchhof  Schwedter Str. 232, Prenzlauer Berg, Mo-So ab Dämmerung, bis 1.1.2023

Neu: „Membranes Out Of Order“

Karolina Żyniewicz: „safe suicide I“, Foto: Paweł Jóźwiak

Eine Ausstellung präsentiert die wachsende Disziplin der „Bio Art“, von Künstler:innen, die ihr Arbeitsmaterial in einer Petrischale oder in ihrem eigenen Körper finden wie andere in einem Laden Künstlerbedarf. Das relativ junge Kunstfeld an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft setzt sich mit der Manipulation organischer Materie und Biotechnologie auseinander. „Membranes out of Order“ im Kunstquartier Bethanien ist von den Künstlerinnen Margherita Pevere, Theresa Schubert und Karolina Żyniewicz (Abb.) initiiert worden. Sie verhandeln kontroverse Themen wie Empfängnisverhütung, Fleischkonsum und das Recht auf Suizid. Schubert und Żyniewicz haben ihre Zellen geerntet und werden zu Schöpferinnen ihrer eigenen Vernichtung. Nichts für Zartbesaitete.

  • Kunstquartier Bethanien Mariannenplatz 2, Kreuzberg, Mo–So 11–23 Uhr, 9.12.–8.1.23

Neu: Das Auto Rosi aber

“Das Auto Rosi aber“, Ausstellungsansicht, KOW, Berlin 2022, courtesy the artists und KOW Berlin. Foto: Ladislav Zajac

Den Marktplatz und die Panzer solle er doch filmen, sagt eine Frau in die Kamera. Aufgenommen hat sie der niederländische Künstler Renzo Martens in Grozny Anfang der 2000er-Jahre während des zweiten Tschetschenienkriegs. Seine Videoarbeit ist neben Kunstwerken von Candice Breitz, Peter Friedl und weiteren Künstler:innen des Galerieprogramms in einer Ausstellung zu sehen, die sich um  Freiheit oder Unfreiheit in der politischen Kunst dreht.

  • KOW Galerie Lindenstr. 35, Kreuzberg, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 14.1.23

Neu: Hans Hartung

Ansicht der Ausstellung von Hans Hartung, Galerie Max Hetzler, Berlin, 2022,
courtesy of Galerie Max Hetzler, Berlin I Paris I London. Photo: def image

Hat das ein und dieselbe Person gemalt, fragt man sich angesichts der Gemälde, die wie am Computer entstanden aussehen und der digitalen Kunst zugerechnet werden könnten. Doch sie stammen von Hans Hartung. Der deutsch-französische Maler schuf ein Oeuvre, das ihn zu einem der bedeutendsten Vertreter der Nachkriegsmalerei, insbesondere des Informel macht. Die Schau zeigt mit 50 Werken einen Querschnitt durch sein Schaffen, dazu einige Fotografien und Briefe.

  • Galerie Max Hetzler Potsdamer Str. 77-87, Schöneberg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 14.1.23

Neu: Eric Meier

Installationsansicht Eric Meier, „Flaschen & Geister“, Mountains, Berlin, 2022, Foto: Mountains Berlin

Im Werk des in Ost-Berlin geborenen Künstlers Eric Meier kommen autobiografische und gesellschaftspolitische Themen in Fotografie, Glas- und Textilskulpturen sowie Fundstücken zusammen. Die Folgen der gesellschaftlichen Veränderungen durch den Mauerfall sind der Ausgangspunkt. Er stellt Fragen der sozialen Identität, der Nostalgie, der Zugehörigkeit und des Zweifels, etwa, wenn zertrümmerte Schnapsflaschen und Fußabdrücke im Beton als Chiffren für Scheitern und zerschlagene Hoffnungen dienen.

  • Mountains Galerie Weydingerstr. 6, Mitte, Mi–Sa 13–19 Uhr, bis 7.1.2023

Letzte Chance: Anne Schönharting

Aus dem Fotoband “Habitat” von Anne Schönharting, Frank Dingel und Karsten von Kuczkowskie, Berlin 2012. Foto: Anne Schönharting, Hartmann Books, 2022

Man möchte die Ausstellungsräume nicht verlassen, bevor man nicht jedes einzelne Foto ausführlich betrachtet hat: Anne Schönhartings Aufnahmen von vornehmlich gut situierten Charlottenburger:innen aus der Berliner Kunst- und Geisteswelt in ihren Apartments befriedigen gleich mehrere Bedürfnisse. Der neugierigen Blick hinter verschlossene Türe trifft hier auf ästhetischen Genuss fein inszenierter Bilder, die oftmals an Gemälde alter Meister oder Filmszenen erinnern. “Habitat” heißt die Ausstellung – so wie der Bildband, über den wir mit Anne Schönharting sprachen.

  • Haus am Kleistpark Grunewaldstraße 6-7, Schöneberg, Di–So 11–18 Uhr, bis 11.12.

Letzte Chance: Offener Blick

Lynda Tatah: „Algerien“, 2021

Mit der Ausstellung „Offener Blick – Der Zukunft entgegen“ ziehen 14 geflüchtete Menschen unterschiedlicher Herkunft Bilanz – über die Zeit seit ihrer Ankunft in Berlin. Unter Leitung des Fotografen Peter Fischer-Piel beleuchten und resümieren sie ihr altes und neues Leben in Aufnahmen und Texten wie hier Lynda Tatah. An der ungewöhnlichen Ausstellung nimmt auch tip-Mitarbeiter Ahmad Yousef teil.

  • Haus am Kleistpark  Grunewaldstr. 6–7, Schöneberg, Di–So 11–18, Do bis 20 Uhr, bis 11.12.

Letzte Chance: Aufbrüche Abbrüche Umbrüche

Maria Sewcz inter esse (Nr.22, o.A.) Berlin, 1985-1987. Foto:© VG Bild-Kunst, Bonn Reproduktion: Dorin Alexandru Ionita, Berlin

In der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank hat die dreiteilige Ausstellung zu Kunst aus dem späten Ost-Berlin bereits begonnen, bieder gehängt, unter anderem mit Klaus Killischs Gemälde „Bonjour Monsieur“ (Abb.). Hoffentlich geht es bei den folgenden Teilen in Ephraim-Palais und Museum Nikolaikirche flotter zu. Interessant dürften die gefilmten Künstleraussagen werden. Denn die sind schon in Charlottenburg höchst informativ.

  • Museen Ephraimpalais + Nikolaikirche Poststr. 16, bzw. Nikolaikirchplatz, Di–So 10–18 Uhr, 6/ 4 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, bis 11.12.

Monica Bonvicini

Die Neue Nationalgalerie während der Ausstellung Monica Bonvicini „I DO YOU.“ Foto: Imago/Jürgen Ritter

Hier treffen zwei Giganten aufeinander: Monica Bonvicini, eine der bedeutendsten Künstler:innen der Gegenwart, und die Neue Nationalgalerie, eine Ikone der modernen Architektur. Nicht nur eine riesige Spiegelwandt mit dem provokativen Spruch, zugleich Ausstellungstitel „I do you“ hat die international renommierte Wahlberlinerin davor gestellt, sondern im Inneren eine zweite Ebene eingezogen, Handschellen für fesselfreudige Besucher:innen angebracht und einen Teppich mit  privaten Aufnahmen von ausgezogenen Hosen ausgelegt. So hart und zart durchbricht Bonvicini die kühl distanzierte, von ihr als chauvinistisch bewertete Architektur der Moderne. Dabei bleibt sie ihrer feministisch-punkigen Attitude treu, ohne jedoch gegen Mies van der Rohes Bau anzukämpfen, sondern selbstbewusst mit neuen und alten Arbeiten zu bespielen.

  • Neue Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Di–Mi, Fr–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, 12/ 6 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, bis 30.4.2023

Haus des Papiers

Ausstellungsansicht „Waterfalls and Spirits“, 2022. Foto: Haus des Papiers

Mit „Waterfalls and Spirits“ zeigt das Privatmuseum für Kunst aus Papier Werke von Stipendiat:innen der hauseigenen Künstler:innen-Residenz. So schafft Harriett Groß aus Soundaufnahmen von Wasserfällen rätselhafte, reliefartige Bilder. Konzeptuell und ästhetisch überzeugend nutzt Maria Toliver Wasser und Papier als Informationsträger für intime sowie überpersönliche Geschichten. Besonders spannend: Textilien und Keramiken aus recycelter Zellulose aus Abwässern aus dem greenlab der Kunsthochschule Weißensee.

  • Haus des Papiers Seydelstraße 30, Mitte, Fr–So 10–17 Uhr, 8,50/ 6 €

Guilty! Guilty! Guilty!

