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Wedding entdecken: 12 Tipps, um den Ortsteil kennenzulernen

Der Wedding ist laut, bunt und hier und da auch mal schmuddelig bis richtig dreckig. Trotz all der Ecken, in denen die BSR immer wieder das Saubermachen vergisst und trotz der Straßen, in denen sieben Dönerbuden miteinander die Spieße um die Wette drehen, wurde der Wedding vom britischen „Time Out“-Magazin 2019 zum viertcoolsten Bezirk der Welt gekürt. Manchmal ist der Wedding trist und grau, dann wieder kilometerweit grün und nahezu still. 12 Ziele und Tipps, um den Wedding kennenzulernen.


Von den Flaktürmen im Humboldthain über die Stadt schauen

Auf dem Foto sieht man die ehemaligen Flaktürme mit Bunkeranlage, die im zweiten Weltkrieg zwischen 1941 und 1942 errichtet wurden, Foto: Imago/Rolf Zöllner

Parks nehmen einen bedeutenden Teil der Bezirksfläche in Wedding ein. Der Humboldthain-Park mit 29 Hektar Gesamtfläche ist zu jeder Jahreszeit ein tolles Ausflugsziel. Ganz besonders aber in wärmeren Monaten, in denen man bis zum Abend auf den Flaktürmen verweilen und den Sonnenuntergang genießen kann. Zu den Türmen, die während des zweiten Weltkriegs errichtet wurden, gelangt man über zwei Wege. Entweder man folgt den recht schmalen, steilen, dafür aber zeitsparenden Treppen in Nähe des Haupteingangs zum Park gegenüber dem Bahnhof Gesundbrunnen.

Oder man läuft in die Parkmitte und nimmt einen breiten Gehweg, über den man gemütlich nach oben spazieren kann. Wer gerne laufen geht, kann hier durch die Steigung seinem Training einen Extra-Kick verpassen. Für einen entspannenden Spaziergang empfiehlt sich zudem der Rosengarten, in dem Rosenbeete von kniehohen Hecken umfasst werden. Magnolienbäume, historische Statuen und Säulen sorgen für eine märchenhafte Stimmung. Sowohl die Flaktürme als auch der Rosengarten befinden sich im nordöstlichen Teil der Parkanlage. Wer mehr über den Volkspark Humboldthain wissen will, erfährt hier alles Wichtige.


Mittwochs und samstags auf den Genter Wochenmarkt

Lockdown im Wedding? Der Genter Wochenmarkt findet trotzdem statt. Er ist einer der ältesten Märkte in Berlin. Foto: Imago/Elbner
Lockdown im Wedding? Der Genter Wochenmarkt findet trotzdem statt. Er ist einer der ältesten Märkte in Berlin. Foto: Imago/Elbner

Mitwochs und samstags gibt es an der Genter Straße einen Wochenmarkt mit vielen Ständen. Den Genter Wochenmarkt gibt es schon mehr als 80 Jahre lang. Er ist einer der ältesten Märkte der Hauptstadt. Hier gibt es frisches Obst und Gemüse, frische Backwaren sowie Fisch und Fleisch zu kaufen. Ein Öko-Markt ist es nicht, denn die Produkte kommen teilweise nicht aus der Region, sondern aus Spanien oder der Türkei. Es gibt aber auch einen Bauern-Stand aus der Region sowie einen polnischen Stand, die jeweils regionale Produkte verkaufen.

Wer große Mengen an Gemüse braucht, bekommt diese hier zu erschwinglichen Preisen. Auch Handgemachtes und Klamotten werden hier angeboten. Noch mehr Tipps für Wochenmärkte in Berlin findet ihr hier.

  • Genter Wochenmarkt Genter Straße, Mi und Sa 9-16 Uhr

Im Soldiner Kiez am Wasser der Panke entlang spazieren

Panke Wedding
Die Panke ist insgesamt 29 Kilometer lang und nach der Spree und der Havel der drittlängste Fluss auf dem Berliner Stadtgebiet. In Wedding kann man sie auf Pfaden, die parallel zum Fluss verlaufen, vergnügt entlang spazieren. Foto: Imago/Schöning

Der Soldiner Kiez ist ein Wohnviertel nördlich der Osloer Straße in Wedding. Von der Soldiner Straße aus gelangt man von der Soldiner Brücke aus auf einen kleinen Pfad, der parallel zur Stockholmer Straße die Panke entlang führt. Schön grün ist die Gegend hier, in der morgens Vogelgezwitscher tönt und abends frische Luft für einen kühlen Kopf sorgt. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann an dem Holzspielplatz Ecke Soldiner und Stockhomer Straße und dem Abenteuerspielplatz Panke Halt machen.

