Tanzabende

Tanzbars in Berlin: Tanzfieber trifft auf Wohnzimmeratmosphäre

Ob kleine Filmkunstbar, urige Tanzkneipe oder Livemusik-Bar mit regelmäßiger DJ-Einlage: In Berlin gibt es diese Orte, an denen zu einer unbestimmten Zeit die Stühle zur Seite gerückt werden und der Bar-Boden zum Dancefloor wird. Wo ihr fast sieben Tage die Woche abtanzen könnt, ohne davor vorm Club Schlange gestanden haben zu müssen, erfahrt ihr hier!


Heute lieber wild sein: im Süß war gestern

Die Tanzbar mit dem Häschen mit Machete: Süß war gestern. Foto: Karsten Schmidt

Süß war vielleicht gestern, heute wird geshaket: in der urigen Tanzbar “Süß war gestern” wird mitten in Friedrichshain fast täglich von wechselnden DJs aufgelegt. Meistens eine Mischung aus elektronischem Down Tempo und Funky Beats – die ebenso meistens tanzbar sind. Das Süß hat keine separate Tanzfläche, aber wenn die Leute vermehrt zur Musik aufstehen, werden die dicken Sofas und Sessel zur Seite geschoben, was dann einen Dancefloor ergibt. Der Eintritt in die Bar ist umsonst, in der Regel wird jedoch eine Spende von ein bis drei Euro für die/den DJ:ane erbeten.

  • Süß war gestern Wühlischstraße 43, Friedrichshain, Mo-Sa 19-5 Uhr, sonntags geschlossen, online

Im Keller des Fitzcarraldo die Hüllen fallen lassen

Während der Hochzeiten von Corona leider geschlossen, doch jetzt wird im Fitzcarraldo nachts wieder eng an eng getanzt. Foto: Imago/Jürgen Held

Das Fitzcarraldo ist wahrlich ein Filmarchiv UND Kunst mit seinem Keller, in dem zwischen den DVD-Regalen am Wochenende eng an eng getanzt wird UND es ist eben auch eine Bar – kurz, eine Filmkunstbar. Das Fitzcarraldo ist also ein Multitalent, unter der Woche geht es eher gediegen zu, das Bier wird an der Bar genossen und Menschen stöbern durch die umfangreiche DVD-Videothek. Manchmal gibt es auch Filmveranstaltungen, bei denen Arthouse-Filme gezeigt werden. Am Wochenende dann führt die unscheinbare, schmale Treppe in eine Sauna-Tanzhöhle, aus der man glücklich und gefühlte zwei abgetanzte Kilo leichter wieder herauskommt.

  • Filmkunstbar Fitzcarraldo Reichenberger Straße 133, Kreuzberg, Mo-So 17-6 Uhr, online

Im August Fengler Berliner Kneipenkultur leben

Vom Sofa bis zur Tanzfläche sind es nur wenige Schritte: das August Fengler in Prenzlauer Berg. Foto: Imago/Steinach

Ein Holztresen, viele bunte Glitzerleuchten und rote Sofas: Die ehemalige Kegelstube August Fengler ist heute eine Bar mit Tanzfläche. “Gemütliches Rocken statt großer Diskonummer” heißt es auf der hauseigenen Website. Das ist ein wenig untertrieben – wenn man abends unverhofft oder geplant in der Bar mitten in Prenzlauer Berg landet, kann es schon mal hoch hergehen. Donnerstag bis Sonntag wird im Fengler zu Livemusik mit DJ:ane getanzt – von Montag bis Mittwoch kann bei Bier und Wein außerdem der Tischtennisschläger geschwungen oder gekickert werden.

  • August Fengler Lychener Straße 11, Prenzlauer Berg, Mo 18-3 Uhr, Di+Mi 17-3 Uhr, Do 17-4 Uhr, Fr+Sa 18-5 Uhr, So geschlossen, online

Am Ende der Bohnenranke den Dancefloor finden: Bohnengold

Noch Tanzbar oder schon Club? Diskokugel, rotes Licht, (noch) viel Platz zum Tanzen: was will man mehr? Foto: S.Schweizer/Bohnengold

Das Bohnengold in der Reichenberger Straße ist ein Klassiker unter den Tanzbars. Hier sitzt man auf Holzstühlen, zwischen unverputzten Wänden im dämmrigen Licht, im zweiten Raum gibt es einen Kicker und Tischflipper, von dort führt eine schmale Treppe geradewegs zur Dance-Area mit Underground-Feeling. Von Techno über House und Rock bis Jazz ist hier in langen Nächten alles Mögliche zu hören. Die Türsteher dieser Tanzbar haben den Dreh raus, sympathisch aber bestimmt zu sein. Am Ende ist der Sauerstoff meist knapp, aber die Stimmung bombastisch gut!