İpek Duben, LoveGame, 1998–2001. Installation. Foto: İpek Duben / Banu and Hakan Çarmıklı Collection, Istanbul

In „Guilty, Guilty, Guilty!“, („Schuldig, schuldig, schuldig!“), kuratiert von der Kunsthistorikerin Sonja Lau, steht „feministische Kriminologie“ zur Debatte. Hier geht es um Ansätze, die untersuchen, ob und wie bei Strafverfolgung und Prozessen das Geschlecht ins Gewicht fällt. Einige Beiträge der 16 Künstler:innen verhandeln historische Fälle wie jene Raubzüge, die die Millionärsenkelin Patricia Hearst mit ihren Entführern unternommen haben soll. Nicht zuletzt stehen harte Arbeiten im Kunstraum wie İpek Dubens spielbares Roulette zu häuslicher Gewalt (Foto) und Dominique Hurths Installation zu Prozessen gegen Aufseherinnen in Konzentrationslagern. Sie machen die luftig arrangierte Ausstellung zu einem harten Brett. Das zu bohren sich lohnt.

  • Kunstraum Kreuzberg Mariannenplatz 2, Kreuzberg, So–Mi 10–20, Do–Sa bis 22 Uhr, Eintritt frei, bis 19.2. 2023

Manifestiert euch!

Ausstellungsansicht „Manifestiert euch!“, Künstlerhaus Bethanien, 2022. Foto: David Brandt

Für die Ausstellung „Manifestiert Euch! (Queer-)Feministische Manifeste seit den Suffragetten“ haben Valeria Schulte-Fischedick und Luise von Nobbe im Künstlerhaus Bethanien Beispiele aus 100 Jahren zusammengebracht, von Liedern der ersten Frauenbewegung über Drucke wie von Valerie Export aus Zeit der zweiten. Diese Verweise dienen als Hintergrund für aktuelle Arbeiten etwa von Rufina Bazlova mit ihren Variationen belarussischer Kreuzstickerei, wie sie auch vor dem neuen Kunsthaus Minsk in Potsdam als Flaggen wehen. Sinnlich platziert bieten die vielen Beiträge sogar Platz für das analoge Archiv des Forschungsprojekts „re.act.feminism“ für Performance-Dokumentationen. Kurzum: Es geht um Ermächtigung.

  • Künstlerhaus Bethanien Kottbusser Str. 10, Kreuzberg, Di–So 14–19 Uhr, Eintritt frei, bis 22.1. 2023

Klassenfragen

Vlad Brăteanu, „an artist who cannot get funding is no artist“, nach Mladen Stilinović und Anca Benera und Arnold Estefan, 2021. Foto: Vlad Brăteanu

Der Kunstverein Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) wirft in der Ausstellung „Klassenfragen. Kunst und ihre Produktionsbedingungen“ Licht auf die eher im Schatten florierenden Abhängigkeitsverhältnisse, Zugangshürden und prekären Lebenssituationen in der Kunstwelt. Dafür kooperiert die NGBK mit der Berlinischen Galerie und präsentiert in dem Kreuzberger Museum Werke von über 30 Künstler:innen. Besucher:innen erfahren zum Beispiel, welchen Beruf deren Eltern hatten oder welche Produktionskosten hinter einem Kunstwerk stecken. Zur Schau gehören ein Filmprogramm und Podiumsdiskussionen über unfaire Verhältnisse und mögliche Solidarität.

  • Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 12/ 8 €, bis 18 J.+1. So/Mo frei, bis 9.1.2023

Ayumi Paul

Ayumi Paul „Salzlieder“ (process), 2022. Foto: Debora Mittelstaedt

Sie arbeitete als studierte Geigerin, heute wirkt sie als Künstlerin und Komponistin, die Klangskalen auf Papier stickt und Menschen dazu ermuntert, zu singen. Nun stellt Ayumi Paul die Ergebnisse ihres Stipendiums am Gropius Bau vor, in fünf Sälen, in denen auch Zusammenkünfte des gemeinsamen Zuhörens, Lernens und Singens stattfinden sollen. Einen Eindruck von Pauls Methoden vermitteln Audiodateien auf den Seiten des Gropius Baus, die an Achtsamkeitsmeditationen denken lassen. Und Fakten aus Naturwissenschaften anklingen lassen wie die schlichte Tatsache, dass Klänge nur Wellen sind, die sich in Luft und Wasser fortsetzen.

  • Gropius Bau Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19, Do 10–21 Uhr, 9/ 6 €, bis 18 J. + ALG II frei, Hördateien, bis 22.1. 2023

Alban Muja

Alban Muja, „Above Everyone“, 2022 Manifesta 14 Prishtina. Foto: Agon Nimani

Er war selbst auf der Flucht, vor dem Krieg in Kosovo, in Spanien fand er damals Unterkunft. Geflüchtete und Provisorien sind seine Themen geblieben. Für die diesjährige „Manifesta“ in Prishtina hat Alban Muja, 1980 in Mitrovica geboren, ein provisorisches Häuschen auf ein ehemaliges Kaufhaus gebaut, ein so böser wie verschmitzter Kommentar auf Wohnungsnot und Privateigentum. Jetzt stellt der in Kosovo und Berlin arbeitende Künstler in den Reiter Galleries aus.

  • Reiter Galleries Potsdamer Str. 81b, Schöneberg, Mi–Sa 12–18 Uhr, bis 21.1. 2023

Thomas Ruff: d.o.pe.

Thomas Ruff d.o.pe.11, 2022. Foto: Thomas Ruff / VG Bild-Kunst, Bonn Courtesy Sprüth Magers

Mit sachlich strengen Porträtaufnahmen, die an Fahndungsfotos erinnerten, wurde er berühmt. Es folgten am Computer bereinigte Architekturaufnahmen, die vom geschäftstüchtigen Uncharme der Bundesrepublik zeugten. Dann arbeitete sich Thomas Ruff in den Himmel und ins All vor, unter anderem mit Hilfe von Aufnahmen der NASA. Inzwischen hat der Düsseldorfer Fotograf vom Sternenstaub zu Motiven gefunden, die er eigenhändig schafft, oder besser: schaffen lässt: digital produzierte fraktale Muster, die er auf Teppiche drucken lässt. Ob das die Synthese aus Computerepoche und dem gobelin-freudigen Mittelalter ist?

  • Galerie Sprüth Magers Oranienburger Str. 18, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 31.1. 2023

Antoni Starczewski

Eine der Tischinstallationen von Antoni Starczewski. Foto:Dariusz Kulesza

Einem hierzulande kaum bekannten Zeitgenossen erweist der Kunstraum Nadan Ehre: Antoni Starczewski (1924–2000) aus Łódź. Angeregt von Rhythmus in Musik und Sprache schuf Starczewski ein Oeuvre aus Keramiken, Grafiken, Textilarbeiten und Tischinstallationen. Damit beeinflusste er maßgeblich die polnische und internationale Kunst, wie Teilnahmen an Biennalen von Florenz bis Tokyo belegen. Die Ausstellung bei Nadan umfasst 30 Werke aus den 1960er- bis 1980er-Jahren, die in ihrer Klarheit auch heute faszinieren.

  • Nadan Meraner Str. 7, Wilmersdorf, Do–Sa 13–18 Uhr, bis 13.1. 2023

Emma Stibbon

Emma Stibbon: Ice Floe, Antarctica, 2020. Foto: Emma Stibbon/Galerie Bastian, Berlin

Ihre Zeichnungen und Holzschnitte wirken so britisch, als finde englische Landschaftsdichtung in ihnen zu bildlicher Gestalt. Aber anders als damals Wordsworth & Co. sieht Emma Stibbon, wie die Klimakrise Landschaften verändert, besonders auffällig in den Polregionen (hier „Ice Floe, Antarctica“, 2020) und auf hohen Bergen, aber auch in Wäldern. Nur am Palast der Republik, den Stibbon auch schon zeichnete, war nichts vom Klima-, dafür viel vom politischen Wandel zu sehen.

