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Bunker in Berlin – und wie sie heute genutzt werden

Bunker in Berlin sind zumeist Relikte des Krieges. Als Schutzraum dienen sie nicht mehr, stattdessen haben die massiven Bauten ganz unterschiedliche neue Nutzungen erfahren. Manche stehen zwar noch leer, andere beherbergen aber nun Kunstsammlungen, dienen als Kletterwand oder waren Schauplatz exzessiver Partys. Doch die friedliche Nutzung ist ein relativ neues Phänomen. Die massiven Bauwerke erzählen immer von düsteren Kapiteln der Stadtgeschichte. 12 Bunker, ihre Geschichte und ihre heutige Nutzung stellen wir hier vor.


Leerer Riese in Karlshorst: Hochbunker der militärischen Pionierschule

Hochbunker der militärischen Pionierschule an der Zwieseler Straße in Karlshorst. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Karlshorst ist ein kleines Idyll. Ruhig und grün und gar nicht mal so weit weg vom Zentrum. Hier reihen sich die schicken Villen an luxuriöse Neubauten. Eine gute Adresse. Mittendrin steht ein massiver Koloss. Der Hochbunker der militärischen Pionierschule wurde 1940 erbaut und konnte 500 Personen Schutz bieten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von den sowjetischen Streitkräften genutzt. Jetzt steht er unter Denkmalschutz und ist leer. Ideen für eine Nutzung kursieren seit Jahren, etwa als Ausstellungshaus, Jugendeinrichtung oder Club. Eine Entscheidung hat der Bezirk aber bislang noch nicht getroffen.

  • Hochbunker der ehemaligen Pionierschule I Zwieseler Straße, Karlshorst

Erst Technoclub, jetzt Privatmuseum von Christian Boros

Der ehemalige Bunker ist heute Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst vom Sammler Christian Boros. Foto: Imago/Travel-Stock-Image

Die Nazis ließen noch 1943 den monströsen Hochbunker in die Mitte der Stadt bauen. Nach Plänen des Architekten Karl Bonatz schufteten tausende Zwangsarbeiter an dem quadratischen Bau, der im Notfall Bahnreisenden Schutz bieten sollte. Die Sowjets nutzen den Bunker nach dem Krieg als Untersuchungsgefängnis, später diente er als Textillager und Lagerfläche für Südfrüchte, weshalb ihn die Ost-Berliner auch gerne „Bananenbunker“ nannten.

Nach der Wende folgte eine kurze und wilde Zeit, als der labyrinthische, lichtlose und mit meterdicken Wänden ausgestattete Betonklotz von der Technoszene vereinnahmt wurde. Neben E-Werk und Tresor gehörte der „Bunker“ zu den wichtigsten Berliner Clubs der 1990er-Jahre – bis zur Schließung im Jahr 1996.

2003 kaufte der Kunstsammler Christian Boros den Kasten, baute sich ein Privatmuseum und ein Penthouse hinein beziehungsweise darauf und residiert seitdem exklusiv an der geschichtsträchtigen Adresse. Die Sammlung Boros kann nach Anmeldung besichtigt werden.

  • Sammlung Boris Reinhardtstraße 20, Mitte, Tickets und Termine für Führungen hier

Ort der Erinnerung: Hochbunker am Pallasseum

Siedlung Pallasseum, auch Sozialpalast genannt, mit Bunker. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Siedlung Pallasseum, auch Sozialpalast genannt, mit Bunker. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Nazis ließen den viergeschossigen Bunker, der damals in der Nähe des längst abgerissenen Berliner Sportpalastes stand, ab 1943 von Zwangsarbeitern errichten. Allerdings kam man bis zum Kriegsende über den Rohbau nicht hinaus. Nach dem Krieg sollte der Hochbunker, der heute direkt an den berüchtigten Pallaseum-Wohnblock grenzt, gesprengt werden. Das hat nicht funktioniert, so diente er in West-Berliner Zeiten als Zivilschutzanlage.

2002 wurde hier ein „Ort der Erinnerung“ eingeweiht, um auf das Schicksal von Zwangsarbeitern aufmerksam zu machen. Seit 2011 steht die Anlage unter Denkmalschutz.

