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Die 12 besten Berlin-Serien von „Türkisch für Anfänger“ bis „4 Blocks“

Berlin ist Sehnsuchtsort für viele – und eine verdammt gute Kulisse. Das stellen zahlreiche Serien unter Beweis, vom tollen Patchwork-Familien-Setting in „Türkisch für Anfänger“ über das historische Krankenhaus-Drama „Charité“ bis zu den kriminellen Unterwelten Neuköllns in „4 Blocks“. 12 richtig gute Serien, die in Berlin spielen, stellen wir euch hier vor.


Türkisch für Anfänger

Könnten kaum unterschiedlicher sein: Josefine Preuß, Elyas M’Barek und Pegah Ferydoni am Set der Berliner Serie "Türkisch für Anfänger". Foto: Imago Images/Lars Reimann
Könnten kaum unterschiedlicher sein: Josefine Preuß, Elyas M’Barek und Pegah Ferydoni am Set der Berliner Serie „Türkisch für Anfänger“. Foto: Imago Images/Lars Reimann

Wenn alleinerziehende Eltern wieder daten, begegnen Kinder dem nicht immer euphorisch. In der Patchworkfamilien-Serie „Türkisch für Anfänger“ wird das auf die Spitze getrieben: Die Psychologin Doris Schneider zieht mit dem Polizisten Metin Öztürk zusammen, und das Liebesglück wäre perfekt, aber um die Eltern geht es nur nebenbei.

Im Vordergrund stehen die drei Kinder, die so ins Patchwork-Chaos gestürzt werden: Die eigenwillige Lena Schneider (Josefine Preuß) muss sich ein Zimmer mit der streng religiösen Yağmur Öztürk (Pegah Ferydoni) teilen – und verliert ihr Herz an deren Macho-Bruder Cem. Diese Rolle war in den drei Staffeln von 2006 bis 2008 der Durchbruch für Elyas M’Barek. Die wunderbare Berlin-Serie geht auf Bora Dagtekin zurück, mit dem wir 2009 über sein Talent als Komödienautor sprachen.


Babylon Berlin

Polizeiarbeit ist auch Papierkram: Volker Bruch als Gereon Rath in der Serie "Babylon Berlin". Foto: ARD Degeto
Polizeiarbeit ist auch Papierkram: Volker Bruch als Gereon Rath in der Serie „Babylon Berlin“. Foto: ARD Degeto

Auf Grundlage der Bestseller von Volker Kutscher („Der nasse Fisch“) entwerfen Achim von Borries, Henk Handloegten und Tom Tykwer mit der Serie „Babylon Berlin“ das Panorama einer überhitzten Moderne kurz vor dem Faschismus. Stars: Volker Bruch als kriegszitternder Kommissar Gereon Rath und Liv Lisa Fries als Lotte Ritter, eine aufstrebende Schreibkraft aus dem proletarischen Milieu, die schnell lernt, was gute Ermittlungsarbeit bedeutet – und dass die Berliner Unterwelt voller Abgründe ist. Zum Start der dritten Staffel von „Babylon Berlin“ führten wir mit Achim von Borries, Henk Handloegten und Tom Tykwer ein (nicht spoilerfreies) Gespräch über historische Momente. Wenn euch interessiert, an welchen Drehorten „Babylon Berlin“ entstanden ist, gibt’s hier unsere Stadtführung.


Charité

Nina Kunzendorf (l.) als Ingeborg Rapoport. 2021 startete die dritte Staffel der Serie "Charité" über Berlins größtes Krankenhaus. Foto: ARD/Stanislav Honzik
Nina Kunzendorf (l.) als Ingeborg Rapoport. 2021 startete die dritte Staffel der Serie „Charité“ über Berlins größtes Krankenhaus. Foto: ARD/Stanislav Honzik

Nawalny und Pandemie sei Dank, dürfte die Charité mittlerweile endgültig zu den berühmtesten Krankenhäusern der Welt zählen. Das Spital in Berlin ist auch Stoff der gleichnamigen Serie, die seit 2017 (Medizin-)Geschichte erzählt. Die erste Staffel unter der Regie von Sönke Wortmann führte ins 19. Jahrhundert, als Rudolph Virchow, Emil Behring, Paul Ehrlich und Robert Koch versuchten, die Tuberkulose zu bezwingen. Die zweite Staffel spielt in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs und löst sich vom US-Vorbild „The Knick“, und 2021 lief die dritte Staffel der Berlin-Serie an.