  • Galerie Bastian Taylorstr. 1, Zehlendorf, Mi–Sa 11–17 Uhr, bis 7.1. 2023

George Grosz reist nach Sowjetrussland

George Grosz, Ameisen, Blatt aus der Mappe „Im Schatten“, 1921, Lithografie, 35,7 x 48,6 cm, Archiv Ralph Jentsch Berlin. Foto: George Grosz © Estate of George Grosz, Princeton, N.J./VG Bild-Kunst, Bonn 2022

1922, als russische Avantgarde-Künstler:innen aus der frisch gegründeten Sowjetunion nach Berlin flohen, reiste George Grosz in die entgegengesetzte Richtung, nach Moskau. Sogar Lenin soll er dort getroffen haben. Im Jahr darauf trat er aus der KPD aus. Die neue Ausstellung im immer noch neuen Grosz-Museum soll beleuchten, ob die Entscheidung des Künstlers eine Folge dieser Reise war, auch anhand von Grosz’ Arbeiten aus jener Zeit wie seiner Lithografie „Ameisen“ aus der Mappe „Im Schatten“ (1921). Zudem konnte das Team, so teilt das Museum mit, noch vor dem Krieg gegen die Ukraine in russischen Archiven forschen.

  • Kleines Grosz Museum Bülowstr. 18, Schöneberg, Do–Mo 11–18 Uhr, 10/ 6 €, nur mit gebuchtem Ticket, bis 30.4.2023

No place called home

Foto: Braunkohletagebau Garzweiler, 2002, aus “Vor dem Verschwinden”, Jordis Antonia Schlösser/OSTKREUZ.

Flucht und Exil, Vertrautes und Fremdes, Idylle und Zerstörung: Auf der Suche nach Heimat sind das stets aktuelle Gegensätze. Sie beschäftigen die Ostkreuz-Fotografinnen Jordis Antonia Schlösser und Annette Hauschild seit Jahren. Ihre Ausstellung „no place called home” in der Fotogalerie Friedrichshain vereint Reportagen unter dem Begriff der Heimatlosigkeit, ohne der Sensationslust zu verfallen.

Im ersten Raum zeigt Schlösser auf gegenüberliegenden Wänden jeweils 15 Fotografien, die das Dorfsterben im rheinischen Tagebaugebiet von RWE dokumentieren, links in Schwarz-Weiß von 2002, rechts in Farbe fast 20 Jahre später. Die Serien scheinen miteinander zu agieren, sogar miteinander zu trauern. Zwischen ihnen stehend, meint man den Dialog zu spüren: „Was uns passiert ist, passiert schon wieder.“ Das Dorf Manheim verschwindet unter den Baggern des Tagebau Hambach. Schlösser weiß tausende Abschiede zurückhaltend zu beleuchten: Abschiede von Lieblingsplätzen, Denkmälern, Idyllen, Heimaten, Existenzen.

Im zweiten Teil der Ausstellung dokumentiert Annette Hauschild Lebensumstände der Roma, von Menschen, die ihre Heimat nicht verloren haben, sondern nie eine hatten. Seit 2011 setzt sie sich mit der größten europäischen Minderheit auseinander, besucht Camps und Siedlungen in Südosteuropa, bildet ab, was verschwiegen wird: Diskriminierung, Abschiebung, rechte Anschläge. Die Ausstellung führt chronologisch durch die Reportage. Hauschild zeigt Alltagsszenen: spielende Kinder, eine 14-köpfige Familie am Esstisch, liebevoll gestaltete Wohnungen in lieblosen Häusern, der Versuch ein Flecken Heimat in der Heimatlosigkeit zu finden. Jedes Bild hat Symbolkraft. (Lennart Koch)

  • Fotogalerie Friedrichshain Helsingforser Platz 1, Friedrichshain, Di-Sa 14-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, bis 6.1.2023

Cold Mountain

„CM 13726“, 2017, Michael Lange. Foto:Michael Lange/courtesy of ROBERT MORAT GALERIE/Berlin

Michael Lange nimmt sich Zeit und das sieht man seinen Aufnahmen an. Für seine geradezu meditative Serien von Flüssen und Wäldern streifte er jahrelang durch ebendiese.  Für das Projekt „Cold Mountain“ richtete der in Heidelberg geborene Fotograf seine Aufmerksamkeit auf die majestätische Landschaft der französischen Alpen. Wenn man von einer Fotografie des Erhabenen sprechen kann, dann wirken Langes nebelverhangene Berghänge und schneebedeckte Täler oft wie aus den Gemälden von Caspar David Friedrich. Der Ausstellungstitel spiegelt Langes Praxis des Zen-Buddhismus wider, denn er trägt denselben Namen wie ein chinesischer Mönch Hanshan (engl. „Cold Mountain“) und Einsiedler aus dem 7. Jahrhundert. Passend dazu sind die Bilder von einem Gefühl der Einsamkeit durchdrungen, was nicht überrascht, wenn man erfährt, dass Lange über einen Zeitraum von sechs Jahren Tage – manchmal sogar Wochen – allein in den Bergen verbrachte, um seine Bilder aufzunehmen

  • Robert Morat Galerie Linienstraße 107, Mitte, Di-Sa 12-18 Uhr, bis 22.12.

Marcel Eichner

„Ich und Du“ 2022, Marcel Eichner. Foto: Nick Ash

„Die Blaue Stunde” heißt eine der Zeichnungen in der neuen Ausstellung des Berliner Künstlers Marcel Eichner. In der Tat haben die großformatigen Kohle- und Gouache -Zeichnungen, die auf zwei Etagen in der Galerie CFA zu sehen sind, einen ausgesprochen melancholischen Grundton. Gekrümmte Gestalten allein in Zimmern, Gefangene mit Ungeheuergesichtern oder Betrunkene, die sich auf der Straße krümmen. Gleichermaßen düster und karnevalesk, schrecken Eichners Bilder von Außenseitern und Randständigen nicht davor zurück, die dunklen Ecken der Gesellschaft zu zeigen.

  • CFA Contemporary Fine Arts Grolmanstr. 32/33, Charlottenburg, Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, bis 17.12

Tschechisches Zentrum

Tiefe Flüsse fließen leise: Radek Brousil, „Hey Sorrow Where Are You?“, 2018. Foto: Radek Brousil

Die Tschechische Botschaft und das Tschechische Kulturzentrum sind nicht nur ein architektonisches Highlight: Im ersten Geschoss, dass immer öffentlich zugänglich ist, gibt es im lichten Ausstellungsraum zurzeit eine Ausstellung dreier junger tschechischer Künstler:innen zu sehen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. In „Tiefe Flüsse fließen leise“ werden Skulpturen, Videoarbeiten und Malerei gezeigt, in denen vom Ökosystem der Pilze über die Visualisierung von Bienenschwarm-Geräuschen bis zu Wasserknappheit durch extensive Landwirtschaft einiges dazu verhandelt wird.

  • Tschechisches Zentrum Wilhelmstr. 44, Eingang Mohrenstr., Di–Sa 14–18 Uhr, bis 18.2.2023

Sony World Photography Awards 2022

Eine lange Annährungsphase zwischen Fotograf und Model steckt hinter diesem Foto. Foto:© Milan Radisics, Hungary, Winner, Professional, Wildlife & Nature, 2022 Sony World Photography Awards

Fotografieren bedeutet oft warten, teilweise sogar, den Auslösemoment in andere Hände zu geben. Dies jedenfalls ist das Merkmal der eindrucksvollsten Fotografien des diesjährigen Wettbewerbs der World Photography Organization. Die Ausstellung mit ausgewählte Fotografien von Nominierten sowie Gewinner:innen ist im Willy-Brandt-Haus zu sehen. Fotograf des Jahres wurde der Australier Adam Ferguson mit der Serie „Migrantes“, die er für die “New York Times” aufnahm.

  • Willy-Brandt-Haus Wilhelmstr. 140, Kreuzberg, Di–So 12–18 Uhr, bis 15.1.2023

Harun Farocki

Die Worte des Vorsitzenden Harun Farocki. Foto: Harun Farocki 1967

„Nicht löschbares Feuer“ heißt einer der frühen Kurzfilme von Harun Farocki, der den Einsatz von Napalm und dessen katastrophale Auswirkungen während des Vietnamkriegs thematisiert. Aber der Titel könnte genauso gut auf die leidenschaftliche Art zutreffen, mit der Farocki seine Antikriegsfilme produzierte. Von 1967 an drehte der in Tschechien geborene Künstler mehr als 120 Filme, die sich mit der Verbreitung von Kriegsbildern und den dahinterstehenden Machtstrukturen auseinandersetzen. Die Galerie Barbara Weiss zeigt einen Querschnitt durch sein Werk, beginnend mit dem Vietnamkrieg und der iranischen Revolution bis hin zu den Kriegen am Persischen Golf und auf dem Balkan. Darunter sind einige selten gezeigte Filme sowie Fotografien von Armin Linke aus Farockis Bibliothek.