  • Hochbunker Pallasstraße Pallasstraße 28, Schöneberg

Der „Luna-Bunker“ in der Schönholzer Heide

Bunker im Wald, Schönholzer Heide. Foto: Imago/Rolf Zöllner
Bunker im Wald, Schönholzer Heide. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Wer am S-Bahnhof Schönholz aussteigt und einen Spaziergang zur Schönholzer Heide macht, kann sich ein gutes Stück Berliner Geschichte erwandern. Der Mauerweg verläuft hier, nicht weit steht das Sowjetische Ehrenmal, und vor einigen Jahren fand der Pankower Hobbyforscher Christian Bormann im Gestrüpp am Bahndamm ein Stück der Berliner Ur-Mauer. Segmente des antifaschistischen Schutzwalls aus der ersten Bauphase des Jahres 1961.

In dem kleinen Wäldchen auf Seite Hermann-Hesse-Straße stößt man auf einen oberirdischen Bunker. Auch „Luna-Bunker“ genannt, weil sich dort der Vergnügungspark „Luna“ befand. Ursprünglich sollte der Bau die Anwohner vor Bombenangriffen schützen. Weil er zu klein war, wurde er zum Nachrichtenbunker umfunktioniert und steht seit 1945 leer. Der Luna-Bunker zerfällt mittlerweile. Da seine Existenz in der Schönholzer Heide niemanden stört, ist auch kein Abriss geplant.

  • Luna-Bunker Schönholzer Heide, Pankow

Der „Bunker der Hoffnungslosen“ in Kreuzberg

Fichtebunker in der Fichtestraße, Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning
Fichtebunker in der Fichtestraße, Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning

Erbaut wurde der markante Rundbau um 1880 und diente bis zur NS-Zeit als Gasometer. Dass die Straßenlampen in der preußischen Metropole leuchteten, verdankten die Berliner auch dem Bau in der Fichtestraße. Ab 1940 haben die Nazis im Rahmen des „Bunkerbauprogramms für die Reichshauptstadt“ den Gasometer in einen Bunker umfunktioniert.

Bis zu 30.000 Kreuzberger fanden in den Bombennächten darin Schutz. In den 1950er-Jahren richtete der Senat in dem fensterlosen Gebäude ein Altenheim und ein Obdachlosenasyl ein, den die Berliner den „Bunker der Hoffnungslosen“ nannten. Nach einem Mord wurde die Einrichtung geschlossen und bis zur Wende als Lager für Lebensmittelreserven genutzt.

Heute ist der obere Bereich zu Lofts ausgebaut, den unteren Bereich nutzt der Verein Berliner Unterwelten für Führungen zur Geschichte des Gebäudes. In den Führungen wird die Zeit des Bombenkriegs und die Schicksale von Kriegsflüchtlingen und Obdachlosen erläutert.

  • Fichtebunker Fichtestraße 6, Kreuzberg

Hitlers Projekt: Flakturm im Humboldthain

Bunker Berlin: Bunker auf dem Gelände des Reichsbahnausbesserungswerks. Foto: Imago/CommonLens
Bunker im Volkspark Humboldthain. Foto: Imago/Schöning

Die massiven Flaktürme im Volkspark Humboldthain wurden auf direkten Befehl Adolf Hitlers gebaut. Die mit schweren Geschützen ausgestatteten Anlagen sollten die Stadt bei alliierten Angriffen verteidigen. Die darunter liegenden Bunker, massive Stahlbetonkonstruktionen, boten zudem Schutzräume für tausende Menschen.

Nach dem Krieg haben die US-Amerikaner große Teile der Flaktürme gesprengt, wobei noch einige Bereiche zugänglich sind, die man im Rahmen von Führungen des Berliner Unterwelten e.V. erkunden kann. Die Außenwände werden von Kletterenthusiasten sportlich genutzt.

