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Charlottenburg in den 1960er-Jahren: Der alte Glanz des Westens

Charlottenburg in den 1960er-Jahren, das Herz von West-Berlin. Lange bevor es die Kreativen und Unangepassten nach Kreuzberg zog, pulsierte die Gegend rund um den Kurfürstendamm. Hier lebten Hippies neben berühmten Modedesignern, große Schauspieler neben Spießbürgern. Die wilden Zeiten in der City West sind heute vor allem ein Mythos der Mauerstadt. Viel hat sich verändert, einiges ist geblieben: Wir zeigen euch Fotos von einer teilweise gar nicht so anderen Zeit.


Weite Sicht und schöne Autos auf dem Kaiserdamm

Der Kaiserdamm, 1960. Foto: Imago/serienlicht

Weiter Horizont auf dem Kaiserdamm: Das Foto von der Charlottenburger Prachtstraße wurde Anfang der 1960er-Jahre geschossen. Abgesehen von den Autos, die über die vielen Spuren fahren, und der Höhe der Bäume hat sich hier nicht viel verändert. Im Hintergrund sieht man die Siegessäule und das gerade fertig gestellte Telefunken-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz. Mit 80 Metern Traufhöhe war es bis zur Fertigstellung des Europa-Centers im Jahr 1965 das höchste Hochhaus Berlins.


Charlottenburg in den 1960ern: Der neugestaltete Ernst-Reuter-Platz

Der Ernst-Reuter-Platz, 1961. Foto: Imago/Erich Andres/UnitedArchives
Der Ernst-Reuter-Platz, 1961. Foto: Imago/Erich Andres/UnitedArchives

Zugegeben, der Ernst-Reuter-Platz ist bei Weitem nicht der beliebteste Berliner Platz. Für viele ist es ein Horror, den richtigen U-Bahnausgang zu finden, oder mit dem Auto aus dem riesigen Kreisverkehr zu entkommen. Trotzdem gilt der 1955 neugestaltete Verkehrsknotenpunkt in Charlottenburg neben dem Hansaviertel als eines der prägnantesten Beispiele des autogerechten Städtebaus der Nachkriegsmoderne.


West-Berliner Ikone: Das Europa-Center

Das Europa-Center, 1966. Foto: Imago/serienlicht
Das Europa-Center, 1966. Foto: Imago/serienlicht

Der Investor Karl Heinz Pepper beauftragte 1963 die Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg mit dem Bau eines Büro- und Einkaufszentrums nach amerikanischem Vorbild, schon bald wurde das moderne Europa-Center zum Symbol der Mauerstadt. Die West-Berliner Ikone Christiane F. stürmte im Film aufs Dach. Im Europa-Center fühlt man sich auch heute noch wie im alten West-Berlin.

Das modernste Kino der 1960er-Jahre liegt unter Saturn begraben. Das Filmtheater verfügte über die größte gekrümmte Projektionswand der Welt. Diese war um 120 Grad geschwungen und maß 420 Quadratmeter. Das Berlinale-Werbebanner passte perfekt in die Szenerie. In den 2000er-Jahren schloss das Kino. Bei der Vielzahl der neuen Multiplex-Kinos half auch die Riesenleinwand nicht mehr. Wir vermissen den Royal Palast und noch einige andere Dinge aus West-Berliner Zeiten.


Charlottenburg in den 1960ern: Modeschau am Schloss Charlottenburg

1960er-Jahre-Mode präsentiert von Models am Schloss Charlottenburg, 1966. Foto: Imago/ZUMA/Keystone
1960er-Jahre-Mode präsentiert von Models am Schloss Charlottenburg, 1966. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Das Schloss Charlottenburg ist Berlins prächtigstes Stadtschloss. Und Zeugnis einer Liebesgeschichte: Zu Ehren der ersten Königin von Preußen, Sophie Charlotte, benannte ihr Gemahl Friedrich nach ihrem Tod gleich eine ganze Siedlung „Charlottenburg“. Der Modedesigner Heinz Oestergaard hätte sich wohl keinen besseren Ort für die Präsentation seiner „Swinging Life“-Kollektion aussuchen können. Die Outfits der Models verbinden klassische Eleganz mit den Trends der 1960er. Alle Infos zum Schloss Charlottenburg gibt es hier.