  • Galerie Barbara Weiss Kohlfurter Str. 41/43, Kreuzberg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 14.1.2023

TonArt Komponistinnen

Regina Conrad „Tonart 05“, für Frances-Marie Uitti, 2022, Kohlezeichnung. Foto: Galerie Amalienpark|Raum für Kunst

Geschwungene, schwarze Linien ziehen sich in Bögen über das Papier, mal mit zartem, mal mit starkem Strich und stets im Rhythmus. So sieht Musik aus, zumindest das Spiel der Cellistin France-Marie Uitti, von der sich Malerin Regina Conrad inspirieren ließ. In der Gruppenschau setzen sich Bildende Künstler:innen in Zeichnung, Malerei und Plastik mit Komponistinnen auseinander. Ein spannendes Rahmenprogramm mit Konzerten, Filmen und Gesprächen führt durch ihre Geschichte und Gegenwart komponierender Frauen.

  • Galerie im Amalienpark Breite Str. 23, Pankow, Di–Fr 14–19/ Sa 12–17 Uhr, bis 14.1.2023, Programm

Almut Linde

Notizen voaus dem prekären Leben: Still Alive Foto: Almut Linde

Radical Beauty nennt Almut Linde ihren Ansatz, das Schöne und Ästhetische an den Rändern unserer Gesellschaft zu finden und sie mitten hinein zu platzieren. Für diese Ausstellung lässt die Hamburgerin den Boden der Galerie mit einer LKW-Ladung Luftballons bedecken, die mit dem Atem von Menschen in prekären Lebenssituationen gefüllt sind. Ausweichen unmöglich. Für ein anderes Projekt hat sie Obdachlose in ihrer Nachbarschaft gebeten, ihre Gedanken in Notizen und Skizzen festzuhalten. Wegschauen unmöglich.

  • PSM Galerie Schöneberger Ufer 61, Tiergarten, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 7.1.2023

Haroon Mirza

Installation view | For a Dyson Sphere (2022), Lisson Gallery, New York City. Foto: Lisson Gallery

Natur, Technik, Menschen und das Universum. Wie interagiert das alles miteinander? Diese Frage beschäftigt den britisch-pakistanischen Künstler Haroon Mirza, der mit mehreren Installationen den neuen Berliner Standort der Münchener Galerie Max Goelitz eröffnet. Für seine Kunst arbeitet Mirza mit dem Medium Elektrizität, um skulpturale Installationen und Audiokompositionen zu schaffen. In ihnen verbinden sich Licht, Klang und Photovoltaik-Paneele zu einem audiovisuellen Erlebnis. Zugleich erprobt er phantastische Möglichkeiten der Energiegewinnung.

  • Max Goelitz Rudi-Dutschke-Str. 26, Kreuzberg, Do–Sa 13–18 Uhr, bis 28.1.2023

125 Jahre Noack

Bleigißerei Noack. Foto:Marina Jerkovic

In der berühmten Bildgießerei Noack ließen unter anderem Wilhelm Lehmbruck, Käthe Kollwitz und Georg Baselitz Skulpturen fertigen und auch die Berlinale-Bären erblicken hier das Licht der Welt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Geschichte der Skulptur im 20. Jahrhundert in Deutschland ganz eng mit dem Namen Noack verbunden ist. 125 Jahre wird das Familienunternehmen in diesem Jahr alt und feiert ein Geburtstagswochenende mit einer retrospektiv angelegten Jubiläumsausstellung, die Besucher:innen auf eine Reise durch 125 Jahre Firmen- und Kunstgeschichte. Am Samstag ist Ausstellungseröffnung mit Buchpräsentation und anschließender Party im Restaurant Bar Brass.

  • Bildgießerei Noack Am Spreebord 9, Charlottenburg, Mo–Fr 12–17 Uhr, bis 3.2.2023

Michel Majerus

Installationsansicht „gemälde“, neugerriemschneider, Berlin (19.11.–23.12.1994) Foto:Michel Majerus Estate, 2022/Courtesy neugerriemschneider, Berlin

In gleich fünf Ausstellungen wird der Berliner Maler Michel Majerus 2022 gefeiert. Auch wenn der Anlass, sein verfrühter Unfalltod am 6. November vor 20 Jahren, tragisch ist. Aktuell widmen sich die Kunst-Werke seinem Frühwerk, bei Neugerriemschneider steht die Arbeit „gemälde“ im Fokus. Es war die erste Zusammenarbeit des Künstlers mit der Galerie 1994, noch in den alten Charlottenburger Räumen. Nun wird die damalige Präsentation rekonstruiert, was den installativen Ansatz von Majerus Malerei erfahrbar macht. Zu den Michel-Majerus-Ausstellungen in Berlin schreiben wir hier mehr.

  • Neugerriemschneider Linienstr. 155, Mitte, Di–Sa 11–18  bis 14.1.2023

Stefanie Heinze

Stefanie Heinze, F (Rush In), 2022. Foto: Stefanie Henize/Courtesy Capitain Petzel Karl- Dimensions of the Fool

Launenhaft, rätselhaft, perlglänzend. Die Gemälde der Berliner Künstlerin Stefanie Heinze zeigen ein Geflecht aus Alltagsgegenständen und traumhaften Motiven, schwankend zwischen Figuration und Abstraktion. Angetrieben von einem Interesse an Psychologie, sozialer Klasse, Sexualität und Politik, überträgt Heinze die Komposition ihrer Bilder von collagierten Zeichnungen auf großformatige Leinwände. Bei Capitain Petzel zeigt sie eine Mischung aus großformatigen Gemälden und Zeichnungen, die sie inspirieren.

  • Capitain Petzel Karl-Marx-Allee 45, Mitte, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 23.12.

Ruth Wolf-Rehfeldt/ Farkhondeh Shahroudi

Ruth Wolf-Rehfeldt, Gedankengänge (PEACE), 1980er-Jahre, Collage, Papier und Stempel auf Zinkografie. Foto: Sammlung Artothek des Neuen BerlinerKunstvereins (n.b.k.), © Courtesy of the artist and ChertLüdde, Berlin

Louise Bourgeois, Geta Brătescu und Ruth Wolf-Rehfeldt – diese großen Künstler:innen eint der späte Ruhm. Nachdem Wolf-Rehfeldt 2014 auf der Documenta für ihre Schreibmaschinenbilder gefeiert wurde, erhält die 90-Jährige nun den Hannah-Höch-Preis für ihr Lebenswerk. Mit ihr stellt die iranische Künstlerin Farkhondeh Shahroudi aus, Gewinnerin des gleichnamigen Förderpreises.

  • Kupferstichkabinett Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa/ So 11–18 Uhr, 6/ 3 €, bis 18 J. frei, bis 5.2.2023

Paul van Ostaijen

Lyonel Feininger, Gasometer in Berlin-Schöneberg, 1912. Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn/Stiftung Stadtmuseum Berlin

Poesie wie ein Tanz auf dem Vulkan: Paul van Ostaijen (1896–1928) gehört mit seinen expressiven, rhythmischen Gedichten zu den bedeutendsten Poeten der modernen niederländischen Literatur. Hierzulande ist er wenig bekannt, obwohl er seine prägendsten Jahre in Berlin verbrachte. Die großartige Ausstellung „Boem!“ zeichnet den Weg dieses außergewöhnlichen Künstlers nach, dessen Gedichte auch typografische Regeln sprengten. Dabei liegt der Fokus auf seiner Berliner Zeit (1918 bis Mai 1921), in der van Ostaijen am künstlerischen und revolutionären Treiben der Stadt teilnahm. Neben Originalmanuskripten und Vertonungen seiner Gedichte werden Arbeiten von Zeitgenoss:innen wie etwa Käthe Kollwitz und Lyonel Feininger (s. Abb.) als auch aktuelle Position präsentiert.

  • Museum Ephraim-Palais Poststr. 16, Mitte, Di–So 10–18 Uhr, 5/ 3 €, bis 18 J. 1. + So/ Monat frei, bis 30.12.

Inventing Color

Marie Athenstaedt „Bricks“, 2020. Foto: ARTES Berlin

„Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: Ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler“, hat der Maler Paul Klee (1879-1940) einst gesagt. Farbe und Licht sind die verbindenden Elemente der Gruppenausstellung „Inventing Color“. Die Schau nimmt die unterschiedlichsten Ansätze von Künstler:innen im Umgang mit Form, Kontrast, Intensität in den Blick, darunter Selçuk Dizlek, Andy Warhol, Marie Athenstaedt und Gerhard Richter.