Wir sind jetzt in der DDR angekommen. Eine schwierige Zeit für Mediziner, denn im Sozialismus fehlte es an allen Ecken und Enden, es wurde viel improvisiert. Medizinische Koryphäen machten eine kurze Phase der Entnazifizierung durch und blieben dann in ihren angestammten Positionen. Und so lernen wir Ärzte wie Inge Rapoport kennen, der viele Kinder in der DDR ihr Leben verdanken. Aber eben auch den Gerichtsmediziner Otto Prokop, der als österreichischer Staatsbürger ein privilegiertes Leben in der DDR führte und Stasi sowie SED immer ein willfähriger Diener war. Aus der Charité wird das renommierteste Krankenhaus im gesamten Ostblock.


Ku’damm

Monika Schöllack (Sonja Gerhardt) wurde der Hauswirtschaftsschule verwiesen und kehrt nach Berlin zurück. Die Serie "Ku’damm 56" ist auch international erfolgreich. Foto: ZDF/Stefan Erhard
Monika Schöllack (Sonja Gerhardt) wurde der Hauswirtschaftsschule verwiesen und kehrt nach Berlin zurück. Die Serie „Ku’damm 56“ ist auch international erfolgreich. Foto: ZDF/Stefan Erhard

Diese Serie über Berlin war 2016 ein Überraschungserfolg, denn von der Geschichte einer Tanzschule im feinen Berliner Westen der frühen 1950er-Jahre hatte sich eigentlich niemand etwas versprochen. Und dann kamen der Grimme-Preis, der Deutsche Fernsehpreis und sogar eine Emmy-Nominierung. Die Mischung aus verschwiemeltem Spießertum und zaghafter Rebellion konnte einfach überzeugen, zog mit „Ku’damm 59“ schnell die erste Fortsetzung nach sich und geht mit schnellen Schritten auf ein weniger verkrampftes Jahrzehnt zu. Dem Look der 1950er-Jahre in Berlin spüren wir auch nach.


Deutschland 83, Deutschland 86, Deutschland 89

Vor der Wende überschlagen sich die Ereignisse. Die Berlin-Serie "Deutschland" spannt einen Bogen von 1983 bis 1989. Foto: UFA Fiction/Anika Molnár
Vor der Wende überschlagen sich die Ereignisse. Die Berlin-Serie „Deutschland“ spannt einen Bogen von 1983 bis 1989. Foto: UFA Fiction/Anika Molnár

Für die deutsche Serienlandschaft war es ein Coup, auch wenn das Publikum in Berlin und anderswo sich daher gedulden musste: Nach der Berlinale-Premiere 2015 war die Serie „Deutschland 83“ von Jörg und Anna Winger erst im US-TV zu sehen, Monate vor dem RTL-Start. Jonas Nay spielt den Grenztruppen-Feldwebel Martin Rauch, der von der HVA, dem Auslandsnachrichtendienst der DDR, als Spion in den Westen geschleust wird.

In der zweiten Staffel „Deutschland 86“ hilft er seiner Agenten-Tante Lenora Rauch (Maria Schrader) beim Einfädeln geheimer Waffengeschäfte mit dem Apartheidregime in Südafrika – denn die DDR ist fast pleite, sie braucht die Devisen. In „Deutschland 89“, der dritten Staffel der Serie, steht das System vorm Kollaps, mit dem Fall der Mauer bricht für die Agenten eine Welt zusammen.


Weissensee

Die mit Preisen überhäufte Berlin-Serie von Annette Hess und Friedemann Fromm schildert das Schicksal der Stasi-Familie Kupfer und den Dissidenten der Familie Hausmann zwischen 1980 und 1991. Julia Hausmann und Martin Kupfer lieben sich, doch ihre Familien trennen DDR-Welten. Julias Mutter ist eine regimekritsche Künstlerin, Martin Volkspolizist, sein Vater und Bruder sind beim MfS. Und die beiden Stasi-Männer schrecken vor fast nichts zurück, um die beiden auseinanderzubringen.