Spaziert man den gemütlichen Pfad immer weiter in Richtung Norden entlang, läuft man irgendwann parallel zur Kleingartenkolonie Panke. An diese Stelle stehen alte, dicke Bäume, deren Äste herunter bis ins Wasser hängen. Besonders an diesem Ort ist, dass man glatt vergessen könnte, dass man sich in einem Kiez im Wedding befindet und nicht auf einem Naturpfad außerhalb der Stadt. Doch dann entdeckt man schon wieder eine Plastiktüte von Lidl oder Aldi in der Panke schwimmen und wird schneller als erhofft wieder in die Realität geholt. Wilkommen in Wedding. Mehr über die Panke: Ein kleiner Fluss – mit großer Strahlkraft.


Eine Runde um den Plötzensee drehen

Wedding
Der Plötzensee ist eine Art Badewanne des Wedding. Im Sommer erholen sich im Strandbad und den umliegenden Parks viele vom Alltag. Foto: Imago/Schöning

An warmen Tagen bietet es sich an, eine Runde um den Plötzensee zu drehen. Die Uferpromenade des Sees lässt sich gut und nah am Wasser umrunden, bis auf die Stelle, an der das Strandbad Plötzensee liegt. Zudem empfiehlt es sich hier, vor allem am Morgen, wenn noch nicht viele Menschen unterwegs sind, an einer gemütlichen Stelle seine Sachen abzulegen und ins Wasser springen. Es gibt eine kleinere Liegefläche, den Steingarten am Plötzensee, in Ufernähe und eine größere Wiese, die weiter ab vom See gelegen ist. Dort kann man in aller Ruhe lesen, picknicken und entspannen. Mehr über den Plötzensee erfahrt ihr hier.


Am Nordufer den Sonnenuntergang genießen

Der Torfstraßensteg am Nordufer in Berlin Wedding ist ein richtig guter Ort, um zum Sonnenuntergang ein Feierabendbier zu genießen. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Der Torfstraßensteg am Nordufer in Berlin Wedding ist ein richtig guter Ort, um zum Sonnenuntergang ein Feierabendbier zu genießen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Am Nordufer in Wedding gibt es einen gemütlichen Steg, auf dem ein Rundbogen von Säulen getragen wird. Diese tragen erheblich zum Wiedererkennungswert und zur Gemütlichkeit des Torfstraßenstegs bei. Die Säulen lassen sich einwandfrei zur Rückenlehne zweckentfremden. Mit Blick auf das Industriepanorama des Westhafens kann man sich tagsüber hier sonnen und abends den Sonnenuntergang genießen. Der Sprengelkiez, für den wir hier tolle Tipps haben, ist außerdem eine gute Anlaufstelle, um sich mit Kaffee und Kuchen einzudecken.

Bevor man also den Torfstraßensteg über das Friedrich-Krause- oder das Nordufer betritt, lohnt es sich vorzusorgen. Zum Beispiel, indem man dem Café Göttlich an der Tegeler Straße einen Besuch abstattet. Denn wer einmal aufsteht, auch wenn es sich nur um wenige Minuten handelt, hat Pech gehabt. Den Platz mit einer Jacke warmzuhalten ist hier nicht drin. Wenn ihr wiederkommt, ist nicht nur euer Platz, sondern womöglich auch die Jacke weg. Weggegangen – Platz vergangen. Also: Kommt vorbereitet.


Selbstgemachtes Eis im Café Eiskult probieren

Im experimentierfreudigen Café Eiskult in Wedding gibt es hausgemachtes Eis. Wer schon immer mal ungewöhnliche Sorten testen wollte, sollte dem Café mal einen Besuch abstatten. Foto: Café Eiskult Wedding
Im experimentierfreudigen Café Eiskult in Wedding gibt es hausgemachtes Eis. Wer schon immer mal ungewöhnliche Sorten testen wollte, sollte dem Café mal einen Besuch abstatten. Foto: Café Eiskult Wedding

Wenn Eis selber hergestellt wird, gibt es einen entscheidenden Vorteil: viele Möglichkeiten für geschmackliche Experimente, beispielsweise Erdbeere-Basilikum oder Marzipan-Zimt. Neben hausgemachtem Eis stehen im Café Eiskult auch Kuchen und sogar deftige Gerichte auf der Speisekarte. Bei seinen Zutaten achtet dieser kulinarische Allrounder auf Frische und Regionalität. Außerdem bietet das Café eine Auswahl an veganen, vegetarischen sowie glutenfreien Speisen an. Kleiner Tipp: Lasst euch beim Verdrücken nicht so viel Zeit wie beim Auswählen – sonst schmilzt es.