  • ARTES Berlin  Auguststr. 19, Mitte, Di–Fr 11–18 / Sa 12–18 Uhr, bis 21.01.2023 

Surrealismus und Magie

Leonora Carrington: “Großmutter Moorheads aromatische Küche”, 1975 Öl auf Leinwand, 79 x 124 cm, The Charles B. Goddard Center for the Visual and Performing Arts, Ardmore, Oklahoma © VG Bild-Kunst, Bonn 2022 / Abbildung: The Charles B. Goddard Center for the Visual and Performing Arts, Ardmore, Oklahoma

Die Venedig-Biennale findet ein Echo auch im Museum Barberini Potsdam, das kurzzeitig geschlossen war. Klimaaktivist:innen hatten ein hinter Glas gerahmtes Gemälde von Monet mit Brei überschüttet und sich an die Wand geklebt. In der aktuellen Ausstellung “Surrealismus und Magie. Verzauberte Moderne” geht es um Künstlerinnen, die zum Surrealismus beitrugen. Zum Beispiel die Malerin und Fotografin Jacqueline Lamba, die im Schatten ihres Mannes André Breton stand. Oder die Italienerin Leonor Fini aus Argentinien, die für ihre Frauenbildnisse bekannt ist und künstlerisch skeptische Distanz zu den Pariser Surrealisten hielt. Oder spätere Nachfolgerinnen des Surrealismus wie Leonora Carrington (Abb.).

  • Museum Barberini Humboldtstr. 5–6, Potsdam, Mi–Mo 10–19 Uhr, Mo, Mi–Fr 16/ 10; Sa–So 18/ 10 €, bis 18 J. + ALG II frei, Infos und Tickets hier, bis 29.1.2023

Magyar Modern

Lajos Tihanyi, Landschaft mit Brücke, 1909, Historisches Museum Budapest, Kiscelli Museum – Städtische Galerie, © Urheberrechte erloschen, Foto: Ákos Keppel

Die Ausstellung beleuchtet erstmals dem starken Beitrag ungarischer Künstler:innen zur Klassischen Moderne. Dabei liegt der Fokus auf die Jahre 1918 bis 1933 mit Gemälden, Skulpturen, Filmen, Fotografien, Theaterentwürfen und Architekturzeichnungen. Die Werke stammen von insgesamt 48 Künstler:innen wie etwa László Moholy-Nagy, Judit Kárász oder Noémi Ferenczys. Ein Interview zur Ausstellung “Magyar Modern” lest ihr hier.

  • Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 10/ 6 €, bis 18 J. +1. So/ Monat frei, bis 6.2.2023

Thomas Rentmeister

Thomas Rentmeister – Felder. Foto: Bernd Borchardt

Der Berliner Künstler Thomas Rentmeister verbaut meist weiße Alltagsgegenstände und -materialien zu Plastiken und Installationen. In der Schwartzschen Villa sind das nun Zucker und Spülmaschinensalz. Weil die damit gefüllten und gestalteten Vitrinen zwar interessant sind, aber für eine Fahrt nach Steglitz doch etwas unbefriedrigend, empfiehlt sich auch der Gang nach nebenan ins Gutshaus zu den Bildern der Malerin Maria Lassnig.

  • Schwartzsche Villa Grunewaldstr. 55, Steglitz, Mo–So 10–18 Uhr, Eintritt frei, bis 5.2.2023

Spurensicherung

Rudolf G. Bunk: “Tanzende Paare”, 1935 auf der Rückseite des Gemäldes Porträt Hanns Meinke, Öl auf Leinwand, Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung KS-Gemälde MA 272 © Akademie der Künste, Berlin Foto: Kerstin Marth

Die Akademie der Künste arbeitet die Geschichte von Objekten in ihren Sammlungen auf. Die Provenienzforscher:innen untersuchen die NS-Zeit und die DDR-Jahre. Provenienzforscher:innen verfolgen unter anderem die Spuren der Besitzwechsel, die auf den Rückseiten der Bilder zu sehen sind. Dabei geht es an der Akademie nicht nur um Skizzen der Maler Max Liebermann oder Carl Blechen und die Gemäldesammlung Otto Nagels, sondern auch Manuskripte etwa von Walter Benjamin. Letztere sollen Thema eines Podiumsgesprächs am 2. November werden (19 Uhr).

  • Akademie der Künste Pariser Platz 4, Mitte, Di–So 11–19 Uhr, 9/ 6 €, bis 18 J., Di ab 15 Uhr + 1. So/ Eintritt frei am 28.10., 19 Uhr, bis 22.1.2023

Dominique Gonzales-Foerster

Dominque Gonzalez-Foerster ” “Panoramism and the Abstract Sector” © Dominque Gonzalez-Foerster  / Galerie Esther Schipper, Berlin

Dominique Gonzalez-Foersters neue Ausstellung bei Schipper besteht aus einem 30 Meter langen, halbrunden Panorama, das jede Menge Menschen zeigt: Personen aus (auch Berliner) Kultur und Geschichte sowie aus ihrem Umfeld. So entsteht ein Gruppentreffen, ähnlich dem 2021 in der Wiener Secession, wo die französische Künstlerin eine Art Demonstration geschaffen hat, einen energiegeladenen Aufmarsch von Menschen, die ihr wichtig sind.

  • Galerie Esther Schipper Potsdamer Str. 81e, Tiergarten, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 23.12.

Abenteuer am Nil

“Die Mitglieder der Expedition auf der Cheops-Pyramide”, Aquarell, Johann Jakob Frey und Max Weidenbach, Oktober 1842,
© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Noch gehörte Ägypten nicht zum britischen Imperium, als 1842 in Berlin eine Expedition aufbrach, um bis nach Nubien am Obernil zu ziehen. Die Teilnehmer wollten für Preußen dokumentieren und sammeln. Was in diesem Kindergarten der deutschen Ägyptologie zusammengetragen wurde, steckt in mehreren Berliner Sammlungen und wird jetzt im Neuen Museum wieder gemeinsam gezeigt, darunter eine Widderstatue des Gottes Amun.

  • Neues Museum Bodestr. Mitte, Di–So 10–18 Uhr, 14/ 7 €, bis 18 J., ALG II + 1. So/ Monat frei, Tickets hier, bis 7.3.2023

Chains of Interest

Adrien Missika: “Ou/Où”, 2018; (Durch Kieselsteinwerfen entstandenes Gedicht. Auf der Insel Serifos gesammelte Kieselsteine, recto/verso Stempeldruck), Mit freundlicher Genehmigung der Galeria Francisco Fino, Lissabon und Proyectos Monclova, Mexiko Stadt/ ifa-galerie © Viktoria Tomaschko

Es geht weiter mit der Erkundung der Sammlung vom Institut für Auslandsbeziehungen. In Folge eins arbeiteten die teilnehmenden Künstler:innen direkt mit historischen Werken, die sie aus dem Depot holten, etwa von Käthe Kollwitz und Joseph Beuys. In Folge zwei nutzen sie diese als Anregung für neue, eigene Arbeiten. Die sind spielerisch und poetisch geworden, mitunter, wie bei Wilhelm Klotzek und Adrien Missika (Abb.), dank einfacher Mittel.

  • ifa-Galerie Linienstr. 139/ 140, Mitte, Di–So 14–18, Do bis 20, Eintritt frei, bis 22.1.2023

Thilo Heinzmann

Ausstellungsansicht Thilo Heinzmann: “playing slowies”, neugerriemschneider, Berlin © neugerriemschneider, Berlin / courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin / photo by Jens Ziehe, Berlin

Er malt, als sei er bestens mit den Gesetzen des Kosmos und des Zufalls vertraut. Chaos und Poesie halten sich in den großen, filigran gesprenkelten Gemälden von Thilo Heinzmann, Kunstprofessor an der Universität der Künste (UdK), die Waage. Der 2018 verstorbene isländische Komponist Jóhann Jóhannsson widmete dem Berliner Maler einmal ein Streichquartett in zwölf zarten Sätzen – die vielleicht mehr über Heinzmanns Bilder sagen als Worte (Jóhannsson: „12 Conversations with Thilo Heinzmann“ – hier anhören)

  • Galerie Neugerriemschneider Pfefferberg Christinenstr. 18–19, Prenzlauer Berg, Di–Sa 11–18 Uhr, bis 18.3.2023

Ceremony (Burial of an Undead World)

Jane Jin Kaisen: „Burial of this Order”, 2022, Film-Still Courtesy Jane Jin Kaisen

Es ist die letzte große Ausstellung dieses Jahr im Haus der Kulturen der Welt; 2023, unter neuer Intendanz, wird sich der Programmkurs ändern. Gemeinsam mit vier Gastkurator:innen fährt Hauskurator Anselm Franke noch einmal alles auf: Mit Beiträgen von mehr als 50 Künstler:innen soll die Ausstellung „Ceremony“ Antworten auf die – hier frei wiedergegebene – Frage finden, wie die Moderne uns an jenen kritischen Punkt gebracht hat, an dem sich die Welt nun zu befinden scheint. Werke steuern bei: Mariana Castillo Deball, Stan Douglas, Rosemarie Trockel, Tabita Rezaire, Jane Jin Kaisen (Abb.) und posthum Albrecht Dürer, um nur einige der hierzulande bekanntesten zu nennen.