  • Bohnengold Reichenberger Straße 153, 10999 Kreuzberg, Mo-Mi geschlossen, Do-So 20-6 Uhr, online

Im Kumpelnest 3000 sanfte Abstürze feiern

Im schummrigen Licht des Kumpelnest 3000 in den Feierabend starten. Foto: Imago/Charles Yunck

Eigentlich ist das Kumpelnest 3000 keine offizielle Tanzbar. Die Kultkneipe im Ortsteil Tiergarten auf der Grenze zu Schöneberg verfügt über keinen Dancefloor, aber ab einer unbestimmten Zeit werden die Böden des Kumpelnests abends einfach dazu gemacht. Der Name ist hier Programm: meist ist es rappelvoll und verraucht, es ist wie eine Nacht unter guten Kumpel:innen im eigenen Wohnzimmer und das bei gefühlten 3000 Grad. Hier ist schon so manche:r von den gut gefüllten Drinks abgestürzt, aber meist auch weich gelandet, da im Zweifelsfall fünf Leute seeehr dicht um einen herum stehen.

  • Kumpelnest 3000 Lützowstraße 23, Tiergarten, Mo-Mi 19-5 Uhr, Do-Sa 19-7 Uhr, So 19-2 Uhr, online

Einfach mal nicht fragen: “Zu mir oder zu dir”, sondern bleiben

Der perfekte Bildausschnitt für das rot ausgeleuchtete Zu dir oder zu mir in Prenzlauer Berg. Foto: Imago/David Heerde

Zu mir oder zu dir? Diese Frage stellt sich in der gleichnamigen Bar in Prenzlauer Berg erstmal nicht: man bleibt einfach dort, in diesen rot ausgeleuchteten Räumen auf den gemütlichen Sesseln und Sofas mit Retro-Charakter. Anders als Cafés wie das Oberholz, die den vergangenen Jahrzehnten eine Wandlung in Richtung Hipster-Dasein durchgemacht haben, ist im “Zu mir oder zu dir” gefühlt noch alles wie vor 20 Jahren: entspannter, unaufdringlicher. Für den richtigen Groove wird regelmäßig live aufgelegt und wenn die Stimmung von gemütlich zu belebt übergeht, auch dazu getanzt.

  • Zu mir oder zu dir Lychener Straße 15, Prenzlauer Berg, Mo-So 19-4 Uhr, online

Nach guten Drinks auf der sich drehenden Tanzbühne wirbeln: im Haus am See und dem dazugehörigen Cosmic Kaspar

Unter dem Haus am See findet ihr Cosmic Kaspar. Foto: Sarah Humeniuk

Im Haus am See mitten am Rosenthaler Platz in Mitte wird von morgens bis zum nächsten Morgen das ganze Programm angeboten: ab 10 Uhr bekommt man hier Kaffee und Gebäck, nachmittags darf das erste Bier geöffnet werden (oder auch zum Frühstück, your choice) und abends werden die Drinks mit guter Live- oder DJ-Musik gepaart. Zugegeben: durch die zentrale Lage und den ein oder anderen Google-Eintrag ist dieser Laden oftmals stark touristisch besucht.

Aber umso besser lassen sich hier neue Leute kennen lernen und wenn dann noch das Cosmic Kaspar, die drehbare Tanzfläche der Bar, öffnet, steht einem berauschenden, durchtanzten Abend nichts mehr im Weg.

  • Mein Haus am See und Cosmic Kaspar Rosenthaler Platz, Brunnenstraße 197 und 199, Mitte, Mo-So 10-6 Uhr, online (Haus am See) und online (Cosmic Kaspar)

Im Berliner Kultschuppen Monarch zu Country bis Elektro abhotten

Mit weitem Blick über den Kotti: das Monarch in Kreuzberg. Foto: Imago/Pop-Eye

Wer in Berlin seine 20er, 30er verbringt, viel in Kreuzberg unterwegs ist, das Nachtleben feiert und noch nie im Monarch war … da wissen wir jetzt auch nicht, wie der Satz zu Ende gehen soll. Die Bar, die auf der gleichen Höhe wie die ein- und ausfahrenden U-Bahnen am Kottbusser Tor liegt, ist in ihrem Ambiente schlicht gehalten, die Drinks sind passabel und das Klientel entspannt. Die Musikrichtungen schwanken zwischen Country und Elektropop, man muss also immer schauen, was einem davon eher zusagt. Ansonsten: enjoy a chilly milly dancing-night!