Sehr präzise und einfühlsam erzählt. Die Hauptrollen spielen Hannah Herzsprung, Katrin Sass, Florian Lukas, Jördis Triebel, Uwe Kockisch. Der Schreibfehler im Titel der Serie („Weissensee“) wird auf das Werbematerial der ARD zurück geführt: In Großbuchstaben gab es bei Serienstart noch kein „ß“.


Berlin, Berlin – die Serie

Felicitas Woll (r.) spielt die Hauptrolle in "Berlin, Berlin". Neben ihr: Alexandra Neldel, die mehrere Staffeln lang dabei war – und mit "Verliebt in Berlin" ihren eigenen Serien-Hit hatte. Foto: Imago Images/Scherf
Felicitas Woll (r.) spielt die Hauptrolle in „Berlin, Berlin“. Neben ihr: Alexandra Neldel, die mehrere Staffeln lang dabei war – und mit „Verliebt in Berlin“ ihren eigenen Serien-Hit hatte. Foto: Imago Images/Scherf

Lolle (Felicitas Woll) zieht nach dem Abitur von der norddeutschen Provinz ihrem bald verflossenen Freund nach Berlin (Erkelenzdamm 11-13) hinterher, ver- und entliebt sich, träumt von der Karriere als Comiczeichnerin, wuselt durchs WG-Leben und hadert mit einer komplizierten Dreiecksbeziehung. Besonders schön waren die Zeichentricksequenzen, die die Handlung immer wieder sarkastisch kommentierten. Großartige Drehbücher von David Safier, 86 Folgen in vier Staffeln. 2020 kam mit einiger Verspätung eine Fortsetzung der Berlin-Serie auf die Bildschirme: So ist der Netflix-Film „Berlin, Berlin – Der Kinofilm“.


Unorthodox

Shira Haas als Etsy. Die Serie „Unorthodox“ handelt von ihrem neuen Leben in Berlin, Rückblenden erzählen aus ihrer New Yorker Zeit. Foto: Netflix

Esther Shapiro, genannt Esty, lebt in der ultraorthodoxen jüdischen Community in Williamsburg, New York City. Den streng traditionellen Lebensentwürfen der chassidischen Gemeinschaft, vor allem der gestrigen Geschlechterhierarchie will sie nicht folgen. Sie nimmt Reißaus und zieht nach Berlin, das hier als kosmopolitische Stadt der Freiheit inszeniert wird.

„Unorthodox“ ist die Serienadaption von Deborah Feldmans autobiografischem Debüt als Schriftstellerin, hinter der Verfilmung stehen die Serienmacherin Anna Winger („Deutschland 83“), die Filmemacherin und Autorin Alexa Karolinski („Lebenszeichen“) und die Regisseurin (und Schauspielerin) Maria Schrader. Dass der Moment der Befreiung pointiert mit der Herkunft verbunden ist, schreibt Bert Rebhandl in seiner „Unorthodox“-Rezension. Die Berlin-Serie wurde auch international gefeiert: „Unorthodox“-Regisseurin Maria Schrader erhielt für die vier Episoden einen Emmy.


Counterpart

Nazanin Boniadi in "Counterpart". Die Thriller-Serie zeigt ein Berlin, das sich auch Jahrzehnte später nicht von den Folgen einer Pandemie erholt hat. Foto: Starz
Nazanin Boniadi in „Counterpart“. Die Thriller-Serie zeigt ein Berlin, das sich auch Jahrzehnte später nicht von den Folgen einer Pandemie erholt hat. Foto: Starz

„Counterpart“ spielt in zwei Berlins: Das eine kennen wir, das andere befindet sich in einer Parallelwelt, die sich seit 1987 völlig anders entwickelt hat. Den gut verborgenen Übergang bewacht ein kafkaesker Geheimdienst, zwischen beiden Welten herrscht diplomatische Eiszeit. Die Serie mit J.K. Simmons, Olivia Williams, Harry Lloyd und Nazanin Boniadi in Doppelrollen erforscht psychologisch reizvoll, wie unterschiedlich ein Leben aufgrund nur kleiner Änderungen hätte verlaufen können.

Und „Counterpart“ macht aus Berlin wieder die Stadt der Spione: Zum Kalten Krieg mit Sci-Fi-Upgrade gehören überwachte Wohnungen in Friedenau, ein versteckter Grenzübergang unter dem Flughafen Tempelhof und Agenten, die sich am Kulturforum treffen. Weil die Parallelwelt auch 20 Jahre später noch mit den Folgen einer Pandemie kämpft, gehört „Counterpart“ in unsere Popkultur-Liste über den Untergang Berlins.