  • Haus der Kulturen der Welt John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Mi–Mo 12–20 Uhr, 23.10.–30.12.

Ausflug: Minsk Potsdam

Stan Douglas: Verlassene Gewächshäuser des Gartenbauamts, Am Schlaatz, 1994/95, aus der Serie Potsdamer Schrebergärten, 15-teilig. Sammlung Hasso Plattner, © Stan Douglas, Courtesy der Künstler, Victoria Miro und David Zwirner

SAP-Milliardär Hasso Plattner hat nach dem Barberini in Potsdam ein zweites Museum gegründet: im Minsk, dem ehemaligen Terrassenrestaurant am Brauhausberg direkt am Potsdamer Haupt- und S-Bahnhof. Hier geht es nun um DDR-Moderne im Vergleich zu zeitgenössischer Kunst. Die ersten beiden Ausstellungen gehören dem Maler Wolfgang Mattheuer (1927–2004), der auch Schrebergärten thematisierte, und dem 1960 geborenen kanadischen Medienkünstler Stan Douglas, der nach der. deutschen Vereinigung Potsdams weniger bekannte Gärten aufnahm (Abb.).

  • Das Minsk Max-Planck-Str. 17, 14473 Potsdam, Mi–Mo 10–19 Uhr, 10/8 €, bis 18 J., ALG I + II frei, Tickets hier, bis 15.1.2023

How To Brücke-Museum: Ein Blick hinter die Kulissen

Max Kaus: “Liegende Frau mit Katze”, 1921, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum © Max Kaus/VG Bild-Kunst, Bonn / Brücke Museum

Mit einer ganz besonderen Ausstellung feiern Direktorin Lisa Marei Schmidt und ihr Team in Dahlem 55 Jahre Brücke-Museum. „How to Brücke-Museum: Ein Blick hinter die Kulissen“ soll Museumsarbeit verständlich machen. Am Beispiel von Werken aus der Sammlung stellt sie verschiedene Aufgabenfelder vor, von Erwerb über Digitalisierung bis Outreach. An einzelnen Tagen werden Mitarbeitende im großen Saal Fragen beantworten. Beistand leistet eine Arbeit von Christian Jankowski. Der Berliner Künstler bat 2008 die Angestellten des Kunstmuseums Stuttgart, inklusive der damaligen Direktorin Marion Ackermann, die Arbeitsplätze zu tauschen und sich bei den ungewohnten Tätigkeiten filmen zu lassen. Ein herrliches Video, das der Einrichtung Museum mit Witz ihren Nimbus nimmt

  • Brücke-Museum Bussardsteig 9, Dahlem, Mi–Mo 11–17 Uhr, 6/ 4 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, bis 29.1.2023

Paint It All

Tatjana Doll: “CAR_Crankcase”, 2008-2018 © Tatjana Doll/VG-Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Martin Eberle

Erst kürzlich fand im Künstlerhaus Bethanien ein etwas unentschiedener Versuch statt, einen Überblick über Malerei in Deutschland zu geben. Jetzt kreist das Museum Berlinische Galerie das Genre genauer ein und stellt Malerei in Berlin vor – mit jüngeren Beispielen unter anderem von Christine Streuli, Eberhard Havekost und Tatjana Doll (hier ihr „CAR_Crankcase“, 2008-2018). Einige der Arbeiten werden zum ersten Mal ausgestellt.

  • Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 10/ 6 €, bis 18 J. + 1.So/ Monat frei, bis 6.2.2023

Klasse und Masse

Matrize für eine thronende weibliche Figur mit moderner Ausformung, 480-470 v. Chr., © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes Kramer

Auf ihnen wurde fast alles festgehalten: Helden und Göttinnen genauso wie der Vorgang des Brotbackens. Das Team des Alten Museums würdigt in einer Sonderausstellung Tonfiguren aus dem antiken Griechenland und damit ein unterschätztes Medium. Support erhalten die Kurator:innen von ihren Kolleg:innen im Neuen Museum nebenan. Dort stellt die in Berlin arbeitende Künstlerin Uli Aigner aus, die in ihrem Leben eine Million weiße Porzellangefäße herstellen will.

  • Altes Museum Am Lustgarten, Mitte, Di–So 10–18 Uhr, 10/ 5 €, bis 18 J., ALG II + 1. So/ Monat frei, bis 2.7.2023

Escribir todos sus nombres

Dora García: “Heartbeat (Mapa)”, 1999, Collage und Acryl auf Papier, 150 × 220 × 4 cm, Papier 148 × 218 cm,
Foto: Archivo Helga de Alvear | Joaquín Cortés / © Dora García

Bis 1975 herrschte der Diktator Franco über Spanien. Doch bereits um 1960 begannen Künstlerinnen, ihren Alltag und das Leben im Land kritisch zu thematisieren. In Gemälden genauso wie Collagen, Makramee-Arbeiten und drastischen Fotografien. Lola Hinojosa vom Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid kuratiert im Palais Populaire die neue Überblicksschau über 60 Jahre Schaffen Künstlerinnen in Spanien: „Schreibt all ihre Namen“, lautet ihr Titel.

  • Palais Populaire Unter den Linden 5, Mitte, Mi–Mo 11–18, Do bis 21 Uhr, bis 27.2.2023

Ausnahmezustand. Polnische Fotografie heute

Zosia Promińska, Gabrysia 13, aus der Serie Waiting Room. Foto: Zosia Promińska

Endlich! Berliner Kurator:innen und Institutionen haben ihren Blick auf den Osten Europas gelenkt. Ausstellungen der vergangenen beiden Jahre zeugen davon, auch wenn primär politische Spannungen und Eskalationen als Anstoß dienen. Welche Vielfalt und künstlerische Qualität in der Fotografie-Szene unseres Nachbarlandes Polen floriert, präsentiert die Gruppenschau „Ausnahmezustand. Polnische Fotokunst heute“ im Zentrum für Aktuelle Kunst (ZAK). 26 Positionen haben die mit der dortigen Szene gut vertrauten Kurator:innen Jens Pepper und Grazyna Siedlecka ausgewählt. Diese stehen stellvertretend für eine Generation von Fotograf:innen, die nach 1989 in Polen aufgewachsen sind und ihre Karrieren begonnen haben.

  • ZAK – Zentrum für aktuelle Kunst Zitadelle, Am Juliusturm 64, Spandau, Fr–Mi 10–17 Uhr, Do 13–20 Uhr, bis 1.1.2023

Lucia Moholy

Lucia Moholy fotografier von ihrem Eehemann Lazlo Moholy Nagy. Foto Lószló Moholy-Nagy/IMAGO /Artokoloro

Lucia Moholys Fotos waren so gut, dass Walter Gropius ihr die Negative nicht zurückgeben wollte. Sachlich und präzise fotografiert, prägen sie das Bild vom Bauhaus und seinen Bauten bis heute. Weder Entlohnung noch die ihr gebührende Anerkennung hat die Ehefrau von László Moholy-Nagy dafür erhalten, musste sich gar von Gropius einen Teil ihrer Negative vor Gericht erstreiten. Die 1894 geborene Moholy hatte ein bewegtes Leben zwischen künstlerischen Aufbrüchen in Berlin und Dessau, der Flucht vor den Nazis nach London und der Niederlassung im schweizerischen Zollikon, wo sie 1989 verstarb. Dass sie nicht nur einen essentiellen Anteil am Schaffenskosmos ihres Ehemannes hatte, sondern auch eine eigenständige Künstlerinnenpersönlichkeit war, beleuchtet die Ausstellung „Lucia Moholy: Das Bild der Moderne“ anhand von rund 100 Fotos sowie ausgewählte Objekte aus ihrer Zeit in Berlin.

  • Bröhan Museum Schloßstr.1a, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr, 8/ 5€,1. Mi/ Monat frei, bis 22.1.2023

Leila Hekmet

Haus am Waldsee: Leila Hekmat stellt aus. Foto: Sébastien Lifshitz Collection

Die erste Ausstellung im Haus am Waldsee unter Leitung von Anna Gritz bestreitet  die in Berlin lebende Künstlerin Leila Hekmat, geboren in USA. Hekmats Spezialität sind Kostüme, die aussehen, als hätten Madonna und Hannah Höch sie entworfen , und in denen Hekmat Stücke für Bühne und Kamera aufführt. Das Haus hat sie in ein schrill-humorvolles Sanatorium für Frauen verwandelt, eine theatrale Installation voller Patientinnen, die mit ihrer Denkweise und ihrem Lebensstil jegliche gesellschaftlichen Erwartungen sprengen.