  • Monarch Skalitzer Straße 134, Kreuzberg, Mo-Do geschlossen, Fr 19-23 Uhr, Sa 22-6 Uhr, So geschlossen, online

Im Promenaden Eck Britney und Co. nochmal hochleben lassen

Disko, Disko, Party, Party: klares Wochenendmotto im Promenaden Eck. Foto: Promenaden Eck

Am Rande des Tempelhofer Felds im Schiller Kiez gibt es so manche urige Kneipe mit 60/70er-Jahre-Flair. Auch das Promenaden Eck behält sich diesen nostalgischen Charme, jedoch wird hier insbesondere an den Wochenenden zudem fleißig getanzt. Wer abends noch nicht so weit ist, kann sich erst noch an der Tischtennisplatte und bei soliden Mojitos und Whiskey Sour aufwärmen. Zum weiteren Aufheizen wird die Tanzbar mit DJ:ane Live-Musik beschallt. Die Lieder und Tracks reichen dabei von Hiphop über Elektro bis hin zu Klassikern aus den 80er-00ern. PS: Ebenso wie im “Süß war gestern” scheint es hier Regel zu sein, dass man am Ende der Nacht nicht allein nach Hause geht. Na dann frohes: Oops I did it again!

  • Promenadeneck Schillerpromenade 11, Neukölln, Mo-Do geschlossen, Fr+Sa 19-7 Uhr, So geschlossen, online

Im Schokoladen lieb miteinander umgehen und dancen

Im Schokoladen ist eigentlich immer gute Stimmung, was am tollen Publikum, aber auch an den guten Drinks liegen mag. Foto: Imago/Sven Lambert

Der gute Schokoladen war mal eine Fabrik, in der, naja, Schokolade hergestellt wurde. Inzwischen ist es ein alternatives Kulturzentrum, wo außer exquisiten Getränken auch Livemusik ausgegeben wird, die in diverse Richtungen geht. Von Reggae über PowerPop und Ska bis hin zu Indie und Rock ist hier alles dabei. Das Schokoladen versteht sich als integrativer Ort, für alle die Lust haben Kultur zu (er-)leben. Neben Karaoke- und queeren Punk-Elektro-Nächten (welch Fusion!) und Lesungen wird hier regelmäßig zur live gespielten Musik abgedanct.

  • Schokoladen Ackerstraße 169, Mitte, Mo geschlossen, Di-Do 19-2 Uhr, Fr+Sa 19-3 Uhr, So geschlossen, online

Zu guten Drinks in der Sharlie Cheen Bar in den Morgen wippen

Experimenteller Wandbehang und gemütliche Sofas: das Sharlie Cheen in Mitte. Foto: Sharlie Cheen Bar

Das Sharlie Cheen deklariert sich zwar nicht als Tanzbar, aber die Musik ist hier so gut, dass mindestens auf den Stühlen mitgewippt wird. Sharlie Cheen ist ein fiktiver Playboy, 1915 irgendwo in Europa geboren. So steht es auf der Website der gleichnamigen Bar, in der man an jedem Tag der Woche von schwarz gekleideten Barkeeper:innen hochwertiges Hochprozentiges gereicht bekommt. Frei nach dem Gusto der erfundenen Figur des Sharlie Cheen, dem der Hang zum Alkohol angedichtet wird, werden die Gläser hier jeden Abend ab 18 Uhr bis zum Rand gefüllt. Die Bar mit Retro-Chic-Ambiente und verzierten Decken hat außer guter Trinkkultur und einer Straßenterrasse auch einen großräumigen Innenbereich zu bieten.

  • Sharlie Cheen Bar Brunnenstraße 196, Mitte, Mo-Do 18- 2 Uhr, Fr+Sa 18-3 Uhr, So 18-2 Uhr, online

Im Soulcat tanzen Mäuse und Katzen gleichermaßen auf den Tischen

Im Soulcat heißt es: Vinyl only. Foto: Wowbagger T.

Im Soulcat ist vieles Ton in Ton: die Wände, die Stühle, das Licht, alles gibt sich in einem satten Bordeaux-Rot. Kombiniert mit den echten Kerzen am Tresen und der Tatsache, dass in der 50er&60er Musikbar “Vinyl only” aufgelegt wird, sind die besten Voraussetzungen für eine gemütliche Umgebung mit Tanzatmosphäre geschaffen. Neben R’n’B und Rock wird hier auch regelmäßig Soul gespielt – wie der Name ja irgendwie auch vermuten lässt. Was ansonsten in der Bar so geht, beschreibt die Kreidetafel am Eingang mit am besten: “Musicbar (…). Best Mexikaner Shot in Town…und manchmal Fußball.”

  • Soulcat Music Bar Pannierstraße 53, Neukölln, Mo-Mi 18-1 Uhr, Do 18-2 Uhr, Fr+Sa 18-3 Uhr, So geschlossen, online

Mehr Tanz und Bar

Was das Nachtleben in Neukölln: Underground Clubs und Eckkneipen mit sich bringt, erfahrt ihr hier. Und was Neukölln kann, kann der Prenzlauer Berg auch: Nachtleben in Prenzlauer Berg: von Kulturbrauerei bis Mensch Maier. Trinken geht natürlich auch mal ohne tanzen, zum Beispiel in Bars in Friedrichshain: Kultige Kiezkneipen und elegante Trinklokale. Wieso nicht die eigene Box aufstellen und ein bisschen dancen, zum Beispiel bei guten Drinks am Wasser in Berlin: hier gibt’s den Schwips am Ufer.

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