  • Café Eiskult Fehmarner Str. 20, Wedding, Mo-Fr 13-19 Uhr, Sa-So 12-19 Uhr

Volkspark Rehberge: Ein Stück Natur inmitten der Stadt

Wedding
Der Möwensee ist eines der Highlights im Volkspark Rehberge. Der Wedding ist vielerorts wild und unruhig, nicht aber im Volkspark Rehberge. Inmitten der naturbelassenen Gegend kann mal richtig abschalten und zur Ruhe kommen. Foto: Imago/Ritter

Was wäre Berlin nur ohne seine Grünflächen? Der Volkspark Rehberge ist mit 78 Hektar Fläche einer der weitläufigsten Parks Berlins. Im Südosten grenzt er an den Goethepark und im Südwesten an den Plötzensee und die ihn umgebenden Grünflächen. Seinen Namen verdankt er den Rehbergen, die ebenso wie drei Seen den Park durchziehen. Der Stadtgartendirektor Erwin Barth hat den Volkspark Rehberge entworfen, nachdem die frierende Bevölkerung im Norden Berlins nach dem ersten Weltkrieg fast den gesamten Baumbestand in dem Gebiet verheizt hatte. Der Park gilt als typisches Beispiel der Volksparkbewegung in den 1920er-Jahren und ist vielseitig. Es gibt waldartige und naturnahe Parkteile, in denen sogar die Sümpfe erhalten geblieben sind, aber auch Wiesen und Sportanlagen. Auf einer der Erhöhungen führt außerdem eine Ahornallee zum Rathenaubrunnen. Übrigens: hier haben wir alle Infos zum Volkspark Rehberge mit seinen Hirschen, Seen und dem Kino gesammelt.


Einen Kaffee im Coffee Circle trinken

Auch wenn das Café gerade nur für Take-away geöffnet hat, müsst ihr auf den leckeren Kaffee von Coffee Circle nicht verzichten. Foto: Coffee Circle
Auch wenn das Café gerade nur für Take-away geöffnet hat, müsst ihr auf den leckeren Kaffee von Coffee Circle nicht verzichten. Foto: Coffee Circle

Richtig guten Kaffee gibt’s bei Coffee Circle. Das Café des Kaffeeliefeddienstes im Weddding ist auch im Lockdown weiter geöffnet, wenn auch nur für Take-away. Und tolle Bohnen kann man natürlich auch kaufen. Coffee Circle legt besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, deshalb ist jeder Becher Kaffee, den ihr hier bestellt, vom Ursprung bis zur frisch gebrühten Tasse, fair gehandelt und biologisch angebaut. Wenn ihr die Wertschöpfungskette nun als Konsument:in nicht brechen möchtet, könnt ihr eure eigenen, wiederverwendbaren Kaffeebecher mitbringen.

  • Coffee Circle Lindower Straße 18, Wedding, Mo–Fr 8.30–18 Uhr, Sa&So 9.30–18 Uhr, www.coffeecircle.com

Bei Akko Hummus und Falafel essen

Liebhaber:innen orientalischen Essens werden bei Akko an der Pankstraße auf ihre Kosten kommen. Was wir bereits kennen und lieben: Falafel, Halloumi und Makali, in Öl ausgebackenes Gemüse, ursprünglich aus der libanesischen Küche. Was wir probiert haben und unbedingt wieder essen wollen: Msabbaha – eine Art grober Hummus, weniger fein püriert als der klassische. Die teils noch ganzen Kichererbsen mit einer extra Portion Petersilie und Sesam-Öl lassen sich wunderbar löffeln. Die Qualität der Speisen ist hochwertig, zugleich bekommt man hier sehr sättigende Gerichte zu erschwinglichen Preisen – natürlich auch für unterwegs.