  • Haus am Waldsee Argentinische Allee 30, Zehlendorf, 7/ 5 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, bis 8.1.2023

Walter Price

Walter Price „Designated area”. Foto: Zeshan Ahmed Courtesy: der Künstler, Greene Naftali, New York und Galerie Barbara Wien, Berlin

Das Format besticht sofort: Walter Price malt kleine Bilder. Die Gemälde des US-amerikanischen Künstlers sind eindrücklich, egal, ob er die Nichtfarbe Weiß untersucht wie 2021 in Großbritannien oder ob er nun in der Galerie Barbara Wien Rot dominieren lässt. Mal lässt Price das dem Zeichnerischen entwachsene Figürliche im Abstrakten aufgehen, mal holt er die Farbe zurück ins Gegenständliche, etwa, wenn er ins Bild rote Kleiderhaken und Kaffeetassen integriert. Das wirkt in aller Bescheidenheit höchst selbstbewusst.

  • Barbara Wien Schönberger Ufer 65, 3. Stock, Tiergarten, Di–Fr 11–18, Sa 11–16 Uhr, bis 21.1.2023

Drei Ausstellungen auf einmal

Ausstellungsansicht mit Werken von Roxana Halls. Foto. Stephan Abarbanell

Jetzt wird deutlich, wie viel Sorgfalt die Handwerker und der zuständige Verein in das Haus Kunst Mitte gesteckt haben. Auf drei Etagen akzentuieren drei Ausstellungen alte Zimmer, Flure, Türen, prächtige Blickachsen tun sich auf. Und die Ausstellungen sind sehens- sowie hörenswert. „Gegensprechanlage“ (bis 8.10.) stellt Klanginstallationen von Künstlerinnen vor, unter ihnen Ann Noel und Steffi Weismann. „Troubled Nature“ mit Arbeiten aus dem Verein Berliner Künstlerinnen 1867 versucht, das ökologische Unbehagen zu verbildlichen. Und „Bodies in Trouble“ von Künstlerinnen aus London und Berlin wie Roxana Halls (s. Abb.) beweist, dass Großbritannien der Malerei weiterhin starke Impulse geben kann.

  • Haus Kunst Mitte Heidestr. 54, Tiergarten, Mi, Fr–So 12–18 Uhr, Do 12–20 Uhr, 5/ 3 €, bis 18 J. frei, bis 15.1.2023

Queerness in Photography

Drei Ausstellungen widmet das Fotohaus C/O Berlin der Queerness. Aus der Sammlung von Sébastien Lifshitz kommen Fotos aus 100 Jahren Cross-Dressing, die der Regisseur auch auf Flohmärkten kaufte. „Casa Susanna“ präsentiert Aufnahmen aus dem gleichnamigem Trans- Treffpunkt der 50er- und 60er-Jahre im Bundesstaat New York. Und Schauspielerin Tilda Swinton kuratiert eine Ausstellung über Perspektiven auf Geschlecht und Identität.

  • C/O Berlin Hardenbergstr. 22–24, Charlottenburg, Mo–So 11–20 Uhr, 10/ 6 €, bis 18 J. frei, bis 18.1.2023

YOYI! Care, Repair, Heal

Outi Pieski, „Rematriation of a Ládjogahpir – Return to Máttaráhkká“, Installationsansicht aus der Bonniers Konsthall in Stockholm, 2022. Foto: Jean-Baptiste Béranger / © Outi Pieski

Die Gruppenausstellung vereinigt Ansichten von 26 Künstler:innen zu Gesundheit, indigenem Wissen und Dekolonisierung. Sie soll nichts weniger als eine Grundlage für Diskussionen schaffen, wie Individuen, Gesellschaften und Institutionen Krisen wie eine Pandemie besser überstehen.

  • Gropius Bau Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr, Do bis 21 Uhr, 15/ 10 €, bis 18 J. frei, bis 15.1.2023

Humboldt Forum, Teil II

Ansicht des Ausstellungsbereichs „Ein Rundhaus als Spiegel der Welt. Vom Ursprung und Leben der Dinge in Amazonien” des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum © Staatliche Museen zu Berlin / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / Alexander Schippel

Die erste Teileröffnung des Humboldt Forums 2021 war von Protesten begleitet: Initiativen forderten die Rückgabe in Kolonialzeit geraubter Kunstgegenstände. Seitdem sind einige Restitutionen beschlossen worden (wie die der Benin-Bronzen). Ein Muss zu sehen, wie die Kurator:innen mit Rückgaben und Kritik nun im zweiten, im September 2022 eröffneten Teil umgehen.

  • Humboldt Forum Schloßplatz 1, Mitte, Mo, Mi, Do, So 10–23, Fr/Sa 10–22 Uhr, Dauerausstellungen, Eintritt frei, bis auf Weiteres

Maria Lassnig

Maria Lassnig: “Selbstporträt mit Ordenskette”, 1963, Öl auf Leinwand,
© Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst Bonn 2022

Sie erforschte ihren Körper und setzte das, was sie da fand, Schmerz, Lust, Gerüche, Verdauung, in Farben um, die sie in eigenwillig verzerrten Leibern auf Leinwand brachte. Oder auf Papier, wie jetzt im kommunalen Gutshaus Steglitz zu sehen ist: mit Arbeiten aus der Münchner Sammlung Klewan. Maria Lassnig (1919–2014), die ein Jahr in Berlin lebte, zählt zu den Künstlerinnen, die erst im Alter Weltruhm erlangten.

  • Gutshaus Steglitz Schloßstr. 48, Steglitz, Mo–So 10–18 Uhr, bis 26.2.2023

Donatello

Donatello: „Maria mit dem Kind, „Pazzi-Madonna““, ca. 1422, Marmor
©Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt

Große Museen haben sich zusammengetan, um Donatello (1386–1466) zu würdigen: Mit dem Nationalmuseum Bargello in Florenz und dem Londoner Victoria & Albert Museum feiert die Gemäldegalerie den Florentiner Bildhauer als „Erfinder der Renaissance“.  In der Gemäldegalerie sind Skulpturen und Reliefs Donatellos zu sehen, die er auch aus Terrakotta und Bronze fertigte. Daneben hängen Gemälde seiner Zeitgenossen.

  • Gemäldegalerie Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di–Fr 10–18, Sa–So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei, bis 8.1.2023

Queering the Crip, Cripping the Queer

Riva Lehrer: „66 Degrees“, Selbstporträt, Acryl auf Papier, 2019. Foto: Riva Lehrer aus der Sammlung von Larry Gerber

Das Schwule Museum leistet wieder Pionierarbeit: Die neue Schau thematisiert historische Überschneidungen zwischen Queerness und Behinderung. Zur kulturhistorischen Ausstellung gehören auch Arbeiten zeitgenössischer Künstler:innen wie Rita Mazza oder Riva Lehrer (Abb.).

  • Schwules Museum Lützowstr. 73, Tiergarten, Mo, Mi, Fr 12–18, Do 12–20 Uhr, Sa 14–19 Uhr, So 14–18 Uhr, 9/ 3 €, 1. So/ Monat frei, bis 3.1.2023

Ergün Çağatay

Vokuhila, Baggy und Deutschland hat dich nicht lieb: Die Jugendgang 36 Boys aus Kreuzberg in den 1990er-Jahren. Foto: Ergun Çağatay

Er zählt zu den bekanntesten Fotografen aus Istanbul. Ergun Çağatay (1937–2018) arbeitete für Associated Press, wurde 1983 bei einem Bombenanschlag in Paris schwer verletzt, er bereiste Zentralasien. In Deutschland porträtierte er Eingewanderte aus der Türkei, fuhr mit ihnen in Kohlegruben des Ruhrgebiets, fotografierte sie bei Ford Köln am Fließband und in den Turbulenzen der deutschen Vereinigung 1990. Das Museum Europäischer Kulturen würdigt Çağatay in einer Retrospektive mit mehr als 100 Aufnahmen, einer Medieninstallation sowie einem Magazin mit Beiträgen etwa von der Schriftstellerin Dilek Güngör und der Fotografin Candida Höfer. Mehr zur Ausstellung mit Fotografien von Ergün Çağatay lest ihr hier.