  • Flakturm Volkspark Humboldthain, Wedding

Der Kletterkegel auf dem RAW-Gelände

Bunker auf dem Gelände des Reichsbahnausbesserungswerks. Foto: Imago/CommonLens
Bunker auf dem Gelände des Reichsbahnausbesserungswerks. Foto: Imago/CommonLens

Der Betonkegel auf dem Friedrichshainer RAW-Gelände ragt massiv über dem Club-Areal in den Himmel. Zwischen dem Cassiopeia und Badehaus wird an den Außenwänden des in der NS-Zeit errichteten, mittlerweile denkmalgeschützten Luftschutzbunkers geklettert. Der zylindrische Sichtbetonturm verfügt über ein Kegeldach aus Eisenbeton, was dem Bunker den heutigen Namen einbrachte: Kletterkegel.

  • Der Kegel Revaler Straße, Friedrichshain, mehr Infos hier

Mysteriöser Archivbunker unter dem Flughafen Tempelhof

Bunker Berlin: Düsterer Archivbunker mit Wandkritzelei im Untergeschoss des Flughafengebäudes in Tempelhof. Foto: Imago/Martin Bäuml Fotodesign
Düsterer Archivbunker mit Wandkritzelei im Untergeschoss des Flughafengebäudes in Tempelhof. Foto: Imago/Martin Bäuml Fotodesign

Der Flughafen Tempelhof ist ein herausragendes Beispiel der nationalsozialistischen Architektur in Berlin. Das Bauwerk gehört zu den flächenmäßig größten Gebäuden der Welt. Beträchtliche Teile der Anlage befinden sich unter der Erde. So auch der ehemalige Archivbunker.

Dieser enthielt Karten und Filme auf Zelluloid, die 1945 bei der Öffnung durch die Rote Armee in einem gewaltigen Feuer verbrannten. Drei Tage sollen die Flammen gewütet haben, bis heute sind die Brandspuren noch sichtbar. Was dort vernichtet wurde, weiß niemand so genau. Der Berliner Unterwelten e.V bietet auch hierzu unterirdische Stadtführungen an.

  • Flughafen Tempelhof Platz der Luftbrücke, Tempelhof

Exit-Game Berlin: Rätsel lösen im alten DDR-Bunker

Exit-Games Berlin in alten DDR-Bunker in der Klosterstraße. Foto: Imago/Bernd Friedel
Exit-Games Berlin in alten DDR-Bunker in der Klosterstraße. Foto: Imago/Bernd Friedel

Knifflige Rätsel im Team lösen. Sich durch labyrinthartige Gänge und verborgene Räume bewegen und auf Symbole und geheimnisvolle Objekte achten, all das gehört zu den Escape-Games. Die abenteuerlichen Spiele für Erwachsene sind ein anhaltender Trend.

In Berlin sind einige Escape-Games-Anbieter auf dem Markt, die sich verschiedenen Themen widmen, von historischen Geschichten, Kriminalfällen bis zu Fantasy-Welten. Exit-Game Berlin nutzt einen unterirdischen DDR-Fernmeldebunker unter der Klosterstraße für verschiedene spannende Live-Escape-Games.

  • Exit-Game Berlin Klosterstraße 62, Mitte, mehr Infos hier

Hochbunker Heckeshorn

Bunker Berlin: Hochbunker am Heckeshorn Foto: Holger Happel/Berliner Unterwelten e.V.
Hochbunker am Heckeshorn Foto: Holger Happel/Berliner Unterwelten e.V.

Ende der 1930er-Jahre baute der Architekt Eduard Jobst Siedler die Reichsluftschutzschule an vornehmer Adresse direkt am Wannsee. Auf dem Gelände entstand nach Kriegsausbruch auch ein Hochbunker. Der sechsgeschossige Bau verfügt über eine derart massive Konstruktion, dass er zu den stabilsten und kompaktesten Bunkeranlagen der Stadt gehört.

Aus dem Bunker heraus hat die Stabsleitung der Luftwaffe, gut geschützt, die Kriegsaktivitäten koordiniert. Nach dem Krieg nutzte die Landespostdirektion den Bunker in Berlin als Sendestelle für drahtlosen Nachrichtenverkehr. Ende der 1980er-Jahre richtete der Berliner Senat in dem Bau ein Notkrankenhaus ein. Ab 2001 wurden große Teile der Einrichtung rückgebaut. Ein Großteil der Einrichtung wurde an andere Krankenhäuser in Europa verschenkt. Übrig geblieben vom Hochbunker Heckeshorn sind einige Bettenräume, vier OP-Säle, die Räume der Röntgenabteilung und zwei Notstromaggregate.