Lesen und die Zeit vergessen in der Gegend rund um die Bibliothek am Luisenbad

Wedding
Die Bibliothek am Luisenbad gibt es seit 1995 im Weddinger Ortsteil Gesundbrunnen. Früher befand sich hier eine Badeanstalt: das Marienbad. Heute kann man an diesem Ort nicht mehr im Wasser, dafür aber in Wissen baden. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Bibliothek am Luisenbad besticht durch ihre Architektur und ihre Lage. Die Panke fließt in unmittelbarer Nähe vorbei, direkt neben der Bibliothek ist ein Eiscafé, und wenn man beim Lesen oder Arbeiten Hunger bekommt, ist das kulinarische Angebot rund um die Bibliothek herum so vielfältig wie günstig. Hier kann man sich entspannt mit neuem Lesestoff eindecken, am Wasser flanieren und sich ein ruhiges Plätzchen zum Lesen suchen.


An der Osloer Straße Obst und Wedding-Flair abstauben

Wedding
Der U-Bahnhof Osloer Straße ist mehr als nur ein Umsteigeort. Es gibt einen Gemüsestand, der fast rund um die Uhr geöffnet hat. Das Straßenbild ist laut, dreckig und bunt. Langweilig wird es hier jedenfalls nicht. Foto: Imago/Olaf Wagner

Die Osloer Straße ist Station für alle möglichen Linien und daher ein wichtiger Umsteigeort. Jedoch hat die Station noch mehr zu bieten als Nahverkehr: zum Beispiel einen Obst- und Gemüsestand, der an sechs Tagen die Woche 23 Stunden geöffnet hat. So kreativ wie die Öffnungszeiten ist auch der Name gewählt: Frucht-Ecke Obst und Gemüse. Hier bekommt man (naja, fast) immer Obst und Gemüse zu Preisen, die sich sehen lassen können. Gerne zückt man das Portemonnaie, wenn drei Schalen Himbeeren, zwei Körbchen voller Erdbeeren, vier knackige, rot glänzende Äpfel und eine Schale reifer Blaubeeren nur sechs Euro kosten. Ob man hier von Bio-Qualität sprechen kann, ist zu bezweifeln. Aber für alle, denen das Bio-Siegel egal ist, gilt: Es schmeckt.

Die Osloer Straße ist wie gemacht, um den Wedding hautnah und unzensiert mitzuerleben. Von einer Straßenseite zur anderen schreien sich die Jugendlichen hier zu, wo sie sich am Abend denn nun treffen sollen. Und wenn auf der Osloer Straße mal wieder Stau ist, werfen genervte Menschen einander leblose Blicke zu, bis jemand doch mal reagiert: „Was guckst du? Ist kein Kino mein Auto.“ Aus der Stille entsteht auf einmal mehr. Müde Augen verwandeln sich in aufmerksame, und einige Fahrer:innen lassen ihre Fenster einen Spalt herunter, um auch nichts zu verpassen. Wer mischt sich als nächstes ein? Spannend.

  • Frucht-Ecke Obst und Gemüse Osloer Straße 85, Mo-Sa 0-23 Uhr

Auf der Prinzenallee flanieren und Feinkost shoppen

Von der Kreuzung Osloer Straße Ecke Prinzenallee kann man die Prinzenallee entweder in Richtung Wollank- oder in Richtung Pankstraße entlang spazieren. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Prinzenallee punktet mit vielen Feinkostläden, die nach außen hin wie herkömmliche Obst- und Gemüsestände wirken. Eine kleine Erkundungstour durch die gemütlichen Geschäfte, die arabische, afrikanische, türkische oder polnische Lebensmittel anbieten, lohnt sich allemal. Die Hinterhöfe der Prinzenallee 58 sind eine ehemalige Hutfabrik, die vor 30 Jahren besetzt wurde. Seitdem hat sich das Haus zu einer kreativen, nachbarschaftlichen Genossenschaft entwickelt. In den großflächigen Räumen der riesigen, künstlerisch gestalteten Höfe finden immer mal wieder Ausstellungen verschiedener Kunst-Kollektive statt. Zudem gibt es in der Nummer 25 eine kleine, spanische Tapasbar namens El Pepe, die Leckerbissen zum Mitnehmen anbietet. Eines ist und bleibt zu sagen über den Bezirk, der nicht umsonst immer wieder zu einem der coolsten Kieze der Welt gekrönt wird: Der Wedding kommt nicht. Er ist schon da.


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