Im Angesicht des Verbrechens

„Im Angesicht des Verbrechens“ erzählt von Berliner Gangster- und Polizisten-Milieus, vom Zusammentreffen der müden Berliner Republik mit osteuropäischer Energie, es gibt Machtkämpfe unter Russenmafiosi, sadistische Unternehmer, korrupte LKA-Fahnder und eine leicht haltlose Polizeieinheit, bei deren Mitgliedern die Herausforderung von Privatleben und Berufsalltag ineinander verschmelzen. Zwischen diesen Welten vermittelt ein Polizist (Max Riemelt) aus einer jüdisch-lettischen Familie, die in die Mafiastrukturen eingebunden ist. Auf der Berlinale 2010 hatte das Krimi-Epos Premiere, bevor die Serie im TV gezeigt wurde.


Berlin Station

Charmant: Richard Armitage als CIA-Agent Daniel Miller in der Serie "Berlin Station". Foto: WDR 2020/Paramount Television
Charmant: Richard Armitage als CIA-Agent Daniel Miller in der Serie „Berlin Station“. Foto: WDR 2020/Paramount Television

Daniel Miller, Analyst der CIA, soll in Berlin einen Whistleblower entlarven. Was harmlos klingt, wird schnell zu einem blutigen Debakel. In der zweiten Staffel arbeitet sich der Agent dann in einer Undercover-Mission an einer fiktionalen deutschen Partei namens „Perspektive für Deutschland“ ab, die unter Terrorverdacht steht. In der dritten Staffel betritt „Berlin Station“ dann die globale Bühne der Geopolitik und behandelt eine pro-russische Verschwörung in Estland.

„I’m afraid of Americans“ heißt es im Intro, der Track ist von David Bowie. Der US-Sender Epix produzierte gemeinsam mit dem Studio Babelsberg, die Inszenierung etwas glatt, die Drehbücher einen Tick zu vorhersehbar, aber die Besetzung (Richard Armitage, Richard Jenkins, Rhys Ifans, Michelle Forbes) macht das locker wett. Nach 29 Folgen in drei Staffeln war 2019 Schluss.


4 Blocks

Kida Khodr Ramadan und Veysel Gelin in „4 Blocks“. Die Serie bietet Einblicke in Berlins Straßen und die organisierte Kriminalität. Foto: 2017 Turner Broadcasting System

Auf Neuköllns Straßen regieren arabische Clans. Drogen, Schutzgeld, Raub und zunehmend auch Immobilien sind ihr Geschäft. Familienoberhaupt Toni Hamady muss sich gegen seinen jähzornigen Bruder Abbas behaupten, als überraschend sein alter Kumpel Vince auftaucht. Starke Bilder, dicke Karren, authentische Dialoge und harter Hip-Hop zeichnen diese Serie über Kriminalität in Berlin aus. „4 Blocks“ nimmt einen für deutsche Verhältnisse ungewohnten Blickwinkel ein: Die Perspektive der Polizei spielt keine Rolle, die Serie arbeitet mit Innenansichten aus Berlins Unterwelt. Zum Start der zweiten Staffel sprachen wir mit Hanno Hackfort, Richard Kropf und Christoph Bob Konrad, den „4 Blocks“-Autoren, über ihr Projekt. 2019 endete die Berlin-Serie dann nach drei Staffeln.


Mehr Filme und Serien aus Berlin

In neueren Produktionen ist Berlin oft eine Stadt voller Abgründe. Lest hier, welche Gemeinsamkeiten wir in „Dogs of Berlin“, „4 Blocks“ und „Beat“ sehen. Die Stadt ist ziemlich gruselig, wenn sie es sein will: Diese 12 Horrorfilme spielen in Berlin. Hier sind die 1920er-Jahre zum Leben erwacht: Wir zeigen euch die Berliner Drehorte von Babylon Berlin. Und ein großer Netflix-Hit entstand zu großen Teilen hier: Das sind die Drehorte von „Das Damengambit“ in Berlin. Ihr wollt euer cineastisches Wissen aufbessern? 100 Berlin-Filme, die ihr gesehen haben müsst.