  • Hochbunker Heckeshorn Am Großen Wannsee 72, Zehlendorf

Der Führerbunker

Eingang zur Ausstellung der Dokumentation Führerbunker im Berlin Story Bunker am Anhalter Bahnhof in Berlin. Foto: Imago/IPON
Eingang zur Ausstellung der Dokumentation Führerbunker im Berlin Story Bunker am Anhalter Bahnhof in Berlin. Foto: Imago/IPON

Berlins berühmt-berüchtigtster Bunker war der Führerbunker, der sich in der Wilhelmstraße, unweit des Anhalter Bahnhofs befand. Im Garten der abgerissenen Alten Reichskanzlei ließ Hitler einen Luftschutzbunker einrichten, der Bau diente ihm am Kriegsende als Hauptquartier.

Dort begingen Hitler und Eva Braun am 30. April 1945 Selbstmord. Nach 1945 gab es mehrere Versuche, den historisch belasteten Betonbau zu sprengen und abzutragen. Doch erst 1989 ist er vollständig aus dem Stadtbild verschwunden, wobei sich massive Betonelemente immer noch im Boden befinden.

Das Berlin Story Museum zeigt seit einigen Jahren im nicht weit entfernten Anhalter Bunker in der Schöneberger Straße die Ausstellung „Dokumentation Führerbunker“. Im Mittelpunkt steht der originalgroße Nachbau von Adolf Hitlers Bunker-Arbeitszimmer. Mehr Infos über den sogenannten Führerbunker und das Berlin Story Museum lest ihr hier.

  • Berlin Story Museum Schöneberger Straße 23A, Kreuzberg, online

Mehr Kunst in Bunkern in Berlin: Feuerle Collection

Bunker Berlin: Ausstellungsräume der Feuerle Collection. Foto: Gilbert McCarragher
Ausstellungsräume der Feuerle Collection. Foto: Gilbert McCarragher

Eine beeindruckende Location hat der Kunstsammler Désiré Feuerle für die Feuerle Collection gefunden, einen Bunker am Halleschen Ufer. Man betritt die Sammlung durch den dunklen „Sound Room“, in dem von John Cage komponierte minimalistische Klänge andeuten, wohin die Reise geht: In eine sehr besondere Welt – die sogar mit einem „Lake Room“ aufwarten kann, in dem ein unterirdischer See durch seine Spiegelungen faszinierende Raumbilder erzeugt.

In den von dem britischen Architekten John Pawson renovierten Räumlichkeiten in diesem Berliner Bunker werden in einem spannenden Dialog zeitgenössische Positionen wie James Lee Byars oder Anish Kapoor Artefakten gegenübergestellt, die aus einem Zeitraum von 200 v. Chr. bis ins 18. Jahrhundert stammen, darunter Khmer-Skulpturen und chinesische Gelehrtenmöbel aus Hang- und Quing-Dynastie.

  • Feuerle Collection Hallesches Ufer 70, Kreuzberg, online

Mehr düstere Architektur in Berlin

Wer mehr Zeit im Untergrund verbringen will: Diese 12 Berliner-U-Bahnhöfe sind einen Besuch wert – auch ohne Ticket. In Berlin haben dabei zwei Architekten prägend: Wir zeigen euch die schönsten Bauwerke von Alfred Grenander. Und blicken auf die Zeit zurück, in der Rainer G. Rümmler die U-Bahn-Architektur prägte. Die Räume unter der Erde faszinieren euch? Tunnel in Berlin: Die dunkle Seite der Architektur. Radikale Bauwerke von Schwerbelastungskörper bis Trudelturm: Betonbauten und Brutalismus in Berlin erläutern wir hier. Immer neue Texte über alte und neue, schöne und schlimme Architektur in Berlin findet ihr hier. Wir haben auch die wichtigsten Orte und Bauwerke in unserem Architektur-Guide zusammengefasst.