Die Tram am Europa-Center

Die Tram am Europa-Center, 1966. Foto: Imago/serienlicht

Auch in West-Berlin gab es Straßenbahnen. Anders als im Ostteil der Stadt setzte man hier ab den 1950ern jedoch auf den Ausbau des U-Bahn- und Individualverkehrs. Am 2. Oktober 1967 wurde mit der Linie 55, die vom Bahnhof Zoo bis nach Hakenfelde in Spandau führte, die letzte West-Berliner Straßenbahn stillgelegt. Die Straßenbahn in Ost-Berlin bewährte sich als nachhaltiges und verlässliches Verkehrsmittel. Heute werden tatsächlich wieder Westbezirke in das Tramnetz integriert. Wie in den 1960ern mit der Straßenbahn an der Gedächtniskirche und dem Rathaus Charlottenburg vorbei bis nach Spandau fahren, steht aber leider nicht auf dem Plan. Die Geschichte der Straßenbahn erzählen wir hier.


Charlottenburg in den 1960ern: Ein sonniger Tag auf dem Breitscheidplatz

Breitscheidplatz,1966. Foto: Imago/serienlicht

Ein sonniger Tag in der City West: Die West-Berliner genießen das Wetter und ihre Lektüre auf dem Breitscheidplatz. Das markante Hochhaus mit dem Mercedes-Stern wurde 1965 als Teil des Europa-Centers fertiggestellt. Mit 86 Metern Traufhöhe war der Büroturm bis zum Bau des Wohnhauses Fritz-Erler-Allee 120 in der Gropiusstadt einige Jahre lang das höchste Hochhaus der Stadt. Danach ging es immer weiter nach oben: Berlins Hochhäuser stellen wir hier vor.


Wahrzeichen der City West

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 1968. Foto: Imago/serienlicht

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gehört zu den berühmtesten Kirchen der Stadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie bei einem Bombenangriff weitestgehend zerstört. Nach Kriegsende verfiel die Ruine vor sich hin. Erst 1956 wurden die verbliebenen Gebäudereste bis auf die 71 Meter hohe Turmruine abgetragen. Es folgte ein Architekturwettbewerb. Der Siegerentwurf des Architekten Egon Eiermann für einen Neubau sah zunächst einen Abriss des alten Turms vor. Nach immensen Protesten seitens der Berliner Bevölkerung fand man schließlich einen Kompromiss: Die Turmruine sollte als Mahnmal gegen den Krieg erhalten bleiben und von einem modernen Kirchengebäude samt Glockenturm und kleiner Kapelle umgeben werden. 1961 wurde die Kirche eingeweiht.

Im Hintergrund sieht man das 1960 eröffnete Schimmelpfeng-Haus. Das Bürohaus über der Kantstraße stand am Ende der Blickachse, wenn man vom Breitscheidplatz in Richtung Bahnhof Zoo schaute. Besonders schön war es nicht, aber durch und durch West-Berlin. Ab 2009 wurde das markante Gebäude abgerissen, heute stehen an der Stelle zwei Hochhäuser. Das 118 Meter hohe „Zoofenster“ und die ebenfalls 118 Meter hohe „Upper West“. Weitere berühmte Gebäude, die nicht mehr existieren, stellen wir hier vor.


Charlottenburg in den 1960ern: Der Broadway von Charlottenburg

Der Kurfürstendamm bei Nacht, 1968. Foto: Imago/serienlicht

Broadway-Stimmung auf dem Kurfürstendamm: Die Leuchtreklamen für luxuriöse Geschäfte, Cafés, Restaurants und Hotels versprühen einen ganz eigenen Charme. Viel hat sich verändert, aber der Ku’damm, wie er kurz genannt wird, ist auch heute noch die Haupteinkaufsstraße in Charlottenburg – und eine der bekanntesten und bedeutendsten Straßen in Berlin.