  • Museum Europäischer Kulturen Arnimallee 25, Dahlem, Di–Fr 10–17, Sa/ So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 J., ALG II + 1. So/ Monat frei, Tickets: smb.museum, bis 7.2.2023

Sascha Wiederhold

„Bogenschützen“ von Sascha Wiederhold. Foto: Galerie Brockstedt © Sebastian Schobbert © Rechtsnachfolger Sascha Wiederhold

Seine „Bogenschützen“ (1928) hängen seit 2021 in der Dauerschau der Neuen Nationalgalerie, und sein Lebenswerk wird nun wiederentdeckt: Sascha Wiederhold (1904–1962) malte konstruktivistisch, futuristisch, bunt orphistisch-kubistisch. Die Neue Nationalgalerie zeigt rund 50 Arbeiten des Malers, der unter der NS-Diktatur Buchhändler wurde.

  • Neue Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Di–Mi, Fr–So 10–18, Do 10–20 Uhr, 12/ 6 €, 8/ 4 €, bis 18 J., ALG II + 1. So/ Monat frei, Tickets, bis 8.1.2023

Mila Teshaieva

Denkmäler in Kiew wurden mit Sandsäcken abgedeckt, um die Zerstörung durch Luftangriffe zu verhindern. Kyjiw, 27. März 2022. Foto: Mila Teshaieva / OSTKREUZ

Alltag in Schreckenszeiten, fotografiert, dokumentiert, kommentiert: Bis zum 15. Januar 2023 präsentiert das Museum Europäischer Kulturen das Kriegstagebuch der ukrainischen Fotografin Mila Teshaieva in der Ausstellung „Splitter des Lebens”. Von Anfang März bis Ende April, also kurz nach der militärischen Eskalation, veröffentlichte die gebürtige Ukrainerin ihre Eindrücke in Fotografien und persönlichen Texten auf der Website dekoder. Aus dieser Arbeit sind nun 18 Beispiele im Großformat auf einem chronologisch sortierten Rundgang zu sehen. Die Fotografin zeigt keine stolzen Soldaten in Uniformen, keine Explosionen oder kreisenden Kriegsflugzeuge. Ihre Bilder beleuchten Zivilist:innen in deren neuem Alltag zwischen Zerstörung und Wiederaufbau.

  • Museum Europäischer Kulturen Arnimallee 25, Dahlem, Di–Fr 10–17 Uhr, Sa–So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, 1.So/ Monat frei, bis 15.1.2023

Alliierte in Berlin – das Architekturerbe

Neubau der 60er Jahre vom Bundesbauamt Nord im Auftrag der Französischen Militärregierung. Foto: Mila Hacke

Das L’Aiglon ist ein schön geschwungener 1950er-Jahre-Bau mit einer weiten Glasfront. Es zählt zu den vielen Gebäuden, die die Alliierten in Berlin hinterließen und die die Berliner Architekturfotografin Mila Hacke nun für die Nachwelt festgehalten hat. Die Ausstellung „Alliierte in Berlin – das Architekturerbe“ im Militärhistorischen Museum am Flugplatz Gatow zeigt mehr als 70 von Hackes Fotos, die von der Zeit zeugen, als Berlin geteilt war. Die Fotografin, Architektin und Kuratorin Hacke möchte Aufmerksamkeit für diesen Teil der Berliner Geschichte schaffen. Für sie steht weniger die Politik als die Kulturgeschichte im Vordergrund.

  • Militärhistorisches Museum am Flugplatz Gatow Am Flugplatz Gatow 33, Gatow, Di–So 10–18 Uhr, Eintritt frei, bis 31.1.2023

All Hands On: Flechten

Olaf Holzapfel: „Der geflochtene Garten“, 2022 Foto: Jens Ziehe / © Olaf Holzapfel

Endlich schlägt das Museum für Europäische Kulturen (MEK) wieder mit einer großen Ausstellung auf. „All Hands On: Flechten“ präsentiert Meisterwerke au3s Kunst, Handwerk und Design, anonyme Stücke aus Stroh und Rinde genauso wie die neue Arbeit „Der geflochtene Garten“ (Abb.) von Olaf Holzapfel, Teilnehmer der Documenta vor fünf Jahren. Ein willkommener Anlass für eine U-Bahnfahrt nach Dahlem: das auch Biergärten, Buchhandlungen an der Uni, Parks und dem Landwirtschaftsmuseum Domäne Dahlem wenig entfernt vom MEK einen Ausflug wert ist. Perfekt für ein langes Wochenende.

  • Museum Europäischer Kulturen Arnimallee 25, Dahlem, Di–Fr 10–17, Sa/ So 11–18 Uhr, 8/ 4 €, bis 18 Jahre + Berlin Pass frei, Zeitfenstertickets hier, bis auf Weiteres

Michel Majerus

Installationsansicht “gemälde”, Galerie Neugerriemschneider, Berlin (19.11.–23.12.1994)
Foto: © Michel Majerus Estate, 2022 / Courtesy neugerriemschneider, Berlin

Mit nur 35 Jahren starb Michel Majerus (1967–2002) bei einem Flugzeugabsturz. In seiner kurzen Schaffensphase wurde der Luxemburger Maler und Wahlberliner zu einer prägenden Figur der 90er-Jahre (Abb.). Er vermischte Popkultur und Kunstgeschichte, weitete Malerei von der Leinwand auf den Raum aus, nutzte als einer der ersten digitale Tools. Anlässlich seines 20. Todestages wird sein Werk mit der Ausstellungsreihe „Michel Majerus 2022“ in mehreren Berliner Kunstorten gewürdigt. Zum Auftakt zeigt der Michel Majerus Estate Arbeiten des Künstlers zusammen mit Werken seiner beiden Professoren Joseph Kosuth und K.R.H. Sonderborg.

  • Michel Majerus Estate Knaackstr. 12, Prenzlauer Berg, Sa 11–18 Uhr, bis 18.3.2023

Frauen im Bode-Museum

Sie soll die schönste Frau Europas zu ihrer Zeit gewesen sein: Juliette Recamier, Kopie nach Joseph Chinard um 1800
Foto:  Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt
Sie soll die schönste Frau Europas zu ihrer Zeit gewesen sein: Juliette Recamier, Kopie nach Joseph Chinard um 1800
Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt

Es ist ein bisschen wie auf einer Schnitzeljagd. Wir betreten einen Saal im Bode-Museum und halten Ausschau nach dem Hinweis: ein grün-schwarzer Aufkleber mit der Aufschrift  “Der zweite Blick”. Und dann entdecken wir ihn an der Vitrine neben dem kleinen Bronzerelief (1520) von Hans Schwarz, das die Römerin Lucretia beim Selbstmord zeigt. In einer Hand hält sie den Dolch, mit der anderen streift sie das Oberteil herunter, entblößt ihre Brust. Auf dem dazugehörigen Zettel in einem Kasten neben der Vitrine erwarten uns aber kein Rätsel, sondern Aufklärung: über Lucretias tragische Geschichte genauso wie über die Entblößungsgeste, die letztlich nur der erotischen Aufladung der brutalen Szene dient.

So entdecken wir mehr als 60 weitere Frauendarstellungen, überall in der großen Sammlung spätantiker bis klassizistischer Kunst verteilt. Die innovative Ausstellungsreihe „Der zweite Blick” widmet sich in der zweiten Ausgabe der Frau, genauer den Geschichten und Rollenbildern hinter den Werken – und unterzieht diese einer heutigen, kritischen Betrachtung. Auf sechs thematischen Routen lernen wir Frauen aus Europas (Kunst-)Geschichte und Mythologie kennen, aber auch Berlinerinnen von heute wie die Straßensexarbeiter:innen aus der Kurfürstenstraße.


Mehr Kunst und Ausstellungen in Berlin

Gut zu wissen: Am Museumssonntag ist der Eintritt kostenlos, jeden ersten Sonntag im Monat. Immer gut über das Leben in Berlin informiert: Abonniert jetzt unseren wöchentlichen tipBerlin-Newsletter. Ihr wollt wissen, was in der Gastro-Welt Berlins geschieht? Hier entlang. Unsere Empfehlungen für eure Ohren: Konzerte in Berlin. Tipps und News für Party in Berlin findet ihr in der Club-Rubrik. Nach Feierabend noch was unternehmen? Diese Museen in Berlin sind auch abends länger geöffnet. Immer neue Texte und Tipps findet ihr in unserer Rubrik “Ausstellungen”. Noch nichts vor? Was heute los ist, lest ihr bei den Tageshighlights mit den besten Veranstaltungen in Berlin. Was läuft wann? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin.

Berlin am besten erleben
Dein wöchentlicher Newsletter für Kultur, Genuss und Stadtleben
Newsletter preview on iPad