Auf dieser Nachtaufnahme aus den 1960ern ist auch eine Werbung für die Freie Volksbühne zu sehen. Die Volksbühne lag im Osten der Stadt, aber der Westen wollte nicht darauf verzichten. Die sogenannte Freie Volksbühne hatte bis 1963 im Theater am Kurfürstendamm gespielt, bis sie ihr eigenes Haus in Wilmersdorf bezog. Die Geschichte des Kurfürstendamms erzählen wir hier.


Familienausflug am U-Bahnhof Zoo

U-Bahnhof Zoo, 1969. Foto: Imago/serienlicht

Ein gemütlicher Familienbummel in den 1960ern: In der Gegend rund um den Zoo gab es schon immer viel zu sehen. Zum Beispiel im 1957 eröffneten Zoo Palast. Bis 1999 war der Zoo Palast das zentrale Wettbewerbskino der Berlinale. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin traf man hier Weltstars.

Auch heute noch wird man beim Betreten der großzügigen Lounge an die große Zeit der Filmtheater erinnert. Die Atmosphäre im Kinosaal 1, dem größten, dauerhaft bespielten Kinosaal Deutschlands, ist einmalig. 2013 wurde der Saal denkmalgerecht saniert, der rote Samtvorhang weckt pure Vorfreude. Vier weitere Kinosäle sind im Stil der 50er Jahre gestaltet, als der Zoo Palast das erste Mal seine Türen für Besucher:innen öffnete. Eine Cocktail-Bar und Dolby 7.1-Soundsysteme in allen Sälen machen das Kino-Erlebnis perfekt. Berlins beste Kinos zeigen wir euch hier.


Charlottenburg in den 1960ern: Pelzmäntel und Tiger

Schicker Mantel, schickes Haustier. Kurfürstendamm, 1969. Foto: Imago/ZUMA/Keystone
Schicker Mantel, schickes Haustier. Kurfürstendamm, 1969. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Große Konkurrenz erfordert drastischen Wettkampf. Kein Wunder, dass die vielen Geschäfte mit ungewöhnlichen Methoden auf dem Kurfürstendamm um die Aufmerksamkeit der Passanten ringen. Das Model auf dem Foto aus den 1960ern bringt als Verkaufsargument erstmal einen Tiger mit. Der Sieger dürfte feststehen. Hinter der Aktion steckte ein neues Geschäft, das exklusive Pelze aus aller Welt verkaufte. Die junge Frau trug das wertvollste Stück, das der Laden zu bieten hatte: einen Mantel aus dem Fell mexikanischer Ozelots für 75.000 Mark. Andere Zeiten halt.


Militärparade am Schillertheater

Militärparade am Schillertheater, 1969, Militärparade. Foto: Imago/serienlicht

Wenn heutzutage Panzer und Kampfjeeps über die Bismarckstraße fahren würden, könnte eine Massenpanik ausbrechen. Im West-Berlin der 1960er war das ganz normal. Auf beiden Seiten der Mauer präsentierten sich die Besatzungsmächte regelmäßig bei Militärparaden. Auf diesem Foto aus den 1960er-Jahren sieht man eine britische Parade vor dem Schillertheater. Charlottenburg, Spandau, Tiergarten und Schöneberg gehörten zum britischen Sektor. Wir blicken zurück: So prägten die Briten Berlin.


Charlottenburg in den 1960ern: Hippies am Kurfürstendamm

Hippies am Kurfürstendamm, 1969. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Auch in Charlottenburg gab es Hippies. Die Leute, die auf dem Foto am Kurfürstendamm posieren, sind Teil der Musicalproduktion „Hair“. Das US-Musical gilt als Meilenstein der Pop-Kultur der späten 1960er und fand auch schnell seinen Weg nach Deutschland. Nicht weit entfernt, in der Kaiser-Friedrich-Straße 54A, lebte zu der Zeit die Kommune 1. Die Wohngemeinschaft brach mit gesellschaftlichen Standards und schockte das Bürgertum. Die Kommunarden Fritz Teufel, Rainer Langhans, Dieter Kunzelmann und andere gingen in die Geschichte ein. Der Mythos von Sex, Drogen, Rock’n’Roll und linken Ideen schwebte über dem Experiment, das nach wenigen Jahren endete. Hippies eben – und ein wichtiger Teil der alternativen Lebensformen in Berlin.


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